Gedanken zum 40. Jahrestag der Ermordung Kennedys

Von David North und Bill Vann
2. Dezember 2003

37 Jahre bevor George W. Bush mittels einer politischen Verschwörung zum Präsidenten gekürt wurde, machte die Ermordung John F. Kennedys im November 1963 deutlich, wie ein Präsident mittels einer Verschwörung aus dem Amt entfernt werden kann.

Auch vierzig Jahre nach der Ermordung Kennedys in Dallas bleiben die Umstände des tödlichen Anschlags ungeklärt und die offizielle Version des Ereignisses wird allgemein als Vertuschung angesehen.

Der Mord an Kennedy war ein politisches Verbrechen, das nach einer politischen Erklärung verlangt. Dieser Grundsatz wurde von der damals eingesetzten Warren-Untersuchungskommission geleugnet und ist über die vergangenen vier Jahrzehnte stets in den Hintergrund gedrängt worden.

Viele forensische Details bleiben zwar weiterhin im Dunkeln, aber die anhaltende Krise und die Differenzen innerhalb der herrschenden Elite Amerikas sind ein deutlicher Beweis dafür, dass Kennedy das Opfer einer staatlichen Verschwörung war und von einer Fraktion des Establishments selbst ins Visier genommen wurde, um den Kurs der Innen- und Außenpolitik zu verändern. Das Verbrechen wurzelt im politischen Klima der damaligen Zeit und hat weitgehende Implikationen.

Ein Teil der Medien nutzte den Jahrestag der Ermordung zu einer sentimentalen Legendenbildung, wobei sie Kennedy als "Camelot" darstellten. Andere, rechte Kommentatoren schmähten ihn als pillensüchtigen Frauenhelden und politisch unfähigen Präsidenten. Erforderlich ist aber weder das eine noch das andere, sondern eine nüchterne Bewertung Kennedys als Gestalt seiner Zeit aus der Distanz von 40 Jahren.

Für Marxisten bildet dabei der Klassenstandpunkt seiner Politik den Ausgangspunkt: Kennedy war ein Vertreter der amerikanischen Finanzelite, ein Gegner der Arbeiterklasse und ein bewusster Feind des Sozialismus. Sie verstehen aber auch den tragischen Charakter der Ereignisse, die sich vor vierzig Jahren ereigneten, und zwar sowohl in Hinblick auf das Leben eines Individuums als auch in Bezug auf die Folgen, die sie für die große Masse der arbeitenden Bevölkerung zeitigten.

Die anhaltende Faszination für Kennedys kurze Regierungszeit kommt nicht von ungefähr. Sowohl der Mann als auch seine politische Karriere waren ein konzentrierter Ausdruck der starken sozialen und politischen Widersprüche der Ära.

In den letzten Jahren ist viel über Kennedys persönliche Geschichte und sein Verhalten geschrieben worden. Man hat den Eindruck, dass er zwei Leben geführt hat. Sein öffentliches Bild war die Personifizierung edler Gelassenheit, das Bild eines gesunden und tatkräftigen jungen Präsidenten mit einer wunderschönen Frau und kleinen Kindern. Von seiner Persönlichkeit ging eine unbestreitbare Anziehungskraft aus, er zeichnete sich durch einen selbstironischen Humor und ein Gespür für persönlichen Fatalismus aus, die der Tragödie seines eigenen Lebens und den abhärtenden Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs entsprungen waren.

Den Blicken verborgen blieb ein von Krankheit gezeichneter Mann, der auf Schmerzmittel angewiesen war und ein wildes Sexleben führte, für das ihn die Mafia mit Prostituierten versorgte.

Eine ähnliche Dualität lässt sich für sein politisches Leben feststellen. Er konnte Reden halten und dabei idealistische Stimmungen ansprechen, die zwar der politischen Unerfahrenheit und den Illusionen jener Zeit entsprachen, aber dennoch für viele junge Amerikaner den Eintritt in soziale Kämpfe markierten, die weit über das hinausgingen, was der Redner sich vorgestellt oder beabsichtigt hatte.

