Marxismus und die nationale Frage in Sri Lanka

Von Peter Symonds
14. April 2001

Der folgende Artikel ist eine Antwort an SK, einen Anhänger der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) [tamilische Befreiungsbewegung], die seit 18 Jahren in Sri Lanka für einen unabhängigen Tamilen-Staat im Norden und Osten der Insel kämpft. Der Brief von SK ist eine Antwort auf einen vorausgegangenen Meinungsaustausch zwischen dem Generalsekretär der Socialist Equality Party (SEP) in Sri Lanka, Wije Dias, und SR, der die SEP kritisierte, weil sie die LTTE und ihre politische Perspektive nicht kritiklos unterstützt.

Der vollständige Text der E-Mail von SK steht unter der Internet-Adresse:

http://www.wsws.org/articles/2001/mar2001/lett-m10.shtml.

Leser, die die vorausgehende Korrespondenz, die Wahlplattform der SEP oder die Erklärung des IKVIs zur Entlassung von SEP-Mitgliedern aus der LTTE -Gefangenschaft einsehen möchten, finden sie unter:

The Socialist Equality Party in Sri Lanka replies to a supporter of the Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) [28. September 2000]

Wahlerklärung der srilankischen Socialist Equality Party
Ein sozialistisches Programm zur Beendigung von Krieg und sozialer Ungleichheit
[ 4. Oktober 2000]

Victory of international defense campaign strengthens Tamil struggle
The SEP and the fight for the Socialist United States of Sri Lanka and Eelam
[1. Dezember 1998]

Lieber SK,

Viele der Fragen, die Sie in Ihrer E-Mail ansprechen, wiederholen ganz einfach das, was Ihr Kollege SR geschrieben hat, und worauf Wije Dijas schon ausführlich geantwortet hat. Ich sehe keinen Sinn darin, Argumente zu wiederholen, die Sie entweder ignoriert oder mit denen Sie sich nicht wirklich ernsthaft auseinander gesetzt haben. Keiner von Ihnen beiden scheint die IKVI-Erklärung mit dem Titel "Die SEP und der Kampf für die Sozialistischen Vereinigten Staaten von Sri Lanka und Eelam", veröffentlicht am 1. Dezember 1998, gelesen zu haben. Darin wird ausführlich die Haltung der internationalen trotzkistischen Bewegung zur nationalen Frage im Allgemeinen und zur LTTE im Besonderen dargestellt.

Aber ich werde einen grundlegenden Aspekt nochmals erklären: Der Marxismus basiert darauf, eine unabhängige Perspektive für die Arbeiterklasse zu entwickeln, die sich auf ihre historischen Interessen gründet. Unsere Analyse basiert deshalb auf der Klasse, nicht auf Rasse, Nation oder ethnischer Zugehörigkeit.

Ausgehend von einer Missinterpretation Lenins scheinen Sie zu glauben, die Aufgabe von Marxisten bestehe darin, Anhänger von separatistischen Gruppen wie der LTTE zu werden oder, wenn es so aussieht, dass sie Verrat üben, die Führung der nationalen Bewegung zu übernehmen. Das Ziel der Marxisten ist jedoch ein ganz anderes - nicht die Errichtung unabhängiger Nationalstaaten, sondern der Aufbau einer vereinigten politischen Bewegung der internationalen Arbeiterklasse, um die Gesellschaft entsprechend sozialistischen Grundsätzen neu aufzubauen. Als Teil dieser Aufgabe verteidigen wir die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse und unterdrückten Massen, das beinhaltet auch die Beendigung aller Formen nationaler Unterdrückung - und wir sind die Einzigen, die dafür stets und unbeirrbar eingetreten sind.

Die Beziehung zwischen der nationalen und der sozialen Frage, mit der sich die Erklärung des IKVI 1998 detailliert auseinandersetzt, ist sehr komplex und hat innerhalb der marxistischen Bewegung eine lange Geschichte. Wie dort erklärt wird, befürworteten Lenin und die Bolschewiki die Forderung nach dem "Recht auf Selbstbestimmung" unter den Bedingungen des frühen 20. Jahrhunderts, als die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse sich in vielen Teilen der Erde, die unter kolonialer Herrschaft standen, gerade erst zu entwickeln begannen. In Russland herrschte das zaristische Regime über viele ethnische Gruppen auf äußerst unterschiedlichen Stufen wirtschaftlicher Entwicklung. Lenins Politik zielte darauf ab, die Feindseligkeiten zu überwinden, die durch die zaristische Unterdrückung geschaffen worden waren, und den Einfluss der bürgerlichen Führer unter den nationalen Minderheiten zu bekämpfen.

Wie Lenin erklärte, war das Recht auf Selbstbestimmung eine "negative" Forderung. Es besagte nicht, dass die Bolschewiki für die Schaffung unabhängiger Staaten eintraten, sondern vielmehr, dass die Partei die brutalen Unterdrückungsmaßnahmen bekämpfte, mit denen die Herrschaft Russlands über diese nationalen Minderheiten aufrechterhalten wurde. Niemals hat Lenin eine unkritische Einstellung gegenüber den verschiedenen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Führungen empfohlen, ob es sich nun um die russische, estische, lettische oder irgendeine andere Variante handelte. Vielmehr stand im Zentrum seiner außerordentlich langen Polemik gegen die Menschewiki sein nachdrückliches Beharren, dass die nationale Bourgeoisie unfähig sei, einen konsequenten Kampf gegen die zaristische Autokratie zu führen oder die national-demokratischen Aufgaben zu lösen.

Leo Trotzki kam zu einer noch weitreichenderen Schlussfolgerung. In seiner Theorie der Permanenten Revolution erklärte er, dass die Arbeiterklasse im Kampf gegen die schwankende Bourgeoisie nicht nur die Führung der unterdrückten Massen gewinnen und an die Macht kommen könne, sondern, nachdem sie dies erreicht habe, nicht dabei stehen bleiben dürfe, nur die bürgerlich demokratischen Aufgaben zu erfüllen. Sie werde gezwungen sein, tiefe Eingriffe in die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse vorzunehmen - als integraler Bestandteil des antikapitalistischen Kampfs des internationalen Proletariats.

Wie die Erklärung des IKVI klar macht: "Der Kampf gegen nationale Unterdrückung büßt damit seine Bedeutung oder Dringlichkeit in keiner Hinsicht ein. Aber mit der Schaffung eines revolutionären Bündnisses der unterdrückten Massen unter der Führung der Arbeiterklasse ist er, wie alle anderen demokratischen Aufgaben, in dem Kampf für eine neue soziale Ordnung gegen die nationale Bourgeoisie und den Imperialismus inbegriffen.

Und umgekehrt ist die nationale Befreiung dann eine politische Fiktion, wenn sie von der sozialen Befreiung getrennt wird. Trotzki unterstützte die Kämpfe der indischen, chinesischen und anderen Kolonialvölker für ihre nationale Unabhängigkeit, warnte jedoch 1940 in einem Dokument der Vierten Internationale:,...dass ihre verspäteten Nationalstaaten nicht mehr mit einer selbständigen demokratischen Entwicklung rechnen können. In der Umgebung des faulenden Kapitalismus und in der Verstrickung der imperialistischen Widersprüche wird die Unabhängigkeit eines rückständigen Staates unvermeidlich eine halbe Fiktion sein, denn sein politisches Regime wird, unter dem Einfluss der inneren Klassenwidersprüche und des Drucks von außen, unabwendbar in eine Diktatur abgleiten, die sich gegen das Volk richtet: So ist das Regime der ‚Volks‘partei in der Türkei und der Guomindang in China, so wird morgen das Regime Ghandis in Indien sein.'"

