Frauen in der russischen Revolution

Die Briefe Natalia Sedowas an Leo Trotzki

Von Wladimir Wolkow
22. Juli 2003

Die Russische Revolution von 1917 bezog nicht nur Millionen von Bauern und Arbeitern in den Lauf der Geschichte ein. Auch die sozialistische Intelligenz, Träger des revolutionären Bewusstseins, betrat die Bühne des Weltgeschehens und führte die internationalen Traditionen der europäischen Sozialdemokratie und das beste Erbe der europäischen Kultur fort.

In diesem Milieu spielten Frauen bedeutende Rollen: Schillernde und lebendige Figuren wie Larissa Reissner, Alexandra Kollontai und Inessa Armand sind wohlbekannt, doch bildeten sie keine Ausnahme. Neben ihnen gibt es Hunderte von anderen Frauen, die in die Geschichte der Revolution eingingen und dort ihre Spuren hinterließen.

Ruft man sich den klassischen, oft rezitierten Satz Charles Fouriers ins Gedächtnis, wonach der Entwicklungsgrad einer Gesellschaft an ihrer Einstellung Frauen gegenüber ablesbar sei, dann markiert die Russische Revolution einen großen Sprung vorwärts, der sozialen Befreiung jenes Teiles der Gesellschaft entgegen, der jahrtausendelang unterdrückt und abhängig gewesen war.

Eine freie revolutionäre Haltung zur Familie war untrennbar verbunden mit der politischen Perspektive der Revolution, und stützte sich auf Wissen anstatt auf überholte Vorurteile. Eine solche Moral war real vorhanden und drückte sich in den persönlichen Beziehungen zwischen männlichen und weiblichen Revolutionären aus.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Beziehung von Leo Trotzki und seiner Ehefrau Natalia Sedowa (1882-1962). Da sie nahezu vierzig Jahre Seite an Seite verbrachten und so keine Notwendigkeit für Korrespondenz bestand und ihnen noch weniger daran lag, ihre private Beziehung zur Sache der Öffentlichkeit zu machen, besitzen wir leider kaum schriftliche Belege. Insofern bringen wir den wenigen Briefen, die Natalia in den 1930ern an Trotzki schrieb und die im Trotzki-Archiv der Houghton-Bibliothek der Harvard Universität aufbewahrt werden (# 5560-5578), große Wertschätzung entgegen.

Natalia Sedowa war Trotzkis zweite Frau. In erster Ehe mit Alexandra Sokolowskaja, einer revolutionären Genossin aus dem Süden Russlands, war er Vater zweier Mädchen, Nina und Zina. Als Trotzki aus dem zaristischen Exil in Sibirien floh, war er gezwungen seine erste Familie zu verlassen. Doch er hielt eine warme und freundliche Beziehung zu seiner ersten Frau und seinen Töchtern aufrecht.

Trotzki lernte Natalia Sedowa 1903 auf einer Kunstausstellung in Paris kennen. Sie war eine Unterstützerin von Iskra, gehörte einem jugendlichen Emigrantenzirkel an und er war als Iskra-Vertreter soeben aus London angekommen um einen Vortrag zu halten. Schon bald zogen sie zusammen. 1906 kam ihr erster Sohn Liowa, 1908 in Wien dann der zweite Sohn Sergej zur Welt.

1933 nach einigen Jahren im türkischen Exil, in das Stalin sie im Jahr 1929 vertrieb, verließen sie ihr Zuhause in Prinkipo und gingen nach Frankreich. Natalia hielt sich eine Zeit lang in einem Sanatorium auf und schrieb einige Briefe an Trotzki. Andere Briefe datieren von 1937, als sie beide in Mexiko lebten, nachdem sie aus Norwegen vertrieben worden waren.