Gleichzeitig war er an schrecklichen Verschwörungen beteiligt, unter anderem an brutalen Maßnahmen zur Aufstandsbekämpfung und an politischen Morden auf dem gesamten Globus. Seine Regierung arbeitete verdeckt mit extremen Antikommunisten, Mördern und kriminellen Elementen zusammen, um außenpolitische Ziele der Vereinigten Staaten umzusetzen - mit Kräften, die einen Großteil seiner Regierungspolitik erbittert ablehnten. Letztlich wurde seine Ermordung dadurch erleichtert, dass er sich auf solche Elemente stützte.

Dennoch lohnt es sich, den Inhalte einiger Reden Kennedys zu betrachten, und zwar schon allein deswegen, weil sich daran ablesen lässt, wie tief die bürgerliche Politik in Amerika in den vergangenen vier Jahrzehnten gesunken ist. Kennedy war wohl der letzte amerikanische Präsident, der der Auffassung war, eine öffentliche Rede müsse einen echten gesellschaftlichen und moralischen Inhalt haben und die Öffentlichkeit auf einem hohen intellektuellen Niveau ansprechen.

Am 10. Juni 1963 kündigte Kennedy in einer öffentlichen Rede an der American University an, dass mit der Sowjetunion Gespräche über ein umfassendes Verbot von Atomtest eröffnet und die Vereinigten Staaten keine atmosphärischen Nukleartest mehr durchführen würden:

"[...] Lasst uns nicht blind sein in Bezug auf unsere Differenzen - aber lasst uns auch die Aufmerksamkeit auf unsere gemeinsamen Interessen lenken und darauf, mit welchen Mitteln wir diese umsetzen können. Und wenn wir unsere Differenzen jetzt nicht beenden können, können wir doch zumindest die Welt für die Verschiedenheit sicher machen. Schließlich besteht unsere wichtigste Gemeinsamkeit darin, dass wir alle Bewohner dieses kleinen Planeten sind. Wir atmen alle dieselbe Luft. Wir halten alle die Zukunft unserer Kinder hoch. Und wir sind alle sterblich."

Nur einen Tag später, in einer Fernsehansprache an die Nation, gab Kennedy bekannt, dass er die Nationalgarde angewiesen habe, die Aufhebung der Rassentrennung an der Universität von Alabama zu unterstützen, und er kündigte Gesetzesvorhaben an, mit denen die Rassentrennung verboten werden sollte:

"Das schwarze Baby, das heute in Amerika geboren wird, hat - ungeachtet in welchem Teil der Nation es geboren wird - eine halb so große Chance, eine weiterführende Schule abzuschließen, wie ein weißes Baby, das am gleichen Tag am gleichen Ort geboren wird; seine Chancen eine universitäre Ausbildung abzuschließen und Akademiker zu werden betragen ein Drittel verglichen mit dem weißen Kind. Die Wahrscheinlichkeit, dass es arbeitslos wird, liegt doppelt so hoch, dass es ein Jahreseinkommen von 10.000 Dollar erreicht, ist sieben Mal niedriger. Seine Lebenserwartung ist um sieben Jahre kürzer und es hat die Aussicht, nur halb so viel zu verdienen. [...]

Einhundert Jahre der Verzögerung sind vergangen, seit Präsident Lincoln die Sklaven befreit hat, doch ihre Nachkommen, ihre Enkel sind nicht vollkommen frei. Sie sind noch nicht von den Fesseln der Ungerechtigkeit befreit. Sie sind noch nicht von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Unterdrückung befreit. Und diese Nation wird trotz ihrer Hoffnungen und ihres Stolzes so lange nicht vollkommen frei sein, bis alle ihre Bürger frei sind."

Und in einer Rede, die Kennedy am Amherst College in Massachusetts am 26. Oktober 1963 nur wenige Wochen vor seiner Ermordung hielt, sprach er die soziale Ungleichheit in Amerika und die Aufgabe des Künstlers in der Gesellschaft an:

"Es gibt hier Privilegien und mit den Privilegien geht Verantwortung einher. [...] Im März 1962 machten Personen über 18 Jahren, die keine weiterführende Schule abgeschlossen hatten, 46 Prozent aller Arbeitskräfte aus und stellten 64 Prozent der Arbeitslosen. Im Jahre 1958 verfügte das ärmste Fünftel der Familien in den Vereinigten Staaten über 4,5 Prozent des gesamten persönlichen Einkommens, das reichste Fünftel dagegen über 44,5 Prozent. Es gibt in diesem Land vererbten Reichtum und vererbte Armut. Und wenn die Graduierten dieses und anderer ähnlicher Colleges, denen ein guter Start ins Leben gegeben wird, nicht bereit sind, diese Talente, die große Sympathie, das Verständnis, das Mitgefühl an die Gesellschaft zurückzugeben - wenn sie nicht bereit sind, jene Qualitäten in den Dienst der Großen Republik zu stellen, dann sind die Voraussetzungen, auf denen unsere Demokratie basiert, offensichtlich und zwangsläufig falsch. [...]