Ihr Aufruf für eine bedingungslose Unterstützung - worunter Sie in Wirklichkeit eine unkritische Unterstützung verstehen - für den "tamilischen Befreiungskampf" hat nichts mit Lenin oder Trotzki zu tun, aber man kann ihn auf Leute zurückverfolgen, die behaupteten, den Marxismus zu repräsentieren, aber in Wirklichkeit seine Prinzipien verraten haben. Die stalinistische Bürokratie hat die alten menschewistischen Theorien wiederbelebt und Lenins Forderung nach dem "Selbstbestimmungsrecht" verfälscht, um ihre sklavische Anpassung an die bürgerlichen Führungen in rückständigen kapitalistischen Ländern zu rechtfertigen. Für verschiedenste radikale Strömungen ist "Selbstbestimmung" zum Synonym für unkritische Unterstützung der unterschiedlichsten separatistischen Strömungen geworden.

Seit Lenins Zeiten haben die nationalen Bewegungen eine weitere Degeneration durchgemacht. Wie Wije Dias in seiner Antwort erklärt, hat sich der grundlegende Charakter dieser nationalen Befreiungsbewegungen unter dem Einfluss der Globalisierung der Produktion tiefgreifend verändert. Alle, einschließlich der LTTE, haben ihre unterschiedlichen angeblich antiimperialistischen und sogar sozialistischen Ziele fallen gelassen und sind offen auf der Suche nach der Schirmherrschaft irgendeiner Großmacht, um ihren eigenen Ministaat zu gründen. Als Gegenleistung bietet jeder von ihnen seine "eigene" Arbeiterklasse zur Ausbeutung durch internationale Investoren an.

Die Hauptkritik der SEP an der LTTE ist nicht die, dass sie "den nationalen Kampf auf halbem Weg verrät", sondern vielmehr, dass sie - selbst wenn sie erfolgreich alle ihre selbst gesteckten Ziele erreicht - nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse der großen Mehrheit der Tamilen zu erfüllen. Was werden die LTTE-Führer tun, um den Lebensstandard der Arbeiterklasse und der Armen anzuheben oder um die unerledigten nationalen und demokratischen Probleme zu lösen? Was können sie anders machen als der ANC in Südafrika oder die PLO in Nahen Osten? Was wird ihre Haltung gegenüber Minderheiten sein - gegenüber singhalesischen und tamilischen Moslems - die zur Zeit im Norden und Osten der Insel leben?

Die LTTE-Führung ist nicht in der Lage, solche Fragen zu beantworten, denn wenn sie es tun würde, dann würde sich zeigen, dass sie weit davon entfernt ist, "alle Klassen der tamilischen Nation" zu vertreten, dass sie sich im Gegenteil auf eine schmale kleinbürgerliche Schicht stützt, die - wie die PLO und der ANC - versucht, einen Handel mit dem Imperialismus zu machen, der die kapitalistische Ausbeutung aufrecht erhalten würde. Diejenigen Arbeiter, Bauern, Studenten und anderen, die die LTTE unterstützen, würden sehr bald zu ihrer bittersten Enttäuschung herausfinden, dass die "nationale Unabhängigkeit" in einem kapitalistischen Tamil Eelam tatsächlich eine politische Fiktion ist; denn dieses kapitalistische Tamil Eelam wäre wirtschaftlich dem internationalen Finanzkapital und politisch den Großmächten völlig untergeordnet.

Die historischen Fragen

Indem ich Ihre E-Mail beantworte, beabsichtige ich allerdings nicht, einfach zu erklären, dass Sie in den Schriften Lenins oder irgendeines anderen Marxisten keine Unterstützung für Ihre Ansichten finden werden; und ich beabsichtige auch nicht, Sie davon zu überzeugen, unsere Prinzipien anzunehmen. Sie haben ausreichend klar gemacht, dass Sie wenig Zeit für den Marxismus, die Marxisten oder das ",Klassenkampf'-Modell" haben, das sie ziemlich verächtlich als ideologischen Ballast betrachten, der der unkritischen Unterstützung der LTTE im Weg steht.

Aber anders als SR haben Sie sich auf das Gebiet der Geschichte begeben. Und indem Sie das taten, haben sie die reaktionären Hintergründe ihrer Zurückweisung des Marxismus und der Klassenanalyse deutlicher offen gelegt - ob sie sich darüber bewusst sind oder nicht. Indem Sie die Geschichte Sri Lankas in Begriffen von "Rasse" und "Nation" neu interpretieren, sind Sie nicht nur gezwungen, vieles von der Geschichte der trotzkistischen Bewegung auszulassen oder zu verfälschen, sondern auch die verschiedensten tamilischen und singhalesischen rassistischen und religiösen Bewegungen mit einem progressiven Charakter auszustatten, den sie ganz einfach nicht haben.

Da die "Rasse" Ihr Leitmotiv ist, landen Sie in einem Boot mit den Ideologen des singhalesischen Chauvinismus und singen ein Loblied auf die buddhistische Erneuerungsbewegung. An mehreren Stellen wiederholen Sie den grundlegenden Gedanken, die trotzkistische Bewegung habe "jämmerlich dabei versagt, eine Beziehung zum demokratischen Inhalt der singhalesisch-buddhistischen Bestrebungen" herzustellen; diese setzen sie gleich mit der buddhistischen Erneuerungsbewegung des 19. und 20 Jahrhunderts und Personen wie Anagarika Dharmapala, die der "britischen Herrschaft auf ihre eigene Art entgegengetreten sind".

Sie behaupten auch, die "wirkliche tamilische antikoloniale Bewegung... in Gang gesetzt von tamilischen Patrioten, wie Arumugam Navalar ... [war], wie immer ihre unvermeidlichen Beschränkungen und Unzulänglichkeiten ausgesehen haben, im Wesentlichen progressiv. Aber wenn die Trotzkisten von ihrer Form (oder Erscheinung) abgestoßen wurden und sie nicht ganz in ihr Modell des,Klassenkampfs' passt, dann erklärt das, warum sie nicht in der Lage waren, eine positive Beziehung dazu herzustellen."

Sie stellen dann Behauptungen darüber auf, dass die "bedrückende nachkoloniale Situation" - der ethnische Konflikt, der zum gegenwärtigen Krieg geführt hat - "vor allem zurückzuführen ist auf a) den zentralistischen Einheitsstaat, der einer Zwei-Nationen-Insel willkürlich aufgezwungen wurde b) das Versagen der Sozialisten, diese ungerechte Verfassungsregelung zu bekämpfen c) die Unfähigkeit der Sozialisten sich beide nationalen Erneuerungsbewegungen zu eigen zu machen."

Mit anderen Worten, das "Versagen" der Sozialisten, sich unkritisch an ethnisch motivierte Bewegungen der Singhalesen und Tamilen anzupassen oder für eine Teilung der kleinen Insel Sri Lanka entsprechend den Volksgruppen einzutreten, soll der Grund für den gegenwärtigen blutigen Krieg sein. Tatsächlich haben Sie es geschafft, klar zu machen, dass jeder Versuch, die Welt durch eine "Rassenbrille" zu sehen, unausweichlich dazu führt, die Wirklichkeit auf den Kopf zu stellen.

