Sechzig Jahre seit den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki

Von Joseph Kay
19. August 2005

Dieser Artikel wurde anlässlich des 60. Jahrestags seit dem Abwurf der Atombombe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki veröffentlicht.

Sofortige und vollständige Zerstörung

In den frühen Morgenstunden des 6. August 1945 startete ein amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ B-29 mit dem Namen Enola Gay vom amerikanischen Luftwaffenstützpunkt auf der Pazifikinsel Tinian. Es flog sechs Stunden lang, ohne auf Widerstand vom Boden zu stoßen.

Um 8.15 Uhr Ortszeit warf das Flugzeug seine Bombenlast über dem wolkenlosen Himmel Hiroshimas ab, einer japanischen Stadt mit ungefähr 255.000 Einwohnern. Die Atombombe "Little Boy" detonierte etwa 600 Meter über dem Stadtzentrum und tötete 80.000 Menschen - ein Drittel der Bewohner - auf der Stelle oder innerhalb weniger Stunden nach der Explosion.

Drei Tage später, am 9. August, verließ ein ähnliches Flugzeug mit einer noch mächtigeren Bombe den Stützpunkt Tinian, hatte es aber schwerer, sein angepeiltes Ziel zu erreichen. Nachdem es auf Abwehrfeuer vom Boden gestoßen war und seine Zielstadt Kokura unter einem wolkenverhangenen Himmel lag, flog es zu seinem zweiten Ziel: Nagasaki, einer Industriestadt mit etwa 270.000 Einwohnern. Die besonderen topologischen Eigenschaften Nagasakis und der Umstand, dass die Bombe nicht das Stadtzentrum traf, ließen die Wirkung dieses zweiten Atombombenabwurfs etwas weniger verheerend ausfallen. Schätzungen zufolge wurden 40.000 Menschen auf der Stelle getötet.

In den darauf folgenden Monaten erlagen weitere Zehntausende ihren Verletzungen, unter anderem an der durch die radioaktive Strahlung ausgelösten Strahlenkrankheit. Exakte Zahlen sind angesichts solcher Größenordnungen naturgemäß schwer zu ermitteln, jedoch wird die Gesamtzahl der Männer, Frauen und Kinder, die innerhalb von vier Monaten nach den beiden Bombenabwürfen starben, auf 200.000 bis 350.000 geschätzt. Nie zuvor hatte es eine derartige Vernichtung in so kurzer Zeit gegeben.

Zusammen mit der sowjetischen Invasion der von Japan kontrollierten Mandschurei führten die Atombomben ein schnelles Ende des Kriegs im Pazifik herbei. Am 2. September unterzeichnete die japanische Regierung ein Abkommen mit den Alliierten, in dem praktisch die gesamte Kontrolle über das Land dem amerikanischen Militär übergeben wurde.

Japans Kapitulation, vier Monate nach der Deutschlands, bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs. Gleichzeitig markierte sie ein neues Stadium in der zunehmend gegensätzlichen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die im Krieg Verbündete waren. Innerhalb der nächsten vier Jahre entwickelte die Sowjetunion ihre eigene Atombombe, und ein nukleares Wettrüsten begann, das die nächsten vier Jahrzehnte anhalten sollte.

Die USA haben den Einsatz von Atomwaffen im Krieg seither immer mit der Notwendigkeit begründet, das Leben von Amerikanern zu retten, weil dadurch eine Invasion Japans überflüssig wurde. Als nach dem Krieg der Einsatz der Bombe kritisiert wurde, behaupteten US-Regierungsvertreter, dass durch die Bomben, die Hiroshima und Nagasaki komplett zerstört hatten, zwischen 500.000 und eine Million Amerikaner und mehrere Millionen Japaner gerettet worden seien.

Diese Rechtfertigung wurde schon immer stark angezweifelt, und in den folgenden Jahren tauchten viele Beweise dafür auf, dass nicht nur die geschätzten Opferzahlen für den Fall einer Invasion heftig übertrieben waren, sondern der Krieg auch ohne eine Invasion schnell hätte beendet werden können.

Auch wenn es vielerlei Gründe für den Bombeneinsatz gab, so hängen sie doch allesamt mit zwei zusammenhängenden geopolitischen Zielen der herrschenden Elite Amerikas am Ende des Krieges zusammen: 1) dem Bestreben, den Einfluss der Sowjetunion in Ostasien zu begrenzen, indem der Krieg beendet wurde, bevor die sowjetischen Truppen weit nach China hinein und in Richtung Japan vorgedrungen waren, und 2) dem Wunsch, die überlegene militärische Stärke der Vereinigten Staaten praktisch zu demonstrieren sowie ihre Bereitschaft unter Beweis zu stellen, diese Stärke im eigenen Interesse auch tatsächlich einzusetzen.

Die Motive hinter dem Entschluss, die Atombombe zum Einsatz zu bringen, werden im zweiten Teil dieser Serie detailliert untersucht. Die Bedeutung dieses schrecklichen Ereignisses für die heutige Zeit - auch im Hinblick auf den Ausbruch des amerikanischen Militarismus in jüngster Zeit und das Streben nach der Entwicklung neuer Atomwaffentypen - ist Thema des dritten Teils.

Eine neue Art von Bombe

Die Potsdamer Erklärung, die am 26. Juli 1945 von den Alliierten abgegeben wurde, kündigte die "sofortige und vollkommene Zerstörung" Japans an, wenn das Land sich nicht bedingungslos ergeben würde. Für die Städte Hiroshima und Nagasaki bedeuteten die Atombomben genau dies.

Zur Zeit der Bombardierung Hiroshimas waren bereits viele japanische Großstädte das Ziel schwerer amerikanischer Luftangriffe gewesen. Nachdem das US-Militär den japanischen Luftraum unter seinen Kontrolle gebracht hatte, begann die Air Force, systematisch städtische Gebiete zu bombardieren. Zu Beginn des Jahres 1945 hatten Brandbomben in Tokio etwa 87.000 Menschen das Leben gekostet. Die Tatsache, dass Hiroshima bis dahin noch nicht bombardiert worden war, kam vielen Bewohnern seltsam vor, denn die Stadt beherbergte neben zivilen Produktionsstätten auch ein wichtiges militärisches Hauptquartier.

Dennoch traf die Bombe die Bevölkerung von Hiroshima unvorbereitet. Ein Wetterflugzeug hatte früher am Morgen die Sirenen ausgelöst, doch nach seiner Abkehr hatte es eine Entwarnung gegeben. Die Enola Gay und die beiden Flugzeuge, die sie begleiteten, wurden für weitere Wetterflugzeuge gehalten und daher gab es keinen Alarm, als sie über die Stadt flogen.

Die Explosion der Uranbombe, die auf Hiroshima fiel, entsprach der Sprengkraft von 13.000 Tonnen TNT. Die atomare Kettenreaktion in der Bombe ließ Temperaturen von mehreren Millionen Grad Celsius entstehen. Im Hypozentrum - dem Punkt auf dem Boden, über dem in 600 Metern Höhe die Explosion stattfand - erreichte die Temperatur 3.000 bis 4.000 Grad, das Doppelte des Schmelzpunktes von Eisen. Dem extremen Blitz aus Hitze und Licht, der in einem Umkreis von anderthalb Kilometern rund um das Hypozentrum alles in Brand setzte, folgte eine enorme Druckwelle, die die meisten Gebäude in zwei Kilometern Umkreis zerstörte.