Der Künstler jedoch, der treu zu seiner persönlichen Sichtweise auf die Wirklichkeit steht, wird der letzte Verfechter der individuellen Ansicht und Sensibilität gegen eine sich einmischende Gesellschaft und einen aufdringlichen Staat. Der große Künstler ist daher auf sich gestellt und einsam. Er hadert mit der Welt, wie Frost es ausdrückte, wie zwei Liebende, die sich streiten. Wenn er seiner Wahrnehmung der Realität folgt, so muss er oft gegen den Strom seiner Zeit schwimmen. Dies ist keine beliebte Rolle. Wenn Robert Frost zu Lebzeiten sehr verehrt wurde, so nur, weil sehr Viele lieber seine dunkleren Wahrheiten ignorierten. [...]

Wenn manchmal unsere großen Künstler auch die größten Kritiker an der Gesellschaft sind, dann weil ihre Empfindsamkeit und ihr Gerechtigkeitssinn, die jeden wahren Künstler ausmachen, ihnen eine Bewusstsein dafür geben, dass unsere Nation ihr höchstes Potenzial nicht entfaltet hat."

Kann man sich vorstellen, dass heutzutage eine führende politische Gestalt derart reden würde? Nehmen wir ruhig an, dass die Worte größtenteils aus der Feder talentierter Redenschreiber und Intellektueller im Umfeld der Kenndy-Regierung stammten. Aber es gibt auch Redenschreiber, die die politischen Grunzlaute eines George W. Bush formulieren - "entweder seid ihr für uns oder gegen uns" - und die für die politischen Zwerge arbeiten, die sich derzeit als nächster Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei positionieren.

Der Idealismus und der Appell an soziale Gerechtigkeit und Reform hatte bestimmte Grundlagen. Die Kennedy-Ära stellte im Wesentlichen den Höhepunkt des amerikanischen Liberalismus dar.

Es sollte darauf verwiesen werden, dass zwischen dem Beginn der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt im Jahre 1933 und der Ermordung Kennedys nur dreißig Jahre lagen - eine beträchtlich kürzere Periode als die, die unser heutige Zeit von dem Mord trennt. Das Gewicht der sozialen Bewegung, die in den 1930-er Jahren ausgebrochen war und Roosevelt zu den Reformen des New Deal veranlasste, war immer noch spürbar. Massengewerkschaften, die vom Dachverband AFL-CIO organisiert wurden, stellten noch einen starken Faktor im politischen Leben Amerikas dar.

Auch stand der amerikanische Kapitalismus am Gipfel seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Er hatte kolossalen gesellschaftlichen Reichtum aufgehäuft, während es gleichzeitig eine breite Unterstützung für die Fortführung und Vertiefung der Sozialreformen des New Deal gab.

Wachsende Widersprüche und Konflikte

Die enormen Spannungen und Widersprüche, die Kennedy mit seiner Politik nicht im Zaum halten konnte, waren aber bereits dabei, diese Grundlagen beiseite zu fegen. Es klaffte ein Abgrund zwischen den Hoffnungen, die der New Deal und der Idealismus in Kennedys Reden bei Arbeitern, schwarzen Amerikanern und Intellektuellen geweckt hatten, und dem ökonomischen System - dem Kapitalismus - auf dem diese Politik beruhte.

Die Hoffnungen von Millionen Menschen auf wirkliche soziale Reform waren in einem System, dass auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln basiert, nicht zu erfüllen. Im Jahre 1963 hatte der Dollar bereits begonnen, unter dem Druck der sich verschärfenden wirtschaftlichen Widersprüche zu knirschen. Wachsende Defizite, mehr ausländische Investitionen und steigende Militärausgaben unterhöhlten den Wohlstand im Innern, auf dem der Sozialreformismus ruhte.