Wie wir zeigen werden, waren die Bewegungen, auf die Sie sich beziehen, insoweit sie einen antikolonialen Charakter hatten, im Wesentlichen rückwärts gerichtet - sie versuchten die Stellung der einheimischen herrschenden Eliten und ihre kulturellen Verbrämungen gegen den Einfluss des britischen Kolonialismus aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, das die srilankische Bourgeoisie gezwungen war, im Kampf gegen die sozialistische Bewegung auf diese ideologischen Wurzeln zurückzugreifen, zeigt ihre eigene völlige Unfähigkeit, einen fortschrittlichen Kampf zu führen.

In den 40er Jahren und zu Beginn der 50er Jahre gewann die trotzkistische Bewegung bedeutende Schichten von Arbeitern - singhalesische und tamilische - indem sie für die Klassenperspektive auf der Grundlage der Theorie der Permanenten Revolution eintrat, gegen Volksgruppeninteressen und Rassismus. Ihr wirkliches Versagen lag darin, dass sie die Politik annahm, die Sie jetzt der SEP vorschlagen. In den 50er Jahren gab die LSSP Schritt für Schritt den Kampf gegen den singhalesischen Rassismus auf und passte sich an die Sri Lankan Freedom Party (SFLP) an. Der Prozess der politischen Degeneration gipfelte 1964 in ihrem Eintritt in die bürgerliche Regierung von Sirima Bandaranaike - ein Verrat, der weitreichende Konsequenzen für die Arbeiterklasse hatte und zur Entstehung von Organisationen wie der LTTE und der JVP führte, die auf reaktionären Abstammungslehren basieren.

Die Erneuerungsbewegungen

Worin bestand das Wesen der frühen Bewegungen in Sri Lanka, die Sie als im Wesentlichen demokratisch und fortschrittlich beschreiben?

Die buddhistische Erneuerungsbewegung entstand im britisch-kolonialen Ceylon gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die Vorherrschaft der Briten und der englisch erzogenen, christianisierten, von den Briten gezüchteten Eliten über das politische und wirtschaftliche Leben. Angeführt und unterstützt durch reiche singhalesische Landbesitzer und Geschäftsleute wie z. B. Thomas Amarasuriya, Simon Perera Abeywardena und Don David Hewavitharana war ihre Perspektive, zur Vergangenheit zurückzukehren. Die Erneuerer schimpften zwar über die koloniale Herrschaft, doch ihre Beschwerden widerspiegelten die Interessen der sozialen Schichten, die unter der britischen Herrschaft ihre Stellung und Privilegien verloren hatten - der buddhistischen Priesterschaft, der oberen Kaste von Aristokraten, singhalesisch erzogener Intellektueller und Unternehmer.

Hewavitharana, der später den religiösen Titel eines Anagarika (Status zwischen Mönch und Laie) Dharmapala annahm, war einer der Hauptideologen der Bewegung. Aus singhalesischen Mythen und buddhistischen Texten, wie der Mahavamsa aus dem 6. Jahrhundert, mixte er eine Ideologie, die verkündete, die Singhalesen seien eine "einzigartige Rasse", die von den arischen Völkern in Nord-Indien abstammten, Verteidiger des Buddhismus seien und die Insel in ein "Paradies" verwandelt hätten, "... bevor die Zerstörung durch die barbarischen Vandalen einsetzte".

Er rief zu einem moralischen Kreuzzug gegen die Briten auf und schrieb: "Praktiken, die den altehrwürdigen edlen Singhalesen ein Gräuel waren, werden heute unter dem Einfluss semitischer Soziologie toleriert: Opium, Arrak, Alkohol, Marihuana und andere Gifte werden in den Dörfern verteilt, ohne Rücksicht auf die degenerierenden Auswirkungen, die sie auf Menschen haben.. Die lieblichen, zarten, freundlichen arischen Kinder einer historischen Rasse werden auf dem Altar des Whisky trinkenden, Rindfleisch essenden Schlemmergotts des Heidentums geopfert. Wie lange, oh wie lange wird die Ungerechtigkeit in Ceylon fortdauern?"

Während sich die Erneuerungsbewegung in erster Linie gegen die Briten und nicht offen gegen die Tamilen richtete, wurde ihr rassistischer Charakter schon in den Angriffen auf tamilische Moslems offenkundig. Kurz nach dem Pogrom gegen Moslems, das 1915 von reichen Singhalesen organisiert wurde, schrieb Dharmapala: "Für Singhalesen ohne Buddhismus ist der Tod vorzuziehen. Die britischen Beamten mögen die Singhalesen erschießen, erhängen... oder ihnen sonst etwas antun, aber es wird immer böses Blut geben zwischen den Mohammedanern und den Singhalesen."

In den 30er Jahren sympathisierten die Anhänger der buddhistischen Erneuerungsbewegung offen mit Nazi-Deutschland und Hitlers rassistischen Theorien von der arischen Überlegenheit. A. E. Gunasinghe, der die Ceylonesische Arbeiterpartei aufgebaut und die Gewerkschaften in Colombo organisiert hatte, setzte in wachsendem Maße Rassismus ein, der sich gegen Arbeiter aus Kerala in Südindien richtete, um gegen den zunehmenden Einfluss der sozialistischen Lanka Sama Samaja Party (LSSP) zu kämpfen.

Ein Mitarbeiter von Gunasinghes Zeitung Veeraya (Held) schrieb 1936, die singhalesische Rasse bräuchte "eine Gruppe von tugendhaften, standhaften Menschen, mit einem Führer... einem Helden von großer Tugendhaftigkeit und Mut... wie Hitler, dessen Politik die arische Rasse vor der Degeneration bewahren soll." Ein Brief in derselben Ausgabe zitiert zustimmend das Naziverbot von Hochzeiten mit Ausländern und Hitlers fremdenfeindliche Erklärung, die Kinder von Ariern und Nicht-Ariern würden bar jeder Tugend sein.

Welche "Beziehung" genau hätte die entstehende sozialistische Bewegung zu rechtem Abschaum wie Gunasinghe aufbauen sollen? Oder zu S. W. R. D. Bandaranaike, der 1932 die Singhalesische Maha Sabha und den Great Sinhala Council (GSC) [Großen Singhalesischen Rat] mit dem Ziel gründete, Singhalesen auf einer ausdrücklich rassistischen und religiösen Basis zu vereinigen? Es zeigt nur das Ausmaß der späteren politischen Degeneration der LSSP-Führer, dass sie die prinzipielle politische Position, die sie in den 30er und 40er Jahren gegen die Vertreter des singhalesisch-buddhistischen Chauvinismus eingenommen hatten, verließen.

In einer Rede von 1939 warnte der LSSP-Führer Colvin R. de Silva ganz richtig davor, dass Bandaranaikes Maha Sabha "eine gefährliche reaktionäre Gruppe ist. Das Wesen ihrer Politik wird ersichtlich aus der Tatsache, dass sie ihr größtes Echo in der politisch rückständigen Provinz Kandyan findet und in den von Kasten beherrschten Gebieten des Hinterlandes. Unter anderen Umständen wäre sie die hiesige Variante des braunen Faschismus; aber so wie die Dinge liegen, ist sie durch das Fehlen einer Führung, eine ständig schrumpfende soziale Basis und das Wesen der historischen Kräfte zum Scheitern verurteilt. Auf jeden Fall verkörpert sie nur eine andere Form der bürgerlichen Reaktion."

