Antisemitismus und Antibolschewismus der Nationalsozialisten

Ein Briefwechsel

Von Ute Reissner
12. Dezember 2003

Zu dem Artikel Hohmann und der braune Bodensatz der CDU, der am 11. November 2003 auf der World Socialist Website erschien, erreichte uns auf Umwegen eine Kritik eines Lesers, die dieser über den E-Mail-Verteiler der "Basisgrünen" geschickt hatte. Wir geben an dieser Stelle die Zuschrift wieder und nehmen Stellung zu den Fragen, die sie anspricht.

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Liebe Basisgrüne, "gleichheit" und andere!

In einem Artikel des WSWS fand sich folgende Passage:

"Der Hass der Nationalsozialisten und insbesondere der Hass Hitlers auf die Juden hing direkt mit ihrer Todfeindschaft gegenüber der sozialistischen Arbeiterbewegung zusammen. Der antifaschistische Autor Konrad Heiden beschreibt dies in seiner Hitlerbiografie sehr treffend. Als Hitler feststellte, dass viele Juden in der Arbeiterbewegung eine herausragende Rolle spielten, "ging ihm ein Licht auf", schreibt Heiden. "Plötzlich wurde die,Judenfrage' klar... Die Arbeiterbewegung stieß ihn nicht ab, weil sie von Juden geführt wurde, sondern die Juden stießen ihn ab, weil sie die Arbeiterbewegung führten." Man kann sich Heidens Schlussfolgerung nur anschließen: "Nicht Rothschild der Kapitalist, sondern Karl Marx der Sozialist schürte Adolf Hitlers Antisemitismus."

So richtig es ist, auf die enge Verknüpfung zwischen Antisemitismus und Feindschaft gegenüber der Arbeiterbewegung in der Rechten der Weimarer Republik hinzuweisen, liegen die Freunde vom WSWS hier schlicht falsch.

Zunächst ist über die Entstehung von Hitlers Antisemitismus im biographischen Sinne nichts stichhaltiges zu erfahren. In "Mein Kampf" soll es die Begegnung mit einem "Kaftanjuden" (abfällige Bezeichnung aus dem späten 19. Jahrhundert für die zumeist armen Ostjuden) gewesen sein. Dieser Darstellung sind zwar eine Reihe von Hitler-Biographen aufgesessen - es handelt sich aber um eine Selbststilisierung und ganz offensichtlich um eine Lüge, da Hitlers Antisemitismus nachweislich schon vor der entsprechenden "Begegnung" vorhanden war.

Eher hat Hitler feste kulturelle Stereotype über "die Juden" bereits aufgenommen, als er noch kein radikaler, völkischer Antisemit war. Wie genau dies geschah entzieht sich unserer Kenntnis. Die von Heiden angeführte Variante ist ein reines Konstrukt und stimmt m.E. nicht, weil sie die Feindschaft gegenüber der Arbeiterbewegung in den Mittelpunkt stellt und den Antisemitismus als Nebenprodukt, tendenziell nur als "Propagandamittel" sehen will. Der Antisemitismus war allerdings ein eigenständiger und der wichtigste Faktor in der nationalsozialistischen Propaganda und Politik.

Zunächst kann festgehalten werden, dass der Antisemitismus wesentlich älter ist als die moderne Arbeiterbewegung. Ein klarer Bruch zwischen dem "mittelalterlichen/religiösen" und "modernen/rassischen" existiert m.E. nicht. Der Katalog von Vorwürfen, der gegenüber den Juden erhoben wird, ist seit der großen Pogromwelle von 1349/50 bis zum Holocaust erstaunlich gleich geblieben. Auch wurden Juden schon weit vor dem Zeitalter des Imperialismus aufgrund ihrer Abstammung verfolgt und auch die Konversion konnte sie in vielen frühneuzeitlichen Verfolgungswellen nicht vor Tod oder Vertreibung bewahren.

