US-Wahlen:

Wahlkampf der Socialist Equality Party findet Resonanz

Von unsern Korrespondenten
2. November 2004

Die Socialist Equality Party (SEP), amerikanische Schwesterpartei der Partei für Soziale Gleichheit, hat bei den Präsidentschaftswahlen vom 2. November in den USA eigene Kandidaten aufgestellt und führt einen eigenständigen, sozialistischen Wahlkampf, um die Interessen der arbeitenden Bevölkerung gegen Republikaner wie Demokraten zu verteidigen. Der folgende Bericht stützt sich auf mehrere Artikel der World Socialist Web Site der letzten zwei Wochen.

Der Wahlkampf der Socialist Equality Party (SEP) richtet sich sowohl gegen George W. Bush als auch gegen John Kerry und verfolgt das Ziel, dem amerikanischen Zweiparteiensystem eine sozialistische Alternative entgegenzustellen. Hauptforderung ist das sofortige Ende des Irakkriegs und der bedingungslose Rückzug sämtlicher US- und Koalitions-Truppen aus dem Irak. Damit eng verbunden ist die Verteidigung der sozialen und demokratischen Interessen der arbeitenden Bevölkerung in den USA.

Die Präsidentschaftskandidaten der SEP sind Bill Van Auken, 54, Redakteur der WSWS in New York, und Jim Lawrence, 65, pensionierter Automobilarbeiter bei General Motors in Ohio. Diese zwei Kandidaten der SEP werden in fünf US-Bundesstaaten wählbar sein: New-Jersey, Minnesota, Iowa, Colorado und Washington. Außerdem kandidieren Carl Cooley in Maine und Jerome White in Michigan für den Kongress, und im Bundesstaat Illinois kandidiert Tom Mackaman für einen Abgeordnetensitz im dortigen Parlament.

In Cincinnati, Ohio, wurde der SEP-Kandidat für den Kongress, David Lawrence, mit undemokratischen Methoden von der Kandidatenliste gestrichen, deshalb kandidiert er als Zusatzkandidat, das heißt, sein Name muss von Hand im Wahlzettel eingefügt werden. Ein weiterer Zusatzkandidat ist John Christopher Burton in Pasadena, Kalifornien. Burton war der SEP-Kandidat bei den Gouverneursneuwahlen in Kalifornien im letzten Sommer.

Kurz vor dem Wahltermin vom 2. November hat die SEP letzte Woche ihren Spitzenkandidaten Bill Van Auken auf eine Vortragsreise nach Europa und Asien geschickt, weil diese Wahl, wie Van Auken in Sri Lanka auf einer Pressekonferenz erklärte, "nicht nur ein amerikanisches Ereignis, sondern für die arbeitende Bevölkerung der ganzen Welt von großer Bedeutung ist". Van Auken sprach in London und in Sri Lanka auf drei Versammlungen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale.

SEP-Wahlversammlung in Michigan

In zahlreichen Versammlungen, Kundgebungen und Medienauftritten erklärten die SEP-Kandidaten in den letzten Wochen das sozialistische Programm der Partei.

Am 24. Oktober sprach Jerome White, der SEP-Kandidat für den 15. Kongressbezirk in Michigan, auf einer SEP-Versammlung an der Universität von Michigan in Ann Arbor. White hatte vorher schon in Ypsilanti, Inkster, Monroe, Ann Arbor und weiteren Städten im Bereich der Industrieregion Detroit gesprochen und unter Arbeitern und Studenten große Unterstützung erfahren. Er wurde von der Zeitung Monroe Evening News, der Studentenzeitung des Henry Ford Community College, dem Mirror und dem Sender des Studentenradios der University of Michigan-Dearborn interviewt.

Auf der Versammlung vom 24. Oktober erklärte White, dass die Wahl im November einen Wendepunkt in der US-Politik darstellen werde, unabhängig davon, ob Bush oder Kerry gewählt werde. "Obwohl viele Millionen zu den Urnen gehen, um ihre Stimme gegen Bush abzugeben und dadurch ein Ende des Irakkriegs zu erreichen, hat auch Kerry sich verpflichtet, nicht nur die US-Besatzung fortzusetzen, sondern sogar die blutige Unterdrückung des irakischen Volkes noch zu verstärken", sagte er.

