55. Berlinale - Teil 2

Vier Filme aus Afrika und Nahost

Von Stefan Steinberg
16. März 2005

Dies ist der zweite Teil einer Artikelserie zur 55. Berlinale, die vom 10. bis zum 20. Februar stattfand.

Der afrikanische Kontinent stand im Brennpunkt der diesjährigen Berlinale. Der Film U-Carmen eKhayelitsha, der in Südafrikas zweitgrößtem Township spielt, wurde mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Darüber hinaus beschäftigten sich zwei Filme mit dem Massaker, das vor zehn Jahren in Ruanda stattfand (Hotel Rwanda - der bereits auf der WSWS besprochen wurde - sowie Jedes Jahr im April), und ein weiterer Film, Man to Man von Regisseur Regis Wargnier (Indochine 1992, Est-Ouest: Eine Liebe in Russland 1999), eröffnete das Festival.

Man to Man

Man to Man spielt im späten neunzehnten Jahrhundert. Im Jahre 1870 reist der junge schottische Arzt Jamie Dodd in unerforschte Regionen des äquatorialen Afrikas, um Angehörige eines bislang unbekannten Pygmäenstammes für wissenschaftliche Forschungszwecke zu fangen. Unterstützt wird sein Vorhaben von der nüchternen Geschäftsfrau und Händlerin Elena Van Den Ende. Dodd ist erfolgreich und kehrt mit zwei Pygmäen nach Edinburgh zurück.

Im Zentrum des Films stehen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Dodd, der Intelligenz und Empfindsamkeit bei den zwei Pygmäen entdeckt, und seinen wissenschaftlichen Kollegen, die sich Dodds Schlussfolgerungen nicht anschließen wollen. Während Dodd auf Grundlage seiner Forschung zu dem Schluss gelangt, die beiden Pygmäen müssten gleichberechtigt als Menschen anerkannt werden, wollen seine ambitionierten Kollegen die Welt der Wissenschaft mit einer Entdeckung erschüttern und beweisen, dass die Pygmäen kein Bewusstsein haben und kaum von Affen zu unterscheiden sind - der lang gesuchte "missing link".

Als der Konflikt zwischen den Wissenschaftlern seinen Höhepunkt erreicht, wird Dodd von seinen zwei Kollegen überwältigt, die zwei Afrikaner werden ihm weggenommen und im Zoo ausgestellt. (Diese Szene hat einen realen Hintergrund - 1877 stellte ein europäischer Zoodirektor vierzig Nubier aus und verdoppelte damit seine Einnahmen.)

Dodd kann das Paar wieder unter seine Kontrolle bringen und bringt sie in eine ganz andere Art von Zoo. Er steckt sie in feine Kleider und führt sie den höchsten Kreisen in Edinburgh vor. Gegen Ende des Films rächt sich der afrikanische Mann Toko an einem der zwei Wissenschaftler, der ihn gequält hatte, und wird schließlich von einem wütenden Mob durch die viktorianischen Straßen gejagt. In der Schlussszene, die an den ursprünglichen Frankenstein erinnert, flieht Toko vor dem Mob auf den Mast eines im Hafen liegenden Schiffes - nur um von der aufgebrachten Masse, die es dem "Monster" heimzahlen will, erschossen und gepfählt zu werden. Er stirbt in Dodds Armen.

Leider ist der Film eine Katastrophe - beinahe gar nichts funktioniert, auch wenn das Thema höchst interessant ist. Im neunzehnten Jahrhundert wimmelte es von mechanischen Theorien zur Rassenbestimmung, auf deren Grundlage weitreichende Schlüsse gezogen wurden. Gleichzeitig geriet die Anthropologie in einer Zeit, die durch die kolonialistische Expansion der imperialistischen Mächte geprägt war, unter starken Druck, mit rassistischen Argumenten zu beweisen, dass die Unterordnung und Unterdrückung der neu eroberten Völker wissenschaftlich und ethisch gerechtfertigt sei.