Unter diesen Bedingungen war die Politik der Kennedy-Regierung selbst durch scharfe Widersprüche und enorme Konflikte zwischen rivalisierenden Fraktionen innerhalb der herrschenden Elite Amerikas gekennzeichnet. Es handelte sich um eine Regierung, die gezwungen war, zwischen widerstrebenden gesellschaftlichen Kräften zu balancieren.

So vermittelte Kennedy 1962 eine Vereinbarung zwischen den Stahlarbeitern und der Industrie und griff anschließend den Stahlriesen US Steel an, weil er den Preis um sechs Dollar pro Tonne hoch setzte. Er führte eine öffentliche Kampagne gegen das Unternehmen und ließ eine Untersuchungskommission dagegen ermitteln, bis es die drastische Preiserhöhung schließlich zurücknahm. Damals erklärte er: "Mein Vater hat mir immer gesagt, dass alle Geschäftsleute Hurensöhne sind, aber bis heute hatte ich das nie geglaubt." Später erlaubte er dem Konzern, die Preise hoch zu setzen.

Im Jahre 1963 war die Regierung mit einem Kampf für Bürgerrechte konfrontiert, der weit über die Grenzen der etablierten Politik hinausging und zu einer sozialen Massenbewegung geworden war. Dies erzeugte explosive Spannungen in Kennedys eigener Partei, die so weit gingen, dass die demokratischen Gouverneure von Alabama und Mississippi, George Wallace und Ross Barnett, praktisch mit einem Aufstand gegen die Bundesregierung drohten. Letztlich wurde die Demokraten von diesem Konflikt auseinandergerissen. Kennedy war der letzte demokratische Präsident, der mit der unangefochtenen Unterstützung des von der Partei einst gerühmten "soliden Südens" gewählt wurde, und der letzte Liberale aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten, der in der Weiße Haus einziehen sollte.

Der amerikanische Liberalismus gründete sich sowohl politisch als auch intellektuell auf eine Lüge. Er hatte die sozialen Tumulte der 1930-er und 1940-er Jahre überlebt, indem er einen faustischen Pakt mit der politischen Reaktion schloss. Der Antikommunismus wurde zur vorherrschenden Ideologie des US-Establishments und wurde von Demokraten und Republikanern gleichermaßen getragen.

Hinter Kennedys idealistischen Reden verbarg sich die Ideologie einer ausgewachsenen imperialistischen Macht, die auf dem ganzen Globus an Unterdrückung und Gräueltaten beteiligt war. Während sie den menschlichen Geist besang, stand die Kennedy-Regierung mit beiden Füßen in Schlamm und Blut.

Diese Regierung rief sowohl das Friedenskorps als auch die Eliteeinheit Green Berets ins Leben. Beide Organisationen waren Werkzeuge, um die amerikanischen Interessen außerhalb der eigenen Grenzen zu vertreten; aber die eine appellierte an junge Amerikaner, sich selbst aufzuopfern und den Armen der Welt zu helfen, während die andere sie rekrutierte, um dieselben Armen abzuschlachten, wenn sie sich der Politik Washingtons und den Interessen amerikanischer Konzerne entgegenstellten.

Die Betonung des sozialen Fortschritts und der Idealismus in Kennedys öffentlichen Appellen waren nicht zuletzt eine Reaktion von scharfsichtigeren Teile der herrschenden Klasse Amerikas auf die Gefahr einer Revolution und die Anziehungskraft, die der Sozialismus und Kommunismus auf Massen von unterdrückten Menschen auf der gesamten Welt ausübte.

Aber die Frage, wie der amerikanische Imperialismus mit dieser Bedrohung umgehen sollte, war Gegenstand eines anhaltenden Konflikts innerhalb der herrschenden Elite, der Kennedy schließlich das Leben kosten sollte.