Der SEP-Kandidat erinnerte daran, dass Kerry ausdrücklich erklärt hatte, er werde den "Krieg gegen Terrorismus mit der gleichen Energie fortsetzen, (...) mit der ich es auch mit dem Vietcong aufgenommen habe, um den Sieg für mein Land zu erringen". Mit dieser Erklärung, sagte White, habe sich Kerry vom "einzigen ehrenhaften Kapitel in seinem Leben - seiner Opposition gegen den Vietnamkrieg" losgesagt.

Im Irak seien nicht nur Tausende Iraker, sondern auch über 1.100 US-Soldaten gestorben, erklärte White, darunter allein dreißig aus Michigan. Er nannte mehrere Beispiele von kaum zwanzigjährigen getöteten US-Soldaten aus seinem Wahlbezirk und sagte: "Die Toten aus Michigan kommen aus Arbeiterstädten wie Flint, Port Huron, Detroit, Lansing und Lincoln Park. Sie gingen, wie viele andere, zur Armee, um eine Ausbildung zu machen oder einen festen Arbeitsplatz zu bekommen."

Im Bundesstaat Michigan sind allein seit der Wahl Bushs etwa 200.000 Industriearbeitsplätze zerstört worden. White wies darauf hin, dass immer mehr US-Soldaten alleinerziehende Eltern sind, die verzweifelt nach einer Möglichkeit suchen, ihre Kinder zu ernähren.

Auf der gleichen Versammlung sprachen David North, der Vorsitzende der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site und nationaler Sekretär der SEP, Jim Lawrence, der Vizepräsidentschaftskandidat der SEP, und Tom Mackaman, der SEP-Kandidat für einen Abgeordnetensitz im Bundesstaat Illinois.

Jim Lawrence ging in seinem Beitrag auf die Pläne des GM-Konzerns ein, Tausende von Arbeitsplätzen sowohl in Europa als auch in den USA zu zerschlagen. Dieser Angriff, erklärte Lawrence, ziele darauf ab, den Lebensstandard der Autoarbeiter in Deutschland und ganz Europa nach unten zu drücken - wie die Autokonzerne ja auch in den USA jahrelang die Arbeitsplätze, Löhne und Lebensbedingungen der Autoarbeiter angegriffen hatten. Wie er betonte, besteht für die Arbeiterklasse der einzige Weg vorwärts darin, einen gemeinsamen internationalen Kampf gegen das Profitsystem zu führen.

Der WSWS -Chefredakteur David North widerlegte die Behauptung der Bush-Gegner aus dem "Anybody but Bush"-Lager, man müsse Kerry wählen, um die Zerstörung der Demokratie aufzuhalten. Diese Perspektive beruht, wie er erklärte, auf einer falschen Vorstellung über die Ursachen der aktuellen Krise und einer Unterschätzung ihrer Tiefe.

In den dreißiger Jahren, erklärte North, als der Faschismus die liberalen Demokratien auf der ganzen Welt bedrohte, glaubten viele linke Liberale, wie auch die stalinistischen Parteien, die mit Moskau in Verbindung standen, dass die Demokratie nur auf der Grundlage einer "Volksfront", d.h. einer breiten, klassenübergreifenden Allianz aller Gegner des Faschismus verteidigt werden könne. Die Volksfront-Theorie hatte in vielen Ländern katastrophale Konsequenzen, wie z.B. in Spanien und Frankreich, weil die Arbeiterklasse daran gehindert wurde, für ihre eigenen Interessen zu kämpfen.

Genauso könne auch heute die amerikanische Arbeiterklasse ihre grundlegenden Bürgerrechte nicht durch einen Block mit der Demokratischen Partei verteidigen, sagte North. Arbeiter müssten beide bürgerlichen Parteien bekämpfen und ihre eigene, unabhängige Perspektive entwickeln.

Tom Mackaman berichtete über die Versuche der Demokratischen Partei, ihn in Illinois von der Wahl fernzuhalten.

SEP-Kampagne in Illinois

Die schmutzigen Tricks und teilweise illegalen Methoden, mit denen Beamte und Funktionäre der Demokratischen Partei im Sommer diesen Jahres die Kandidatur von Tom Mackaman in Illinois verhindern wollten, konnten zurückgeschlagen werden, nachdem Hunderte von Unterstützern der SEP in Illinois und den gesamten USA, sowie Leser der World Socialist Web Site aus der ganzen Welt Protestbriefe gesandt hatten.