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurden darwinistische Theorien unkritisch auf die menschliche Geschichte und Entwicklung ausgedehnt, was zu einer äußerst reaktionären Tendenz im gesellschaftlichen Denken und den Wissenschaften führte. Spekulationen über die Möglichkeit zur Verbesserung der menschlichen Rasse bereiteten den Weg oder machten Platz für Trends, die die Notwendigkeit betonten, das Unreine oder Schwache zunichte zu machen oder auszurotten. Dies alles sind Fragen, die Aufmerksamkeit verlangen. Eine ernsthafte Behandlung dessen setzt allerdings ein ernsthaftes Studium und Interesse am historischen Hintergrund solcher Entwicklungen voraus, und hier versagt Wargnier kläglich.

Der Regisseur versucht die Dramatik seiner Geschichte durch eine Reihe emotionaler Konflikte zu steigern - die Rivalität zwischen den Wissenschaftlern, Dodds Faszination und wachsende Sympathie für die zwei Afrikaner, das langsame Entstehen von Respekt und Zuneigung zwischen Dodd und Van Den Ende. Natürlich hat Wargnier jedes Recht, solche dramaturgischen Mittel einzusetzen, doch weil der Film im Kern so mangelhaft ist, ist er am Ende nicht mehr als ein Melodram.

Wargnier hat ehrenwerte Motive, den Film zu drehen. In seinen Kommentaren zum Film erklärt er, dass eines der Hauptziele seines Films darin besteht, das Erbe des Rassismus, Vorurteile und Neokolonialismus zu hinterfragen, die seine eigene Jugend in Frankreich geprägt hatten. Doch anstatt kritisch zu untersuchen, auf welchem Wege Rassentheorien im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts zunehmend verzerrt wurden, reduziert Wargnier einfach die gesamte anthropologische Wissenschaft der Zeit auf Rassismus. Solch ein Verdikt hat Auswirkungen. Sein Hauptcharakter (und offensichtlich sein Alter Ego) Dodd erinnert stark an einen Antirassisten des zwanzigsten Jahrhunderts, der künstlich in die Wissenschaftskreise eines früheren Jahrhunderts verpflanzt wurde.

Wissenschaftliches Denken und seine Entwicklung finden in einem spezifischen gesellschaftlichen und historischen Kontext statt, der studiert werden muss, aber das heißt nicht, dass wissenschaftliche Ergebnisse automatisch die Interessen der herrschenden Elite widerspiegeln. Schließlich wurden Darwins Entdeckungen von den Begründern des wissenschaftlichen Sozialismus als großer Durchbruch für die Wissenschaft und Menschheit als Ganze gepriesen. Wargniers Heragehensweise ist symptomatisch für Künstler und Intellektuelle, die glauben, man könne ein ernsthaftes Studium der Geschichte umgehen, und die ihre eigenen Vorstellungen über Rassismus (und Faschismus) unkritisch in die Vergangenheit projektieren. Man to Man zeigt, dass es unmöglich ist, auf einer solchen Basis ein bleibendes und einnehmendes Kunstwerk zu schaffen.

Jedes Jahr im April

Die Schwächen des Films Hotel Rwanda wurden bereits in einer Rezension auf der WSWS diskutiert. Hotel Rwanda konzentriert sich auf das heroische Verhalten eines Mannes (Hotelmanager Paul Ruseeabagina) und vermeidet eine umfassendere Untersuchung der Hintergründe des Massakers, das sich 1994 in Ruanda abspielte. Regisseur Raoul Peck (Lumumba) hat in seinem Film Jedes Jahr im April einen anderen Zugang zu dem Thema des Völkermords in Ruanda gewählt, bei dem nach Schätzungen eine Million Menschen getötet wurden.

