Berliner Arbeiter und Jugendliche zur Polizeigewalt in Ferguson

Von unseren Reportern
21. August 2014

Deutsche Medien widmen den Ereignissen in Ferguson große Aufmerksamkeit. Nach der Ermordung des 18-jährigen, unbewaffneten Michael Brown durch einen Polizeibeamten kam es in der Kleinstadt zu anhaltenden Protesten und Demonstrationen. Die Polizei geht mit äußerster Brutalität gegen die Anwohner vor und wird mittlerweile von der Nationalgarde militärisch unterstützt.

Die Medien in Deutschland treibt die Sorge um, dass das bürgerkriegsähnliche Vorgehen der amerikanischen Polizei, die alle demokratischen Rechte mit Füßen tritt, die Klassenverhältnisse in den Vereinigten Staaten und weltweit zum Vorschein bringt.

Zahlreiche Zeitungen weisen darauf hin, dass den Unruhen in Missouri die wachsende soziale Ungleichheit zugrunde liegt. Das Handelsblatt schrieb am Dienstag, dass die rassistische Form der Polizeigewalt nur der Ausdruck sozialer Konflikte sei. Szenen wie in Ferguson drohten überall in den Vereinigten Staaten. „Der Krieg hat in Ferguson begonnen“, schreibt die Zeitung. „Wird nicht massiv gegengesteuert, ist das nur noch eine Frage des wann, nicht des ob, bis Ferguson überall ist.“

Arbeiter in Deutschland reagierten schockiert auf die Nachrichten aus Missouri. “Ich habe die Berichte aus Ferguson im Fernsehen verfolgt“, sagt Markus, der in Berlin Mathematik studiert. „Ich hatte immer ein Bild von Amerika als Land der Demokratie und Pressefreiheit. Nach allem, was ich jetzt gesehen habe, ist dieses Bild zerstört oder zumindest ins Schwanken geraten. Wenn man dann die Berichte über die Aktivitäten der Geheimdienste liest, ist die Gefahr eines autoritären Polizeistaates ganz real.”

Alex, 28 und selbstständig, sieht die Entwicklung schon weit fortgeschritten: “Die Medienberichte aus Ferguson zeigen, dass es in den USA schon jetzt einen richtigen Polizeistaat gibt“, sagt er. „Und wenn das so weitergeht, werden auch faschistische Tendenzen sichtbar werden. Ich bin auf keinen Fall ein Anti-Amerikaner und habe noch die Hoffnung, dass Obama dagegen einschreitet.”

Fubgena

Fubgena, ein Textil-Arbeiter aus dem Berliner Stadtteil Neukölln, sieht das anders: „Auch wenn Obama der erste afro-amerikanische Präsident ist, hat er nichts geändert. Er hat nichts an der Situation der Schwarzen geändert, er hat nichts im Irak geändert, wo es heute schlimmer ist als unter Sadam Hussein, und auch nicht in Libyen, wo sich jetzt alles verschlimmert. Obama hat nichts geändert, und er kann auch gar nichts ändern, weil die Regeln von anderen gemacht werden.“

Der Einsatz in Ferguson erinnert Fubgena an das Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Streifen. „Was in Ferguson geschieht, ist ein Krieg. Man kann nicht mit Waffen auf Menschen losgehen. Und es ist überall so. Das ist der Krieg der Reichen gegen die Armen. Die Reichen machen, was sie wollen. Und die Polizisten machen, was sie wollen. Das ist keine Demokratie. In einer Demokratie dürfte das nicht so sein. Und das in Amerika, das eigentlich das Land der Demokratie war.“

Auch ein anderer junger Arbeiter aus Berlin sagte der WSWS, er fühle sich in Ferguson an die Kriege in der Ukraine und im Irak erinnert. “Ich habe Angst davor, dass sich diese Krise zu einem Dritten Weltkrieg ausweitet. Oft schon habe ich mit meinen Freunden darüber gesprochen, die auch meiner Meinung sind.”

Die 26-jährige Sahila aus Aserbaidschan, die z.Z. in Polen studiert und im Rahmen eines Intership in Berlin ist, ist der Meinung, dass die Menschen in Ferguson die Art und Weise, wie die Obrigkeit sie behandelt, nicht mehr hinnehmen wollen. Für Sahila machen die Ereignisse klar, dass sich die USA, auch wenn sie oft als besonders demokratisch dargestellt würden, nicht von anderen Mächten unterschieden. „Wenn sie etwas erreichen wollen, setzen sie alle ihre möglichen Mittel ein, um dies zu erreichen“, lautet ihr Urteil.

Jonas

Jonas ist 20 Jahre alt und studiert Kultur und Technik an der TU Berlin. Er ist sich sicher, dass sich Szenen wie in Ferguson auch in Berlin zutragen könnten. „Polizeiwillkür ist in Berlin an der Tagesordnung“, sagt der Student. Freunde von ihm seien angegriffen worden, nur weil sie sich Beamten gegenüber abschätzig geäußert hätten.

In Berlin kam es in den letzten Monaten vermehrt zu Fällen von Polizeibrutalität, insbesondere im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen die Abschiebung von Flüchtlingen. Im Juni wurden mehrere Videos veröffentlicht, die zeigen, wie Polizisten Demonstranten brachial angingen und verprügelten. Zur gleichen Zeit riegelte die Polizei ganze Straßenzüge um eine von Flüchtlingen besetzte Schule ab, um deren Abschiebung vorzubereiten und Proteste zu unterbinden.

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