Dow Jones über 25.000 Punkten

Oligarchie weiter im Goldrausch

Von Nick Beams
6. Januar 2018

Am Donnerstag knackte der amerikanische Aktienindex Dow Jones die Marke von 25.000 Punkten. Dieser Rekord markiert einen weiteren Meilenstein in der Spekulationsorgie, die an der Wall Street und auf den globalen Aktienmärkte im letzten Jahr gefeiert wurde. Gleichzeitig ist damit eine massive Umverteilung zu Gunsten der gesellschaftlichen Spitzen verbunden.

Der Dow Jones war innerhalb von nur dreiundzwanzig Tagen von 24.000 Punkten auf den neuesten Höchstwert gestiegen. Dies ist der kürzeste Abstand zwischen einem Anstieg um 1.000 Punkte in der Geschichte des Index.

Im Jahr 2017 verzeichnete der S&P Global Broad Market Index mit 22 Prozent seinen größten Anstieg seit der globalen Finanzkrise von 2008-09. Der Marktwert der gelisteten Firmen ist damit um 9,6 Billionen Dollar gestiegen. Der FTSE All-World-Index stieg im Dezember um 1,6 Prozent, zuvor hatte er mit vierzehn Monaten den längsten ununterbrochenen Kursanstieg seiner Geschichte verzeichnet.

Die Eskalation des Marktes hat zu Prognosen geführt, sie werde im Jahr 2018 andauern. Einige Analysten gehen von einer „Verschmelzung der Märkte“ in der kommenden Periode aus.

Zwar hat sich das globale Wachstum während des letzten Jahres leicht erholt, dennoch sind die Rekordstände der Aktienkurse kein Anzeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft zehn Jahre nach der globalen Finanzkrise erholt hat. Vielmehr dient der Aktienboom dazu, die Umverteilung von Vermögen an die obersten Schichten der Gesellschaft zu beschleunigen. Das Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos wuchs beispielsweise im letzten Jahr um 33 Milliarden Dollar.

Alle Staatsorgane und Finanzinstitutionen sind darauf ausgerichtet, die Wertpapierblase zu vergrößern. Eine Vorreiterrolle spielt dabei die amerikanische Notenbank Federal Reserve und die anderen großen Zentralbanken der Welt. Sie haben schätzungsweise fünfzehn Billionen Dollar in die globalen Finanzmärkte gepumpt und die Zinssätze auf einen historischen Tiefstand gesenkt. Auf diese Weise schaffen sie die Bedingungen für die Aktienrückkäufe und Firmenübernahmen, die eine so große Rolle beim Aktienboom spielen.

Das Ausmaß dieser finanziellen Freigiebigkeit zeigt sich in der Tatsache, dass Zentralbanken fast alle Staatsanleihen aufgekauft haben, die die Regierungen der zehn größten Volkswirtschaften in den letzten zwei Jahren ausgegeben haben. Dies ist einer der Hauptgründe, warum die Zinssätze real nahe null Prozent liegen.

Diese Politik stellt eine Fortsetzung und Verschärfung des Prozesses dar, der vor 30 Jahren als Reaktion auf den US-Börsenkrach im Oktober 1987 begann. Damals drehte der Vorsitzende der US-Notenbank Alan Greenspan die finanziellen Zapfhähne auf, um die Preise für Anleihen zu halten.

Auch in den 1990ern und frühen 2000ern reagierten die Zentralbanken auf alle Erschütterungen an den Finanzmärkten, indem sie mehr Geld bereitstellten, um die nächste Spekulationsorgie zu finanzieren. Der Höhepunkt dieses Prozesses war die Bankenrettung nach 2008 und die Politik der quantitativen Lockerung in den letzten zehn Jahren.

Diese Maßnahmen gingen einher mit Kürzungen der Sozialleistungen und Sparmaßnahmen im Gesundheits- und Bildungswesen. In den USA und allen anderen großen kapitalistischen Volkswirtschaften basiert die Politik der Regierungen, unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung und Parteizugehörigkeiten, auf Haushaltskürzungen. Diese Austeritätspolitik dient dazu, den von der Arbeiterklasse erwirtschafteten Wohlstand umzuverteilen und nach oben zu reichen.

