Trump droht Nordkorea mit Atomkrieg

Von Peter Symonds
5. Januar 2018

Die Trump-Regierung hat das neue Jahr mit der unverhüllten Drohung eröffnet, Nordkorea mit einem Atomkrieg anzugreifen. Ein solcher Konflikt würde zwangsläufig andere Atommächte mit hineinziehen, was unabsehbare Folgen für die ganze Welt hätte.

Der nordkoreanische Führer Kim Jong-un bot in einer Neujahrsansprache Gespräche mit Südkorea an, um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verringern. Gleichzeitig warnte er die USA, dass er bereit sei, Nordkorea zu verteidigen. Das gesamte amerikanische Festland sei „in Reichweite unserer Atomwaffen, und der rote Atomknopf befindet sich immer auf dem Schreibtisch in meinem Büro“, erklärte er.

Darauf twitterte US-Präsident Donald Trump folgenden despektierlichen, provokativen Text: „Möchte bitte jemand aus seinem ausgemergelten Hungerregime ihn darüber informieren, dass ich auch einen Atomknopf habe, der aber viel größer und mächtiger ist als seiner, und dass meiner auch funktioniert!“

Diese Bemerkungen heizen eine bereits extrem angespannte Situation weiter an und untergraben das Treffen zwischen Nord- und Südkorea, das für kommenden Dienstag geplant ist. In einem früheren Tweet äußerte sich Trump eindeutig skeptisch über solche Gespräche und sagte: „Vielleicht ist das eine gute Nachricht, vielleicht nicht, wir werden sehen.“

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, wurde wegen Trumps Tweet mit aufgebrachten Fragen bombardiert. Ein Journalist fragte: „Müssen sich die Amerikaner Sorgen über die geistige Zurechnungsfähigkeit des Präsidenten machen angesichts seiner offenbar so leichtfertigen Drohung, einen Nuklearknopf zu drücken?“

Sanders beantwortete die Frage, indem sie die geistige Zurechnungsfähigkeit des nordkoreanischen Führers Kim in Frage stellte. Dann verteidigte sie Trumps Drohung aggressiv. „Dieser Präsident“, erklärte sie, „wird sich nicht wegducken, keine Schwäche zeigen… Er wird sich auf die Hinterbeine stellen und das amerikanische Volk schützen.“

Sanders griff die Vorgängerregierung unter Obama an, weil sie die Nordkoreafrage nicht ernst genug genommen habe, und erklärte, dass die Trump-Regierung ihren Kurs „maximalen Drucks“ auf das Regime in Pjöngjang weiter verfolgen werde. Trump betonte, dass er Nordkorea nicht erlauben werde, eine Atomrakete zu bauen, die den amerikanischen Kontinent erreichen kann. Wenn nötig werde er militärische Gewalt anwenden, um das zu verhindern.

Mehrere Demokraten im Kongress griffen Trump darauf an. Ro Khanna forderte neue gesetzliche Regelungen, die die Fähigkeit des Präsidenten einschränken würden, einen atomaren Erstschlag ohne Zustimmung des Kongresses zu führen. Jim Himes äußerte die Befürchtung, dass Trumps Twitter-Meldung zu einem fatalen Missverständnis mit Nordkorea führen könnte. Er warnte: „Das könnte sehr schnell real werden.“

Diese Reaktionen sind Ausdruck, scharfer Spaltungen in den herrschenden Kreisen Washingtons über die konfrontative Politik Trumps gegenüber Nordkorea und China. Diese Politik führt zu vermehrten Forderungen nach der Absetzung des Präsidenten.

„Alleine schon dieser Tweet würde die Amtsenthebung nach dem 25. Verfassungszusatz rechtfertigen. Dieser Mann darf über keine Atomwaffen bestimmen“, kommentierte Richard Painter, eine Rechtsanwalt, der für den Präsidenten George W. Bush gearbeitet hatte. Nach dem 25. Verfassungszusatz können der Vizepräsident und eine Mehrheit des Kabinetts einen Präsidenten seines Amtes entheben, falls sie ihn für unfähig halten, das Amt zu führen.

