A.I. - Artificial Intelligence, Regie Steven Spielberg

Nochmals von vorn beginnen

Von David Walsh
28. Juli 2001

A.I. - Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz) ist ein Science-Fiction-Film, inszeniert und geschrieben von Steven Spielberg nach einer Idee des verstorbenen Filmemachers Stanley Kubrick. Die Kurzgeschichte, die den Film inspiriert hat, Brian Aldiss' "Super-Toys Last All Summer Long" ("Künstliche Intelligenzen"), erschien ursprünglich 1969, nur ein Jahr nach Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Ein Jahrzehnt später erwarb Kubrick die Rechte an Aldiss‘ Geschichte und unternahm in den folgenden zwanzig Jahren sporadische Versuche, daraus einen Film zu machen.

Spielberg berichtet, dass die beiden Regisseure sich in den späten siebziger Jahren anfreundeten. Ihre Beziehung war im Wesentlichen auf Telefongespräche und Faxmitteilungen über den Atlantik hinweg beschränkt (der in Amerika geborene Kubrick lebte in Großbritannien). Spielberg erklärt: "Ich traf ihn vielleicht zwölfmal in zwanzig Jahren. Aber eines Tages sagte er plötzlich mitten im Gespräch: ‚Eigentlich solltest du A.I. drehen und ich ihn für dich produzieren.‘.... Ich war schockiert und sagte: ‚Warum solltest du das wollen, Stanley?‘ Er sagte nur: ‚Nun, ich denke, dass dieser Film deiner Sensibilität mehr entspricht als meiner‘." Nach Kubricks Tod wandte Spielberg seine Aufmerksamkeit der Vollendung dieses Projekts zu.

Was ist nun das Resultat der kombinierten Sensibilität dieser beiden unbestreitbar talentierten Regisseure?

Ein Kunstwerk, dass sich mit wirklich wichtigen menschlichen Problemen beschäftigt, setzt gerade dadurch den Maßstab, an dem es gemessen werden muss. Es kann sein, dass ein bestimmtes Werk diese Probleme unserer Meinung nach unzureichend behandelt, doch zumindest liefert es uns sozusagen freiwillig die Kriterien an die Hand, mit denen es analysiert werden kann.

Unglücklicherweise muss man sich heute mit zahlreichen Filmen vom Standpunkt her befassen, dass das Entscheidende darin völlig fehlt, kaum beachtet wird oder nur ganz versteckt vorkommt. Dies ist ein Symptom des intellektuellen Niedergangs. Im Großen und Ganzen zeigt die privilegierte Schicht, die heute für die meisten Studiofilme verantwortlich ist, keine Neigung, die großen Probleme unserer Zeit zu ergründen, auch nicht - wie nicht anders zu erwarten - die tiefe soziale Spaltung, auf der ihr Reichtum und ihre Privilegien beruhen. Die Personen, aus denen diese Gesellschaftsschicht besteht, sind im Allgemeinen mit dem Status Quo ganz zufrieden. Sie beschäftigen sich mit anderen Fragen - zuförderst: wie komme ich mit einer gesellschaftlichen Situation zurecht, deren Grundlagen ich nicht in Frage stelle.

Steven Spielbergs Film illustriert einige der aktuellen Schwierigkeiten mit aller Deutlichkeit. A.I. beginnt zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, zu dem, wie uns eine ruhige Hintergrundstimme zu Beginn des Films informiert, die polare Eiskappe geschmolzen ist, zahlreiche große Städte im Meer versunken sind, auf Grund erschöpfter Ressourcen "Millionen" verhungert sind und in bestimmten Regionen das Kinderkriegen Beschränkungen unterliegt. Roboter, die wenig oder nichts konsumieren, spielen eine immer größere Rolle.

Und nach dieser kurzen Einleitung geht der Film munter weiter. Halten wir einen Moment inne und vergegenwärtigen uns die Fakten, die die Filmemacher nur kurz streifen und ansonsten als gegeben hinnehmen.