Seither erreichte der Wahlkampf der SEP in Illinois im 103. Wahlbezirk von Champaign-Urbana eine große Zuhörerschaft, und Mackaman konnte bei zahlreichen Gelegenheiten, auf Versammlungen und in den Medien, über das Programm der SEP sprechen. Mehrmals konnte er an offenen Debatten teilnehmen und gegen die amtierende Demokratin Naomi Jakobsson und die Gegenkandidatin der Republikaner, Deborah Frank Feinen, argumentieren.

Zum Beispiel nahm Mackaman am 12. Oktober an einem Frage-und-Antwort-Forum mit seinen Opponenten teil, das im öffentlichen Fernsehen WEIU von Charleston, Illinois übertragen wurde und einen großen Teil von Illinois erreichte. Weitere im Fernsehen übertragene Debatten, bei denen Mackaman sprechen konnte, fanden am 20. und 21. Oktober statt. Der SEP-Kandidat hatte die Möglichkeit, über das Fernsehen die Zuhörer zu ermutigen, das World Socialist Web Site zu lesen und für den Wahlkampf 2004 der SEP zu spenden.

Am 13. Oktober nahm Mackaman an einem Kandidatenforum der Universität von Illinois in Urbana teil. Hier hatte er selbst sein Diplom gemacht, und heute arbeitet er hier als Assistent in der Lehre und Forschung. Am 19. Oktober trat der SEP-Kandidat vor einer Politik-Klasse der Universität auf, um die Fragen der 35 anwesenden Studenten zu beantworten.

Immer war Mackaman derjenige, der die Debatte auf das Thema Krieg lenkte, während seine Kontrahenten den Irakkrieg möglichst zu umgehen versuchten, obwohl, wie Mackaman erklärte, "so viele junge Menschen aus unseren Städten, die in diesem Krieg kämpfen müssen, von Tod und Verwundung bedroht sind".

Die Daily Illini, eine Studentenzeitung, veröffentlichte einen offenen Brief von Mackaman, in dem er einen Versuch der Universität verurteilt, sein Recht auf Meinungsäußerung einzuschränken. (Siehe: http://www.dailyillini.com/news/2004/10/08/Opinions/Friday.Forum.Attack.On.Speech-747070.shtml). Man hatte ihn vorgeladen und verwarnt, weil er seine Email-Adresse an der Uni benutzt hatte, um eine Presseerklärung über seinen Wahlkampf zu verschicken. Er gewann aber die Unterstützung vieler Studenten, wie z.B. der Organisation Student Peace Action, die für den 27. Oktober nachmittags eine Kundgebung auf dem Universitätsinnenhof zu seiner Verteidigung organisierte.

Wahlkampfdebatte in Tennessee

Eine interessante Debatte der sogenannten "dritten Parteien" fand am Freitag den 15. Oktober in Johnson City im Bundesstaat Tennessee statt. Die von den Grünen von Tennessee organisierte "Multi-Party Presidential Debate 2004" stellte für die Kandidaten eine der wenigen Möglichkeiten dar, sich vorzustellen, während sonst meist nur George W. Bush und John Kerry in der Öffentlichkeit Beachtung finden.

An dieser Debatte nahmen die Grünen, die Socialist Equality Party, die Workers World Party, die Socialist Party, die Libertarian Party und die Personal Choice Party teil. Ralph Nader, der ebenfalls eingeladen war, hatte abgesagt. Die Socialist Equality Party wurde von Jerome White vertreten.

Es waren etwa 150 Zuschauer, darunter viele Studenten, aber auch Arbeiter aus der ganzen Region gekommen. Der Debatte waren am selben Tag weitere Auftritte vorangegangen: So konnten alle Kandidaten im Rahmen einer Ökologievorlesung der Tusculum Universität auftreten und dem Sender WETS-FM, einem öffentlichen Radiosender der Universität, Interviews geben.

In der eigentlichen Debatte konnten sowohl ein Moderatorenteam als auch die Zuhörer Fragen stellen. Es fiel auf, dass im Rahmen dieser "dritten Parteien", außer vom SEP-Kandidaten White, John Kerry und die Demokratische Partei von kaum jemandem erwähnt wurden. Die Grüne Partei ging z.B. mit keinem Wort auf die Unterstützung der Demokraten für Bushs Irakkrieg ein.

