Angriffe auf Kosovo-Serben nehmen zu

Ethnische Säuberungen die USA und die UCK

Von der Redaktion
3. Juli 1999

Es hat nicht lange gedauert, bis die schrecklichen Folgen des von der USA geführten Kriegs auf dem Balkan sichtbar geworden sind. Täglich erscheinen neue Berichte über Morde, Vergewaltigungen, Brandstiftungen und Plünderungen, die sich gegen die Serben und Roma im Kosovo richten und von der UCK angeführt werden. Die Angriffe haben ein solches Ausmaß angenommen, daß selbst die amerikanischen Medien sie nicht ignorieren können.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) plünderten zurückkehrende Albaner am Montag das serbische Dorf Belo Polje und setzten es in Brand. Mitglieder der UCK haben angeblich in dem gleichen Ort eine geistig behinderte Frau vergewaltigt und erstochen. Die Plünderung des Ortes war die jüngste in einer offensichtlich systematischen Kampagne zur Vertreibung der verbliebenen Serben, hauptsächlich älterer Menschen, aus der Stadt Pec im Westen des Kosovo und der umliegenden Dörfer. Der AP-Reporter bemerkte, daß Männer in UCK-Uniformen "auf den staubigen Straßen des Dorfes auf und ab fuhren und die Plünderungen beobachteten. NATO-Soldaten zeigten unmittelbar keine Reaktion einzuschreiten." Human Rights Watch, eine amerikanische Menschenrechtsorganisation, erklärte, es gäbe "eindeutige Beweise", daß UCK-Soldaten in mehreren westlichen Orten Serben ermordet und entführt haben.

Im südlichen Sektor des Kosovo, der von amerikanischen Streitkräften überwacht wird, sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag mindestens 14 Häuser niedergebrannt worden. " ‚Die letzte Nacht war schlimm‘, teilte Captain Marshall Niles der AFP [Agence France Presse] mit und sagte, er vermute, daß die Rebellen der albanischen UCK hinter dem Angriff ständen. UCK-Kämpfer wurden in der Nähe des Dorfes gesehen."

In Prizren kam ein 85jähriger Serbe vom Einkaufen zurück und fand seine 77jährige Frau tot auf, erschlagen mit einer Axt. Weiter unten in der Straße entdeckten NATO-Kräfte einen 63jährigen Serben, der erstochen worden war.

Mit der Rückkehr der Kosovo-Albaner aus den Lagern in Albanien und Mazedonien in das Kosovo nimmt die Gewalt zu und breitet sich aus; währenddessen setzt sich der Exodus der Kosovo-Serben fort, mehr als 50.000 haben die Region bereits verlassen. Die gegen die Serben gerichtete ethnische Säuberung findet unter der Schirmherrschaft der NATO statt, die bei ihrem Einzug in die Provinz versprach, Frieden und Demokratie zu garantieren. "Dies ist ethnische Säuberung unter dem Schutz der NATO", wie ein religiöser Führer der Serben kommentierte.

Ganz gleich wie sehr die NATO-Politiker und Militärchefs ihr Bedauern kundtun, bleibt es doch eine Tatsache, daß die Regierungen der NATO-Länder, insbesondere die USA, die Verantwortung für die tragischen und blutigen Folgen ihrer Politik tragen. Und diese Verantwortung ist nicht genereller oder abstrakter Art. Diejenigen, die die Kampagne gegen die serbischen Zivilisten im Kosovo führen, sind die "Friedenspartner" der NATO. Präsident Clinton hat mehr als einmal die Gelegenheit genutzt, die UCK zu loben, weil sie in den Gesprächen in Rambouillet "den Weg des Friedens" gewählt hätten.