Wir sollen uns also eine Welt vorstellen, die durch die globale Erwärmung und eine allgemeine ökologische Krise derart verwüstet ist, dass Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten. Diese Ereignisse haben aber offenbar keine weitreichenden politischen Konsequenzen gehabt, denn der Film erwähnt keine. Unzählige Menschen gingen offensichtlich passiv in den Tod, weil sie den Standpunkt der Filmemacher teilten, dass eine solche Katastrophe angesichts einer dem Konsum verfallenen Gesellschaft ein "natürliches" und unvermeidliches Phänomen sei.

In malthusschem und menschenfeindlichem Ton klagt der Film implizit die Menschheit an, über ihre Verhältnisse zu leben; seine Einleitung wirft keine Fragen über die Organisation der gesellschaftlichen Beziehungen auf. (Wie bei den meisten Science-Fiction-Werken erstreckt sich auch bei A.I. die Phantasie nur auf die Welt der Dinge oder die Beziehung zwischen Menschen und Dingen.) Die erste Szene findet in der Hauptverwaltung von Cybertronics statt, einer privaten Firma, die Roboter herstellt. Ein Teil der Erdoberfläche ist unter Wasser gesetzt, und ein Teil der Bevölkerung an Hunger gestorben, aber die amerikanische Hightech-Firma ist unbeschadet. Ist das nicht schon eine typisch philisterhafte Sichtweise? Die Welt ohne den amerikanischen Kapitalismus? - undenkbar! Angesichts dieses Rahmens und Ausgangspunkts kann der weitere Verlauf von A.I. nur beschränkt sein - und ist es auch.

Ein Wissenschaftler von Cybertronics enthüllt ein ambitioniertes Projekt: er will einen Roboter produzieren, der die Fähigkeit zum Lieben hat. Kann er auch geliebt werden? - fragt jemand. Der Film entwickelt im wesentlichen diese Frage. Ein Roboter mit dem Innenleben eines Jungen namens David wird gebaut und provisorisch bei einem Paar, Monica und Henry, untergebracht, deren Sohn im Koma liegt. Nach anfänglicher Abneigung beginnt Monica eine Beziehung zu ihrem neuen "Sohn" zu entwickeln. Sie gibt den Code ein, der ihn für immer an sie bindet. Er nennt sie zum erstenmal "Mama".

Die wundersame Genesung Martins, des natürlichen Kindes des Paars, kompliziert die Sache jedoch. Der Junge ist eifersüchtig auf David und unfreundlich zu ihm. Überhaupt ist die ganze Familie nicht besonders liebenswert. Jedenfalls wird Davids Anwesenheit zu einem störenden Faktor, und Monica sieht sich schließlich gezwungen, das Roboterkind in einem Wald auszusetzen, obwohl es weint und bettelt, nicht allein gelassen zu werden. (Die Alternative wäre, es an Cybertronics zur Zerstörung zurückzugeben).

Der Rest des Films besteht aus dem langwierigen Bemühen Davids, einen Weg zu finden, "real" zu werden, damit er nach Hause zurückkehren und von seiner "Mutter" geliebt werden kann. Nach einer Flucht von der ‚Fleischmesse‘, wo Roboter vor den Augen einer kreischenden Menge zerstört werden, reisen David und sein neuer Gefährte Gaukler-Jo, ein Sex-Roboter, nach Rouge City, einem Zentrum der legalisierten Ausschweifung und Unordnung. Weil seine Mutter ihm die Geschichte von Pinocchio vorgelesen hatte (die Geschichte einer Holzpuppe, die ein Mensch wurde), ist David entschlossen, die Blaue Fee aus dem Märchen zu finden, damit sie ihn zu einem wirklichen Jungen mache. Rastlos verfolgt er sein Ziel, geliebt zu werden und "einzigartig" in Zeit und Raum zu sein.

Und dabei gibt es kein Erbarmen.

Der Widerspruch zwischen den technischen, ja mehr noch, umfassenden visuellen Fähigkeiten amerikanischer Filmemacher auf der einen Seite und der Banalität ihrer Ideen auf der anderen wird langsam unerträglich.