Die tamilische Erneuerungsbewegung, die Sie rühmen, unterschied sich in ihrer grundlegenden politischen Orientierung kaum von ihrem singahlesisch-buddhistischen Gegenstück im Süden. Wie Dharmapala versuchte Arumugam Navalar, den Sie als "tamilischen Patrioten" bejubeln, die Interessen der traditionellen tamilischen Elite gegen die christianisierten Schichten zu verteidigen, die durch die Briten herangezogen worden waren, um ihre koloniale Herrschaft zu stärken. Um dem Einfluss der Missionare entgegenzuwirken, schrieb er polemische Artikel gegen das Christentum vom Standpunkt der Verteidigung hinduistischer Tugenden und gründete eigene religiöse Schulen. In mehreren seiner Bücher betonte er die Bedeutung des hinduistischen Kastensystems. Wie ein srilankischer Historiker in einem Kommentar zu Navalar und der "Hindu-Renaissance" höflich bemerkte: "Die Bewegung, die er anführte, stärkte jedoch das [hinduistische] orthodoxe Denken und tat wenig, um die Härten des Kastensystems zu mindern."

Die Anhänger Navalars gründeten im Norden und später in Colombo die Saiva Paripalana Sabhai (Gesellschaft zur Verteidigung des Hinduismus), um den Hinduismus zu verbreiten. Zwei seiner berühmten Schützlinge - Ponnambalam Ramanathan und Ponnambalam Arunachalam, Brüder aus einer reichen Familie in Jaffna - waren führende Politiker der Insel. Mit Navalars Hilfe wurde Ramanathan Mitglied im kolonialen Legislaturrat und zeichnete sich dadurch aus, dass er sich gegen das allgemeine Stimmrecht einsetzte, die Privilegien der höchsten hinduistischen Kaste verteidigte und seine Loyalität gegenüber der britischen Herrschaft deutlich machte. Für ihre Dienste für die koloniale Regierung wurden beide, Ramanathan und Arunachalam von den Briten in den Adelsstand erhoben.

So sah der Klassencharakter der "wirklichen tamilischen Antikolonial-Bewegung" aus, die Sie so hoch loben.

Unabhängigkeit

Dass die trotzkistische Bewegung gegen das Unabhängigkeitsabkommen zwischen den Briten und den einheimischen herrschenden Eliten- Singhalesen und Tamilen - aufgetreten ist, tun sie als völlig irrelevant ab. Von ihrem Standpunkt des tamilischen Nationalismus aus war die Grundfrage die "des Einheitsstaats, der einer Zwei-Nationen-Insel willkürlich aufgezwungen wurde". "Ist es nicht seltsam", rufen Sie aus, "dass die Forderung nach den Vereinigten Staaten von Eelam und Sri Lanka von den Trotzkisten zu dieser Zeit nicht aufgestellt wurde!"

Die Notwendigkeit, die Forderung nach den Vereinigten Sozialistischen Staaten von Eelam und Sri Lanka aufzustellen, stellte sich überhaupt nicht, weil es zu dieser Zeit keine bedeutsame Bewegung unter den Tamilen für einen unabhängigen Staat Tamil Eelam gab. Genau genommen waren die damaligen tamilischen bürgerlichen Politiker nicht nur "schwammig"-unentschieden in der Frage eines unabhängigen tamilischen Staats, sondern - wie auch ihre singhalesischen Gegenstücke - auch in der Frage der Unabhängigkeit als Ganzes.

Im Unterschied zu Indien, wo Gandhi, Nehru und andere bürgerliche Politiker an der Führung des antikolonialen Kampfs teilnahmen, spielte keiner ihrer Pendants in Sri Lanka dabei eine bedeutsame Rolle. Die antikoloniale Bewegung wurde von der LSSP angeführt, die 1940 wegen ihrer Anti-Kriegs-Agitation verboten wurde und gezwungen war, vom Untergrund aus zu operieren. Nachdem sie 1942 aus dem Gefängnis nach Indien geflohen waren, bauten die Führer die LSSP neu wieder auf, als gesamtindische Partei - die Bolschewistisch Leninistische Partei Indiens (BLPI) - und als Sektion der trotzkistischen Bewegung, der Vierten Internationale.

Ihnen zufolge wäre es die Aufgabe der srilankischen Sozialisten in 40er Jahren gewesen, am konsequentesten dafür einzutreten, aus British Ceylon zwei getrennte Nationen zu machen - auch wenn zu dieser Zeit sonst niemand diese Frage aufgeworfen hat. Wenn wir diese Problematik auf Indien übertragen, dann hätten - entsprechend der Logik ihrer Position - die Führer der BLPI vorschlagen müssen, das britische Herrschaftsgebiet in einen Flickenteppich von Nationen zu zerlegen, entsprechend den unzähligen sogenannten Unabhängigkeitsbewegungen, die sich in den folgenden Jahrzehnten in Kaschmir, Punjab, Tamil Nadu und den verschiedenen nordöstlichen Staaten entwickelten.

Wir können die Sache noch einen Schritt weiterführen. Wenn die trotzkistische Bewegung "jämmerlich dabei versagte, eine Beziehung herzustellen" zur buddhistischen und hinduistischen Erneuerungsbewegung in Sri Lanka, dann sollte man sie auch dafür verurteilen, den "demokratischen Charakter" von Lokalbewegungen wie der Muslim League und ihrer Forderung nach einer unabhängigen pakistanischen Nation nicht anerkannt zu haben. Vermutlich hätten die Marxisten den britischen Imperialismus dafür loben sollen, dass er den Subkontinent entsprechend den religiösen Gruppen in Pakistan und Indien aufgeteilt hat, mit allen daraus folgenden Konsequenzen, wie dem Tod von Hunderttausenden Menschen in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen lokalen Gruppen. Wenn die Briten dasselbe in Sri Lanka getan hätten - ein hinduistisches Eelam im Norden und Osten und einen buddhistisches Sri Lanka im Süden - hätte das alles in allem zur Erfüllung Ihrer Perspektive beigetragen.

Die trotzkistische Bewegung hat zu jener Zeit korrekterweise gegen solche reaktionären Strömungen gekämpft. Die Führung der BLPI gründete ihre Perspektive auf den Aufbau einer Partei, um die Arbeiterklasse nicht nur in Sri Lanka, sondern im gesamten indischen Subkontinent zu vereinigen. Sie zeigte auf, dass die britische Entscheidung, getroffen in Absprache mit der Bourgeoisie in Ceylon, einen unabhängigen Nationalstaat Sri Lanka zu schaffen, darauf abzielte, eine sichere Operationsbasis für die Briten zu schaffen, von wo aus sie ihre Interessen auf dem im Aufruhr befindlichen Subkontinent verteidigen konnten. Die BLPI erklärte, dass Großbritannien versuche, Sri Lanka zu einem "asiatischen Ulster, einer Bastion des Empires gegen die längst überfällige indische Revolution" zu machen, und fügte hinzu: "Die ceylonesische Bourgeoisie war durchaus bereit, sich dafür bestechen und schmieren zu lassen, den Briten zu erlauben, von Ceylon aus mit der Pistole auf das Herz Indiens zu zielen."