Im Kaiserreich wird dieses kulturelle Stereotyp politisch und rassisch aufgeladen. D.h. er ist in allen Gesellschaftsschichten vorhanden (auch in der Arbeiterbewegung), wird als kampfmittel allerdings vor allem von der politischen Rechten benutzt. Dabei stellen sich die dezidiert antisemitischen Bewegungen ("Berliner Bewegung" Anfang der 1880er Jahre, Böckel [Hessen] und Ahlward [Pommern] in den frühen 1890ern) nicht immer frontal gegen die Arbeiterbewegung. Diese ist umgekehrt jedoch der wichtigste Faktor des nicht dezidiert jüdischen Widerstandes gegen die entsprechenden Bewegungen. In Frankreich ist dies jedoch deutlich anders: die französischen Anarchisten sind teilweise glühende Antisemiten und ein großer Teil der französischen Arbeiterbewegung nimmt in der Dreyfus-Affaire eine neutrale bis antisemitische Haltung ein. Auch Teile der frühen deutschen Arbeiterbewegung (vor allem unter den Lasalleanern) vertreten deutlich antisemitische Positionen, bzw. greifen zur Gewalt gegenüber jüdischen Angehörigen des marxistischen Flügels.

Für die "völkische Bewegung" und die Nationalsozialisten gehen Antisemitismus und der Kampf gegen die Arbeiterbewegung Hand in Hand, wobei ersterer eben deutlich mehr Gewicht hat. Der dem zu Grunde liegende Mechanismus lässt sich wie folgt beschreiben: Dass "Juden" einen Fremdkörper darstellen, grundsätzlich weniger Rechte als "Christen" oder "Arier" haben und der Inbegriff aller Schlechtigkeit sind, ist ein lange tradiertes Stereotyp. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit entzündet sich der besondere Hass vor allem daran, dass eine nichtchristliche Bevölkerungsgruppe, die zumeist ärmer ist als ihre nichtjüdische Umwelt, über einen kleinen Anteil (ca. 1-3%) an sehr wohlhabenden Mitgliedern verfügt. Diese werden als Rechtfertigung für entsprechende Vorurteile genutzt, zugleich spielt der Neid auf die Erfolge dieser Menschen (trotz der Ausgrenzung) eine nicht unwesentliche Rolle.

Hinzu kommt, dass - genau entgegengesetzt dem Vorurteil - nicht die Juden durch den Geldhandel die Christen "ausbeuten", sondern vielmehr die Christen von Zeit zu Zeit durch Pogrome oder Judensteuern organisierten Raub oder Raubmord begingen. Die Zeit nach 1871 sah dann die Emanzipation (rechtliche Gleichstellung) der Juden im neugegründeten deutschen Reich. Zugleich wandelten sie sich (wie ist bislang noch nicht genau erforscht) von einer vorwiegend verarmten Bevölkerungsgruppe zu einem vorwiegend in der Mittelschicht angesiedelten Teil der Menschen im Kaiserreich. Angesichts der "Gründerkrise" und der allgemein enttäuschten Erwartungen wurden hier alte Stereotypen wieder aufgegriffen und schlugen sich in den frühen Antisemitischen Bewegungen nieder. Diese richteten sich eben nicht gegen die Arbeiterbewegung, sondern - gegen die Juden. Die Antisemitenpetition" z.B. richtete sich Anfang der 1880er Jahre gegen die Gleichberechtigung der Juden und forderte Sondersteuern und ein allgemeines Einreiseverbot für Juden in das Reich.

Unterschrieben wurde sie vor allem von Menschen aus der Mittel- und Oberschicht. Überproportional war die Intelligenz beteiligt, aber auch das Offizierskorps. Als letzten Punkt kann man noch anführen, dass die Verfolgung von Juden und Arbeitern qualitativ unterschiedlich war. Der Terror gegen die Linke war unter den Nazis extrem, erreichte aber nie die Dimensionen der Shoah. Die Arbeiterbewegung versuchte Hitler z.T. zu umwerben, was der NSDAP in Bezug auf die Juden nicht in den Sinn gekommen wäre.

Viele Grüße und viel Erfolg für Eure Aktivitäten,

S.

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Stellungnahme der WSWS:

Der inhaltliche Kern von S.' Kritik an unserem Artikel ist in folgendem Absatz enthalten:

"Die von Heiden angeführte Variante ist ein reines Konstrukt und stimmt m. E nicht, weil sie die Feindschaft gegenüber der Arbeiterbewegung in den Mittelpunkt stellt und den Antisemitismus als Nebenprodukt, tendenziell nur als ‚Propagandamittel' sehen will. Der Antisemitismus war allerdings ein eigenständiger und der wichtigste Faktor in der nationalsozialistischen Propaganda und Politik."

