Der "Frieden" der NATO wird zur Vertreibung der Kosovo-Serben führen

Von Julie Hyland und Barry Grey
10. Juni 1999

Nun, da der Abzug der jugoslawischen Truppen aus dem Kosovo näher zu rücken scheint, geht man davon aus, daß der von der NATO diktierte "Frieden" eine weitere Massenflucht auslösen wird - diesmal der Serben und anderer Minderheiten aus dem Kosovo. Entsprechende Äußerungen kommen von der westlichen Presse sowie von Regierungs- und NATO-Sprechern.

Der Londoner Telegraph erklärte in seinem Leitartikel am vergangenen Dienstag, man rechne "mit der Vertreibung von 200.000 [Serben] aus dem Kosovo". Auf der Website der BBC konnte man lesen, daß "möglicherweise ein Großteil der beinahe 200.000 Menschen zählenden serbischen Bevölkerung aus dem Kosovo fliehen wird, sobald die serbischen Truppen aus der Provinz abziehen".

In einem Interview des Observer vom 6. Juni beschwor der britische Außenminister Robin Cook die Gefahr, daß die Kosovo-Albaner "blutige Rache an der serbischen Minderheit im Kosovo" nehmen würden. Cook geht davon aus daß "die bislang im Kosovo ansässigen 175.000 Serben unter Druck gesetzt werden, entweder eine eigene Enklave zu bilden oder den Kosovo überhaupt zu verlassen."

Der stellvertretende UN-Generalsekretär für humanitäre Angelegenheiten, Sergio Vieira De Mello, warnte ebenfalls vor "der Gefahr der Rache", die neue Fluchtbewegungen wahrscheinlich mache. Bereits jetzt, sagte er, hielten sich eine halbe Million serbischer Flüchtlinge aus Bosnien und Kroatien in Belgrad auf. Sie lebten dort unter "elenden" und "unmenschlichen" Bedingungen.

Dazu kamen mittlerweile weitere 11.500 Flüchtlinge aus dem Kosovo, vorwiegend Roma und Sinti sowie Serben, die vor den Bomben der NATO geflohen sind. Sie leben in leerstehenden Armeebaracken und Lagern, ohne Bürgerrechte und ohne Pässe. Die meisten sind arbeitslos und können ihre Familien nur durchbringen, indem sie in die Schattenwirtschaft gehen oder staatliche Hilfspakete ergattern.

Man darf davon ausgehen, daß für die bevorstehende Flucht der Kosovo-Serben nicht "ethnische Säuberungen" der UCK verantwortlich gemacht werden. Ihr Schicksal wird, insoweit man überhaupt Notiz davon nimmt, als unvermeidbare und unbeabsichtigte Folge des "humanitären Krieges" dargestellt werden. Wahrscheinlich wird man die Schuld dafür dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic in die Schuhe schieben.

Wenn die NATO so tut, als trage sie keine Verantwortung für die kommende Flucht der Serben aus dem Kosovo, so ist dies ebenso scheinheilig wie absurd. Die nächste "ethnische Säuberungswelle" im früheren Jugoslawien ist - wie alle vorausgehenden, einschließlich jene der Kosovo-Albaner - letztendlich ein Resultat der Politik von USA und Europa, die beide die Aufspaltung des Vielvölkerstaats unterstützt haben. Sie haben dabei gezielt chauvinistische Politiker und Organisationen in Slowenien, Kroatien, Bosnien und im Kosovo unterstützt und ethnische und religiöse Spannungen geschürt.

Nirgendwo ist dies deutlicher, als im Falle des Kosovo. Dort nahm der Westen - unter Führung der USA - die UCK unter seine Fittiche, eine äußerst zweifelhafte, durch Drogengelder finanzierte Organisation, die enge Verbindung zur Mafia unterhält und von anti-serbischem Chauvinismus nur so strotzt. Diese UCK wurde als militärische und politische Waffe gegen Serbien benutzt. Als nun Vertreter der USA und der NATO gefragt wurden, auf welche Weise sie gemäß dem von Belgrad akzeptierten Abkommen die UCK zu entwaffnen gedächten, wichen diese entweder aus oder meinten, man könne die UCK-Kämpfer ja zum Kern einer neuen Polizeitruppe für den Kosovo machen.

Es liegt auf der Hand, daß dies der sicherste Weg wäre, um unter den Serben im Kosovo Panik auszulösen - eine Polizeitruppe aus Albanern, die den Mord an Serben zu ihrem Lebenszweck gemacht haben.

