Ferguson/Missouri: Neue Proteste gegen Polizeimord

Von Gabriel Black
5. September 2014

Fast tausend Menschen nahmen am Samstag an einer Demonstration in Ferguson/Missouri teil. Sie war Teil der Proteste gegen die Tötung des 18-jährigen Michael Brown durch einen Polizeibeamten am 9. August.

Drei Wochen nach dem Polizeimord zogen hunderte Einwohner durch starken Regen und große Hitze, trugen Schilder und riefen Slogans. Bilder und YouTube Videos von der Demonstration zeigen, dass die Jugendlichen das Bild der Veranstaltung prägten. Reporter vor Ort beschrieben den Marsch als den bisher größten Tagesprotest.

Die Beteiligung zeigt, wie weit die Wut über die Tötung des jungen Mannes und über die gewalttätige staatliche Unterdrückung der Proteste verbreitet ist. Die politische Führungsschicht nutzt eine Reihe von Gruppen, die auf die eine oder andere Weise mit der Demokratischen Partei im Einklang sind, um die allgemeine Empörung in eine Sackgasse zu lenken.

Im Gegensatz zu früheren Protesten, die spät am Tag begannen und bis in die Nacht hinein dauerten, begann der Marsch am Samstag um zehn Uhr Vormittags. Die Demonstranten marschierten von einem Parkplatz zu dem Ort, wo der Polizeibeamte Darren Wilson Michael Brown erschossen hatte. Browns Familie war ebenfalls anwesend, und ein Prediger und ein muslimischer Geistlicher sprachen Gebete.

Von dort zog die Menge in einen Park, in dem die Parkerwaltung von St. Louis County den Organisatoren ein Zelt und eine Bühne zur Verfügung gestellt hatte. Dort traten Sprecher der Nation of Islam, der NAACP, der Grünen und der New Black Panther Party auf.

Die militarisierte Polizei, die in Ferguson eingefallen war, hielt sich auffällig zurück. Tage zuvor hatten Polizei und Militär mit Sturmgewehren, Panzerfahrzeugen und in High-Tech-Kampfmontur mit Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschossen auf Demonstranten geschossen und Hunderte verhaftet.

Captain Ronald Johnson, der afroamerikanische Chef der Highway Patrol, der während der explosiven Ausschreitungen die Polizeileitung in Ferguson übernommen hatte, zeigte sich zuversichtlich, dass die Kundgebung friedlich verlaufen werde. Zynisch teilte er der Huffington Post mit, die Veranstaltung werde wohl "eine nette, gegen mich gerichtete Kundgebung " sein.

Die Polizei hatte sich mit den Organisatoren abgesprochen, um eine Route für den Protest auszuarbeiten und die Verkehrsführung zu planen. Wie Captain Johnson mitteilte, halfen die Highway Patrol und die Beamten des Bezirks St. Louis der Polizei von Ferguson, den Verkehr während der Demonstration umzuleiten.

Auf der Kundgebung im Park sprachen neben den verschieden Veranstaltungsorganisatoren auch Michael Browns Angehörige. Außerdem waren mehrere Demokratische Politiker anwesend, einschließlich der Senatorin des Staates, Maria Chappelle-Nadal, Fergusons Demokratischer Abgeordneten Patricia Bynes, und dem Stadtrat von St. Louis, Antonio French.

Zwei miteinander verbundene Themen kamen in den Reden immer wieder vor. Erstens präsentierten Sprecher Michael Browns Tötung als reine Rassenfrage, und zweitens erzählten sie den Zuhörern, es gehe darum, die Obama-Regierung unter Druck zu setzen, damit sie auf ihre Bitten höre.

Ein Sprecher äußerte sein Bedauern darüber, dass Obama nicht anwesend sei, und sagte: "Wir wollen, dass er hier herkommt. Er hat gesagt, er habe keine Strategie für ISIS und Syrien, dabei brauchen wir eine Strategie für die amerikanischen Städte.“

Akbar Muhammad, ein leitender Assistent von Louis Farrakhan, dem Führer der Nation of Islam, sagte: "Die ganze Welt staunt über die Inkompetenz der Behörden, welche die schwarze Gemeinde wie eine Armee, die in den Krieg im Irak zieht, behandelt haben." Weiter sagte er: „Wenn sie auch nur einen Funken Verstand hätten, würden sie das Ganze taktvoll handhaben". Er schloss mit einem Appell an Obama: "Wir erwarten von der Bundesregierung, dem Präsidenten, dass er einschreitet und zusieht, was in diesen Polizeidienststellen passiert."