Die BLPI verwies auf den betrügerischen Charakter der Unabhängigkeitsabkommen, die in Sri Lanka und anderswo geschlossen wurden. Der Imperialismus hatte einfach der einheimischen Bourgeoisie die Aufgabe übertragen, ihre Interessen zu verteidigen, einer Bourgeoisie, die wirtschaftlich von den Großmächten völlig abhängig und politisch unterwürfig blieb. Die BLPI schrieb in ihrer Erklärung: "Der neue Status, den sie erreicht haben, ist nicht nur keine Unabhängigkeit, sondern in Wirklichkeit eine Umgestaltung der Sklavenketten, mit denen Ceylon an den britischen Imperialismus geschmiedet ist. Es ist eine Fortführung der Methoden des britischen Imperialismus diese Rolle weiterzuspielen...

Der einheimischen ausbeutenden Klasse von Ceylon wurde fast vollständig die Aufgabe übertragen, die Interessen des britischen Imperialismus in Ceylon zu verwalten."

Der jämmerliche Charakter solcher Vereinbarungen wurde besonders anschaulich in Sri Lanka, wo die politischen Vertreter der kapitalistischen Klasse, wie z. B. D. S. Senanayake, erst sehr spät begonnen hatten, Diskussionen über die Unabhängigkeit zu führen - vor allem um die wachsende Unterstützung für die Trotzkisten zu unterhöhlen. Erst 1946 -historisch gesprochen in letzter Minute - gründete die Bourgeoisie ihre eigene politische Partei, die United National Party (UNP).

Ein Historiker beschrieb den Prozess folgendermaßen: "[Im Jahr 1947] führte O. E. Goonatilleke [ein Minister des Staatsrats] die Verhandlungen in Whitehall [das Kolonialministerium in London] im Auftrag von Senanayake. In Whitehall verstand man sehr klar, dass Senanayake und seine Mitstreiter dem wachsenden Druck von linksgerichteten Kräften ausgesetzt waren, abgesehen von anderen Kritikern, und dass die sofortige Gewährung des Dominion-Status [sich selbst regierendes Land des britischen Staatenbunds] jetzt eine dringende, wenn nicht zwingende Notwendigkeit war, um ihr politisches Überleben zu sichern."

Die BLPI boykottierte die offiziellen Übergabe-Zeremonien und rief zu einer Demonstration auf dem Galle Face Green in Zentral-Colombo auf, um gegen den betrügerischen Charakter der Unabhängigkeit und gegen die Verfassung zu opponieren, die von den Briten oktroyiert war. Mehr als 50 000 Menschen folgten dem Aufruf und machten der UNP-Regierung damit klar, dass die Arbeiterklasse in ihr kaum mehr als den Lakaien der privilegierten Elite sah.

Nach der Unabhängigkeit war die trotzkistische Bewegung - im Gegensatz zu dem, was Sie andeuten - in der Lage, eine beträchtliche Anhängerschaft in der Arbeiterklasse aufzubauen - sowohl der tamilischen als auch der singhalesischen - und zwar genau wegen ihrer prinzipiellen Verteidigung grundlegender demokratischer Rechte. Während Teile der tamilischen Bourgeoisie in Jaffna stillschweigend die Entscheidung der UNP-Regierung hinnahmen, Hunderttausenden von tamilischen Plantagenarbeitern das Bürgerrecht abzuerkennen, kämpfte die BLPI aktiv gegen die reaktionären Bürgerrechts-Gesetze und warnte davor, dass die UNP das Prinzip des Faschismus benutze, "der Staat muss mit der Nation und die Nation mit der Rasse eins sein".

Sie schreiben, dass die Unfähigkeit der trotzkistischen Bewegung, das Wesen der singhalesischen und tamilischen Erneuerungsbewegungen zu begreifen, "diese gesellschaftlichen Kräfte gegenüber opportunistischen elitären Politikern beider Seiten verwundbar machte. So kam die wachsende singhalesisch-buddhistische Erneuerungs-Kampagne in Konflikt mit der ersten postkolonialen Elite-Regierung der UNP. Eine neue kapitalistische politische Partei, die SLFP, entstand und ersetzte sie, während die etablierte LSSP hilflos zusah."

Sie irren sich in zwei Punkten.

Erstens: Die Entstehung der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) unter der Führung von S. W. R. D. Bandaranaike war eine Antwort der Bourgeoisie auf den wachsenden Einfluss der LSSP in der Arbeiterklasse - das zeigte sich am deutlichsten in dem landesweiten Protesttag von 1953. Der Generalstreik, verbunden mit der Schließung der Geschäfte, mit Protesten und politischen Unruhen gegen die Verdreifachung des Reispreises zwang die UNP-Regierung in die Knie und sorgte dafür, dass sie zurücktrat.

Zweitens: Das Versagen der LSSP bestand nicht darin, dass sie "hilflos zusah", sondern darin, dass sie genau das tat, was Sie ihr zu tun geraten haben - sich an die buddhistische Erneuerungsbewegung anzupassen und eine im Wesentlichen reaktionäre Bewegung als demokratisch und progressiv darzustellen. Dadurch begann die LSSP ihre frühere Kritik an der SLFP und Bandaranaike aufzugeben und so das politische Ansehen der SLFP in den Augen der einfachen Arbeiter und der Massen zu steigern. Das war die schiefe Ebene, die sehr schnell zur Degeneration der LSSP und zu ihrem Verrat führte.

Der Protesttag von 1953 war ein gewaltiger politischer Schock für die herrschende Klasse Sri Lankas. Er zeigte die riesige Kluft zwischen der UNP und der Masse der einfachen arbeitenden Menschen in den großen wie kleinen Städten und auf dem Land und gleichzeitig, welche Gefahr die LSSP für die bürgerliche Herrschaft als Ganzes darstellte. Keiner der kapitalistischen Politiker Sri Lankas genoss das Ansehen einer Persönlichkeit wie Gandhi oder Nehru, das aus dem Kampf gegen die Kolonialherrschaft entstanden war. Und als sie mit der Notwendigkeit konfrontiert waren, sich eine soziale Basis unter dem singhalesischen städtischen wie ländlichen Kleinbürgertum zu schaffen, wandten sie sich den Traditionen der buddhistischen Erneuerungsbewegung zu.

S. W. R. D. Bandaranaike, der in Oxford ausgebildete Sohn einer der Hauptstützen der britischen Kolonialherrschaft, der 1930 den Großen Singhalesischen Rat ins Leben gerufen hatte, gründete 1951 die SFLP. Aber erst bei den Wahlen von 1956, nach dem Protesttag, gestaltete er die buddhistische Erneuerungsbewegung zu einer politischen Plattform der SLFP um. Er nutzte dabei den Umstand, dass das Jahr offiziell Buddhas Jayanthi - der 2500ste Jahrestag seiner Erleuchtung war.

Durchsetzt mit antiimperialistischen und "sozialistischen" Phrasen, versuchte er die Hoffnungslosigkeit der singhalesischen Bauern angesichts der Arbeitslosigkeit, dem Mangel an öffentlicher Grundversorgung und anhaltender Armut auszubeuten, indem er sie gegen die englischsprachige Elite und gegen jene Tamilen richtete, die unter der britischen Herrschaft begünstigt worden waren. Bandaranaike erklärte, wenn man Sri Lanka zu einem buddhistischen Staat machen würde und Singhalesisch zur einzigen Staatssprache, dann würde das eine neue Ära "religiös-demokratischen Sozialismus" schaffen, in der die Singhalesen die beherrschende Stellung einnähmen. Indem er für diese Politik eintrat, drückte Bandaranaike nur offen aus, was der Logik der buddhistischen Erneuerungsbewegung eigen war: Dass die Singhalesen eine "auserwählte Rasse" seien und ihnen deshalb eine privilegierte Stellung in Sri Lanka zukäme.