Die Flüchtlingslager in Albanien und Mazedonien sind zu Brutstätten von chauvinistischem Haß und Rachedurst geworden. Die Menschen dort, vom serbischen Militär und den Bomben der NATO vertrieben, um tote oder vermißte Angehörige trauernd, sind unter furchtbaren Bedingungen zusammengepfercht, politisch verwirrt und seelisch verletzt, wütend, verzweifelt und enttäuscht. Weit entfernt, solche Gefühle zu dämpfen oder diesen Hexenkessel zu beruhigen, haben die NATO, die UN und diverse "Menschenrechts"- und Flüchtlingsorganisationen sie nach Kräften angeheizt.

Die Leitung der Lager übertrugen sie der UCK, die dort für ihre Politik wirbt und neue Rekruten anwirbt. Das britische Magazin Economist berichtete vor kurzem, daß sich die UCK "in einigen der Lager festgesetzt hat, wo rund 100.000 vertriebene Kosovaren mühsam überleben, und das nicht nur in den Grenzgebieten... Jeder Besucher des Lagers Mullet südlich von Tirana trifft Dutzende uniformierter Kämpfer an."

Welches politische Klima auf diesem Wege geschaffen wird, zeigte sich in einem grauenhaften Angriff Tausender Kosovo-Albaner auf eine Minderheitenfamilie in einem Lager im mazedonischen Stenkovec. Die New York Times schilderte den Vorfall in ihrer Ausgabe vom 7. Juni:

"Einen Augenblick lang sah es so aus, als werde der Mob albanischer Flüchtlinge den siebenjährigen Zigeunerjungen buchstäblich in Stücke reißen, berichteten drei Helfer, die den Angriff am Samstag abend beobachteten. Einige Minuten zuvor hatten 15 bis 20 aufgebrachte albanische Flüchtlinge aus dem Kosovo den älteren Bruder und den Vater des Jungen verprügelt. Sie hatten ihnen vorgeworfen, mit den Serben zu kollaborieren und vergangenen Monat im Kosovo Albaner ermordet zu haben...

Der Angriff fand im Rahmen einer chaotischen und furchterregenden vierstündigen Jagd statt. Ein Mob aus mehreren tausend albanischen Kosovo-Flüchtlingen versuchte die Zigeunerfamilie zu ergreifen und zu schlagen.

Dieser Angriff ließ erahnen, welches Chaos die NATO-Truppen im Kosovo gewärtigen könnten, wenn Hunderttausende albanischer Flüchtlinge in die zerstörte Provinz heimkehren...

Während die meisten Serben und Zigeuner, die sich mit den Serben verbündet haben, wahrscheinlich aus der Provinz fliehen werden, bevor die ersten Kosovo-Albaner zurückkehren, könnten einige ältere Leute zurückbleiben...

Im Verlauf des Angriffs rissen die Flüchtlinge, die in Sprechchören und Schreien Blut forderten, den Zaun um das Hauptbüro des katholischen Hilfsdienstes nieder, traten die Eingangstür ein, rissen die Gitter von den Fenstern und benutzten eine Eisenstange als Rammbock.

Die Gewalttäter gingen erst auseinander, nachdem Hunderte mazedonischer Polizisten aus einer Spezialeinheit eingetroffen waren, und Christopher R. Hill, der Botschafter der USA in Mazedonien, um Mitternacht vor der Menge erschienen war und versprochen hatte, daß ihr Gerechtigkeit widerfahren würde."

Der Artikel enthält folgendes bemerkenswerte Eingeständnis:

"In einer Hinsicht sind die hiesigen Flüchtlingslager Hexenkessel schwelenden Hasses, wo die zunehmend gereizten Kosovo-Albaner sich gegenseitig das Leid klagen, das ihnen von den Serben angetan wurde. Erwartungsgemäß herrscht in den Lagern ein starker Gruppendruck, sich dem Haß auf die Serben anzuschließen.

Im Lager Cegrane, wo 40.000 Menschen untergebracht sind, sagten Kinder vergangenen Donnerstag vor einer Menge Gedichte auf, in denen die Rebellentruppen der Kosovo-Albaner verherrlicht und ein Massaker nach dem anderen aufgezählt wurden, wie sie alle die Serben begangen hätten. Ihre albanischen Lehrer hörten stolz zu."

Der Krieg der NATO gegen Serbien hat die Voraussetzungen für eine neue Gewalt- und Vertreibungswelle geschaffen, für neues Leid und neue Verbrechen, die weitere Bruderkriege auslösen werden. Das ist vielleicht die vernichtendste Widerlegung der Behauptung, man habe Jugoslawien bombardiert, um "ethnische Säuberungen" zu beenden.