Augustin Muganza ist ein Hutu-Soldat, der mit einer Tutsi-Frau verheiratet ist. Der Radiosprecher, der Hass gegen die Tutsi und deren Verfolgung predigt, ist Augustins eigener Bruder. In Hotel Rwanda kann man die Hasstiraden aus dem Radio, in denen zur Ermordung der Tutsi aufgerufen wird, im Hintergrund hören. In Pecks Version rückt der Radiohetzer als Hauptcharakter in den Vordergrund. Während die Hutu-Regierung orientierungslose und blutrünstige Mobs aufwiegelt, erfährt Augustin, ein loyaler Hutu, dass er wegen seiner Ehe mit einer Tutsi ebenfalls auf der Todesliste gelandet ist. Seine beste Chance, Frau und Kind in Sicherheit zu bringen, besteht darin, seinen Bruder einzusetzen, der durch sein Radioprogramm sehr bekannt ist und Verbindungen zu offiziellen Kreisen hat.

Hotel Rwanda schreckt davor zurück, die Brutalität des Massakers zu zeigen; Jedes Jahr im April dagegen beinhaltet grauenvolle Szenen, in denen das Abschlachten bildlich dargestellt wird. In einer sehen wir Hutu-Truppen, die mit ihren Maschinengewehren hilflose Schulmädchen niedermähen, und dann einen mit Macheten bewaffneten Mob, der das Werk der Soldaten vollendet. Das Weitere bleibt uns erspart.

Jedes Jahr im April behandelt auch die Hintergründe des Massakers und beginnt mit Dokumentaraufnahmen, in denen kurz die reaktionäre Rolle erläutert wird, die die beiden Besatzungs- und Kolonialmächte Frankreich und Belgien in der Geschichte des Landes spielten. Wir erfahren, dass diese Mächte unterschiedliche Identitätsausweise für Mitglieder der zwei Stämme einführten, die über Jahrhunderte hinweg friedlich miteinander gelebt hatten. Wir sehen auch, wie französische und belgische Truppen inmitten des Massakers intervenieren, um lediglich ihre eigenen Landsleute zu retten. Als Muganza und andere um Beistand bitten, werden sie von den europäischen Soldaten und Regierungen, die sehr wohl wissen, was im Land passiert, mitleidslos ignoriert.

Es ist anzuerkennen, dass Peck sich bemüht, die größeren politischen und historischen Dimensionen des Massakers zu erklären. Gleichzeitig muss jedoch festgestellt werden, dass es an ein Verbrechen grenzt, wie die Rolle der amerikanischen Regierung im Film dargestellt wird.

Die Eröffnungsszene von Jedes Jahr im April spielt in der Gegenwart, in einem Klassenzimmer in Ruanda. Augustin versucht ruandischen Kindern zu erklären, was vor einem Jahrzehnt stattgefunden hat. Hinter ihm läuft der Fernseher und zeigt den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton bei einer "Grundsatzrede", in der er das Massaker in Ruanda verurteilt, über die Verwüstungen klagt und erklärt, die internationale Gemeinschaft würde in Zukunft nicht mehr tatenlos daneben stehen.

Später, zwischen Szenen, die den Überlebensversuchen von Augustin und seiner Familie gewidmet sind, zeigt der Film Schnappschüsse von amerikanischen Außenpolitikexperten und Geheimdienstagenten, die darüber beraten, ob man in Kingali intervenieren sollte. Nachdem vor allem technische und finanzielle Gründe angeführt worden sind, fällt schließlich die Entscheidung, dass die Vereinigten Staaten nicht öffentlich eingreifen.

Peck, ein ehemaliger Kulturminister Haitis, verfängt sich in einer unausweichlichen Logik. Er stellt die amerikanische Regierung als einzige Kraft dar, die in objektiver Weise in Ruanda hätte eingreifen können, weil sie keine größeren Interessen hegte, und kritisiert die Vereinigten Staaten dann, weil sie es nicht getan haben. Dies ist bemerkenswert für den Regisseur von Lumumba, einem Film über den politischen Mord an dem afrikanischen nationalistischen Führer - ein Verbrechen, an dem der amerikanische Imperialismus und die CIA direkt beteiligt waren.

Pecks Film dient politisch zweifellos jenen Anhängern der Demokratischen Partei, die behaupten, es gäbe grundsätzliche Unterschiede zwischen der Außenpolitik des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und der des derzeitigen Präsidenten George W. Bush. In Wirklichkeit hielt Clinton auch in Bezug auf den Irak feierliche Moralpredigten, auch hier forderte er die "internationale Gemeinschaft" auf, "nicht weg zu schauen" - während seine Regierung gleichzeitig für die Aufrechterhaltung von Sanktionen gegen das Land sorgte, die Hunderttausenden das Leben kosteten.

