Fragen an die Partei für Soziale Gleichheit

Warum ist Leo Trotzki für die PSG die zentrale Figur?

10. September 2005

Auf der Wahlwebsite der Partei für Soziale Gleichheit zur Bundestagswahl 2005 sind zahlreiche Fragen eingetroffen, die wir in den kommenden Tagen in loser Folge veröffentlichen und beantworten werden.

Frage: Warum ist Leo Trotzki für die PSG die zentrale Figur? Wie steht Ihr zu deutschen Revolutionären wie etwa Liebknecht oder Luxemburg?

Antwort: Die PSG steht in der Tradition der revolutionären marxistischen Bewegung, die eine Vielzahl herausragender theoretischer und politischer Führer hervorgebracht hat - angefangen bei Marx und Engels über Georgi Plechanow, August Bebel, Wilhelm und Karl Liebknecht, Karl Kautsky, Rosa Luxemburg und Franz Mehring bis hin zu Lenin und Trotzki. Einige, wie Bebel und Liebknecht, leisteten ihre wichtigsten Beiträge eher auf politischem als auf theoretischem Gebiet, andere, wie Kautsky und Plechanow, blieben ihren revolutionären Überzeugungen nicht bis zum Ende ihres Lebens treu.

Trotzkis überragende Bedeutung beruht auf zwei Umständen. Erstens hat er den Marxismus gegen den Angriff des Stalinismus verteidigt, der seine Lehren verfälschte und eine ganze Generation revolutionärer Marxisten physisch liquidierte. Dabei analysierte er alle entscheidenden Fragen des zwanzigsten Jahrhunderts, die bis heute den Schlüssel zum Verständnis der politischen Lage bilden - den Ersten Weltkrieg und den Zusammenbruch der Sozialdemokratie, die stalinistische Degeneration der Sowjetunion und der Kommunistischen Internationale, den Aufstieg des Faschismus und den Zweiten Weltkrieg. Als Schlussfolgerung aus der stalinistischen Degeneration der Kommunistischen Internationale gründete Trotzki 1938 die Vierte Internationale.

Zweitens bietet die Theorie der permanenten Revolution, die Trotzki als Schlussfolgerung aus der gescheiterten russischen Revolution von 1905 entwickelte, die Grundlage zum Verständnis der heutigen Weltlage. Konsequent wie kein anderer Marxist seiner Zeit ging Trotzki vom internationalen - oder wie man heute sagen würde: globalen - Charakter der Weltwirtschaft aus. Die zentrale Achse dieser Theorie bildete zum einen die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse und zum anderen der Internationalismus und die Erkenntnis, dass die politische Revolution in Russland nur als Teil einer sozialistischen Weltrevolution verstanden werden konnte, von deren Erfolg auch die Verteidigung der Errungenschaften der Oktoberrevolution in Russland abhing.

Das gesamte zwanzigste Jahrhundert über spielten diese beiden Frage in nahezu allen politischen Kämpfen eine zentrale Rolle. Von Stalins Theorie des "Sozialismus in einem Land" über die Niederlage der chinesischen Revolution 1927 als Folge ihrer Unterordnung unter die nationalistische Kuomintang, die verheerende Volksfrontpolitik der Komintern in den dreißiger Jahre und die faschistischen Diktaturen, die auf diesen Verrat an der Arbeiterklasse folgten, bis hin zum Sozialreformismus der Nachkriegsperiode und in jüngster Zeit dem Versuch, eine neue Linkspartei unter Oskar Lafontaine aufzubauen - in all diesen Auseinandersetzungen wurden der Internationalismus und die Unabhängigkeit der Arbeiterklasse nur konsequent von der Vierten Internationale verteidigt.

Als deutsche Sektion der Vierten Internationale, steht die Partei für Soziale Gleichheit bis heute in dieser politischen Tradition und verteidigt somit unablässig das theoretische Erbe Trotzkis und die politischen Lehren aus den Kämpfen des zwanzigsten Jahrhunderts. Nur auf dieser theoretischen Grundlage und ausgestattet mit einem sozialistischen Programm wird es der Arbeiterklasse möglich sein, sich international zusammenzuschließen und unabhängig von allen etablierten Partei oder sonstigen Instrumenten ihrer nationalen Bourgeoisien eine Gesellschaft aufzubauen, in der die enorme weltweite Produktivität und der immense Reichtum endlich zum Wohle der Lebensinteressen der gesamten Menschheit eingesetzt werden.

Siehe auch:
Leo Trotzki und das Schicksal des Sozialismus im zwanzigsten Jahrhundert
Wahlwebsite der PSG