Offizielle amerikanische Vertreter können nicht glaubwürdig behaupten, daß die UCK-Politik der ethnischen Säuberung gegen die Serben eine Überraschung darstellt. Sie steht in vollkommener Übereinstimmung mit der Geschichte und der Politik dieser reaktionären, chauvinistischen Organisation. Amerikanische Vertreter sind sich des Wesens der UCK und ihrer Führung sehr wohl bewußt. Erst im Jahre 1997 beschloß Washington, die sezessionistische Gruppe in die Liste der terroristischen Gruppen des Außenministeriums aufzunehmen. Warum wurde die UCK in der Folgezeit wieder von dieser Liste gestrichen? Welche Änderungen in den Methoden der Organisation oder ihres Auftretens rechtfertigten diese Rücknahme? Dazu wird nichts erklärt. Die Clinton-Regierung setzt darauf, daß die unterwürfige Presse solche lästigen Fragen niemals stellen wird.

Ein Artikel von Chris Hedges, der am 25. Juni in der New York Times erschien, zeichnet ein anschauliches Porträt der UCK und ihrer Führer. Das Bild, das aus Hedges´ Artikel hervorgeht, hat wenig Ähnlichkeit mit der heroischen Befreiungsbewegung, wie sie von den Medien vor und während des Krieges dargestellt wurde. Der Artikel enthüllt das Muster, wie Rivalen und Dissidenten innerhalb der UCK zusammengeschlagen und ermordet wurden. Dies geschah auf Anordnung ihres Führers Hashim Thaci seit Anfang 1998. Durch solche Mittel konnte er seine Position in der höchsten Führungsebene festigen. (Siehe hierzu auch den Artikel: KLA leader Thaci ordered rivals executed, rebel commanders say).

Die amerikanischen Regierungsbeamten werden kaum behaupten können, daß sie von den Ereignissen, die Hedges anführt, keine Kenntnis hatten. Die Serie von Morden fand gerade zu der Zeit statt, als Washington seine Politik von heimlicher Unterstützung für die Gruppe um Thaci in offene politische Rückendeckung änderte, während Ibrahim Rugovas Demokratische Liga des Kosovo in den Hintergrund geschoben wurde. Während der Verhandlungen in Rambouillet setzte die US-Regierung die UCK an die Spitze der Kosovo-Delegation. Die Außenministerin Madeleine Albright stellte Thaci demonstrativ als den legitimen Repräsentanten der kosovarischen Bevölkerung dar. Seit dieser Zeit fahren die USA fort, Thaci auf Kosten anderer UCK-Führer wie Adem Demaci zu unterstützen, die weniger unterwürfig gegenüber amerikanischen Forderungen zu sein scheinen.

Der Sprecher des Außenministeriums James Rubin machte kein Geheimnis aus seinen engen Verbindungen zu Thaci, mit dem er buchstäblich jeden Tag in Kontakt steht. Als er mit der Liste von Thacis Gewalttaten innerhalb dessen eigener Organisation konfrontiert wurde, antwortete Rubin: "Wir haben einfach keine Informationen, um Behauptungen zu erhärten, daß es einen von der Führungsebene der UCK organisierten Plan für Ermordungen und Exekutionen gab." Rubin behauptete auf der Pressekonferenz vergangener Woche auch, das Außenministerium habe keine "glaubwürdigen Beweise", daß die UCK in Drogengeschäfte verwickelt ist.

Offensichtlich sind die Ansprüche des amerikanischen Außenministeriums an Beweise bemerkenswert niedriger, wenn es um serbische Greueltaten geht, als wenn es sich um Vergewaltigungen und Morde durch Verbündete Washingtons handelt.

Thaci und sein Haufen sind die Elemente, die die amerikanische Regierung auf die Bevölkerung des Kosovo losgelassen hat, auf Albaner wie auf Serben. Es schaudert einem bei dem Gedanken, welche Art "Demokratie" die Kosovo-Albaner unter diesem von der UCK regierten US-Protektorat erleben dürfen, von den überlebenden Serben ganz zu schweigen.