Die erbitterten fraktionellen Streitereien in Washington sich im Wesentlichen taktischer Natur. Das politische Establishment als Ganzes unterstützt seit 25 Jahren einen kriminellen Angriffskrieg nach dem anderen und würde nicht zögern, Atomwaffen einzusetzen, um wirtschaftliche und strategische Interessen der USA zu verteidigen. Die Gegner Trumps sind aber der Meinung, dass Russland - und nicht China - die unmittelbarste Bedrohung für die USA darstelle.

Trumps kriegerische Drohungen, das riesige Atomarsenal der USA einzusetzen, richten sich nicht nur gegen Nordkorea. Sie sind eine Warnung an jedes Land, das die globale Hegemonie Amerikas in Frage stellt. Trump hat den „Pivot to Asia“ Präsident Barack Obamas fortgesetzt, der sich gegen China richtet. Er beinhaltet eine gigantische Aufrüstung in der asiatisch-pazifischen Region und die Vorbereitung auf Krieg.

Die Trump-Regierung nutzt die angebliche nordkoreanische Bedrohung, um gemeinsam mit Südkorea umfangreiche Manöver durchzuführen und China unter Druck zu setzen, damit es harte Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang verhängt. Die chinesische Führung ist offensichtlich über die Gefahr eines Atomkriegs in ihrem Hinterhof besorgt, aber sie zögert auch, eine Krise in Nordkorea zu provozieren, die benutzt werden könnte, ein US-freundliches Regime in Pjöngjang zu installieren.

Ein Leitartikel in der staatlichen Global Times zeigte sich gestern über Trumps Tweet alarmiert. Darin heißt es: „Ein Wettbewerb darüber, wer den größten und mächtigsten Knopf hat, ist definitiv keine Lösung“ für die Konfrontation.

Der Leitartikel warnte, dass die Konfrontation auf der koreanischen Halbinsel nicht weitergehen dürfe. „Vielleicht wird es besser, oder es wird schlechter. Aber wenn es keinen grundlegenden Wandel gibt, dann könnte eine schreckliche Situation nicht weit entfernt sein.“ Die Trump-Regierung hat schon mehrfach chinesische Vorschläge für Verhandlungen mit Nordkorea zurückgewiesen.

Das schreckliche Ausmaß der Zerstörung, das schon ein begrenzter Krieg auf der koreanischen Halbinsel oder ein begrenzter nuklearer Schlagabtausch anrichten würde, kam in einem Essay der November-Dezember Ausgabe von Foreign Affairs zur Sprache. Er hat den Titel: „Die koreanische Raketenkrise: Warum Abschreckung immer noch die beste Option ist“.

Der Autor Scott Sagan ist Trump gegenüber höchst kritisch eingestellt. Er vertritt den Standpunkt, dass die momentane Konfrontation mit Nordkorea gefährlicher sei als die Kubakrise von 1962, als die Welt am Rande eines Atomkriegs stand. Er argumentiert für die Eindämmung und Abschreckung eines nuklear bewaffneten Nordkorea, vergleichbar der US-Strategie im Kalten Krieg.

Die Alternative, so Sagan, wäre schrecklich. „NUKEMAP zufolge würde eine einzige 100 Kilotonnen Atombombe, die über der Hafenstadt Busan in Südkorea explodieren würde, zum sofortigen Tod von 440.000 Menschen führen. Die Explosion einer Bombe von dieser Stärke über Seoul würde 362.000 Menschenleben kosten und über San Francisco wäre die Zahl 323.000. Diese Schätzungen berücksichtigen nicht die Folge von Feuersbrünsten und radioaktivem Niederschlag.“

Ein Atomkrieg würde zig Millionen Menschenleben kosten, selbst wenn keine anderen Atommächte wie Russland und China beteiligt wären. Aber genau damit droht Trump. Auf der Weltbühne der Vereinten Nationen verkündete er letztes Jahr kriegerisch, er werde Nordkorea „vollkommen zerstören“, wenn es die Vereinigten Staaten bedrohe.

Sagans Einschätzung wurde diese Woche vom ehemaligen Generalstabsvorsitzenden, Admiral Mike Mullen unterstützt. Er warnte, die Welt sei in seinen Augen „einem Atomkrieg mit Nordkorea und in der Region näher denn je“. Die Chancen auf eine friedliche Lösung schätzte Mullen pessimistisch ein. Er sagte: „Ich sehe gegenwärtig keine Möglichkeit, diese Krise diplomatisch zu lösen.“

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