Pecks Kniefall vor der US-Regierung in Jedes Jahr im April entspringt seinem verwässerten Panafrikanismus, der heute nur bedeuten kann, die Großmächte gegeneinander auszubalancieren, in der schalen Hoffnung, dass sich daraus Zugeständnisse ergeben würden. Unter Bedingungen, wo eine Neuauflage des "Scramble for Africa" vorbereitet wird, ist Pecks Persilschein für die Rolle der Vereinigten Staaten in seinem neuen Film unverzeihlich.

Zwei der besten Filme auf der diesjährigen Berlinale behandelten die Situation im Nahen Osten - Paradise Now und Live and Become.

Paradise Now

Paradise Now ist eine durchdachte und mutige Ergründung des modernen Lebens in den Besetzten Gebieten. Die Freunde Khaled und Said arbeiten zusammen in einer kleinen Kfz-Werkstatt. In der ersten Szene des Films entspannen die beiden auf einem Hügel und teilen sich eine Wasserpfeife. Sie haben von dort oben einen Panoramablick auf die dicht besiedelten Stadtviertel von Nablus. Ihre Sicht wird allerdings durch ein Autowrack behindert. In den Straßen unten sind die Ruinen von Häusern und Wohnungen zu sehen, die von der israelischen Luftwaffe bombardiert wurden.

Der Film von Regisseur Hany Abu-Assad behandelt die extremen Bedingungen, die junge Männer und Frauen dazu bringen, über Selbstmordattentate gegen die israelische Besatzung nachzudenken. Der Film zeigt eine Region, in der fast jede palästinensische Familie auf die eine oder andere Art unter den Besatzern gelitten hat. Khaleds Vater wurde bei einem israelischen Angriff getötet, während Saids Vater vom palästinensischen Widerstand exekutiert wurde, weil er mit den Israelis kollaboriert hatte. Said war damals erst zehn Jahre alt, als Erwachsener sympathisiert er mit dem Widerstand. Im Laufe des Films wird Said von der jungen und unabhängigen Suha angezogen, deren Vater als führendes Mitglied im Widerstand von israelischen Soldaten getötet wurde.

Besonders für junge Menschen ist das Leben in den palästinensischen Städten und Gemeinden öde und die Zukunft hat ihnen wenig bis nichts zu bieten. Die Stadtgrenzen sind mit Stacheldraht markiert und die Checkpoints mit israelischen Soldaten besetzt. Israelische Raketenangriffe sind nichts Ungewöhnliches. Zur Unterhaltung bietet der örtliche Videoladen Bänder an, auf denen Märtyrer ihren letzten Willen bekannt geben, bevor sie gegen die Israelis zur Tat schreiten, oder Videos mit Geständnissen von Kollaborateuren, die zum Tode verurteilt sind (letztere erfreuen sich größerer Beliebtheit).

Suha, die der Politik ihres Vaters ablehnend gegenübersteht und nach einer friedlichen Lösung sucht, versucht einen örtlichen Taxifahrer aufzumuntern. "Eines Tages wird es besser werden", sagt sie. "Sie sind nicht von hier, oder?" lautet seine Antwort.

Aus heiterem Himmel informiert ein palästinensischer Kämpfer Khaled und Said, dass sie ausgewählt wurden, um ein Selbstmordattentat gegen die Israelis auszuführen. Sie reagieren mit einer Mischung aus Resignation und Erleichterung - endlich ein Weg, um diesen Ort zu verlassen. Der Rest des Films handelt davon, wie die zwei jungen Männer ihr Schicksal in den Griff bekommen.

