Srilankisches Hausmädchen berichtet über systematische Misshandlungen in Saudi Arabien

Von Kalpa Fernando
28. Februar 2006

Zehntausende Srilanker sind aus Armut und Not gezwungen, als Vertragsarbeiter in den Nahen Osten zu gehen. Ihre Lebensumstände sind schlimm. Viele werden wie Sklaven behandelt und psychisch und physisch misshandelt. Mehrere sind unter ungeklärten Bedingungen gestorben. Die srilankische Regierung, die vor allem um die lukrativen Deviseneinnahmen bangt, unternimmt nichts, um ihre Bürger zu schützen.

Nach einem Bericht des Informationsministeriums in Colombo sind 64,5 Prozent der 1,5 Millionen im Ausland beschäftigten Srilanker Frauen. 1986 waren es erst 33 Prozent. Die meisten arbeiten als Hausmädchen oder üben andere niedrige Tätigkeiten aus. Die World Socialist Web Site hat kürzlich eine Hausangestellte interviewt, die ausführlich die Ausbeutungsbedingungen beschreibt, die sie ertragen musste.

Padma, 39, ging im Mai in der Hoffnung nach Saudi Arabien, ihrem Sohn und ihrer Tochter finanziell unter die Arme greifen zu können. Sie hatte früher in einer Fabrik gearbeitet, nach ihrer Heirat aber die Arbeitsstelle aufgegeben. Sie entschloss sich, im Nahen Osten Arbeit zu suchen, weil dort wesentlich höhere Löhne gezahlt werden als in Sri Lanka. Sie kehrte zurück, nachdem sie qualvolle Erfahrungen gemacht hatte, die typisch für viele Vertragsarbeiter sind.

Padma berichtet: "Um einen Arbeitsplatz zu bekommen, musste ich der Reisevermittlung Faiz Travel 7.000 Rupien [70 US-Dollar oder ca. 60 Euro] zahlen. Das ist die lokale Arbeitsagentur, die meinen Arbeitsplatz vermittelte. Um die Summe aufzubringen und notwendige Dinge für die Reise zu erwerben, verkaufte ich die Möbel und Elektrogeräte aus meinem Haushalt. Von dem Geld, das ich im Nahen Osten zu verdienen hoffte, wollte ich mir dann neue kaufen. Weil ich mit mehr oder weniger leeren Händen zurückgekommen bin, muss ich jetzt sehen, wie ich zurecht komme. Die Agentur versprach mir einen Monatslohn von 450 Rial [120 US-Dollar, bzw. 100 Euro]. Vor meiner Abreise registrierte ich mich beim srilankischen Büro für im Ausland Beschäftigte als ausländische Hausangestellte."

120 US-Dollar oder 12.000 Rupien sind [in Sri Lanka] ungefähr das Doppelte eines durchschnittlichen Industriearbeiterlohns. Außerdem sollte auch die private Agentur Geld von Padmas Arbeitgeber in Saudi Arabien erhalten.

Padma gehörte zu einer Gruppe von 123 Hausangestellten, die zusammen in der saudischen Hauptstadt Riad ankamen. Der Vertreter von Faiz in Riad brachte sie alle in das Büro der Agentur, wo sie grob behandelt wurden. Wenn eine aus Müdigkeit einschlief, wurde sie von den Angestellten mit einem Tritt geweckt. Alle mussten wach bleiben, bis ihnen ein Arbeitsplatz zugeteilt war. Einige Frauen mussten so drei bis vier Tage auf dem Stuhl sitzen bleiben.

Von Anfang an wurde Padma von einem Ort zum anderen geschafft. "Meine erste Stelle war in dem Haus eines Armeeoffiziers in Riad. In Saudi Arabien werden Frauen diskriminiert. Selbst eine Hausfrau darf nur mit ihrem Mann und dem Sohn direkt sprechen. Ich verstand die Sprache nicht, deshalb übersetzte ein srilankischer Chauffeur für mich. Er leitete die Befehle des Herrn hinter einem Vorhang hervor an mich weiter."