Die Hiroshima-Bombe sollte die Aioi-Brücke treffen, die sie um etwa 250 Meter verfehlte. Nach einem Bericht explodierte die Bombe stattdessen direkt über einem Krankenhaus, das von Dr. Shima geleitet wurde: "Das Shima-Krankenhaus und alle seine Patienten verdampften. [...] Achtundachtzig Prozent der Menschen, die sich im Umkreis von 500 Metern befanden, starben auf der Stelle oder noch im Laufe des Tages. Die meisten anderen in diesem Umkreis verstarben in den folgenden Wochen und Monaten." [1]

Diejenigen, die sich in der Nähe des Hypozentrums aufhielten, verbrannten sofort und ohne eine Spur zu hinterlassen, außer eventuell einen Schatten auf den Wänden, deren Oberfläche ihre Körper vor dem ersten Blitz geschützt hatten. Ein Autor bemerkt, dass diejenigen, die sich in der Nähe der Explosion aufhielten, "schneller in ein Nichts verwandelt wurden, als ein Mensch es wahrnehmen kann". [2]

Wer vom Zentrum der Explosion etwas weiter entfernt war, starb nicht unmittelbar, erlitt aber schwere Verbrennungen dritten Grades am gesamten Körper und insbesondere den Partien, die der Hitze direkt ausgesetzt waren. Sie waren schlimmsten Schmerzen ausgesetzt, bevor sie ihren Verbrennungen erlagen. Augenzeugen, die die Explosion erlebten und überlebten, beschreiben diese Opfer ausnahmslos mit den schrecklichsten Worten.

Ein Arzt, der sich zur Zeit der Explosion am Rande der Stadt aufhielt, beschrieb, was er sah, als er den Opfern zu Hilfe eilen wollte. Er näherte sich dem Stadtzentrum, als eine "seltsame Gestalt in kleinen Schritten auf mich zustolperte. Sie erinnerte an die Form eines Mannes, doch sie war völlig nackt, blutig und mit Schmutz bedeckt. Der Körper war stark geschwollen. Lappen hingen an ihrer bloßen Brust und Hüfte. Die Hände waren vor die Brust gehalten, mit den Handflächen nach unten. Wasser tropfte von den Lappen. Tatsächlich waren das, was ich für Lappen hielt, war menschliche Haut und das Wasser war menschliches Blut. [...] Ich schaute auf die Straße vor mir. In Stofffetzen, verbrannt und blutüberströmt standen mir zahllose Überlebende im Weg. Sie waren dicht gedrängt, einige krochen auf ihren Knien oder auf allen Vieren, einige standen mit Mühe oder lehnten an der Schulter eines anderen." [3]

Die Beschreibung entstellter Menschen mit "Haut, die wie Lappen herabhängt" findet sich bei praktisch allen, die überlebten und davon berichten konnten. Viele sahen Menschen, die vor lauter Schmerzen ziellos auf den Straßen umherliefen, oft blind durch die Verbrennungen und taub durch die Explosion, mit nach vorne gestreckten Armen, "herabhängenden Unterarmen und Händen [...], um zu vermeiden, dass sich das rohe Fleisch schmerzvoll aneinander reibt" [4], und einige "wankten wie Schlafwandler". [5]

Wohl Tausende starben auf diese Weise. Ein Arzt namens Tabuchi erzählte, wie Hunderte verletzter Menschen "die ganze Nacht hindurch an unserem Haus vorbeigingen, aber an diesem Morgen [des 7. Augusts] hörte es auf. Ich fand sie auf beiden Seiten der Straße in solchen Massen liegen, dass es unmöglich war, hindurchzugehen, ohne auf sie zu treten" [6]. Ein Überlebender schilderte, wie "Hunderte von jenen, die noch lebten, [...] ausdruckslos umher zogen. Einige waren halbtot und wanden sich in ihrem Elend. [...] Sie waren nichts weiter als lebende Leichen." [7]

Viele derjenigen, die nicht sofort starben, versuchten sich zu den Flüssen und Stauseen durchzuschlagen, um ihre brennenden Schmerzen zu stillen. Ein Überlebender beschrieb, wie "das weite Ufer an dem Fluss Choju-En mit einer großen Anzahl von verbrannten Menschen gefüllt war. Sie besetzten das Ufer so weit, wie das Auge sehen konnte. Der größte Teil lag im Wasser und wurde von den Wellen langsam fortgetrieben", da sie ertrunken oder am Flussufer gestorben waren [8]. Ein weiterer Arzt namens Hanoka sah "Löschteiche, bis zum Rande mit Toten gefüllt, die aussahen, als wären sie bei lebendigem Leibe gekocht worden". [9]

Ein Großteil der Stadt war im Umkreis von mehreren Kilometern um den Detonationsort komplett zerstört. Gebäude, die die Explosion nicht zum Einsturz brachte, wurden von dem darauf folgenden Feuer vernichtet, das die größtenteils aus Holz gebauten Häuser verschlang. Viele, die in ihren Häusern gefangen waren, starben in diesem Feuer.

Dr. Hachiya schrieb: "Hiroshima war keine Stadt mehr, sondern eine verbrannte Prärie. Nach Osten und nach Westen war alles dem Erdboden gleich. Die entfernten Berge schienen näher, als ich es je erlebt hatte. Die Hügel von Ushita und die Wälder von Nigitsu zeichneten sich in dem Dunst und Rauch wie Nase und Augen eines Gesichts ab. Wie klein doch Hiroshima war, als seine Häuser nicht mehr waren." [10]

Eine Woche nach den Explosionen in Hiroshima und Nagasaki waren die meisten der Schwerverletzten entweder tot oder auf dem Weg der Besserung. Zu diesem Zeitpunkt jedoch erlitten unerwartet Tausende Patienten "plötzliche Fieberattacken, bei denen die Körpertemperatur über vierzig Grad Celsius stieg. [...] Und ihre Schleimhäute begannen zu bluten und bald darauf spuckten sie große Mengen Blut. [...] Es war auch zu dieser Zeit, dass eine unheimliche Form des Haarausfalls unter den Überlebenden einsetzte. Wenn Patienten ihre Hände zum Kopf streckten, während sie mit ihrem Schmerzen kämpften, fiel ihr Haar schon bei einer bloßen Berührung durch die Finger aus." [11]

Dies war die Strahlenkrankheit, verursacht von der atomaren Reaktion, bei der enorme Mengen an Gammastrahlung freigesetzt wurden. Zu dieser Zeit jedoch wussten die Ärzte in der Stadt noch nichts über die besondere Art von Bombe, die dort explodiert war, und spekulierten, dass die Bevölkerung an einer Ruhr-Epidemie litt oder von Chemikalien vergiftet worden war, die die Bombe freigesetzt hatte.

Ein britischer Bericht erklärte, dass die Strahlung der Explosion nicht die Zellen im Blut zerstörte sondern "die primitiven Zellen im Knochenmark, aus denen die meisten verschiedenen Zellen im Blut gebildet werden. Daher beginnen sich die ernsten Auswirkungen erst dann zu zeigen, wenn die wenn die voll entfalteten Zellen allmählich absterben und nicht wie üblich von neuen, im Knochenmark gebildeten Zellen ersetzt werden [...] Als keine roten Blutkörperchen mehr gebildet wurden, begannen die Patienten an fortschreitender Anämie zu leiden. Als die Blutplättchenbildung aufhörte, sickerte das dünne Blut durch kleine und größere Blutungen in die Haut und die Netzhaut des Auges und manchmal in die Gedärme und die Nieren. Die Abnahme der weißen Blutkörperchen [...] schwächte in schweren Fällen die körpereigene Abwehr, so dass der Patient unvermeidlich Opfer einer Infektion wurde, die sich in der Regel vom Mund aus ausbreitete und mit Geschwüren an den Lippen, der Zunge und manchmal der Kehle einherging. [...] Das Sterben begann ungefähr eine Woche nach der Explosion, erreichte seinen Höhepunkt nach drei Wochen und war nach sechs bis acht Wochen weitgehend zum Stillstand gekommen." [12]

Am stärksten von der Strahlung betroffen waren diejenigen, die der Explosion am nächsten waren. Viele der Überlebenden trugen jedoch seelische Wunden davon und quälten sich ständig mit dem Gedanken, dass sie, auch wenn sie heute gesund sind, morgen bereits auch schon tot sein können.