Es ist behauptet worden, A.I. werfe ein Licht darauf, was es bedeute, "menschlich zu sein". Es wäre wohl richtiger zu sagen, dass der Film ein Licht auf die Konzeption Spielbergs und Kubricks - und außerdem eines bestimmten sozialen Typs von heute wirft, - was es bedeutet, menschlich zu sein.

Hinter der Mutterliebe, der Sentimentalität und dem leeren Geschwätz über das Wesen der Menschheit - "seinen Träumen nachzujagen" - kommt in dem ganzen Film eine eher düstere Ansicht über die Menschheit und ihre Perspektiven zum Vorschein. Im Kern ist die menschliche Gesellschaft gescheitert. Die technologische Evolution hat die Reichtümer des Planeten einfach vergeudet und eine ökologische und soziologische Katastrophe hervorgebracht.

Die Menschen, denen wir begegnen, hinterlassen einen eher schlechten Eindruck. Die Wissenschaftler von Cybertronics sind selbstzufrieden und patriarchalisch, und ihre Projekte wirken leicht bedrohlich. Davids "Familie" ist ziemlich kalt und selbstsüchtig. Die Maschinenstürmer, die auf der Fleischmesse die Roboter zerstören, stacheln die rückständige und geistlose Masse an; (richtet sich das vielleicht gegen die Antiglobalisierungsprotestler?). Es scheint den snobistischen Ansichten der oberen Mittelklasse zu entsprechen, die sich den gemeinen Mann als "Mob" vorstellt. Insgesamt scheint es David besser zu gehen, wenn er sich von den Menschen fernhält, selbst von seiner idealisierten Mutter.

Menschenfeindlichkeit ergab sich für Stanley Kubrick auf ganz natürliche Weise. In einer Kritik von 2001: Odyssee im Weltraum schrieb Andrew Sarris vor mehr als 30 Jahren scharfsichtig (und vorausschauend) - wenn auch ein wenig zu hart: "Nach der satirischen Entfremdung von Dr. Strangelove verwandte Kubrick fünf Jahre und zehn Millionen Dollar auf ein so lebens- und gefühlsleeres Science-Fiction-Projekt, dass ein Computer namens Hal als der sympathischste Charakter in einem wirren Szenario erschien."

Es gibt offensichtliche Ähnlichkeiten zwischen 2001: Odyssee im Weltraum und A.I., nicht zuletzt in der Darstellung von Maschinen als sympathische Charaktere; A.I. geht hier sogar noch mehrere Schritte weiter. Die beiden Filme entwerfen eine korrupte und gescheiterte Welt, deren Rettung scheinbar darin liegt, einfach "nochmals von vorne zu beginnen", durch die Geburt einer neuen Rasse, geschaffen aus einer außerirdischen (göttlichen?) Metamorphose von Mensch in Maschine und Maschine in Mensch.

David Edelstein kommentierte in Slate : "Ich hatte mir nie vorher ihre [Kubrick und Spielbergs] Ähnlichkeit bewusst gemacht - ihr gemeinsames Sehnen nach Maschinen, die die Menschheit aus ihrem Unglück befreien.." 2001 und A.I. enden mit dem Bild eines Kindes, eines Adam, vermutlich als Stammvater dieser neuen, höheren Rasse. (Die Frage bleibt natürlich unbeantwortet, wie niedere Wesen - Menschen - Computer und Roboter schaffen können, die weit edler und tugendhafter sind, als sie selbst.)

Es ist alles ziemlich wirr und unangenehm, und es ist bedenklich, dass Steven Spielberg das so hinnimmt, selbst wenn man Kubricks etwas energischere Persönlichkeit in Betracht zieht. (Natürlich wird es den unkritischen Kubrick-Bewunderern gegen den Strich gehen, dass dieser mit dem weit weniger mondänen Spielberg Bekanntschaft schloss.) Spielberg ist weit mehr als nur der populärste amerikanische Regisseur des letzten Vierteljahrhundert, der - als Regisseur und Produzent - an zahlreichen "Blockbusters" beteiligt war. Er ist auch eine ziemlich prominente Figur in Kreisen der Demokratischen Partei und soll Bill Clinton recht nahe stehen. Der Pessimismus und die Desorientierung dieses liberalen, oder einstmals liberalen Milieus, sein Gefühl, dass die Gesellschaft nicht "repariert" werden kann, ist wichtig und vielleicht eine relativ neue Entwicklung. Es ist schon fast peinlich, auf die Absurdität der Tatsache hinzuweisen, dass Spielberg, einer der allerreichsten Menschen in einer Industrie, die vor reichen Individuen nur so wimmelt, die Weltbevölkerung dafür geißelt, über ihre Verhältnisse zu leben.