Der Offizier beschwerte sich, weil er ein junges Mädchen bestellt hatte, und nicht eine Frau mittleren Alters wie Padma. Der Chauffeur empfahl ihr, nicht zu erwähnen, dass sie Buddhistin sei, weil der Arbeitgeber ein Feind des Buddhismus sei. Es machte aber keinen Unterschied.

Nach vier Tagen wurde Padma plötzlich ohne Begründung aufgefordert, ihre Sachen zu packen. Sie wurde in ein Auto verfrachtet und wieder im Büro der Agentur abgeladen. Sie hatte keine Bewegungsfreiheit. Alle Gastarbeiter müssen ihren Pass bei ihrem Arbeitgeber abgeben. Sie bekommen ihn erst zurück, wenn der Vertrag erfüllt ist.

Padma berichtet: "In der Agentur wurde ich immer wieder nach meinem Alter gefragt. Der Agent in Sri Lanka hatte über mein Alter gelogen. Ich war völlig mit den Nerven fertig und begann zu weinen."

Der Besitzer der Agentur nahm sie mit in sein Haus. Dort und in der Agentur hielt sie sich 16 Tage auf, ohne zu arbeiten. Sie hatte noch nicht einmal die Möglichkeit, einen Brief an ihren Mann und ihre Kinder in Sri Lanka zu schicken.

"Als ich in der Agentur war, kam eines Tages ein indonesisches Mädchen zurück, weil sie Probleme in ihrem Haushalt gehabt hatte. Sie war ca. zwanzig Jahre alt. Der Agenturbesitzer schlug und trat das Mädchen vor meinen Augen. Ich war tief schockiert. Wir konnten uns wegen der Sprachprobleme nicht unterhalten. Aber sie verstand, dass ich kein Geld hatte, und gab mir zehn Rial, damit ich einen Brief nach Hause schicken konnte", erzählte Padma.

Schließlich brachte die Agentur sie in einem anderen Haushalt unter. "Meine neue Chefin war Ärztin. Dort erhielt ich nicht genug zu essen. Nach vier Tagen lieferte mich die Ärztin auf meine Bitten wieder in der Agentur ab", sagte Padma. Sie wurde zu einem anderen Arbeitgeber geschickt, bei dem sie fünf Monate arbeitete, ohne ihren Monatslohn zu erhalten.

"In dem Haushalt gab es 28 Personen, darunter 16 Kinder. Ich arbeitete von fünf Uhr in der Frühe bis zum späten Abend um elf. Zuerst musste ich die ganze schwere Hausarbeit alleine machen. Nach ein paar Tagen kam noch ein srilankisches Mädchen dazu. An manchen Tagen musste jede von uns dreißig schwere Kleidungsstücke waschen. Wir mussten das Haus reinigen, die Teppiche und die Toiletten säubern und in der Küche helfen. Ich arbeitete ohne Bezahlung und konnte nichts dagegen tun."

Ohne ihr Wissen wurde Padma wie eine Sklavin an eine andere Arbeitsagentur verkauft, an das National Recruiting Office. Die neue Agentur schickte sie in eine Stelle in Gaseem, 300 km von Riad entfernt. Weil ihr Visum nur für Riad galt, konnte sie dort nicht einmal das Haus verlassen.

"Der Haushalt in Gaseem war im Vergleich zu den anderen gut", sagte Padma. Ihre neuen Arbeitgeber waren Lehrer. Dort arbeitete sie fast eineinhalb Jahre und erhielt auch ihren versprochenen Lohn. Aber die Mutter des Hausbesitzers überredete sie, ihr einen Kredit in Höhe von 1200 US-Dollar oder des Zehnfachen ihres Monatslohns zu geben, der nie zurück gezahlt wurde.