Er wiederholt diesen Punkt später noch einmal: "Für die... Nationalsozialisten gehen Antisemitismus und der Kampf gegen die Arbeiterbewegung Hand in Hand, wobei ersterer eben deutlich mehr Gewicht hat."

Für diese Einschätzung führt er drei wesentliche Begründungen an: 1) Hitler habe "feste kulturelle Stereotype" über das Judentum aufgenommen, bevor er zum Führer der Nationalsozialisten wurde. 2) Der Antisemitismus sei viel älter als der Nationalsozialismus - er reicht bis ins Mittelalter zurück; im Kaiserreich richtete er sich nicht direkt gegen die Arbeiterbewegung; es gab sogar innerhalb der Arbeiterbewegung antisemitische Vorurteile. 3) Hitler versuchte die Arbeiterbewegung zeitweilig zu umwerben, was ihm bei den Juden nicht in den Sinn gekommen wäre.

Indem S. dem Antisemitismus ein epocheübergreifendes Eigenleben zuschreibt, fällt er hinter die Erkenntnisse zurück, mit denen vor mehr als 150 Jahren Karl Marx und Friedrich Engels die Grundlagen für eine wissenschaftliche Geschichtsschreibung legten, indem sie nicht länger die Ideen und Vorstellungen der Menschen, sondern deren materielle Lebensverhältnisse zu ihrem Ausgangspunkt machten:

"Die Moral, Religion, Metaphysik und sonstige Ideologie und die ihnen entsprechenden Bewusstseinsformen behalten hiermit nicht länger den Schein der Selbständigkeit. Sie haben keine Geschichte, sie haben keine Entwicklung, sondern die ihre materielle Produktion und ihren materiellen Verkehr entwickelnden Menschen ändern mit dieser ihrer Wirklichkeit auch ihr Denken und die Produkte ihres Denkens. Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein. In der ersten Betrachtungsweise geht man von dem Bewusstsein als dem lebendigen Individuum aus, in der zweiten, dem wirklichen Leben entsprechenden, von den wirklichen lebendigen Individuen selbst und betrachtet das Bewusstsein nur als ihr Bewusstsein." (1)

"Löst man nun bei der Auffassung des geschichtlichen Verlaufs die Gedanken der herrschenden Klasse von der herrschenden Klasse los, verselbständigt man sie, bleibt man dabei stehen, dass in einer Epoche diese und jene Gedanken geherrscht haben, ohne sich um die Bedingungen der Produktion und um die Produzenten dieser Gedanken zu bekümmern, so kann man z. B. sagen, dass während der Zeit, in der die Aristokratie herrschte, die Begriffe Ehre, Treue, etc., während der Herrschaft der Bourgeoisie die Begriffe Freiheit, Gleichheit etc. herrschten." (2)

Die Tatsache, dass es auch in früheren Geschichtsperioden Antisemitismus gegeben hat, taugt nicht als Grundlage zur Erklärung von dessen Rolle und Bedeutung im Dritten Reich. Sie erklärt nicht, wie und weshalb die Nationalsozialisten an überlieferte Klischees anknüpften.

Abraham Léon, Autor der marxistischen Studie "Die jüdische Frage", zitiert dazu Friedrich Engels: "Die Ideologie ist ein Prozess, der zwar mit Bewusstsein vom sogenannten Denker vollzogen wird, aber mit einem falschen Bewusstsein. Die eigentlichen Triebkräfte, die ihn bewegen, bleiben ihm unbekannt; sonst wäre es eben kein ideologischer Prozess. Er imaginiert sich also falsche resp. scheinbare Triebkräfte." (3)

Anstatt die "eigentlichen Triebkräfte" des Antisemitismus zu suchen, basiert S. seine Einschätzung auf das, was sich die "sogenannten Denker" der Nationalsozialisten selbst einbildeten, als sie auf mittelalterliche Vorstellungen zurückgriffen.

Dabei ist er allerdings inkonsequent. In Bezug auf die Vergangenheit vor dem 20. Jahrhundert beschreibt er durchaus, welche politische Rolle der Antisemitismus spielte. Doch in Bezug auf die Hitlerzeit wird dieser Ansatz plötzlich außer Kraft gesetzt. Während S. die "Antisemitenpetition" zu Beginn der 1880er Jahre durchaus mit der "Gründerkrise" in Zusammenhang bringt, begründet er den Antisemitismus der Nationalsozialisten nur noch mit der ideologischen Überlieferung, nicht mehr mit dem gegebenen historischen Kontext.