Die obige Schilderung stammt hauptsächlich aus den Zeugnissen und Berichten der Überlebenden aus Hiroshima. Die Folgen waren in Nagasaki allerdings ähnlich. Die Bombe wurde auf Nagasaki abgeworfen, ehe die ganze Verheerung der Hiroshima-Bombe allgemein bekannt geworden war. Der Tag der Bombardierung wurde wegen der Wettervorhersage vom 11. August auf den 9. August vorverlegt.

Nagasaki war seit langem ein bedeutender Hafen und eine der schönsten Städte auf der japanischen Insel Kyushu. Ihre wichtigste Industrie waren die Werften, was sie zum Ziel für die zweite Bombe machte. Die Bombe explodierte über dem Vorort Urakami, in dem bis dahin die größte Kathedrale Ostasiens stand.

Auch wenn viele Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg begangen wurden, waren die Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki zweifellos zwei der bedeutsamsten Fälle mutwilliger Zerstörung, bei denen das Leben Hunderttausender Menschen, in der überwältigenden Mehrheit Zivilisten, ausgelöscht wurden. Diese beiden Ereignisse dürfen nicht aus dem Gedächtnis der arbeitenden Bevölkerung in aller Welt verschwinden - sie zeugen von der Rücksichtslosigkeit und dem Zerstörungsvermögen des amerikanischen Militarismus.

Der amerikanische Imperialismus und die Atombombe

Die Zerstörung, die die Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki erlebte, wird seit langem von der amerikanischen Regierung mit "der Rettung amerikanischer Leben" gerechtfertigt. Trotz vieler vernichtender Gegenbeweise im Laufe der letzten sechzig Jahre wird diese Argumentation bis heute von offizieller Seite als historische Wahrheit dargestellt.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Im Editorial des Wall Street Journal vom 5. August 2005 lesen wir, dass der Einsatz der Bomben eine Invasion des japanischen Festlands erspart hätte "wofür die Truman- Regierung zwischen 200.000 und einer Million Opfer errechnete". Zudem "hätte eine Invasion des japanischen Festlands vielleicht Millionen von japanischen Todesopfern gefordert". Dieser Berechnung zufolge wurden Hunderttausende japanischer Bürger, hauptsächlich Zivilisten, die durch die Atombombe unsägliche Todesqualen erlitten, geopfert, um so viele Menschenleben wie möglich zu retten.

Auch wenn man die Prämisse dieses Arguments akzeptieren wollte, würde es am juristisch und moralisch grundsätzlich verbrecherischen Charakter, der der Vernichtung dieser beiden Ballungszentren anhaftet, nichts ändern. Doch die Prämissen sind eine reine Erfindung. Die errechneten Opferzahlen wurden nicht nur übertrieben [13], der Hauptgrund für die Entscheidung der amerikanischen Regierung, die Atombombe abzuwerfen, hatte auch nichts damit zu tun, dass man eine Invasion Japans vermeiden wollte.

Wie bei allen bedeutenden historischen Fragen, gab es auch in diesem Fall eine Reihe unterschiedlicher Faktoren, die die Entscheidung, Nuklearwaffen einzusetzen, beeinflussten. Es ist nicht möglich, hier auf alle einzugehen. Wir werden uns darauf beschränken, einige der grundlegenden Fragen und Dokumente zu anzusprechen.

Zunächst einmal ist hervorzuheben, dass die atomare Bombardierung fast wehrloser Städte mit hauptsächlich zivilem Charakter - die zwar militärische Hauptquartiere und Rüstungsindustrie besaßen - eine gewisse Kontinuität mit der Kriegsführung der Vereinigten Staaten im Pazifischen Ozean aufwies.

Sobald das amerikanische Militär den japanischen Luftraum erobert hatte, wandte es in zunehmendem Maße Methoden an, die man nur als terroristisch bezeichnen kann - wahllose Angriffe auf die Zivilbevölkerung, um so Angst und Schrecken zu erzeugen. Vor Hiroshima und Nagasaki war das erschreckendste Beispiel dafür der Feuersturm auf Tokio am 9. März 1945, der etwa 87.000 Menschenleben kostete. [14] Dieser Angriff fand weniger als einen Monat nach dem berüchtigten Feuersturm auf Dresden vom 13. und 14. Februar 1945 statt.

Trotz seines humanitären Gehabes demonstrierte das amerikanische Militär durch diese Aktionen, dass es bereit war, den Krieg ebenso brutal wie Deutschland oder Japan zu führen. Bei einer Unterredung zwischen Präsident Harry Truman und Kriegsminister Henry Stimson am 6 Juni 1945 kam es zu einem interessanten Wortwechsel, der einen Eindruck von der Art und Weise vermittelt, wie die amerikanische Regierung die Frage der Massenvernichtung japanischer Zivilisten betrachtete.

Stimson erinnert in einem Memorandum, dass er bestimmte pragmatische Bedenken im Zusammenhang mit der Flächenbombardierung japanischer Städte durch die amerikanische Luftwaffe vorbrachte. "Ich sagte [Truman], dass ich aus zwei Gründen über diesen Aspekt des Krieges besorgt war: Erstens, weil ich nicht wollte, dass die Vereinigten Staaten in den Ruf kämen, schlimmere Gräueltaten als Hitler durchgeführt zu haben; zweitens, hatte ich ein bisschen Angst, dass die Luftwaffe Japan schon vorher so restlos niedergebombt haben würde, dass die neue Waffe [die Atombombe] unter diesen Umständen keine faire Chance haben würde, ihre starke Wirkung unter Beweis zu stellen. Er lachte und sagte, er würde verstehen." [15] Stimson war besorgt darüber, dass die willkürliche Zerstörung japanischer Städte Pläne für die Anwendung der Atombombe stören könnte, weil es keine "faire Chance" geben würde, das heißt, keine größere und unversehrte Stadt mehr mit ausreichend Bevölkerung. Das Gespräch beweist auch, dass die Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt Japan militärisch völlig dominierten und in der Lage waren, seine Städte quasi nach Belieben zu zerstören.

Die Anwendung der Bombe als terroristische Waffe - das heißt, als ein Mittel, die japanische Bevölkerung in panische Furcht und Schrecken zu versetzen - wurde während eines Treffens des Interim-Ausschusses (Interim Commitee) am 31. Mai 1945 hervorgehoben. Der Interim-Ausschuss bestand aus den am Manhattan-Projekt direkt Beteiligten wie Robert Oppenheimer und anderen Wissenschaftlern, sowie Vertretern der Truman-Regierung, darunter Außenminister James Byrnes und Kriegsminister Stimson. Es wurde gegründet, um den Einsatz der Atombombe zu diskutieren, Ziele der Bombardierung vorzuschlagen und damit zusammenhängende Fragen zu erörtern.

In einem Protokoll dieses Treffens heisst es: "Nach langen Diskussionen über verschiedene mögliche Ziele und die erwünschte Wirkung kam der Kriegsminister [Stimson] zu der Schlußfolgerung, die allgemeine Zustimung fand, nämlich, dass man die Japaner auf keinen Fall vorwarnen sollte, dass man sich nicht auf ein ziviles Gebiet konzentrieren könne, aber dass man einen tiefen psychologischen Eindruck bei möglichst vielen Japanern erzeugen sollte. Auf Anregung von Dr. [James] Conant erklärte sich der Minister damit einverstanden, dass das optimale Ziel eine kriegswichtige Fabrik sei, die viele Arbeiter beschäftigt und die von Arbeiterwohnungen umgeben ist " [16] (Hervorhebung hinzugefügt).