Padma ging im Mai 2005 wieder zur Agentur, weil ihr Visum auslief. Sie hoffte, nach Sri Lanka zurückkehren zu können, aber die Agentur hatte, ohne sie zu informieren, ihr Visum für weitere sechs Monate verlängert. Sie arbeitete dann vier Monate im Haushalt eines Verwandten des Agenturbesitzers.

Danach übernahm der Agenturbesitzer Padma in seinen eigenen Haushalt, bevor er sie vier Tage später an eine andere Agentur weiterreichte, an die Agentur Samirah Mohamed. Der vorherige Besitzer hatte ihren Koffer während ihres Aufenthalts bei ihm an sich genommen, und als sie ihn öffnete, fehlten zwei Goldringe und eine Kette. Sie beschwerte sich bei der neuen Agentur, aber es half nichts.

Von der srilankischen Botschaft in Riad erhielt Padma keine Hilfe. Als sie dort anrief, hieß es, sie solle vorbeikommen. "Ich sagte ihnen, wenn ich das Haus verließe, könnte die Hausfrau bei der Polizei angeben, ich hätte Geld gestohlen, und ich könnte verhaftet werden. Ich bestand darauf, dass sie bei mir vorbeikämen und meine Beschwerden untersuchten", sagte sie. Das lehnte der Beamte ab.

Padma ist sehr zornig über die Weigerung der Regierung, ihre Bürger zu schützen, selbst wenn ihr Leben bedroht ist. "Nicht nur unsere Regierung handelt so. Auch Frauen aus Indien, Indonesien, den Philippinen, Bangladesch und Pakistan werden von ihren Regierungen vernachlässigt. Wir haben alle die gleichen Probleme. Die Regierungen sorgen nicht dafür, dass die schlechte Behandlung aufhört. Es gibt Arbeitgeber, die ihre Hausmädchen schlagen und ihnen sogar Brandwunden zufügen. In vielen Häusern werden die Hausmädchen nicht einmal bezahlt oder bekommen zu wenig zu essen. Es hat sogar schon Fälle gegeben, bei denen Hausmädchen ermordet wurden. Aber dagegen wird nichts unternommen."

Schließlich kehrte Padma doch nach Sri Lanka zurück. Auf dem Heimweg traf sie am Flughafen von Riad zwei indische Frauen. Beide befanden sich in einer ähnlichen Lage wie sie selbst. Sie hatten acht Monate lang in Saudi Arabien gearbeitet und keinen Lohn, zu wenig zu Essen und keine Kleidung zum Anziehen bekommen.

In Sri Lanka angekommen, geriet Padma in eine verzweifelte Situation. Bis heute kämpft sie um ihre ausstehenden Löhne, hat aber vom srilankischen Büro für im Ausland Beschäftigte und von anderen Staatsbeamten kaum Unterstützung erhalten. Ihre Erfahrung beleuchtet das Versagen sämtlicher srilankischen Regierungen, sich für eine Besserung der Lage von Tausenden srilankischer Gastarbeiter einzusetzen.

In einem Gespräch mit den Medien über die Lage von Wanderarbeitern sagte Arbeitsminister Athauda Seneviratne kürzlich: "Ich sage immer wieder: Lasst uns alles tun, um diese schlechte Behandlung zu verhindern. Das ist eine ernste humanitäre Frage. Wir sprechen hier nicht über den Export von Waren, es geht hier um Menschen." Er machte aber keine konkreten Vorschläge.

Die Regierung ist weit mehr daran interessiert, diesen modernen Sklavenhandel zu fördern, der für Sri Lanka im Jahr 2004 Überweisungen von 1,6 Mrd. Dollar brachte, als darauf zu bestehen, dass die Arbeitgeber im Nahen Osten und anderswo ihren billigen Gastarbeitern anständige Arbeitsbedingungen und Löhne gewähren.

Siehe auch:
Ein Jahr nach dem asiatischen Tsunami: Das Profitsystem auf der Anklagebank
(7. Januar 2006)
Sklaverei in der heutigen Zeit
( 23. September 1999)