Ein weiterer Organisator, die No Fear Coalition (Keine Angst Koalition), veröffentlichte im Vorfeld der Demonstration eine Erklärung, warum sie diese Veranstaltung organisierten. Ein führendes Mitglied, Marsha Coleman-Abedayo, schrieb darin: "Wir brauchen die volle Unterstützung des Justizministeriums, um sicherzustellen, dass Michael Brown nicht nur ein weiterer Name ist, der in der anonymen Statistik sinnloser Todesfälle von Afroamerikanern landet, welche der Gnade eines gnadenlosen Systems ausgeliefert sind". Dieser Erklärung war ein Brief an Justizminister Eric Holder beigefügt.

Sie sagt eine Menge über dieses soziale Milieu aus, das in der Obama-Regierung seinen Retter sieht. Dabei hat diese Regierung den größten Reichtumstransfer von den Armen zu den Reichen zu verantworten. Was erwarten sie von Eric Holder? Dieser Mann erklärt, es sei legal, dass der Staat einen amerikanischen Bürger ohne ordentliches Gerichtsverfahren töten darf.

Die verschiedenen pseudolinken Gruppen arbeiten als Funktionäre der Demokratischen Partei, indem sie die Massenempörung in eine Kampagne verwandeln, die auf diesen oder jenen Demokratischen Spitzenpolitiker Druck ausüben soll. Der Tod Michael Browns ist für sie nur eine Möglichkeit, ihre eigene Karriere zu fördern, indem sie der politischen Führungsschicht ihre Nützlichkeit beweisen.

Wie von der WSWS in mehreren Artikeln aufgezeigt wurde, sind Arbeiter jeder Hautfarbe das Ziel von Polizeigewalt und Unterdrückung. Die Militarisierung der heimischen Polizei und die regelmäßigen Polizeischießereien im ganzen Land sind Ausdruck einer politischen Ordnung, die sich im Zusammenbruch befindet und in starken Konflikt mit der ganzen Arbeiterklasse gerät.

Während sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert und immer mehr Menschen in Armut fallen, wird die Polizei militärisch ausgerüstet, bereitet sich auf innere Unruhen vor und wird generell repressiver. Gemeinsam ist den Opfern der wachsenden Brutalität nicht ihre ethnische Herkunft, sondern vielmehr, dass sie alle arm sind.

In den von der WSWS durchgeführten Interviews haben viele Arbeiter in Ferguson zugestimmt, dass das bestimmende Merkmal bei der Tötung von Michael Brown die Klassenzugehörigkeit war.

Für eine ganze Gruppe der Demonstranten lagen die Reden im Park völlig daneben. Sie entfernten sich von der Veranstaltung und versuchten, andere Demonstranten mit zu ziehen. Manche riefen: "Es gibt keine Gerechtigkeit im Park!". Dieser Teil der Menge verließ den Park, um vor der Polizeiwache zu protestieren.

Der größte Protest an diesem Tag fand erst nach den offiziellen Reden statt, als die Demonstranten sich vor der Polizeiwache sammelten. Die St. Louis Post-Dispatch berichtet, dass zu dieser Zeit, kurz nach dreizehn Uhr, "die Menschenmenge schnell anwuchs". Die Polizei bildete eine Sperre, um Demonstranten davon abzuhalten, bis zur Polizeistation zu marschieren.

Plötzlich ergriff die Polizei einen Demonstranten und riss ihn hinter die Polizeibarrikaden, um ihn festzunehmen. Der Demonstrant hatte Captain Johnson, der in der Polizeikette anwesend war, angeschrien und ihn einen "Verräter" genannt. Wie Huffington Post berichtet, weigerten sich die Polizeibeamten, den Grund der Festnahme mitzuteilen.

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