Obwohl erwähnt worden war, dass man sich nicht auf ein ziviles Gebiet konzentrieren sollte, lehnte es der Ausschuss ausdrücklich ab, die Bombe auf ein rein militärisch genutztes oder unbewohntes Gebiet abzuwerfen, wie einige der im Ausschuss vertretenen Wissenschaftler empfohlen hatten. [17]

Viele der Wissenschaftler, die am Manhattan-Projekt beteiligt waren oder es unterstützt hatten, taten dies, weil ihnen Hitler und das Nazi-Regime zutiefst verhasst waren. Das Projekt war ursprünglich mit den verheerenden Konsequenzen gerechtfertig worden, hätte Hitler als Erster über die Atombombe verfügt. Doch Deutschland war bereits besiegt, als die USA die Technologie perfektioniert hatten. Dennoch beschloss die Truman-Regierung nicht nur, die Atombombe einzusetzen, sie tat es obendrein mit offensichtlicher Begeisterung. Truman gab die berüchtigte Erklärung ab, dass ihm die Entscheidung keine schlaflose Nacht bereitet habe.

Es wurde berichtet, dass er, als er während einer Atlantiküberquerung die Nachricht von der Bombardierung Hiroshimas erhielt, ausrief: "Dies ist das großartigste Ereignis in der Geschichte", und dann "rannte er auf dem Schiff herum, um die Nachricht zu verbreiten, und dabei betonte, er habe nie eine erfreulichere Mitteilung gemacht. ‚Wir haben das Spiel gewonnen‘ sagte er der versammelten und Beifall klatschenden Mannschaft" [18]

Der Historiker Gabriel Jackson kommentierte diese Begebenheit so: "Unter den besonderen Umständen des August 1945 zeigte der Atombombenabwurf, dass ein psychisch ganz normaler und demokratisch gewählter Staatschef diese Waffe genau so benutzen konnte, wie es der Nazi-Diktator getan hätte. Auf diese Weise haben die Vereinigten Staaten - in den Augen derjenigen, die sich für moralische Unterschiede zwischen verschiedenen Regierungsformen interessieren - den Unterschied zwischen Faschismus und Demokratie verwischt." [19]

Die Atombombe und das amerikanische Streben nach Hegemonie

Vor dem Ersten Weltkrieg hätte es als selbstverständlich gegolten, dass eine zivilisierte Gesellschaft nur in einer Situation äußerster Verzweiflung eine Waffe wie die Atombombe benutzen könnte. Die Vorstellung, eine solche Waffe gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen, wäre undenkbar gewesen, es sei denn als Tat einer vollkommen heruntergekommenen und moralisch korrumpierten Gesellschaft. Und doch zeichnen sich gerade die Vereinigten Staaten dadurch aus, das einzige Land zu sein, das jemals eine Atombombe eingesetzt hat. Auch haben sie dies nicht aus militärischer Notwendigkeit heraus getan, sondern aus politischen und strategischen Gründen, vor allem als Instrument im Konflikt mit der Sowjetunion. Um die damit zusammenhängenden, allgemeineren Interessen zu verstehen, müssen die Ereignisse des 6. und 9. August 1945 in ihrem historischen Zusammenhang gesehen werden.

Im Frühjahr 1945 ging der 1939 in Europa begonnene Krieg zu Ende, obwohl die deutsche Kapitulation noch bis Mai dieses Jahres auf sich warten ließ. Der Wendepunkt kam mit der Niederlage der deutschen Armee in Stalingrad im Februar 1943 und der anschließenden Invasion Europas durch die USA und Großbritannien im Frühling 1944.

Die Sowjetunion war zwar mit den USA und Großbritannien verbündet, aber es gab enorme Zwistigkeiten im Lager der Alliierten. Trotz der stalinistischen Degeneration der UdSSR stützte sich die sowjetische Bürokratie immer noch auf die Eigentumsverhältnisse, die durch die Oktoberrevolution von 1917 geschaffen worden waren. Und trotz Stalins Bemühungen, sich den imperialistischen Mächten anzupassen, haben sich die amerikanische und britische herrschende Elite nie mit dem Bestehen dieser Eigentumsverhältnisse abgefunden.

Damals aber brauchten die Vereinigten Staaten und Großbritannien die Hilfe der Sowjetunion im Krieg gegen Deutschland und Japan. Die führende Rolle der Roten Armee bei der Niederwerfung Deutschlands bedeutete, dass die anderen Mächte der Sowjetunion Zugeständnisse machen mussten, insbesondere in Osteuropa. Bei der Konferenz auf Jalta im Februar 1945 einigten sich die "Großen Drei" im Wesentlichen über die Teilung Europas, einschließlich der gemeinsamen Kontrolle über Deutschland. Zudem glaubte die Regierung von Franklin Delano Roosevelt, dass es äußerst wichtig war, dass sich die Sowjetunion am Krieg gegen Japan beteilige, um ihn schnell zu Ende zu bringen. Seit 1941 hatten die Sowjetunion und Japan eine so genannte "seltsame Neutralität" bewahrt: während die Sowjetunion gegen Japans Verbündetem Deutschland Krieg führte und Japan mit dem Verbündeten der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, im Krieg stand, hatten beide Länder einen Neutralitätspakt unterschrieben, der besagte, dass sie nicht gegeneinander Krieg führen würden.

In Jalta machten Roosevelt und Churchill mehrere territoriale und wirtschaftliche Zugeständnisse, unter anderem erhielt die Sowjetunion die Kontrolle über einen Großteil der Mongolei und mehrerer von ihr als strategisch wichtig betrachtete Inseln und Häfen in der Nähe von Japan. Dies war eine Gegenleistung für ihre Zusage, "in zwei oder drei Monaten", nach der deutschen Kapitulation, sich am Krieg gegen Japan zu beteiligen.

Im Frühling 1945 sah die Truman-Administration - Roosevelt war am 12. April gestorben - den Besitz der Atombombe als Möglichkeit, die Gleichung zu verändern und das Kräfteverhältnisses zu Gunsten der USA zu verändern. In seinem Tagebucheintrag vom 14. Mai 1945 hielt Kriegsminister Stimson ein Gespräch mit General George Marshall fest, dem Stabschef des Präsidenten, bei dem er vor einer Konfrontation mit der Sowjetunion warnte, ehe man endgültig über die Atombombe verfüge.

Stimson schreibt, dass er Marshall sagte: "Ich meine, dass wir jetzt mit Russland so verfahren sollten, den Mund zu halten und stattdessen Taten sprechen zu lassen...Es geht darum, dass wir wieder die Führung erlangen müssen und es vielleicht in einer sehr rauen und realistischen Art und Weise tun müssen. Sie haben sie uns fast abgenommen, weil wir zu viel geredet und ihnen zu viele Wohltaten erwiesen haben. Ich habe ihm gesagt, dass wir hier alle Karten in der Hand hielten. Ich nannte es einen Straight Flush und meinte, wir sollten uns beim Spielen keine Fehler erlauben. Sie können ohne unsere Hilfe und unsere Industrie nicht auskommen und wir werden bald eine einzigartige Waffe einsetzbereit haben."[20].

Am nächsten Tag äußerte sich Stimson besorgt darüber, dass in Potsdam ein Treffen zwischen Truman, Stalin und Churchill vor dem ersten Atombombentest stattfinden sollte. Stimson schrieb, "es wird vielleicht notwendig sein, die Haltung Russlands zur Manschurei, Port Arthur und anderen Teilen von Nordchina offen anzusprechen, sowie das Verhältnis Chinas zu uns. Das S-1 [Codename für die Atombombe]-Geheimnis wäre vorrangig gegenüber jedem dieser komplexen Probleme, und doch würden wir wahrscheinlich bis nach dem Treffen nicht wissen, ob wir die Waffe schon haben oder nicht. Wir denken, es wird kurz danach so weit sein, aber es scheint eine schreckliche Sache zu sein, in der Diplomatie mit einem so hohen Einsatz zu spielen, ohne den Haupttrumpf in der Hand zu halten" [21].