Welche Art von Rhetorik dabei benutzt wurde, zeigt ein Bericht mit dem Titel: "Der Verrat am Buddhismus", den Bandaranaike unterstützte. Darin wird erklärt: "Obwohl es in diesem Land kein sichtbares ausländisches Joch in Form einer Kolonialregierung gibt, sind wir wie früher, bevor wir uns vor einigen Jahren von der britischen Fessel gelöst haben, dem unsichtbaren Joch von schlechten, unerleuchteten Unterweisungen, Bräuchen, Gewohnheiten, Sitten und Ansichten ausgesetzt, die die Briten pflegten. Deshalb leben wir immer noch in moralischer Gefangenschaft des Westens."

Der Bericht geißelt die Briten, weil sie das feudale System der Pflichtarbeiten für die Tempel abgeschafft und das Land der Tempel gestohlen hatten. Er hebt die Unterschiede bei der finanziellen Unterstützung für christliche und buddhistische Schulen hervor und beschimpft die Regierung, weil sie dem Christentum zuviel Einfluss einräume. "Das Christentum sitzt auf dem Thron, und Ceylon wurde an Händen und Füßen gefesselt unter das Kreuz gelegt", erklärt er und ruft dazu auf, einen Buddha-Sasana-Rat zu errichten, ausgestattet mit der Macht der singhalesischen Könige, finanziert vom Staat, als eine Art Wiedergutmachung für das zugefügte Unrecht.

Bandaranaike wurde von der buddhistischen Priesterschaft unterstützt, die ihre Mönche zu Propaganda-Feldzügen in die Städte und Dörfer schickten. Der amtierende UNP-Premierminister Sir John Kotelaluwa wurde als Inkarnation des Bösen gebrandmarkt - als die Personifizierung der unmoralischen, Whisky trinkenden, englisch sprechenden Elite. Die SLFP erreichte einen überwältigenden Wahlsieg, der selbst Bandaranaike überraschte. Einem Bericht zufolge hat er zu einem Interviewer gesagt: "Wissen Sie, mein Lieber, bisher habe ich nichts gefunden, dass die Leute so aufstachelt, wie diese Frage der [singhalesischen] Sprache es tut."

Nachdem er an die Macht gekommen war, setzte Bandaranaike unverzüglich eine Eklusiv-Politik für die singhalesische Sprache durch, die Singhalesisch an die Stelle von Englisch als offizieller Staatssprache setzte; diese Politik war eine direkte Diskriminierung der tamilischen Minderheit, die ab da gezwungen wurde, in der offiziellen Kommunikation eine Sprache zu benutzen, die sie nicht sprechen oder schreiben konnte. Viele Hochschulen, die früher in singhalesische, tamilische und englische Züge unterteilt waren, wurden gezwungen, auf Singhalesisch zu unterrichten - eine Politik, die auf konfessionelle Schulen ausgedehnt wurde, als der Staat sie in den frühen 60er Jahren übernahm.

1958 zwang die Regierung alle Staatsangestellten einen Sprachtest zu absolvieren, der die Beherrschung der singhalesischen Sprache nachweisen sollte - alle, die durchfielen oder sich weigerten, daran teilzunehmen, wurden in den Ruhestand versetzt. So sollte gewährleistet werden, dass singhalesische Buddhisten in den oberen Rängen der Staatsbürokratie und dem Militär dominierten; die Militärs wurden in wachsendem Maße von buddhistischen Elite-Schulen und -Hochschulen rekrutiert. Innerhalb des Militärs wurde ein buddhistischer Rat eingerichtet, der durch Zwangsabgaben von den Gehältern der Soldaten finanziert wurde.

Proteste der Tamilen wurden mit Pogromen und staatlicher Unterdrückung beantwortet. Bandaranaike, der die zentrale Rolle dabei gespielt hatte, chauvinistische Gefühle aufzupeitschen, ging nicht so weit, wie die singhalesischen Extremisten es forderten, und wurde 1959 von einem buddhistischen Mönch ermordet.

Die Reaktion der LSSP

Die LSSP, die sich 1950 mit der BLPI vereinigt hatte, widersetzte sich formell der SLFP und bezog einen prinzipiellen Standpunkt gegen die Exklusivpolitik für die singhalesische Sprache. Ihre Parlamentarier warnten, dass die Bourgeoisie die Grundlage für ethnische Konflikte und Krieg schuf, indem sie die eine Sprache aufs Podest hoben und die andere diskriminierte. "Wir glauben, dass die Gleichberechtigung (zwischen der singhalesischen und der tamilischen Sprache) der Weg zur Freiheit unserer Nation und der Einheit ihrer Teile ist. Andernfalls könnten zwei kleine blutende Staaten aus einem kleinen Staat hervorgehen", warnte Colvin R. de Silva. Außerdem mobilisierte die LSSP ihre Jugendorganisationen in Teilen von Colombo, um Tamilen und ihre Häuser physisch vor den rassistischen singhalesischen Schlägern zu schützen.

Unter dem Druck der SLFP-Kampagne begann die LSSP jedoch sich selber an den Rahmen der parlamentarischen Politik und den singhalesischen Chauvinismus anzupassen. Ihre Haltung gegenüber dem Buddhismus war zwiespältig. Die LSSP vertrat die Auffassung, der Buddhismus sei "Privatsache"; was insofern korrekt war, als es sich auf die Verteidigung der religiösen Freiheit des Einzelnen gegenüber staatlicher Einmischung bezog. Aber diese Formulierung wurde immer mehr zu einem Deckmantel, hinter dem die Partei ihr Versagen versteckte, die wachsende Integration des Buddhismus in die Staatsgeschäfte zu kritisieren. Marxisten haben immer die Trennung von Kirche und Staat gefordert - das Prinzip, das sich in den demokratischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts in Europa herausgebildet hat, um Gleichberechtigung für alle zu garantieren, unabhängig von ihrem Glauben.

Einige der bekanntesten LSSP-Führer, wie z. B. der Parlamentarier N. M. Perera, blieben immer aktive Buddhisten. Innerhalb der marxistischen Partei und im Kampf für eine wissenschaftliche, sozialistische Kultur in der Arbeiterklasse war Religion nie "Privatsache". Während sie gegen jede Art von religiöser Verfolgung Protest einlegen, stehen Marxisten gleichzeitig grundsätzlich allen Formen von Religion und Mystizismus feindlich gegenüber. Denn sie dienen nur dazu, ein passives Hinnehmen des Status quo einzuimpfen und die Meinung zu verbreiten, dass gesellschaftliche Veränderungen, wenn sie denn überhaupt nötig sind, durch übernatürliche Kräfte erreicht werden und nicht durch die Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen.