Es versteht sich von selbst, dass diese wenigen Briefe Natalias an Trotzki im Wesentlichen persönlicher Natur waren. Sie begann sie meist mit den Worten: "Mein süßes Löwenjunges" (Trotzkis erster Name Lev bedeutet im Russischen Löwe - d.Ü.) und der Inhalt der Briefe mied zumeist aktuelle politische und historische Themen. Natalia war um den gesundheitlichen und mentale Zustand ihres Mannes besorgt, und sie schreibt über ihre eigenen Gefühle und Umstände. Ab und zu spricht sie auch allgemeinere Fragen an oder räsoniert über die gemeinsame Vergangenheit.

So trauert sie beispielsweise bei einem Aufenthalt in Paris auf dem Weg zu ihrem Sanatorium um ihre Jugend, erinnert sich an die Zeit, zu der sie beide in Paris lebten und den Charme und Freiheit der Weltmetropole genossen (Brief vom 3.September 1933).

"Ich habe mich enorm verändert" schreibt sie, "ein Unterschied zwischen dem, was war, und dem, was heute ist, zwischen der Jugend und dem Alter. Es ist manchmal traurig und beängstigend, dann wieder zufriedenstellend, dass es möglich ist, etwas wiederzusehen, und alles hat sich verändert, es schmerzt, dass es unmöglich ist vergangene Empfindungen erneut auszukosten. Wir sollten zusammen durch Paris spazieren, aber ist das möglich? Es ist wie alte Briefe lesen... es ist schwer, vergangene Stufen zu erklimmen oder alte Briefe zu lesen."

In einem anderen Brief vom 9. Oktober 1933 sinnt sie darüber nach, wie schwierig sich ihrer beider Leben erwiesen hätte, vieles wäre dabei auf der Strecke geblieben (Pläne, Gelegenheiten - d.Ü.), sie hätten viele Schwierigkeiten überwinden müssen: "Diese Art von Leben haben wir miteinander geteilt, schade, dass wie nach all diesen Erfahrungen nicht zur frühen Einfachheit der Dinge, zu einer "Ein-Zimmer-Wohnung' zurückkehren können."

In einem Brief vom 21./22. Juli des Jahres 1937 erinnert sie sich an ihre Arbeit im Direktorat der sowjetischen Museen. Auf diese Arbeit sei sie kaum vorbereitet gewesen, viele Fehler seien geschehen und die Dinge seien schwierig gewesen. Als Trotzki ihr einmal zu einem gut gelungenen Vortrag gratuliert habe, sei sie glücklich gewesen, etwas Qualitätsvolles erarbeitet zu haben. Sie schildert das folgendermaßen:

"Morgen des 22. Juli. Ich habe Dir oft erzählt, dass die Arbeit im Museum eine bedeutende Aufgabe für mich war, so ungewohnt, so anders. Meine Position verlangte mir viel ab. Stets plagte mich ein Gefühl der Unzulänglichkeit, dass ich nicht in der Lage wäre, meine Arbeit anständig zu erledigen, dass ich mehr arbeiten müsste, auch wenn mir dadurch noch weniger Zeit zu Hause bliebe und ich meine Abende der Arbeit widmen müsste. Es war notwendig an bestimmte Orte zu reisen. Manche meiner Arbeitskollegen, besonders diejenigen aus den Provinzen konnten mir viel beibringen. Und du hast meine Schwierigkeiten nie recht verstanden, meinen Mangel an Einarbeitung und die Verantwortung. Ich konnte mich lange Zeit nicht entscheiden, ob ich die Stelle annehmen sollte. Ich habe dies mit Dir diskutiert und Du rietest mir eine geringere Position anzustreben. Doch das Kommissariat für Erziehung beharrte darauf, dass ich die Stellung annahm. Meine Arbeit glich Prüfungsvorbereitungen, Prüfungen, die Jahre andauern würden. Ich erinnere mich, dass Du, wenn ich versuchte auf meine Arbeit und auf die persönlichen Beziehungen zwischen den Kollegen zu sprechen zu kommen, stets versuchtest, das Thema mal höflich, doch oft auch ungehalten zu umgehen. Ich erinnere mich einen Brief an das Zentralkomitee zum Thema der professionellen Spezialisten verfasst zu haben, über den Du sagtest: ‚Das ist gut ausgedrückt.' Dies war ein Augenblick meines Triumphes. Schon eine Weile hatte ich Dir den Brief zeigen wollen, doch nie ergab sich der richtige Moment, da Du zu diesem Zeitpunkt sehr beschäftigt warst. Wir sahen einander nur für Augenblicke während des Mittagessens oder des Abendbrotes. Manchmal verbrachte ich Abende zu Hause, an denen ich hoffte dich zu treffen, gleichzeitig in Sorge, dass meine Kollegen mich wegen des Fernbleibens von einer abendlichen Konferenz tadeln würden. In solchen Situationen erschienst Du üblicherweise erst, wenn ich bereits zu Bett gegangen war. Morgens, daran erinnere ich mich gut, sprangst du energisch aus dem Bett und zogst Dich rasch an, bestelltest dein Automobil und ermuntertest mich und Serjoscha, der immer aufwachte und sich in einer deprimierten Stimmung ankleidete, durch einen Blick oder eine Geste. Wie gut erinnere ich mich an Dich, so süß, so freundlich, und wie ich mich danach sehnte Dich zu umarmen. Ich beeilte mich, um Dich einzuholen und mit Dir zur Arbeit zu gehen."