Man könnte argumentieren, dass A.I. nur eine mahnende Geschichte sei, ihre Düsterkeit nur eine Mahnung daran, was der Menschheit bevorstehe, wenn sie nicht inne halte und den Kurs ändere. Alles gut und schön, außer das Kubrick und Spielberg in ihrer Erzählung dem Betrachter keine Wahl lassen. Ihr Drama geht nicht auf den Kampf der Weitsichtigen gegen die Kurzsichtigen ein, in einer Zeit vor der großen Flut und Massenhungersnot. Die Unfähigkeit der Menschen, solche Kalamitäten zu verhindern, wird vielmehr als gegeben angenommen. Sie ist der Ausgangspunkt der Erzählung, nicht ein Teil der Argumentation.

Welcher Anteil an A.I. ausschließlich Spielberg zufällt, kann unmöglich bestimmt werden. Es gibt einiges, das seine "Handschrift" verrät, im Positiven wie im Negativen. Es ist schon ein Gemeinplatz, dass seine persönlicheren Filme immer wieder zu dem Bild des einsamen und verlassenen Kindes zurückkehren, das der Gnade einer ziemlich unfreundlichen, von Erwachsenen dominierte Umgebung ausgeliefert ist. Wohin führt dieses Thema, wenn es völlig von einer Kritik dieser Umgebung (wie z.B. bei Kipling) losgelöst und ohne jede welthistorische Einordnung behandelt wird? Nicht zur Untersuchung der objektiven Realität, nicht zum Protest gegen sie, sondern zur Schaffung einer Nische (materiell oder nicht) für den einsamen Jungen, die es ihm ermöglicht, den mehr oder weniger willkürlichen Schlägen der Welt standzuhalten und sich vielleicht einen Platz in ihr zu erkämpfen. Eine erfolgreiche Karriere scheint die süßeste Rache zu sein.

Zudem ist die Unterstellung, dass die Trennung von Mutter und Kind die Quelle des Unglücksgefühls der Menschheit sei - dieser Film ist darauf fixiert -, offen gesagt ignorant und irreführend. Diese Trennung ist, von allem andern mal abgesehen, ein unvermeidlicher Teil des Heranwachsens. Wenn die Welt, in die das Kind eintritt, kalt und gefühllos und oft auch noch schlimmer ist, dann ist das kein psychologisches Problem, das gelöst werden könnte - wie auch? -, indem es sich etwas länger an die Brüste klammert, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Vielleicht wollen die Filmemacher ja sagen, dass ein ordentlicher Teil dessen, was in der Welt falsch läuft, daher kommt, dass Kinder nicht genügend Aufmerksamkeit und Liebe bekommen. Das ist eines der Argumente, die nichts erklären. Erstens schiebt es die Beantwortung der Frage nur vor sich her. Kinder sind angeblich emotional freigiebig, Erwachsene dagegen kühl. Aber jeder Erwachsene war einmal ein Kind. Wie werden emotionale Kinder zu kalten Eltern? Zweitens kann ein solches Argument nur von jemandem kommen, der in komfortablen Verhältnissen lebt. Elternliebe ist bei Armen im Überfluss vorhanden, aber sie beseitigt nicht das soziale Elend oder die Traumata, die dieses Elend begleiten.

Fast alles in A.I., ob nun bewusst oder nicht, dient dazu, die Aufmerksamkeit des Betrachters von seiner tagtäglichen Realität abzulenken. Man muss einen Moment inne halten, einen tiefen Atemzug nehmen und sich in Erinnerung rufen, dass hier nicht blanke Boshaftigkeit am Werk ist, sondern die Perspektive eines extrem privilegierten Filmemachers, der in einer vom Alltag breiter Bevölkerungsschichten weit entrückten Welt lebt.