Letztendlich ließ Truman die Potsdamer Konferenz um mehrere Wochen verlegen, um dem Manhattan-Projekt mehr Zeit zu verschaffen. Am 21. Mai berichtete Joseph Davies, der frühere US- Botschafter in der Sowjetunion, über ein Treffen mit Truman, bei dem Truman sagte: "er wollte kein Treffen vor Juni [in Potsdam]. Er musste mit dem Etat (*) fertig werden. Der Test war für Juni terminiert, aber bis Juli verschoben worden". Unten auf dem Blatt hat Davies später eine Erklärung dafür hinzugefügt, was er mit "Etat" meinte: "Fußnote (*): die Atombombe. Er erzählte mir dann von dem Atombombentest in Nevada. Erlegte mir strengste Geheimhaltung auf." [22].

Also verstanden die Vertreter der Truman-Administration die Atombombe sehr bewusst als "den Trumpf" bei ihrem Umgang mit der Sowjetunion. Wegen der Ungewissheit, ob der Test glücken würde, kam Truman mit seinem Außenminister James Byrnes nach Potsdam mit dem Ziel, erneut eine Zusage der Sowjetunion zu erreichen, sich am Krieg gegen Japan zu beteiligen. Truman schrieb in sein Tagebuch, "Sollte der Test [mit der Atombombe] misslingen, dann wäre es noch wichtiger für uns, eine Kapitulation Japans herbeizuführen [durch eine sowjetische Invasion], bevor wir Japan im Kampf erobern müssten"[23].

Der erfolgreiche Test der Atombombe am 16 Juli, kurz vor der offiziellen Eröffnung der Potsdamer Konferenz, verschaffte Truman "einen Hammer gegen diese Kerle", wie er es später nannte.[24] Das Verhalten von Truman veränderte sich in Potsdam völlig und er wurde in seinen Verhandlungen mit Stalin viel aggressiver und arrogant. Während der ersten Tage der Konferenz strebte Truman noch eine Zusage der Sowjetunion an, sich am Krieg gegen Japan zu beteiligen. Jedoch wurde in den nächsten Wochen klar, dass Regierungsvertreter darauf hofften, der Atombombeneinsatz werde den Krieg rasch beenden, bevor eine Invasion der Sowjetunion weit vorangeschritten wäre und Japan ein eigenes Abkommen mit Stalin treffen konnte.

Sicherlich war das die Position von Außenminister Byrnes. In einer Antwort auf eine Erklärung von Marineminister James Forrestal, wonach Truman gesagt hatte "sein wichtigstes Ziel in Potsdam wäre, Russland in den Krieg einzubeziehen" erklärte Byrnes, dass "es sehr wahrscheinlich ist, dass der Präsidenten seine Meinung geändert hat, meine Meinung war es ohnehin nicht" [25].

Truman und Byrnes befürchteten, dass Japan ein Abkommen mit der Sowjetunion schließen und einen Frieden durch Vermittlung der Sowjetunion anstreben könne anstatt durch eine neutrale Macht oder durch die Vereinigten Staaten. Diese Befürchtungen wurden noch verstärkt durch Nachrichten aus Japan, die von den Amerikanern abgefangen wurden. Zum Beispiel heißt es in einer diplomatischen Zusammenfassung einer japanischen Botschaft: "Am 11 Juli übermittelte der [japanische] Außenminister Togo die ‚äußerst dringende' Botschaft dem Botschafter [in der Sowjet Union] Sato: "Im Geheimen erwägen wir jetzt eine Beendigung des Krieges wegen der erdrückenden Situation, mit der Japan im In- und Ausland konfrontiert ist.

Bei Ihrer Unterredung mit [dem sowjetischen Außenminister] Molotov im Sinne früherer Vorgaben sollten Sie sich daher nicht auf das Ziel einer Annäherung zwischen Russland und Japan beschränken, sondern Sie sollten auch ausloten, wie weit man sich Russlands bedienen kann, um dem Krieg ein Ende zu setzen." Weiter ging aus der Nachricht hervor, dass Japan willens war, Russland große Zugeständnisse zu machen, um eine russische Invasion zu verhindern. [26]. Zu diesem Zeitpunkt hoffte Japan noch, eine sowjetische Invavion abwenden zu können.

Ein wichtiger Tagebucheintrag von Walter Brown, dem Assistenten von Außenminister James Byrnes, hält am 24 Juli fest: "JFB [Byrnes] setzt immer noch auf Zeit und glaubt, dass Japan nach der Atombombe kapitulieren wird und dass Russland nicht so weit vordringen können wird, um Forderungen an China zu stellen zu können"[27]. Später, am 3 August, drei Tage vor Hiroshima, schreibt Brown: "An Bord Agusta/Präsident, Leahy, JFB [Byrnes] verärgert, dass Japan Frieden schließen will...Der Präsident hat Angst, sie werden durch Russland anstatt über ein Land wie Schweden Frieden anstreben" [28].

Diese wie auch andere Dokumente machen nicht nur klar, dass die amerikanische Führung darüber besorgt war, der Krieg könne in einer für die Sowjetunion günstigen Art und Weise enden, sondern auch, dass sie wusste, dass Japan sehr nah daran war, einen Frieden anzustrengen. In seinem Buch The Decision to Use the Atom Bomb, argumentiert Gar Alperovitz überzeugend für eine "Zwei-Stufen"-Theorie einer Kapitulation Japans. Nach Alperovitz hätte die sowjetische Invasion, die am 8. August stattfand, zusammen mit einer Garantie dem japanischen Staat gegenüber, die Position des Kaisers nicht anzutasten, dem Krieg ohne amerikanische Invasion und ohne Atombombeneinsatz ein Ende gesetzt.

Dies war auch in der Tat die Schlussfolgerung eines Berichts des Joint Intelligence Committee für das Joint Chiefs of Staff am 29. April 1945. "Die zunehmenden Auswirkungen der Luft und Seeblockade, die fortschreitende und kumulative Zerstörung durch strategische Bombardierungen und der Zusammenbruch von Deutschland (mit den Konsequenzen für die Verlegung von Truppen) sollte diese Erkenntnis [dass eine vollständige Niederlage unvermeidlich ist] noch innerhalb diese Jahres Allgemeingut werden... Die Beteiligung der UdSSR am Krieg würde, zusammen mit den oben erwähnten Faktoren, die meisten Japaner sofort von der Unvermeidlichkeit einer vollständigen Niederlage überzeugen... Wenn...das japanische Volk wie auch seine Führung überzeugt würden, dass eine vollständige Niederlage unvermeidlich ist und eine bedingungslose Kapitulation keine Vernichtung des Staates bedeuten würde [das heißt die Absetzung des Kaisers], würde eine Kapitulation wohl ziemlich schnell erfolgen."[29]

Unter Byrnes Federführung wurde die Potsdamer Erklärung - ein Ultimatum an Japan, das eine bedingungslose Kapitulation forderte - so formuliert, dass keine Garantie für das Kaisertum gegeben wurde. Darüber hinaus entschieden die Vereinigten Staaten und Großbritannien, die Sowjetunion nicht einzuladen, die Erklärung zu unterzeichnen. Auf der einen Seite machte dies deutlich, dass die USA und Großbritannien eine japanische Kapitulation in eigener Regie zu erzielen beabsichtigten. Auf der anderen Seite war damit die Drohung einer sowjetischen Invasion nicht mehr eindeutig, und die japanischen Hoffnungen auf sowjetische Vermittlung erhielten somit neue Nahrung. Dies sorgte dafür, dass Japan die Erklärung ablehnte, womit der Weg für den Einsatz der Atombombe frei war[30].

Darüber hinaus war die Invasion Japans durch amerikanische Truppen für November geplant. Wenn die amerikanische Regierung die Atombombe vorrangig einsetzen wollte, um die Notwendigkeit einer Invasion zu umgehen, kann man nicht erklären, warum Truman nicht länger mit einer Entscheidung wartete, insbesondere angesichts der vielen Informationen der Nachrichtendienste, die auf die verzweifelte Lage Japans zu diesem Zeitpunkt hinwiesen.