Der grüne Kandidat David Cobb warf sich in die Brust und sagte, er sei "in it to win it" (etwa: er mache Wahlkampf, um zu gewinnen), aber in Wirklichkeit gewährt die grüne Präsidentschaftskandidatur Kerry kritische Unterstützung und ist bereit, in den sogenannten "battleground states", den besonders heiß umstrittenen Bundesstaaten, einen Wahlkampf auf Sparflamme zu führen, um den demokratischen Sieg nicht zu gefährden.

Cobb erklärte, die Grüne Partei sei "nicht sozialistisch", sie sei viel mehr "ein wenig links und ein wenig rechts". Als der Moderator fragte, ob es Umstände geben könnte, unter denen die Kandidaten einen präventiven Krieg wie Bushs Irakkrieg unterstützen würden, antwortete Cobb: "Es gibt Zeiten, in denen die Armee und friedenserhaltende Kräfte notwendig sind."

Jerome White betonte dagegen, dass imperialistische Mächte immer versucht haben, die räuberischen Ziele ihrer Kriege mit einem "humanitären" Anspruch zu verschleiern. Cobbs Haltung sei ein Beispiel dafür, dass die Grünen nicht von der Kapitalistenklasse unabhängig seien. White verwies auf die Grünen in Deutschland, die ihr pazifistisches Programm über Bord geworfen und in einer Koalition mit der SPD die Armee nach Jugoslawien geschickt haben.

Ein weiteres Beispiel für versteckte Wahlhilfe für die Demokraten lieferte die Workers World Party (WWP), eine pro-stalinistische Abspaltung von der trotzkistischen Bewegung von 1959. Diese Partei konzentriert ihre praktische Arbeit vor allem auf Protestpolitik, um Druck auf angeblich "linke" Elemente der Demokraten und der AFL-CIO Gewerkschaftsbürokratie zu machen.

Der WWP-Sprecher Dierdre Griswold behauptete, die Protestaktionen gegen den Krieg, die seine Partei mit einer Schicht "linker" Gewerkschafter gerade organisiere, sei der Beweis für eine "historische Wende der amerikanischen Arbeiterbewegung". Er "vergaß" nur, zu erwähnen, dass die AFL-CIO Bürokratie eindeutig Partei für die Demokraten und für John Kerry - einen klaren Kriegsbefürworter - ergriffen hat.

Der Präsidentschaftskandidat der Socialist Party, Walt Brown, nannte auf die Frage, welche Partei eine progressive Alternative repräsentiere, die New Democratic Party in Kanada, eine rechte sozialdemokratische Partei. Das staatliche Gesundheitssystem in Kanada - das bereits tiefgreifende Kürzungen erlebt hat und vor seiner Privatisierung steht - bezeichnete er als ein "unvollkommenes" Beispiel für "sozialisierte medizinische Versorgung".

Die Socialist Party ist eine rein reformistische Partei, die den revolutionären Sozialismus ablehnt und den Kampf für einen "gemäßigten Sozialismus" durch die Entwicklung von Kreditvereinen, Konsumgenossenschaften und alle Arten von Selbstbeteiligungs-Unternehmen befürwortet. Auf die Frage in der Diskussionsrunde, wie er die Gefahr einschätze, dass der Sozialismus die Regierung in ein gigantisches Kombinat verwandeln könne, antwortete Brown: "Kleiner ist besser".

Die beiden anderen Parteien, die an der Debatte teilnahmen, waren die Libertarian Party und die Personal Choice Party. Beide sind ultrarechte, wirtschaftfreundliche Gruppen, die unter dem Deckmantel der Opposition gegen einen "übermächtigen Staat" die "freie Marktwirtschaft" preisen. Ihnen zufolge behindern staatliche Regulierungen die Fähigkeit jener, die am härtesten arbeiten, um sich zu bereichern - der kapitalistischen Eigentümer. So erklärte Gary Nolan von der Libertarian Party, seine Partei sei gegen einen Mindestlohn, während der Kandidat der Personal Choice Party, Charles Jay, sagte, seine Partei habe kein Wahlprogramm, aber seine "persönliche Plattform" beinhalte die Abschaffung der nationalen Einkommenssteuer, der Sozialhilfe und der nationalen Bildungspolitik.