In einem Brief vom 12. September 1933 wirft Natalia Trotzki vor, zu hart und bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Zu dieser Zeit führte Trotzki den Kampf an, der es möglich machen sollte, die Lehren aus der katastrophalen Niederlage der deutschen Arbeiterklasse zu Beginn des Jahres zu ziehen und die Wandlung der Internationalen Linken Opposition in eine neue revolutionäre Partei, die Vierte Internationale, zu vollziehen.

Natalia schrieb: "Auch eine kräftige Person kann das Pensum an Arbeit, das Du erledigst, nicht lange aushalten, ohne Pause, ohne Ruhe ist das undenkbar. Mein Lieber, Du verlangst Dir Übermenschliches ab und machst das Alter für angebliche Verfehlungen verantwortlich, die gar keine sind. Es ist erstaunlich wie viel Du Dir aufladen kannst. Niemand kann an der Grenze physikalischer Belastbarkeit so viel arbeiten und das Tag ein, Tag aus."

In Mexiko dann hängt Natalia ihren Gedanken an das gemeinsame Leben auf der Insel Prinkipo vor Istanbul nach. Sie schlägt vor, dass man die Unmöglichkeit zu fischen und am Meer spazieren zu gehen durch Gartenarbeit ausgleichen solle.

In einem weiteren Schreiben vom 29. September 1933 diskutiert sie den schwierigen Charakter von Joanne Molinier, Leon Sedows Ehefrau, und bemerkt dann über ihren Sohn: "Ich würde nicht sagen, dass Leon im Allgemeinen geistesabwesend ist. Erinnerst du dich an ihn in Alma Ata oder Konstantinopel? Er hat ein gutes Gedächtnis und ist präzise. Doch jetzt erscheint er nervös und zerstreut. Pessimismus folgt Optimismus auf dem Fuße. Er setzt große Hoffnungen in schnelle Erfolge der Opposition."

Natalia Sedowas wenige Briefe sprechen für sich selbst. Sie legen beredt Zeugnis über eine Mutter und Ehefrau ab, die sensibel auf ihre Umgebung reagiert und oft betrübt über eigene oder nahestehender Personen Schwierigkeiten ist. Der ungewöhnlichen Charakter einer mutigen Person wird sichtbar, die ihren eigenen Standpunkt im Leben verteidigt und unerschrocken gegen widrige äußere Umstände ankämpft.

Anders als die fade, unerträglich langweilige aber enorm umfangreiche Literatur der stalinistischen Bürokratie in der Sowjetunion über den "moralischen Charakter der Kommunisten" befähigen uns diese Briefe, Einsicht in die Gefühle und Stimmungen dieser außergewöhnlichen Gruppe der sozialistischen Intelligenz, die das intellektuelle und moralische Niveau der Russischen Revolution prägte, zu gewinnen.