Zunächst war da die Kuba-Frage. Kennedy begann seine Regierungszeit, indem er die Umsetzung eines Plans befahl, der unter seinem Vorgänger Dwight D. Eisenhower ausgearbeitet worden war: Kuba sollte mit einer Armee von rechten Exilkubanern überfallen werden, die von der CIA für diese Aufgabe ausgebildet worden waren. Als diese Kräfte in der Schweinebucht eine erniedrigende Niederlage erfuhren, weigerte sich Kennedy, den Invasionstrupp herauszuholen, was sowohl die Exilkubaner als auch ihre Helfer von der CIA erzürnte. Diesem Debakel folgte eine verdeckte CIA-Kampagne zur Ermordung des kubanischen Präsidenten Fidel Castro mit Hilfe der Mafia.

In Jahre 1962 jedoch beendete Kennedy die Kuba-Krise, indem er mit der Sowjetunion eine Vereinbarung traf: Die Sowjetunion zog ihre Raketen von Kuba ab und im Gegenzug versprach Washington, nicht in Kuba einzufallen und die amerikanischen Raketen aus der Türkei zurückzuziehen.

Diese Vereinbarung und das Abkommen zur Beendigung von Atomtests, das im folgenden Jahr mit Moskau geschlossen wurde, galten vielen Elementen innerhalb des amerikanischen Militärs und der CIA - ganz abgesehen von den CIA-Verbündeten in der Mafia und unter den rechten Exilkubanern - als grundlegender Verrat.

Die rechtesten Kreise der herrschenden Klasse Amerikas hassten Kennedys Politik, die sich auf die Eindämmung der Sowjetunion und die Entspannung im Bereich der Atomwaffen stützte. Während Kennedy nach einem Kompromiss suchte, wollten sie eine militärische Konfrontation, um die UdSSR zu zerstören. Die Meinungsverschiedenheiten über diese Politik im Herzen des amerikanischen Staates waren tief und erbittert.

Schließlich war da der Beginn des langen Krieges der Vereinigten Staaten gegen Vietnam. Nur drei Wochen vor seiner eigenen Ermordung fand der Militärputsch statt, der mit der Ermordung des vietnamesischen Herrschers Ngo Dinh Diem endete. Kennedy drückte sein Entsetzen über den Mord aus, aber wenn man dieses Entsetzen für echt hält, dann wurde es wohl dadurch verschlimmert, dass er selbst direkte Verantwortung für das Geschehen trug, hatte er doch grünes Licht für die Durchführung des Staatsstreichs gegeben.

Zum Zeitpunkt seines Todes stand der amerikanische Präsident vor der Entscheidung, entweder die US-Intervention in Vietnam auszudehnen oder einen Rückzieher zu machen. Beide Alternativen hatten das Potenzial, sich katastrophal auf seine Regierung auszuwirken.

Man kann den Verlauf der politischen Geschichte Amerikas in den vergangenen vierzig Jahren nicht auf die Folgen der Ermordung Kennedys zurückführen. Soziale Konflikte in den Vereinigten Staaten selbst und die Widersprüche des globalen Kapitalismus hätten ihren Druck ebenso auf eine wiedergewählte Kennedy-Regierung ausgeübt, wie sie es auf die unglückselige Regierung von Lyndon Johnson taten.

Dennoch war der Mord an Kennedy eine politische Tat mit dem Ziel, einen Rechtsruck in der US-Politik herbeizuführen. Die Verschwörung erreichte ihr Ziel. Zudem leitete sie eine Periode ein, in der Mord zum gängigen politischen Mittel wurde und in der einige der einflussreichsten Führer des liberalen Flügel der Demokratischen Partei und der Massenbewegung für Bürgerrechte eliminiert wurden - Martin Luther King und Robert Kennedy.

Kennedys Tod markierte das effektive Ende der Demokratischen Partei, wie sie aus dem New Deal hervorgegangen war. Ab 1963 war der Liberalismus ein wandelnder Toter. Die Politik beider großen Parteien nahm im zunehmenden Maße Züge der offenen Reaktion an.

Das heutige politische Leben in Amerika ist Ausdruck des Siegs eben jener Kräfte, die in den Mord von 1963 verwickelt waren und ihn feierten. Die politische Unterwelt der CIA-Mörder, Gangster und kriminellen Elemente innerhalb der herrschenden Elite, mit denen die Kennedy-Regierung hinter den Kulissen zusammengearbeitet hatte, ist nun auf die Bühne getreten, um die Hebel der Staatsmacht offen für sich zu beanspruchen.

(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - Januar/Februar 2004 enthalten.)