Für die politische Degeneration der LSSP war nicht nur sie allein verantwortlich. Sie wurde ermutigt und unterstützt durch einen opportunistischen Trend, der sich innerhalb der Vierten Internationale entwickelt hatte und von Michel Pablo und Ernest Mandel angeführt wurde. In der Zeit nach dem II. Weltkriegs passten sich die Pablisten an die erneute Stabilisierung des Kapitalismus und die scheinbare Stärke der existierenden Arbeiterbürokratien an, indem sie jegliche unabhängige Rolle der Arbeiterklasse oder der trotzkistischen Bewegung aufgaben. Pablo forderte die "wirkliche Integration in die Massenbewegung, wo immer sie sich in jedem Land ausdrückte" und bestand darauf, dass sich die Sektionen der Vierten Internationale in jedem Land an die vorherrschenden stalinistischen, sozialdemokratischen oder bürgerlich-nationalistischen Führungen anpassen. In Sri Lanka drückte sich diese Perspektive in der wachsenden Anpassung der LSSP an die SLFP und die singhalesisch-buddhistische Bewegung aus.

Obwohl die Führer der LSSP, zumindest anfänglich, eine gewisse orthodoxe Position in Bezug auf Fragen einnahmen, die Sri Lanka nicht betrafen, brachen sie dennoch nicht von Pablo und Mandel und traten nicht dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale bei, das 1953 gegründet wurde, um die Prinzipien des Marxismus zu verteidigen. Die Beziehung zwischen dem pablistischen Vereinigten Sekretariat und der LSSP war opportunistisch: Eine Hand wusch die andere. Als Gegenleistung dafür, dass es die LSSP als die "größte trotzkistische Partei der Welt" anpreisen durfte, gab das Vereinigte Sekretariat der immer offensichtlicher werdenden Anpassung der LSSP an Bandaranaike und die SFLP ihren Segen.

Der politische Niedergang der LSSP erreichte seinen Höhepunkt, als sie 1964 in die SFLP-Regierung unter der Führung von Bandaranaikes Witwe eintrat. Eine der ersten Handlungen der neuen LSSP-Minister war, den Segen der Oberpriester zu empfangen und öffentlich der am meisten verehrten Reliquie des Buddhismus in Sri Lanka zu huldigen - dem angeblichen Zahn von Buddha. Die LSSP gab ihre langjährige Unterstützung für die Tamilisch sprechenden Plantagenarbeiter auf und unterstützte das Abkommen, das Bandaranaike und der indischen Premierminister geschlossen hatten, um die meisten von ihnen nach Indien zurückzuführen.

Als 1970 erneut eine SFLP-geführte Regierung an die Macht kam, wurde unter der Leitung des LSSP-Ministers Colvin R. de Silva eine neue Verfassung entworfen, die den Buddhismus zur Staatsreligion erhob und Singhalesisch als offizielle Amtssprache bestätigte - und damit in direktem Widerspruch zu dem stand, was er in den 40er und 50er Jahren gesagt und geschrieben hatte.

Die Regierung von 1970 unter Bandaranaike führte noch weitere diskriminierende Maßnahmen durch. Es wurden ethnische Quoten eingeführt, um sicherzustellen, dass singhalesische Studenten an den Universitäten zahlenmäßig das Übergewicht hatten. Sie wurden noch verschärft durch die berüchtigten "Standardisierungs"-Vorschriften, die sich auf ganz eklatante Weise gegen die Tamilen richteten. Im öffentlichen Sektor wurden ähnliche Maßnahmen ergriffen. Die Top-Management-Positionen in den neugeschaffenen verstaatlichten Handelsunternehmen wurden alle an Singhalesisch sprechende Buddhisten vergeben - selbst im Bereich der Plantagen mit ihren tamilisch-sprachigen Arbeitskräften. Die Vergabe von Regierungskrediten und der Ausbau der Transport- und Kommunikations-Infrastruktur zielte darauf ab, die singhalesischen Geschäftsleute gegenüber den tamilischen zu bevorzugen.

Hier liegen die wirklichen Ursprünge der LTTE - nicht in der weit zurückliegenden tamilisch-hinduistischen Erneuerungsbewegung.

Bandaranaikes Politik entfachte ethnische Spannungen und leitete Frustrationen in rassistische und religiöse Kanäle. In diesem Klima entstanden neue politische Tendenzen. Im Norden und Osten wandten sich die Tamilen aus Verzweiflung über die systematische offizielle Diskriminierung und die kompromisslerische Haltung der tamilischen Parteien immer mehr dem militanten Separatismus zu. Die LTTE wurde aus Mitgliedern der Jugendorganisation der bürgerlichen Federal Party gegründet und begann mit terroristischen Überfällen, um ihrer Forderung nach einem unabhängigen Tamil Eelam Nachdruck zu verleihen.

Im Süden des Landes fand ein paralleler Prozess statt. In der Vergangenheit hatten bedeutende Teile der ländlichen Massen ihre Hoffnungen auf die LSSP und die Arbeiterklasse gesetzt, um ihrer verzweifelten Situation zu entkommen. Jetzt war jedoch die LSSP Teil der Regierung, die die Arbeitslosigkeit und die umfassende Armut zu verantworten hatte. Die unzufriedene singhalesische ländliche Jugend sah nicht mehr die Möglichkeit einer Klassenlösung ihrer Misere und fühlten sich deshalb zur Janatha Vimukti Peramuna (JVP) hingezogen, die auf einer eklektischen Mischung aus Maoismus, Castroismus und singhalesischem Chauvinismus basierte.

Die Hauptverantwortung für die wachsende Beliebtheit dieser auf Abstammungslehren basierenden, kleinbürgerlichen Bewegungen trug die LSSP, die ihre sozialistischen Prinzipien aufgegeben hatte und damit die Entwicklung einer unabhängigen revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse blockierte; einer revolutionären Bewegung, die ihre eigene Lösung für die vom Kapitalismus geschaffene soziale Krise bot. Der Generalstreik von 1953 hatte die Fähigkeit der Arbeiterklasse bewiesen, wichtige Teile der unterdrückten ländlichen Massen auf der Grundlage der sozialistischen Perspektive der LSSP auf ihre Seite zu gewinnen - sowohl Tamilen als auch Singhalesen. Indem sie sich das singhalesisch-buddhistische Volksgruppeninteresse zu eigen machte, sorgte die LSSP dafür, dass diese sozialen Schichten entweder unter dem Einfluss der zwei großen bürgerlichen Parteien verblieben oder sich der LTTE und der JVP zuwandten.

Internationalismus

Abschließend möchte ich noch zwei Dinge ansprechen.

Wie alle kleinbürgerlichen Nationalisten spotten Sie über die internationalistischen Slogans des Marxismus, die Sie für überhaupt nicht lebensfähig und utopisch halten. Sie schreiben: "Die edle Vision, die in der Forderung der SEP nach den,Vereinigten Staaten von Eelam und Sri Lanka‘ enthalten ist, ist tatsächlich sehr beeindruckend. Alle wahren Sozialisten können sogar von den,Vereinigten Staaten von Südasien‘ träumen und vielleicht sogar von den,Vereinigten Staaten der Welt‘, wie es H. G. Wells tat." Sie informieren uns im Folgenden darüber, dass die Vereinigten Staaten von Eelam und Sri Lanka, wenn sie überhaupt je gebildet werden, das Ergebnis diplomatischer Verhandlungen souveräner Staaten sein werden.

Wiederum ist Ihre Fragestellung sehr aufschlussreich. Es mag für Sie ein eher unbedeutendes terminologisches Problem sein, aber die SEP in Sri Lanka fordert in Wirklichkeit die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Eelam und Sri Lanka als Teil der Vereinigten Sozialistischen Staaten von Südasien. Denn in dem Vorhandensein und Nichtvorhandensein des Wortes "sozialistisch" sind zwei diametral entgegengesetzte Perspektiven, Programme und Methoden des Kampfs enthalten. Vielleicht wurde das Wort per Zufall ausgelassen, aber letzten Endes zeigt es, dass es Ihnen vollständig gleichgültig ist, ob der Staat Tamil Eelam kapitalistisch oder sozialistisch ist.