Trotzki liebte Natalia sehr. Sie waren nicht nur ihr gemeinsames Lebens aneinander gebunden. Der gemeinsame Kampf und die schweren menschlichen Schläge, mit denen sie konfrontiert waren (man muss nur daran erinnern, dass beide Söhne durch Stalin ermordet wurden), einte sie ebenfalls. In seinem "Testament", das Trotzki am 27. Februar 1940, sechs Monate vor seiner Ermordung, verfasste, schreibt er über Natalia: "Neben der Freude durch das Schicksal zum Revolutionär zu werden, hatte ich das Glück ihr Ehemann zu sein. Durch die fast vierzig Jahre gemeinsamen Lebens hindurch blieb sie eine nie versiegende Quelle der Liebe, der Großherzigkeit und Zärtlichkeit." (Writings of Leon Trotsky, 1939-40, p. 158).

Wadim Rogowin, der Autor einer siebenbändigen Studie über den Kampf gegen den Stalinismus in der UdSSR während der 20er und 30er Jahre, merkt richtig an, dass "man in der Weltliteratur oder Biografien großer historischer Persönlichkeiten selten so emotionale Worte der Liebe und Zärtlichkeit findet, mit denen ein Mensch, dessen Tod bevorsteht, den Partner würdigt, der fast vierzig Jahre an seiner Seite gestanden hat." (Anfang bedeutet Ende, Moskau, S. 341).

Es gibt trotzdem Autoren, die, Fakten ignorierend, Trotzki eine arrogante Einstellung Frauen gegenüber unterstellen, ihn als patriarchalischen Tyrannen zeichnen. Unter ihnen ist ein britischer Autor, Ian D. Thatcher, dessen Biographie Trotzkis kürzlich in London erschien.

Das Niveau seines Buches ist so niedrig, dass es lediglich als Katalog von Anschuldigungen und Verleumdungen eines der Führer der Russischen Revolution Aufmerksamkeit verdient. Wir beschränken uns daher auf Thatchers Bemühen, Trotzki auf einem persönlichen und ideologischen Niveau zu diskreditieren.

Beginnend bei seiner eigenen Einschätzung des Verhältnisses von Geschlechterforschung und Bolschewismus, schreibt Thatcher:

"Die Analyse von frühen bolschewistischen Plakatkampagnen unter dem Gesichtspunkt der Geschlechterforschung zeigt, dass Frauen in erster Linie in ‚rückständigen' oder unterwürfigen Rollen auftauchen. Vielleicht kann man von einer Regierung, in der Männer die leitenden Positionen inne haben, nichts anderes erwarten. Es scheint wenig Bewusstsein darüber gegeben zu haben, wie unattraktiv die Kommunistische Partei für Frauen war, angefangen von den Jugendorganisationen bis hinauf zum Zentralkomitee. Man kann sogar sagen, dass Trotzki seinen Genossinnen gegenüber genau so ignorant war wie all die anderen egozentrischen Männer." (I.D. Thatcher, Trotsky, 2003)

Um diese pauschale Behauptung zu belegen, zitiert Thatcher aus dem im Frühjahr 1918 verfassten Tagebuch des russischen Historiker Ju. W. Gauthier. Gauthier war ein glühender Gegner der Bolschewiki, unterstützte die Weißen und rief nach der Wiedereinsetzung der Monarchie.

Am 20. April 1918 vermerkt Gauthier, dass Natalia Sedowa an seinem Arbeitsplatz erschien (er war als Bibliothekar am Rumiantsev Museum beschäftigt) und im Namen ihres Mannes die Zeitung Kievskaia Mysl der Jahre 1915-16 ausleihen wollte. Er schickte sie mit der Begründung weg, dass sie eine offizielle Genehmigung zur Entleihung vorweisen müsse. Sie kam am nächsten Tag mit den verlangten Formularen zurück. Nachdem der monarchistische Historiker sie mit dem Gewünschten versorgt hatte, ließ er seiner Frustration in seinem Tagebuch freien Lauf: Er beschreibt sie als "klein gewachsene, hochnäsige Person mit südlichem Akzent", die "gut, aber geschmacklos gekleidet in einem Auto mit einem sie begleitenden Soldaten vorgefahren" sei. (ebd.)