Alle Teile des politischen Establishments in den USA haben den Konzernen und den Ultrareichen gerade gemeinsam die größten Steuersenkungen der Geschichte beschert und arbeiten jetzt zusammen an Plänen für noch tiefere Einschnitte bei den Sozialleistungen.

Man kann den Charakter des Börsenbooms erkennen, wenn man ihn mit der Situation in früheren Perioden vergleicht.

In den letzten neun Jahren „Wirtschaftsaufschwung“ ist der Dow Jones um 177 Prozent gestiegen, das reale Bruttoinlandsprodukt der USA hingegen nur um neunzehn Prozent.

Vor 50 Jahren wuchs der Dow Jones in einem ähnlichen Zeitraum, von 1959 bis 1968, um nur zweiundzwanzig Prozent; die Realwirtschaft wuchs um 48 Prozent, d.h. mehr als doppelt so stark wie heute.

Das massive Wachstum der Aktienkurse findet vor dem Hintergrund des miesesten „Aufschwungs“ der Nachkriegszeit statt. Seine Kennzeichen sind ein Investitionsniveaus auf historischen Tiefstand, sinkende Produktivität und stagnierenden Löhne.

Beispielhaft für das parasitäre Wesen des Booms ist die Tatsache, dass fünf der größten US-Unternehmen für etwa ein Viertel des Gesamtwachstums der Aktienkurse verantwortlich sind. Nach Marktwert sind dies Apple, Alphabet (Google), Amazon, Facebook und Microsoft.

Charakteristisch für diese Firmen ist, dass sie ihre Profite nicht aus Investitionen in Werke und Ausrüstung oder aus der Beschäftigung großer Belegschaften ziehen, wie es die Industriegiganten der Vergangenheit getan haben. Vielmehr beruhen ihre Gewinne auf der Akkumulation von Vermögen durch geistiges Eigentumsrecht. Diese Form des Parasitentums basiert letztlich auf der extremen Ausbeutung der Arbeiter in China und anderen Billiglohnländern

Amazon hat im Gegensatz zu den anderen Technologiekonzernen eine große Belegschaft. Der massive Anstieg der Amazon-Aktie geht darauf zurück, dass der Konzern kleinere Händler durch die Verbindung von Monopolstellung und sklavenähnlicher Ausbeutung der Amazon-Belegschaft aus dem Geschäft drängt.

Ein weiterer und ebenso entscheidender Grund für den Aktienboom ist die Unterdrückung des Klassenkampfs. In den letzten Jahrzehnten gab es so gut wie keine größeren Streiks.

DIe Arbeiterklasse ist keineswegs unfähig, sich den Herausforderungen ihrer Zeit zu stellen. Schuld am jetzigen Zustand tragen vielmehr die Gewerkschaften und Parteien sowie diverse pseudolinke Tendenzen aus deren Umfeld. Diese haben die Arbeiterklasse jahrzehntelang dominiert.

Diese Organisationen wiederum haben keine „Fehler“ gemacht oder die Lage falsch eingeschätzt, als sie den Aktienbooms begünstigt haben. Ihre Orientierung ergibt sich aus ihren materiellen Interessen und Privilegien, deren Wurzeln im Eintreten für das private Profitsystem liegen.

Doch seit Beginn des neuen Jahres gibt es Anzeichen, dass sich die Arbeiterklasse wieder darauf vorbereitet, in den Kampf einzutreten. Beispielhaft dafür sind die Massendemonstrationen im Iran, die jüngsten wilden Streiks der Autoarbeiter in Rumänien und die wachsende Militanz der Arbeiter in Europa und im Nahen Osten.

Das kapitalistische Profitsystem ist nichts weiter als ein koordiniertes Instrument zur Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums an ihre oberen Ränge und deren Anhängsel. Es kann nicht durch eine Reformen verändert werden, sondern nur durch seinen Sturz und die Umgestaltung der gesamten Gesellschaft auf der Grundlage eines sozialistischen Programms.

Das bedeutet, nach Marx, die Enteigner zu enteignen: die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Errichtung einer sozioökonomischen Ordnung, um die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen. Aus dem Aktienboom und dem damit einhergehenden Anwachsen von Armut und sozialem Elend ist ein Schluss zu ziehen: Es ist an der Zeit, die Arbeiterklasse politisch neu zu bewaffnen, damit sie für diese Perspektive kämpfen kann.

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