Und das steht in Beziehung zu einem noch grundlegenderen Problem. Der Sozialismus wird nur aus tiefgreifenden revolutionären Aufständen entstehen. Die Vereinigten Sozialistischen Staaten, ob nun auf der Insel Sri Lanka oder in breiterem Umfang auf dem ganzen indischen Subkontinent, werden nicht - wie Sie es nahe legen - aus einer Reihe von bewussten Aktionen unabhängiger und gleichberechtigter Staaten, sondern vielmehr aus revolutionären Kämpfen entstehen, die die Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen verschiedener ethnischer, sprachlicher und religiöser Herkunft um gemeinsame Klassenforderungen versammeln werden. Die Forderung ist deshalb eine Anleitung für revolutionäre Aktionen singhalesischer und tamilischer Arbeiter und nicht eine Schablone für Verhandlungen zwischen kapitalistischen Nationalstaaten.

Die UdSSR - Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - ging aus den revolutionären Erhebungen von 1917 hervor, die Arbeiter und Schichten von Bauern mit den verschiedensten nationalen Hintergründen in einem gemeinsamen Kampf zusammenbrachten, um die Errungenschaften der Revolution aufrechtzuerhalten und zu erweitern. In dem Maße, in dem sich national separatistische Tendenzen entwickelten, waren sie unweigerlich verbunden mit den Machenschaften offener Reaktionäre und den westlichen Mächten und wurden von den Massen im Allgemeinen auch so angesehen. Darüber hinaus reichte die enorme Anziehungskraft der russischen Revolution für die Arbeiterklasse weit über die Grenzen der UdSSR hinaus und zeigte die Möglichkeit einer breiteren Allianz sozialistischer Staaten in internationalem Maßstab.

Weit entfernt davon utopisch zu sein, gründet sich die marxistische Perspektive des proletarischen Internationalismus auf die Tatsache, das der Kapitalismus die Weltwirtschaft zu einem mächtigen miteinander verbundenen Ganzen integriert hat. Im Verlauf der letzten zwei bis drei Jahrzehnte hat die Globalisierung der Produktionsprozesse, basierend auf den Fortschritten in der Computer- und Kommunikations-Technologie, die Arbeiter in verschiedenen Länder in immer engere Abhängigkeit voneinander gebracht. Die Arbeiter in Sri Lanka, was immer ihr ethnischer oder religiöser Hintergrund sein mag, sind sich sehr bewusst darüber, dass ihre Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen von internationalen Märkten bestimmt werden und nicht von nationalen Bedingungen. Völlig utopisch ist die Vorstellung, dass ein kapitalistisches Tamil Eelam "unabhängiger" wäre als der gegenwärtige srilankische Staat oder in eher in der Lage, den Lebensstandard der Arbeiterklasse und der Massen zu verbessern.

Ein letzter Punkt

Wie SR behaupten Sie, die Kritik der SEP am Programm und den Perspektiven der LTTE spiele nur der herrschenden Klasse und der Armee Sri Lankas in die Hände. Ohne eine Spur von Beweisen oder jeglicher Untersuchung des Leumunds des SEP behaupten Sie - ungeachtet der Forderung der Partei nach einem sofortigen Rückzug der Truppen aus dem Norden und Osten - dass die Opposition der SEP gegen die LTTE der Grund sei, warum der SEP der offizielle Wahlstatus verliehen und ihr erlaubt wurde, innerhalb der von der Armee kontrollierten Kriegszonen zu operieren.

Dies ist dasselbe veraltete Argumente, das Opportunisten seit seiner Entstehung gegen den Marxismus benutzt haben - "Jede Kritik nützt nur der Reaktion". Der trotzkistischen Bewegung sind Verleumdungen dieser Art sehr vertraut. Stalin brandmarkte Trotzki als Faschist, mit der Begründung, seine Kritik an der Politik der Bürokratie spiele in Hitlers Hände, und liquidierte anschließend nicht nur Zehntausende von Trotzkisten physisch, sondern jeden, der irgendeine Verbindung zur Oktoberrevolution hatte oder jemals einen originellen oder kritischen Gedanken äußerte. Sein Schützling in Vietnam, Ho Chi Minh, der laut SR hätte kritiklos unterstützt werden sollen, ermordete 1940 führende Trotzkisten in diesem Land, um zu verhindern, dass sie seine Manöver mit dem Imperialismus politisch entlarvten.

Die Forderung der SEP nach einem Rückzug der Truppen und ihre Kritik an der LTTE sind nicht neu. Wenn der srilankische Staat nun auf einmal seine Meinung ändert, nachdem er jahrzehntelang den Antrag der SEP auf Anerkennung des offiziellen Wahlstatus abgelehnt hat, dann hing das mit der heftigen politischen Krise in Colombo und der Notwendigkeit zusammen, irgendwie zu verhindern, dass die SEP zu einem Sammelpunkt der Opposition gegen die Regierung und den Krieg wird. Vielleicht könnte man die SEP, indem man ihr den offiziellen Status verleiht, dazu bewegen ihre Politik zu verändern und abzuschwächen? Die Antwort auf diese Herausforderung hat die SEP-Führung in ihrem Wahlmanifest und vielen weiteren Artikeln gegeben: Sie hat die Wahlen dazu benutzt, um die Regierung zu verurteilen, gegen den Krieg zu kämpfen und den Kampf für sozialistische Politik fortzusetzen.

Was die Möglichkeiten der SEP angeht, in den Kriegszonen des Landes und sonst überall in Sri Lanka zu agieren, so war das immer abhängig von der Fähigkeit der Partei, für ihre demokratischen Rechte zu kämpfen und Unterstützung in der Abeiterklasse und bei den unterdrückten Massen zu gewinnen. Die SEP hat Kampagnen geführt nicht nur für die Freilassung ihrer Mitglieder aus Polizeihaft, sondern 1998 auch gegen die willkürliche Festnahme vier ihrer Mitglieder in der Region Vanni, wo die LTTE als Quasi-Staatsautorität fungiert. Die Tatsache, dass die Führung der LTTE dieselben Methoden benutzt wie der srilankische Staat, um zu versuchen, die Partei einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, beweist die zugrunde liegende Klasseneinheit. Von verschiedenen Standpunkten aus hegen beide eine tiefe Feindschaft gegenüber der revolutionären Perspektive der SEP, die sich auf die Arbeiterklasse gründet.

Ihre Unterstellung, die SEP würde in irgendeiner Weise die Armee unterstützen, ist eine plumpe Erfindung, die darauf abzielt, den Einfluss der SEP unter Tamilen einzudämmen und, sollte das fehlschlagen, andere Methoden zu rechtfertigen, mit der ihre Kritik zum Schweigen gebracht wird. Aber vielleicht lehnen sie diese Schlussfolgerungen, die sich aus Ihrem Schreiben ergeben, selbst ab. In diesem Fall würden wir eine Erklärung von Ihrer Seite begrüßen, in der Sie Ihre unbegründeten Anschuldigungen zurückziehen und bedingungslos das Recht der SEP verteidigen, im gesamten Land für ihr Programm zu werben, einschließlich der Gebiete, die sich unter der Kontrolle der LTTE befinden.