Clinton, Albright und die Militärchefs der NATO predigen der albanischen Bevölkerung nun brüderliche Liebe. Aber die gegenwärtige Gewalt muß im Kontext der propagandistischen Anstrengungen zur Verteufelung der gesamten serbischen Bevölkerung gesehen werden, die charakteristisch für die Haltung der NATO während der gesamten Krise war. Dies war in erster Linie notwendig, um den Krieg der amerikanischen und europäischen Bevölkerung zu verkaufen oder zumindest die Opposition mundtot zu machen.

Weiterhin sollte man sich in Erinnerung rufen, daß die NATO und die USA der UCK die Flüchtlingslager in Albanien und Mazedonien öffneten, wo diese ermutigt wurde, falls sie eine solche Ermutigung überhaupt brauchte, Haß und Rachegelüste gegen die serbische Bevölkerung zu schüren. Die UCK konnte sich das Leiden und die Orientierungslosigkeit der Kosovo-Albaner zunutze machen, die durch serbische Gewalt und Terror, das NATO-Bombardement, das Trauma der Flucht und das schreckliche Leben in den provisorischen Lagern verursacht worden sind.

Das WSWS erwähnte einen Zwischenfall, von dem die New York Times am 7. Juni berichtete. Ein Mob albanischer Flüchtlinge schlug im Lager in Stenkovec in Mazedonien auf Mitglieder einer Roma-Familie ein: "Für einen Moment schien es, als würde der Mob albanischer Flüchtlinge den 7jährigen Roma-Jungen buchstäblich in Stücke reißen, jedes einzelne Glied ausreißen, sagten drei Flüchtlingshelfer, die den Angriff Samstag nacht beobachteten."

Der Times -Artikel bemerkte: "In gewissem Sinn sind die Flüchtlingslager hier ein Hexenkessel des Hasses, wo zunehmend frustrierte Kosovo-Albaner sich gegenseitig als Opfer der serbischen Unterdrückung bedauern. Wie man vermuten konnte, wird in den Lagern Gruppendruck ausgeübt, die Serben zu hassen."

Amerikanische Regierungsbeamte taten nichts, um diesen Stimmungen etwas entgegenzusetzen. Im Gegenteil, Albright besuchte dasselbe Lager unmittelbar nach dem Ende der Bombardierungen, eine Woche nach dem Angriff auf die Roma-Familie, und stachelte die Menge der Flüchtlinge an, indem sie erklärte: "Milosevic und die Serben haben die Kontrolle über das Kosovo verloren."

Die enge Verbindung der Clinton-Regierung zu der UCK spricht Bände über den Charakter der amerikanischen Außenpolitik und diejenigen, die sie durchführen. Es ist bezeichnend, daß sich Clinton, Albright und Rubin zu Thaci und seiner Bande hingezogen fühlen. Sie werden unwiderstehlich von einem bestimmten sozialen Typus angezogen: dem halb-faschistischen, gangsterhaften "Mann der Tat". Diese Typen existieren in jedem "Krisengebiet" und viele enden auf der Gehaltsliste des amerikanischen Staats.

Was auf dem Boden des Kosovo passiert, ist eine Anklage gegen die imperialistische Politik im allgemeinen und den amerikanischen Militarismus im besonderen. Das Streben nach militärischer Macht und geostrategischen Vorteilen sowie die Ambitionen amerikanischer Unternehmen bezüglich der ölreichen Länder östlich des Balkans haben solch chaotische und erniedrigende Bedingungen im ehemaligen Jugoslawien geschaffen, daß ein Teil der Bevölkerung sich sogar an Pogromen beteiligt.

Was man in der gegenwärtigen Situation sehen kann, ist nur ein Vorgeschmack auf zukünftige nationale und regionale Konflikte auf dem Balkan, deren Fundament durch den NATO-Krieg gelegt ist. Aber die Folgen reichen bereits aus, um zu sehen, welch verheerende Konsequenzen es hat, wenn man die Behauptungen der USA und der europäischen Mächte glaubt, sie würden für Gerechtigkeit, Fortschritt und Humanität eintreten.

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