Als ein junges Mädchen den Kandidaten der Libertarians empört fragte: "Haben Sie jemals versucht, von einem Stundenlohn von fünf Dollar fünfzehn [dem staatlichen Mindestlohn] Miete zu zahlen, Kinder großzuziehen und Benzin zu tanken?", antwortete Nolan, nein, das habe er nicht, aber: "Mit der freien Marktwirtschaft ist nicht zu spaßen". Jay sagte, es liege an jedem Einzelnen, wie er sich als Ware darstelle, und im übrigen sei der amerikanische Kapitalismus eine "Leistungsgesellschaft", was bedeute, dass man sehr hart arbeiten müsse.

Jerry White trat diesen Behauptungen entschieden entgegen und sagte: "Ein solches System, das die kriminellsten Elemente, wie Enrons Vorstandsvorsitzender Kenneth Lay und Präsident Bush selbst an die Spitze bringt, muss in Frage gestellt werden." Die USA seien die wirtschaftlich am stärksten polarisierte Gesellschaft der ganzen Welt; nirgendwo sonst gebe es eine derartige soziale Ungleichheit. Um Armut und drastische Angriffe auf die Sozialleistungen zu bekämpfen, müssten die Arbeiter politisch mit den Demokraten und Republikanern brechen, die das Profitsystem verteidigten. Dazu sei ein gründlicher revolutionärer Wandel notwendig, um das gesellschaftliche und politische Leben in Übereinstimmung mit den sozialen Interessen neu zu organisieren.

SEP-Wahlkampf auch in Kalifornien

In Pasadena, Kalifornien, ist John Christopher Burton am 2. November als Zusatzkandidat für die SEP wählbar. Burton war der SEP-Kandidat bei den erzwungenen Gouverneurswahlen im letzten Sommer, als der Republikaner Arnold Schwarzenegger Gouverneur von Kalifornien wurde. Um als unabhängiger Kandidat der SEP in einem einzigen Bezirk auf der Liste zu stehen, hätte Burton 9.000 Unterschriften von registrierten Wählern einreichen müssen.

Am 27. Oktober wurde Burton zu einem Wahlforum eingeladen, das von der League of Women Voters organisiert war und später mehrfach von einer lokalen Fernsehstation übertragen wurde. Wie fast überall stand bei dieser Debatte der Irakkrieg im Mittelpunkt. Als ein Teilnehmer aus dem Publikum die Frage stellte, was die Kandidaten einem Soldaten sagen würden, der den Eindruck habe, er sei über die Kriegsgründe belogen worden, sagte Burton, diesem Soldaten müsse man sagen, er habe vollkommen recht. Das wahre Ziel der Invasion und der Irakbesetzung sei die amerikanische Kontrolle der irakischen Ölreserven. "Die Leute, die euch dorthin schicken, um zu töten und getötet zu werden, sollten als Kriegsverbrecher behandelt werden", sagte Burton.

Außer der Kriegsfrage spielten die Angriffe auf demokratische Rechte in der Diskussion eine zentrale Rolle. Burton, der ein bekannter Bürgerrechtsanwalt in Los Angeles ist, erklärte die Beziehung zwischen dem amerikanischen Militarismus im Ausland und wachsender Repression im Inland. "Es ist unmöglich, einen kriminellen Krieg zu führen und gleichzeitig im Innern demokratische Rechte zu garantieren", sagte er.

Als ein Teilnehmer über die Bedrohung durch Terrorismus sprach und die Meinung vertrat, lasche Sicherheitsvorkehrungen an den US-Grenzen würden erheblich zu dieser Gefahr beitragen, antwortete Burton, das Ausbreiten der Terrorismusgefahr könne nicht als Ergebnis des ungehinderten Verkehrs von Waren, Rohstoffen und Menschen über nationale Grenzen hinweg erklärt werden. Vielmehr sei das zentrale Problem die amerikanische Außenpolitik, die andere Länder und Völker unterjoche, um den geo-strategischen und ökonomischen Interessen des amerikanischen Kapitalismus zu dienen. "Die Lösung für das Problem des Terrorismus ist eine demokratischere und gerechtere Welt", betonte Burton.

Erste SEP-Versammlung in Maine

Im Bundesstaat Maine im Nordosten der USA sprach der sozialistische Kongresskandidat, Carl Cooley, auf der ersten öffentlichen Versammlung der SEP am 17. Oktober in Bangor. Cooley kandidiert im 2. Kongressbezirk von Maine.