Das war's. Gauthier projiziert an dieser Stelle seinen Hass auf die Revolution auf Trotzkis Frau. Ein herkömmliches Beispiel für historische Abfallprodukte im Umkreis von Weltereignissen. Thatcher hingegen greift dies als Beleg für Trotzkis Missbrauch seiner Frau als "persönliche Sekretärin" auf.

Thatcher fährt fort: "Es überrascht nicht, dass Trotzki seinen Rat, die Welt durch die Augen von Frauen zu sehen, selbst nicht beherzigt hat. Weder schlug er einen weiblichen Kandidaten vor, der an die Stelle Lenins treten sollte, noch lieferte er die versprochenen Gedanken über die Weltsicht von Frauen ab."(Ebd., S. 138).

Diese absurde Tirade ist typisch für Thatchers Biografie, die eigentlich den Namen "Warum ich Trotzki hasse" tragen sollte. In dem Bestreben, Trotzki so negativ wie möglich darzustellen, zieht Thatcher weit hergeholte Beispiele heran und entwickelt aus ihnen ein Amalgam: er kombiniert Halbwahrheiten mit Hinzudichtungen und Fälschungen, um eine "Demaskierung" Trotzkis zu erzielen, die allerdings nichts mit der Realität zu tun hat.

Was ist damit gewonnen, bolschewistische Führer des "sexistischen" Umgangs mit Frauen zu beschuldigen? Thatcher macht sich hier einfach den Umstand zu nutze, dass keine Revolution, die den Weg zur Befreiung der Frau ebnen will, alle Barrieren der Vergangenheit sofort überwinden kann. Selbst die fortschrittlichsten Bewegungen benötigen einige Zeit, um ihre Möglichkeiten voll zu entfalten.

Die Anschuldigung, dass Trotzki seine Frau ausgenutzt habe, ist so absurd wie falsch. Wahr ist, dass Natalia ihm oft half und assistierte, was sie jedoch bewusst und ohne Zwang tat. Sie wusste, dass Trotzki eine wichtige Figur in der Russischen Revolution war und seit der späten 20er eine einzigartige Rolle als Führer des internationalen Kampf für den Sozialismus und gegen den Wundbrand des Stalinismus spielte. Ihre Rolle als Trotzkis Assistentin war eine Form der persönlichen Teilnahme am Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse und von Millionen Frauen aus der Umklammerung der sozialen Unterdrückung.

Nur ein durch die Vorurteile des Warenfetischismus geprägter Kleinbürger kann die Beziehung zwischen Ehefrau und Ehemann von dem Standpunkt her betrachten, dass geleistete Dienste finanziell "gerecht" entlohnt werden müssen.

Aber die größte von Thatchers Verfälschungen besteht in der Vermischung der historischen Perspektive der Russischen Revolution mit ihrem späteren, tragischen Schicksal. Er macht die Revolution für die Krankheiten verantwortlich, die sie konsequent zu überwinden versuchte, und die später in Form ihrer konterrevolutionären Negierung wieder virulent wurden.

Die Oktoberrevolution von 1917 verankerte die Gleichheit der Frau im Grundgesetz, sie sicherte Frauen das Recht auf Bildung, Arbeit und gleiche gesellschaftliche Stellung wie Männer zu; mit anderen Worten: sie ebnete Frauen den Weg aus der Küche und ihrer Rolle als Familiensklave ins Licht wahrer menschlicher Existenz. Viele Jahre der stalinistischen Degeneration und die bestialischen Bluttaten während des Großen Terrors waren nötig, um diese kulturelle Tradition auszuradieren und sie durch eine alttestamentarische Moral zu ersetzen, die die staatlich sanktionierte Unterdrückung der Frau durch den Ehemann in der UdSSR zur Norm erhob.

Siehe auch:
Ein Beitrag zur Neubewertung von Vermächtnis und Stellenwert Leo Trotzkis in der Geschichte des 20. Jahrhunderts
(6. Juli 2001)