Was Hitler selbst angeht, so "entdeckte" er die Zugkraft des Antisemitismus während seiner Debüts als Hetzredner vor heimgekehrten Frontsoldaten im Herbst des Jahres 1919. Er trat damals, keine zwei Jahre nach der russischen Revolution und unmittelbar nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik, in Bayern als Agitator der völkisch-nationalistischen Rechten auf. Aus dieser Zeit datieren auch seine ersten überlieferten schriftlichen Äußerungen zur "Judenfrage".

Der gängige Antisemitismus, von dem Hitler in seinen Jugendjahren vor dem 1. Weltkrieg in Wien umgeben war, wandelte sich erst durch die Verknüpfung mit der Feindschaft gegen die Arbeiterbewegung in den irrwitzigen Rassenwahn, der sich zur Mobilisierung breiter, verelendeter und verzweifelter Schichten des Kleinbürgertums eignete.

Erst durch die Verbindung mit dem Antibolschewismus gewann der Antisemitismus der nationalsozialistischen Bewegung seinen tödlichen Charakter. Die historisch beispiellose Brutalität der Judenverfolgung unter den Nazis hatte ihre Ursache nicht in irgendeiner überlieferten mittelalterlichen Tradition, sondern speiste sich aus den bis zur Weißglut erhitzten politischen und Klassengegensätzen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Hitler, der damals vor allem als Versammlungsredner in Erscheinung trat und die Reaktionen seiner Zuhörer mehr instinktiv als analytisch verarbeitete, verschmolz die Feindschaft gegen die Marxisten, die "Novemberverbrecher", die "Verräter des Vaterlandes", mit Hass auf die jüdische Minderheit.

Nach Ansicht des britischen Historikers und Verfassers einer ausführlichen Hitler-Biographie, Ian Kershaw, spielte Hitlers Beschäftigung mit der russischen Revolution dabei die ausschlaggebende Rolle. Er schlussfolgert zur Beziehung zwischen Antisemitismus und Antibolschewismus: "Einmal deckungsgleich geworden, konnte fortan nichts die Identität der beiden Strömungen in Hitlers ‚Weltanschauung' zum Verschwinden bringen." (4)

Dies war die Geburt des ideologischen Konstrukts vom "jüdischen Bolschewismus", bzw. "jüdischen Marxismus", der in der Ideologie der Nazis eine so große Rolle spielte - und der, wie die Rede des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann zeigte, noch heute in den Gehirnen einiger Konservativer herumspukt.

Es geht also überhaupt nicht darum, wie S. annimmt, den Antisemitismus auf die Rolle eines "Nebenprodukts" zu degradieren. In Wirklichkeit kann man sein Gewicht nur auf der Grundlage einer Klassenanalyse in vollem Umfang ermessen.

S. räumt ein, dass "Antisemitismus und der Kampf gegen die Arbeiterbewegung" bei den Nationalsozialisten "Hand in Hand" gingen. Aber er erklärt nicht, worin die Beziehung zwischen beiden konkret bestand. Stattdessen unterstellt er uns als Marxisten, im Antisemitismus ein bloßes "Propagandamittel" zu sehen, und lehnt dies angesichts der Ungeheuerlichkeit des faschistischen Massenmords an den Juden ab.

Doch das ist ein Missverständnis. Die marxistische Analyse weist der antisemitischen Ideologie keine propagandistische Nebenrolle zu, sondern untersucht den konkreten Inhalt ihrer Beziehung zur Klassenentwicklung der Gesellschaft.

"Die Scheiterhaufen, auf denen die verruchte Literatur des Marxismus verbrennt", schrieb Leo Trotzki im Juni 1933, "werfen ein grelles Licht auf den Klassencharakter des Nationalsozialismus. Solange die Nazis als Partei handelten und nicht als Staatsmacht, fanden sie fast keinen Eingang in die Arbeiterklasse. Andererseits betrachtete sie die Großbourgeoisie - auch jene, die Hitler mit Geld unterstützte - nicht als ihre Partei. Das nationale ‚Erwachen' stützte sich ganz und gar auf die Mittelklassen, den rückständigsten Teil der Nation, den schweren Ballast der Geschichte. Die politische Kunst bestand darin, das Kleinbürgertum durch Feindseligkeit gegen das Proletariat zusammenzuschweißen."