Es stellt sich auch die Frage, warum die zweite Bombe in einem so kurzen zeitlichen Abstand abgeworfen wurde, noch bevor die Japaner die Möglichkeit hatten zu verstehen, was in Hiroshima passiert war und darauf reagieren konnten. Hier ist wiederum die Frage der sowjetischen Invasion Japans von entscheidender Bedeutung. Die Bombardierung von Nagasaki erfolgte einen Tag nach Beginn der Invasion. Alperovitz schreibt: "Truman erklärte, am 9. August - dem Tag der Bombardierung von Nagasaki, dass Rumänien, Bulgarien und Ungarn 'nicht zu Einflusssphären irgendeiner Macht' werden sollten"[31].

Das unmittelbare Interesse der Vereinigten Staaten daran, den Einfluss der Sowjetunion in Osteuropa und Ostasien einzuschränken, hing mit dem allgemeinen Ziel der Truman-Regierung zusammen, nach dem Zweiten Weltkrieg Amerikas Hegemonie sicherzustellen. Der Historiker Thomas McCormick hat dies gut zusammengefasst, als er schrieb : "Mit zwei grellen Blitzen - ein schreckliches Ende eines Krieges, der von allen Beteiligten auf schreckliche Weise geführt worden war- haben letztendlich die Vereinigten Staaten die Kombination gefunden, die die Tür zur amerikanischen Hegemonie öffnen würde."

Um diese hegemonialen Ziele zu verwirklichen, war es notwendig, die Städte Hiroshima und Nagasaki zu opfern. McCormick merkt an: "Eine geplante Demonstration der Atombombe an einem unbewohnten Ziel, wie es einige Wissenschaftler empfohlen hatten, wäre nicht ausreichend gewesen. Das hätte wohl die Macht der Bombe demonstrieren können, aber nicht die amerikanische Entschlossenheit, diese schreckliche Macht auch anzuwenden. Ein Grund also, weshalb die Amerikaner im Sommer 1945 nicht willens waren, den japanischen Friedensbestrebungen entgegenzukommen, war, dass die Vereinigten Staaten den Krieg nicht zu Ende gehen lassen wollten, bevor sie eine Chance hatten, die Atombombe einzusetzen"[32].

Es gibt in der amerikanischen Bevölkerung eine gewisse Naivität im Hinblick auf die grenzenlose Rücksichtslosigkeit der amerikanischen herrschenden Klasse, insbesondere wenn es um den Zweiten Weltkrieg geht. Dieser Krieg wurde lange Zeit von den amerikanischen Medien und dem politischen Establishment als großer Krieg für Demokratie, gegen Faschismus und Tyrannei dargestellt. In Wirklichkeit war der Hauptgrund für den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg - und der tiefere Beweggrund ihrer gesamten Kriegsführung - sich selbst als die vorherrschende und unbestreitbare Weltmacht zu etablieren. Als es darum ging, dieses Ziel zu erreichen, bedeutete das Leben von Hunderttausenden Japanern recht wenig.

Der amerikanische Militarismus und die nukleare Bedrohung heute

Politische und strategische Erwägungen führten zur Entscheidung der Regierung von Präsident Harry Truman, Atomwaffen gegen Japan einzusetzen. In erster Linie sollte der Einsatz der Atombombe den USA die unanfechtbare Hegemonie in der Nachkriegszeit garantieren.

Diese Orientierung war auch der wichtigste Beweggrund für den Eintritt Amerikas in den Krieg. Lange Zeit wurde der Zweite Weltkrieg dem amerikanischen Volk als "Guter Krieg", als gerechter Krieg gegen Faschismus und Tyrannei präsentiert. Zweifellos verstanden Millionen Amerikaner den Krieg tatsächlich als Kampf gegen Hitlerfaschismus und japanischen Militarismus, diejenigen, die sie in den Krieg führten, verfolgten jedoch ganz andere Absichten. Die herrschende Klasse Amerikas trat mit dem Ziel, ihre globalen Interessen zu verfolgen, in den Zweiten Weltkrieg ein. Zwar unterschied sich das bürgerlich-demokratische Regime der USA beträchtlich von den Regimen seiner faschistischen Gegner, doch waren die amerikanischen Kriegsziele nicht minder imperialistisch. Diese grundlegende Tatsache erklärt letztlich die außerordentliche Rücksichtslosigkeit, darunter den Einsatz der Atombombe, mit der die USA ihre Ziele zu verwirklichen suchte.

Die amerikanische Regierung versprach sich vom Einsatz der Atombombe eine Veränderung des Kräfteverhältnisses im sich verschärfenden Konflikt mit der Sowjetunion. Das amerikanische Atombombenmonopol währte indes nur kurz. Die Sowjetunion reagierte auf die Bombardierung Hiroshimas am 6. August 1945 mit einer deutlichen Aufstockung der Mittel für die Entwicklung einer eigenen Atombombe. 1949 fand der erste sowjetische Atombombentest statt.

Teile der amerikanischen herrschenden Elite und des militärischen Establishments wollten die Atombombe weiterhin bei militärischen Auseinandersetzungen einsetzen. Im Jahr 1950, während des Koreakriegs, drohte Truman China mit dem Einsatz von Nuklearwaffen, und General Douglas McArthur drängte die Regierung, dem Militär grünes Licht für den Abwurf von Atombomben im mandschurisch-koreanischen Grenzgebiet zu geben. Letztendlich wurden diese Überlegungen verworfen, da man befürchtete, der Bombeneinsatz könnte einen Nuklearkrieg mit der Sowjetunion auslösen.

Mit der Entwicklung der noch schlagkräftigeren Wasserstoffbombe, die Ende 1952 zum ersten Mal getestet wurde, wollten die USA ihren nuklearen Vorsprung wieder herstellen. 1953 war die Amtseinführung des Republikaners Eisenhower, der eine aggressivere Politik gegenüber der Sowjetunion versprach und für ein "rollback", d. h. ein Zurückdrängen der sowjetischen Kontrolle über Osteuropa, eintrat. Außenminister John Foster Dulles sagte in einer Rede im Januar 1954, die USA könnten "Aggressoren abschrecken", und zwar "insbesondere durch unsere großen Fähigkeiten, unmittelbar Vergeltung zu üben, durch Mittel und an Orten, die wir selbst bestimmen". Diese Ankündigung "massiver Vergeltung" wurde überall als Drohung begriffen, auf lokale Konflikte wie den Koreakrieg oder den späteren Vietnamkrieg mit dem Einsatz von Nuklearwaffen zu reagieren.

Mit den ersten sowjetischen Versuchen mit der Wasserstoffbombe ging der nukleare Vorsprung im August 1953 aber von neuem verloren. Rasch entwickelten die beiden Länder ein Waffenpotential, das im Fall eines Nuklearkriegs "die sichere gegenseitige Zerstörung" bedeutet hätte.

In diesem Zeitraum, wie auch in den folgenden Jahrzehnten, tobte in den Kreisen des politischen Establishments ein Kampf darüber, welche Politik gegenüber der Sowjetunion und in der Frage des Atomwaffeneinsatzes zu vertreten sei. Trotz des Risikos eines Nuklearkrieges bestand ein wichtiger Teil der herrschenden Klasse Amerikas weiterhin darauf, keinerlei Einschränkungen der militärischen Stärke der USA zu dulden.

Keine der amerikanischen Regierungen in der Ära nach Hiroshima/Nagasaki, ob demokratisch oder republikanisch, verzichtete auf die Option eines Nuklearkrieges. Die "master card", wie Trumans Kriegsminister Henry Stimson dazu sagte, blieb immer in der Hinterhand, um sie bei Bedarf zu ziehen. Im Jahr 1962 stand die Regierung Kennedy während der Kubakrise kurz davor, einen Atomkrieg zu beginnen.