In Pressemitteilungen schilderte Hany Abu-Assad (Ford Transit) die Schwierigkeiten, Paradise Now zu drehen. Bei Filmaufnahmen in den palästinensischen Städten Nablus und Nazareth war die Crew ständig der Gefahr israelischer Militäroperationen ausgesetzt. Tatsächlich ging ein Teil des ursprünglichen Filmteams nach wenigen Tagen, weil die Mitarbeiter um ihr Leben fürchteten. Eine feindliche Behandlung erfuhr die Crew auch von Teilen des palästinensischen Widerstands, die begriffen, dass der Film keine unkritische Propaganda für ihre Sache machen würde.

Der Regisseur teilt nicht die Ansichten der Selbstmordattentäter und ihrer politischen Führer. Sein Film macht jedoch deutlich, dass Verzweiflung und das Fehlen jeglicher Perspektive weiterhin junge Männer und Frauen zu solchen Maßnahmen treiben wird, solange in den Besetzten Gebieten derart unbeschreibliche Bedingungen herrschen. Leider ist es sehr unwahrscheinlich, dass Paradise Now jemals in Israel gezeigt wird. Der Film ist ein wichtiger Beitrag und regt zum Nachdenken an.

Live and Become

Live and Become, der neue Film von Radu Mihaileanu - Regisseur von Zug des Lebens - spannt einen größeren geografischen und historischen Bogen. Im Jahre 1984 werden Hunderttausende Afrikaner aus 26 Nationen, die von einer Hungersnot verwüstet sind, in provisorischen Lagern im Sudan untergebracht. Die amerikanische und israelische Regierung organisieren eine Operation, um ein Kontingent äthiopischer Juden nach Israel zu bringen.

Ein neunjähriger äthiopischer (und christlicher) Junge wird von seiner Mutter getrennt, erhält den jüdischen Namen Schlomo und wird nach Israel gebracht, wo er von einer Familie sephardischer Juden aus Frankreich adoptiert wird.

Schlomos neue Eltern sind linke, nonkonformistische Juden. Im Laufe ihres ersten Essens mit dem neuen Kind erklären sie, dass sie normalerweise nicht mit einem Tischgebet beginnen, aber diesmal wegen Schlomo eine Ausnahme machen werden. Sie setzen ihre Kippah auf und bitten Schlomo, das Gebet zu sprechen. Der Junge hat nicht die geringste Ahnung, was von ihm erwartet wird.

Um zu überleben, muss er sich anpassen und seine wahre Vergangenheit verschweigen. Er genießt eine Erziehung als jüdischer Israeli und französischer Staatsbürger, und wir erleben, wie Schlomo zu einem jungen Mann heranwächst. Mihaileanu nutzt die Geschichte, um zwei Jahrzehnte israelischer Geschichte sowie die Paradoxe und Konflikte zu ergründen, die sich bei der Wahrung einer nationalen Identität in der modernen Welt ergeben.

Wir sehen den Mut von Schlomos Adoptivmutter, die persönlich eingreift, als der Junge in seiner Schule Rassendiskriminierung erlebt und als zweitrangiger "Falascha-Jude" behandelt wird. Über die Jahre hinweg werden die Toleranz und linken Ansichten seiner Eltern und Großeltern harten Proben unterzogen, als die israelische Friedensbewegung zusammenbricht und zunehmend rechte Regierungen die israelische Knesset dominieren.

Mihaileanu besitzt einen scharfen Blick für die Verbindung zwischen gesellschaftlicher und persönlicher Entwicklung, und Live and Become ist erfüllt von seinem Humanismus und seiner Ablehnung ethnischer und nationaler Stereotypenbildung. Der Film erhält eine Reihe eindringlicher und bewegender Szenen. Nichtsdestotrotz hat sich der Regisseur eine gewaltige Aufgabe gesetzt, einen Zeitraum von beinahe zwei Jahrzehnten zu behandeln. Beinahe unvermeidlich werden dadurch eine Reihe von Schlüsselereignissen der israelischen Geschichte - z.B. die Ermordung Rabins und ihre Auswirkungen - nur beiläufig aufgegriffen.

Siehe auch:
55. Berlinale - Teil 1: Gesellschaftliches Leben und Geschichte melden sich zu Wort
(4. März 2005)
Hotel Rwanda: Film on African catastrophe conceals more than it reveals
( 25 January 2005)