Dabei spielte der antisemitische Rassismus eine zentrale Rolle: "Die Nation Hitlers ist ein mythologischer Schatten des Kleinbürgertums selbst, sein pathetischer Wahn vom tausendjährigen Reich auf Erden. Um die Nation über die Geschichte zu erheben, gab man ihr als Stütze die Rasse. Den geschichtlichen Ablauf betrachtet man als Ausfluss der Rasse. Die Eigenschaften der Rasse werden ohne Bezug auf die veränderlichen gesellschaftlichen Bedingungen konstruiert. Das niedrige ‚ökonomische Denken' ablehnend, steigt der Nationalsozialismus ein Stockwerk tiefer: Gegen den wirtschaftlichen Materialismus beruft er sich auf den zoologischen...

Wie heruntergekommener Adel Trost findet in der alten Deszendenz seines Bluts, so besäuft sich das Kleinbürgertum am Märchen von den besonderen Vorzügen seiner Rasse." (5)

Die Nationalsozialisten mobilisierten das Kleinbürgertum, um an die Macht zu kommen, stellten sich, dort angelangt, jedoch uneingeschränkt in den Dienst des deutschen Imperialismus. Den führenden Vertretern des deutschen Faschismus war bei allem ideologischen Wahn diese ihre Abhängigkeit und Klassenfunktion in hohem Maße bewusst.

Die erste, brutale Repressionswelle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 richtete sich bekanntermaßen gegen die Organisationen der Arbeiterbewegung, in erster Linie die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Gewerkschaften. Deren Vernichtung war die Voraussetzung für den Zweiten Weltkrieg und für den Völkermord an den Juden.

Am 20. Februar 1933 hielt Hitler eine Rede vor den einflussreichsten Industriellen Deutschlands, die Kershaw folgendermaßen beschreibt: "Er beruhigte auch diesmal wieder seine Zuhörer damit, dass er Privateigentum und Privatunternehmertum hochhielt und das Gerücht bestritt, dass im Wirtschaftsbereich radikale Experimente geplant seien. Der Rest der Rede bestand größtenteils aus der Wiederholung des Standpunkts, dass man die Wirtschaft der Politik unterordnen, den Marxismus ausrotten und die innenpolitische Stärke und Einheit wiederherstellen müsse, um es mit äußeren Feinden aufnehmen zu können..." Der Vorsitzende des Reichsverbands der Deutschen Industrie, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, war so bewegt, dass er auf seine vorbereitete Dankesrede verzichtete und nur einige anerkennende Worte stammelte. (6)

"Niemals, niemals werde ich mich von der Aufgabe entfernen, den Marxismus und seine Begleiterscheinungen aus Deutschland auszurotten", rief Hitler in einer Radioansprache im selben Monat. "Einer muss hier Sieger sein: entweder der Marxismus oder das deutsche Volk!" (7)

Man könnte unzählige weitere Belege für diese Orientierung anführen.

Zum "Umwerben" der Arbeiter ist zu sagen: Die Nationalsozialisten versuchten gelegentlich, auch unter den Arbeitern Anhänger zu gewinnen. Sie hatten dabei vor ihrer Machtübernahme so gut wie gar keinen, und auch danach nur sehr beschränkten Erfolg.

Niemals versuchten sie aber die politische Arbeiterbewegung, d. h. die Arbeiterparteien zu umwerben. Gegenüber dem "Marxismus", der SPD und der KPD, kannten sie keine andere Politik als die der totalen Vernichtung.

Anmerkungen:

(1) Marx/ Engels: "Die deutsche Ideologie, 1. Ludwig Feuerbach - Gegensatz von materialistischer und idealistischer Anschauung", Marx Engels Werke Bd. 3, S. 26/ 27

(2) ebd. S. 47

(3) Abraham Léon: "Die jüdische Frage", Essen 1999, S. 168

(4) Ian Kershaw: "Hitler", München 2002, Bd. 1, S. 199

(5) Leo Trotzki: "Porträt des Nationalsozialismus", Essen 1999, S. 304f

(6) Kershaw, op. cit., S. 567

(7) ebd., S. 576

Siehe auch:
Hohmann und der braune Bodensatz der CDU
(11. November 2003)
Antisemitismus Faschismus und Holocaust
( April 1997)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - Januar/Februar 2004 enthalten.)