Als sich die ökonomische Situation in den siebziger Jahren verschlechterte, bekamen die Verfechter einer aggressiveren Ausrichtung gegenüber der Sowjetunion wieder Aufwind. Diese Entwicklung setzte unter der Regierung des Demokraten Jimmy Carter ein und erhielt in den achtziger Jahren unter Reagan einen zusätzlichen Schub. Reagan setzte ein neues Wettrüsten in Gang und strebte auch eine offensive nukleare Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion durch die Entwicklung eines defensiven Raketenabwehrsystems (das so genannte "Star Wars"-Programm) an. Genau dies untersagte der ABM-Vertrag von 1972 (Anti-Ballistic Missile, Vertrag zur Begrenzung der strategischen Raketenabwehr). Ein wirksames Verteidigungsschild hätte den Amerikanern erlaubt, einen nuklearen Erstschlag zu führen, da sie einen Vergeltungsschlag hätten abwehren können.

Seit der Selbstauflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 ist innerhalb der herrschenden Klasse Amerikas ein neuer Konsens erzielt worden: Angriffskrieg und einseitige Durchsetzung amerikanischer Interessen mittels militärischer Gewaltanwendung.

Weniger Abkommen, mehr Bomben

Der Ausbruch des amerikanischen Militarismus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat während der Präsidentschaft George W. Bushs besonders bösartige Formen angenommen. Seit ihrem Regierungsantritt hat die Bush-Administration eine Doppelstrategie verfolgt, um die militärische Schlagkraft der USA zu erhöhen. Auf der einen Seite hat sie alle internationalen Abkommen und Verträge, die Amerikas militärische Handlungsfreiheit einschränken, entweder zurückgewiesen oder unterhöhlt. Auf der anderen Seite hat sie Maßnahmen ergriffen, die militärische und auch nukleare Technologie weiter zu entwickeln, um sie in künftigen Kriegen einsetzen zu können.

1999 trat der von den Republikanern dominierte US-Senat vehement für die Ablehnung des zuvor von der Clinton-Regierung unterzeichneten Comprehensive Test Ban Treaty ein (CTBT, Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen). 2001 kündigte Bush an, dass er nicht noch einmal die Zustimmung des Senats anstreben wolle und nach einer Möglichkeit suche, das Abkommen zu "beerdigen". Die Vereinbarung untersagte Tests von neu entwickelten Atomwaffen. Das lehnt die Regierung Bush ab, denn sie plant die Entwicklung neuer Nuklearwaffen, wozu Atomwaffentests unerlässlich sind.

Im Dezember 2001 kündigte Bush an, dass die USA einseitig den ABM-Vertrag aufkündigen würden, um sich damit einen Weg für die Wiederaufnahme des "Star Wars" Projektes zu öffnen, das nun unter dem Namen "National Missile Defence" läuft. Die Entwicklung eines Raketenabwehrsystems gehört immer noch zu den wichtigsten Vorhaben der Regierung und ist Bestandteil ihrer Bestrebungen, sich die militärische Vorherrschaft im Weltraum zu sichern. Genau wie das Programm Reagans würde ein Raketenabwehrsystem den Weg für atomare Erstschläge gegen Länder wie China oder Russland ebnen.

Während einer internationalen Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages zu Beginn dieses Jahres vertrat die Bush-Regierung eine Position, die die Grundlagen des Abkommens infrage stellt. Als Ausgleich für die Zusicherung, auf Nuklearwaffen zu verzichten, spricht der Vertrag den Nicht-Atommächten das Recht zu, Nukleartechnologie für zivile Zwecke zu entwickeln. Im Vertrag ist auch die Zusicherung der Atommächte enthalten, ihr nukleares Arsenal schrittweise zu vernichten. Die neue Position der Bush-Regierung spricht jedoch denjenigen Staaten, die sie als "Schurkenstaaten" bezeichnet, beispielsweise dem Iran, das Recht ab, Atomenergieprogramme zu entwickeln. Weit davon entfernt, ihre eigenen Bestände zu vernichten, haben die USA unterdessen damit begonnen, ihr bestehendes Waffenarsenal zu modernisieren und neue Offensivwaffen zu entwickeln. Im Vorfeld der Konferenz, bei der es dann auch zu keiner Einigung kam, unterstrich die Bush-Regierung sogar ausdrücklich ihren Anspruch, Atomwaffen gegen Staaten einsetzen zu können, die über keine nuklearen Waffen verfügen.

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist die amerikanische Regierung zu einer Politik des offensiven Atomwaffeneinsatzes übergegangen und hat die Auffassung aus der Periode des Kalten Krieges, dass Nuklearwaffen in erster Linie der Abschreckung dienen sollten, ad acta gelegt. Der Nuclear Posture Review Report, der unter der Regierung Clinton 1997 erstellt wurde, gilt als Ausgangspunkt dafür, dass Länder wie Nordkorea, China und der Iran ins Visier genommen werden.

In einem anderen Dokument, das den Medien zugespielt wurde, wurde diese Politik sehr deutlich definiert. Darin kündigte das Pentagon an, dass "der herkömmliche Prozess (der Atomwaffenkontrolle) nicht der Flexibilität gerecht wird, die für die Planungen der USA und ihre Einsatzkräfte heute erforderlich ist". Explizit wurde darin sehr vielen Ländern angedroht, dass sie Zielscheibe eines Nuklearschlags werden könnten. Die Studie enthielt auch sehr allgemein gehaltene Richtlinien für den künftigen Einsatz atomarer Waffen und die Feststellung, dass diese Waffen auch "gegen Ziele, die nicht-nuklearen Angriffen standhalten können", oder auch "im Falle unvorhersehbarer militärischer Entwicklungen" eingesetzt werden können.

Im vergangenen Sommer gab es eine Anweisung von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die "Interim Global Strike Order" (eine Anweisung an das Strategic Command, ein Alarm- und Bereitschaftssystem zu entwickeln, um feindliche Länder weltweit jederzeit angreifen zu können), die die Option eines atomaren Erstschlags gegen Länder wie den Iran oder Nordkorea beinhalten soll. In den Planungsvorgaben für die Kriege gegen Afghanistan und den Irak war auch der Einsatz atomarer Waffen als Möglichkeit vorgesehen.

Des Weiteren hat die Bush-Regierung die Entwicklung neuartiger nuklearer Waffen zur "Bunkersprengung" in Gefechtssituationen in Angriff genommen. Vorhandene Bestände wurden modernisiert. Nach einem Artikel in der New York Times vom 7. Februar 2005 "haben amerikanische Wissenschaftler mit der Entwicklung einer neuen Generation nuklearer Waffen begonnen, die stabiler und zuverlässiger und länger einsatzfähig (sein sollen)" als die bisherigen.

Die USA haben wiederholt Ländern wegen deren angeblicher Entwicklung von Atomwaffen und anderen "Massenvernichtungswaffen" gedroht. Das jüngste Ziel solcher Drohungen war der Iran, dem die USA einen Militärschlag in Aussicht stellten, sollte der Iran sein Atomenergieprogramm nicht aufgeben. Alle diese Drohungen sollen als Rechtfertigung für zukünftige amerikanische Invasionen dienen, bei denen der Einsatz nuklearer Waffen durch die USA keineswegs ausgeschlossen wird.

Mit der Politik des Präventivkriegs maßen sich die USA das Recht an, jedes Land anzugreifen, das die USA als Gefahr ansehen oder von dem sie einfach behaupten, es könne irgendwann einmal in der Zukunft eine Gefahr darstellen. Es gibt keinen Teil der Welt, an dem die USA kein Interesse haben. Sie haben durch ihren Krieg in Afghanistan und mittels politischer Einmischung, wie beispielsweise in der Ukraine, versucht, ihren Einfluss in Zentralasien und der früheren Sowjetunion ständig zu erhöhen. Sie wollen den Mittleren Osten durch den Krieg im Irak und durch die Kriegsdrohungen gegen den Iran ihrer Herrschaft unterwerfen. Die amerikanischen Aktivitäten in Afrika werden intensiviert und es sind wiederholt Drohungen gegen Nordkorea und China gerichtet worden, um den Einfluss der USA in Ostasien zu zementieren.