In den vorangegangenen Wochen hatte Cooley zahlreiche Interviews gegeben und bei Wahlkampfdebatten gesprochen, während SEP-Wahlhelfer Tausende Wahlprogramme verteilten. Cooley gab Interviews für die Bangor Daily News, das Kennebec Journal in Augusta, den Waterville Morning-Sentinel, den Portland Press-Herald und das Belfast Republican Journal. Außerdem sprach er in mehreren Radiosendungen.

In mehreren Städten wurde er als Sprecher an Gymnasien eingeladen. An der Waterville High School, wo die Schüler eine inszenierte politische Debatte organisierten, setzte sich ein Student mit Cooley in Verbindung, weil er als Befürworter der Sozialisten auftrat und vorher die Weltanschauung des SEP-Kandidaten kennen lernen wollte. In Bangor fand eine Testwahl statt, an der sich mehrere Schulen beteiligten. Die Socialist Equality Party wurde mit einem Büchertisch eingeladen und Cooley erhielt fünf Minuten Zeit, um das SEP-Programm vorzustellen.

Auf der Wahlversammlung der Socialist Equality Party in Bangor erklärte Cooley: "Wir sind heute hier, weil 3.200 Menschen im 2. Kongressbezirk von Maine uns ihre Unterschrift gegeben haben. Die meisten haben unterschrieben, weil sie gegen den Irakkrieg sind und weil sie wollen, dass unsere Soldaten sofort nach Hause geholt werden."

Cooley schilderte den kapitalistischen Niedergang der US-Gesellschaft, in der heute eine Situation herrscht, wo "ein Prozent der Bevölkerung vierzig Prozent des Reichtums besitzt. Das ist grotesk", sagte Cooley. "Unter diesen Bedingungen ist Demokratie unmöglich. Man erklärt uns, kein Kind dürfe zurückgelassen werden, und gleichzeitig befinden sich die Lehrer in einer unmöglichen Situation und die Schulen erhalten viel zu wenig Geld. Das ist grotesk. Sehr viele Arbeiter können nicht einmal einen bezahlbaren Platz zum Leben finden und werden in Armut gestoßen. Ist das alles nicht grotesk?"

Cooley schloss seinen Beitrag mit den Worten: "Wir wollen eine unabhängige Arbeiterpartei aufbauen, eine, die für die Macht der Konzerne uneinnehmbar sein wird - das heißt, die von Demokraten und Republikanern unabhängig sein wird."

Außer Cooley sprach auf dieser Versammlung Peter Daniels, Mitglied der WSWS -Redaktion. Daniels sprach über den historischen Charakter der Wahl 2004, und dass auf der ganzen Welt Hunderte Millionen Menschen sie gespannt verfolgen. Er sprach über die großen Lehren des zwanzigsten Jahrhunderts, den Stalinismus und den Verrat der reformistischen und bürokratischen Arbeiterführer, die die Arbeiter weltweit politisch entwaffnet hatten, um dem Kapitalismus das Überleben zu sichern.

Daniels schloss: "Die Zukunft ist nicht auf der Seite der Demokratischen Partei, oder von Ralph Nader und den Grünen, die falsche Hoffnungen auf die Wiederbelebung des sozialen Liberalismus schüren oder eine neue kapitalistische Partei propagieren, um das Profitsystem irgendwie zu reformieren. Der einzige Weg vorwärts führt über den Kampf für die volle politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse durch den Aufbau einer Partei, die sich auf ein sozialistisches Programm und die internationale Einheit der Arbeiterklasse stützt, die (...) dafür eintritt, eine demokratisch kontrollierte Planwirtschaft und eine egalitäre Gesellschaft anstelle der Anarchie und des Zerfalls des Kapitalismus aufzubauen."

Siehe auch:
SEP-Präsidentschaftskandidat Bill Van Auken spricht in Sri Lanka zu Pressevertretern aus Südasiens
(26. Oktober 2004)
Illinois: Sozialistischer Kandidat überwindet Behinderung durch Demokraten
( 3. August 2004)
USA: Berufungsgericht von Ohio bestätigt Ausschluss von SEP-Präsidentschaftskandidaten
( 9. Oktober 2004)