Leider wurden alle Schwächen Spielbergs dadurch noch hervorgehoben, dass er Kubricks allgemeine Abneigung gegen die Menschheit übernahm, oder zumindest die Verantwortung dafür teilte. Wenn die Gesellschaft ihre Unfähigkeit bewiesen hat, das Glücksproblem der Menschheit zu lösen, um wieviel mehr Grund hat dann die begabte Seele, sich auf ihre eigenen persönlichen Bedürfnisse zu konzentrieren. Wer sonst wird einen Finger rühren? Wenn man mal das ganze emotionale und visuelle Feuerwerk beiseite lässt, dann ist A.I. die Geschichte über ein Individuum, dass es vor dem Hintergrund allgemeiner Zerstörung schafft, seine "Einzigartigkeit" zu finden und zu kultivieren, sich selbst "real" zu machen, während die meisten anderen ihre Realität (im wörtlichen oder übertragenen Sinne) einbüßen. Am Ende wird es monströs: meine Individualität soll blühen, und mag die Welt zu Grunde gehen! Die Tatsache, dass das "Individuum", um das es geht, aus Halbleitern und Drähten besteht, unterstreicht nur die Verachtung, die der Film gegenüber der Menschheit zum Ausdruck bringt.

Die "Menschlichkeit" wird in A.I. strikt mit der Selbstverwirklichung des Individuums oder mit seinen unmittelbaren biologischen Beziehungen identifiziert. Jede kooperative menschliche Tätigkeit ist in dem Film bedrohlich oder missbräuchlich. In Wirklichkeit existieren Menschen innerhalb definitiver gesellschaftlicher Beziehungen und führen gesellschaftliche Aktivitäten aus; dadurch erst werden sie wirklich, was sie sind. Die Konzeptionen der Filmemacher sind schwach, und mehr noch, sie belegen einen tiefen Vertrauensverlust in das kollektive Potential der Menschheit.

Anscheinend fällt es den Machern des Films gar nicht auf, dass Produktion und Vertrieb von A.I. selbst hochentwickelte, komplexe gesellschaftliche Prozesse sind, die die Arbeit (und die Arbeitsteilung) von Hunderten, wenn nicht Tausenden Menschen erfordern. Dieses Element des modernen Lebens, die gesellschaftliche Produktion, fehlt in Spielbergs Film völlig. Cybertronics ist eine Produktionsfirma, aber der Roboter ist einfach da. Niemand wird in dem Film bei der Arbeit gezeigt, mit Ausnahme einer kurzen Sequenz eines Computerreparaturteams. Das ist kein Zufall. Das reflektiert einiges von der Lebensrealität der beteiligten Personen, und allgemeiner gesprochen, von dem zunehmenden ökonomischen Schmarotzertum eines beträchtlichen Teils der amerikanischen Elite. Der Reichtum kommt, oder kam, scheinbar aus dem Nirgendwo - der Börse, dem Genie von Hightech, der Zauberei mit Spezialeffekten. Zweifellos schafft dieser Prozess auch Unruhe. Beide Tendenzen sind in dem Film sichtbar.

In A.I. gibt es auch faszinierende und bezaubernde Elemente und Momente. Einige Effekte muss man bewundern. Besonders der Gaukler Joe (Jude Law) ist eine bemerkenswerte technologisch-artistische Schöpfung. Spielberg und Kubrick sind recht stark. Man spürt, dass begabte, hingebungsvolle Menschen am Werk sind. Aber wirkliche Begabung muss auch ernstzunehmende Resultate hervorbringen. Unglücklicherweise fühlt man jedoch, und das ist der stärkere Eindruck, die Vergeudung von Talent, die Selbstzufriedenheit, die gesellschaftliche und historische Blindheit. Dreißig Jahre Vorbereitung für dies : ein Märchen über einen Roboter mit einem Mutterkomplex? Nein, das reicht nicht.