Unter diesen Bedingungen sind unzählige Szenarien vorstellbar, unter denen ein Krieg ausbrechen könnte, in dem auch atomare Waffen zum Einsatz kommen. Dazu zählt nicht nur eine Invasion des Iran; auch ein amerikanischer Krieg gegen ein unbedeutenderes Land könnte leicht einen größeren Konflikt auslösen - mit China, Russland oder sogar den europäischen Mächten, die auch alle Atomwaffen besitzen.

Die Katastrophe, die Hiroshima und Nagasaki widerfuhr, wird nie in Vergessenheit geraten. Das Schicksal dieser Städte wird für immer ein Zeugnis der Bestialität des Imperialismus sein. Angesichts des erneuten Ausbruchs des amerikanischen Imperialismus erinnern uns die Ereignisse vom August 1945 an die Alternativen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist: Weltrevolution oder Weltkrieg, Sozialismus oder Barbarei.

Quellen:

[1] Wyden, Peter, Day One: Before Hiroshima and After, New York 1984, S. 153.

[2] Frank, Richard, Downfall: The End of Imperial Japanese Empire , New York, S. 265.

[3] Hida, Shuntaro, The Day Hiroshima disappeared, in: Bid, Kai und Lifschultz, Lawrence (Hg.), Hiroshima’s Shadows, Conneticut 1998, S. 419.

[4] Hachiya, Michihiko, Hiroshima Diary, Chapel Hill 1955, S. 4.

[5] Frank, a.a.O., S. 266.

[6] Hachiya, a.a.O., S. 14.

[7] Okabe, Kosaku, Hiroshima Flash, in: Survivors of Hiroshima and Nagasaki, Tokio 1986, S. 35.

[8] Shuntaro, a.a.O., S.419.

[9] Hachiya, a.a.O., S. 14.

[10] Ebenda, s. 8.

[11] Shuntaro, a.a.O., S. 428.

[12] Frank, a.a.O., S. 468.

[13] Nach dem Krieg veröffentlichte Zahlen über die Höhe amerikanischer Verluste durch eine Invasion waren reine Erfindung und wurden weitgehend im Nachhinein zur Rechtfertigung des Atombombeneinsatzes hervorgezaubert. Wir werden uns mit dieser Frage in diesem Artikel nicht befassen; eine Analyse darüber gibt der Essay von Barton Bernstein "A Postwar myth: 500,000 US lives saved" in Hiroshima's Shadow" von Kai Bird und Lawrence Lifschultz, The Pamphleteer’s Press, Stony Creek, Connecticut: 1998.

[14] Ein Historiker beschrieb den Feuersturm von Tokio folgendermaßen: "Die ersten Flugzeuge, die die japanische Hauptstadt erreichten, warfen Brandbomben, die dafür gedacht waren, die Brände auszulösen, die den nachkommenden Bomber als Wegweiser in den anzupeilenden Gebieten dienen würden. Das Zielgebiet schloss Industrie- und Gewerbeansiedlungen und dicht bevölkerte Gegenden mit leichten und hoch brennbaren Wohnhäusern ein. War das Gebiet einmal klar durch Flammen markiert, warfen dann Angriffswellen von B-29 Bombern hunderte Tonnen von Brandbomben ab. Sie schufen einen Brand von monumentaler Größe, der noch verstärkt wurde durch die Winde, die in jener Nacht über Tokio wehten. Die Brände zerstörten ein Gebiet von etwa sechzehn Quadratmeilen, verursachten derartige Turbulenzen, daß niedrig fliegende Flugzeug durch die Luft gewirbelt wurden und tötete so viele Japaner, dass den Mannschaften der B-29 Bomber vom Gestank brennenden Fleisches übel wurde" (Walker, J. Samuel, Prompt & Utter Destruction: Truman and the use of Atomic bombs against Japan, The University of North Carolina Press, Chapel Hill: 2004. S. 27)

[15] Stimson, Henry. Henry Stimson Papers, Sterling Library, Yale University. National Security Archive: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/15.pdf.

[16] "Notes of the Interim Committee Meeting Thursday, 31 May 1945, 10:00 A.M. to 1:15 P.M.—2:15 P.M. to 4:15 P.M." p. 13-14. National Security Archive: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/12.pdf.

[17] Zu diesen Wissenschaftler gehörte der große ungarische Physiker Leo Szilard. Obwohl er half, die Bombe zu entwickeln, hegte er bald Zweifel, ob man sie einsetzen sollte. In einem Auszug des oben zitierten Protokolls desselben Treffens des Interim Committee warnte Leslie Groves, der für das Manhattan-Projekt verantwortliche General, vor bestimmten "unerwünschten Wissenschaftlern...von zweifelhafter Verlässlichkeit und schwankender Loyalität", womit er sicherlich vor allen Dingen diejenigen meinte, die über die Anwendung der Bombe besorgt waren. (Ibid. S. 14). Das Interim Committee lehnte auch die Idee ab, die Nukleartechnologie mit der Staatengemeinschaft zu teilen, um ein atomares Wettrüsten mit der Sowjetunion zu vermeiden; diese Position wurde auch von vielen Wissenschaftlern, die am Projekt arbeiteten, geteilt.

[18] Offner, Arnold. Another such victory: President Truman and the Cold War, 1945-1953, Stanford University Press, Stanford: 2002. S. 92.

[19] Jackson, Gabriel. Civilization & Barbarity in 20th-Century Europe, Humanity Books, Amherst, New York: 1999. S. 176-77. Szilard bemerkte treffend im Jahre1960: "Wenn statt unser die Deutschen Atombomben auf Städte geworfen hätten, hätten wir dies als Kriegsverbrechen bezeichnet und hätten in Nürnberg die Deutschen, die sich dieses Verbrechens schuldig gemacht hätten, zum Tode verurteilt und gehenkt".

(Aus http://en.wikipedia.org/wiki/Atomic_bombings_of_Hiroshima_and_Nagasaki.)

[20] Stimson, Henry. Henry Stimson Diary. 14. Mai 1945. S. 2 . National Security Archive: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/7.pdf

[21] Ibid. 15. Mai 1945. p. 1.

[22] Davies, Joseph. Tagebuch, 21. Mai 1945. National Security Archive: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/8.pdf.

[23] Alperovitz, Gar. The Decision to Use the Atomic Bomb, Vintage Books, New York: 1995. s. 124.

[24] Truman-Interview mit Jonathan Daniels, 12. November 1949. Zitiert aus Alperovitz, S. 239.

[25] Zitiert aus Hasegawa, Tsuyoshi. Racing the Enemy: Stalin, Truman and the Surrender of Japan, Harvard University Press, Cambridge: 2005. S. 158.

[26] "‘Magic’—Diplomatic Summary, War Department, Office of Assistant Chief of Staff, G-2, No. 1204—July 12, 1945, Top Secret Ultra." National Security Archive: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/29.pdf

[27] Zitiert aus Alperovitz, S. 268.

[28] Zitiert aus Alperovitz, S. 415.

[29] Zitiert aus Alperovitz, S. 113-114.

[30] In seinem Tagebuch schrieb Truman dass er "sicher" war, dass Japan die Potsdamer Erklärung nicht akkzeptieren würde, " aber wir werden ihnen die Chance gegeben haben". Das heißt, die Erklärung war eine pro-forma Erklärung, die dazu dienen sollte, eine Rechtfertigung für eine Entscheidung zu liefern, die schon getroffen worden war: die Anwendung der Atombombe. Für eine teilweise Niederschrift von Trumans Tagebuch s. :

http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB162/38.pdf.

[31] Alperovitz, S. 429-430.

[32] McCormick, Thomas J. America’s Half-Century: United States Foreign Policy in the Cold War and After, The Johns Hopkins University Press, Baltimore: 1995. s. 44 -45.