Junges Hausmädchen aus Sri Lanka soll in Saudi-Arabien hingerichtet werden

Von Vilani Peiris
17. Juli 2007

Die neunzehnjährige Arbeiterin Rizana Nafeek aus Sri Lanka wurde am 16. Juni von einem dreiköpfigen Richtergremium im saudiarabischen Dawadami zum Tode verurteilt. Dieser Fall ist exemplarisch für die barbarischen Bedingungen, unter denen Tausende von Gastarbeitern im Nahen Osten leben, sowie für die kaltschnäuzige Geringschätzung, mit der sie von der Regierung Sri Lankas behandelt werden.

Nafeek wurde wegen der Tötung eines vier Monate alten Babys verurteilt, auf das sie aufpassen sollte. Im Mai 2005 kam sie als Hausmädchen nach Riad und wurde von ihrem Arbeitgeber, Naif Jizijan Khalaf Al Otaibi im Haushalt seiner Familie in Dawadami eingesetzt. Bald wurde ihr die Aufgabe übertragen, das Baby der Familie zu versorgen. Sie hatte jedoch weder Erfahrung und noch eine Ausbildung in Kinderbetreuung.

Am 22. Mai sollte sie alleine das Kind mit der Flasche füttern. Etwa um 12.30 Uhr bekam der Junge Atemnot. Nafeek geriet in Panik, versuchte dem Jungen Erleichterung zu verschaffen, indem sie ihm mit der Hand auf die Brust, in das Genick und ins Gesicht klopfte, und rief um Hilfe. Als die Mutter des Kindes hinzukam, war das Kind entweder bewußtlos oder schon tot. Ohne zu überprüfen, was geschehen war, beschuldigte die Familie Otaibi Nafeek, das Kind erwürgt zu haben, und übergab sie der Polizei von Dawadami.

Wie auch sonst bei Gastarbeitern der Fall, übernahm die saudische Polizei die Sichtweise des Arbeitgebers. Sie stellte Nafeek keinen Dolmetscher zur Verfügung, der ihr die Geschehnisse erläutern konnte. Sie wurde angeklagt, das Kind erwürgt zu haben, und wurde gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben. Zu Beginn des Gerichtsverfahrens legte sie, offensichtlich unter Druck der Polizei, ein ähnliches Geständnis ab.

Nafeek konnte ihre Sicht der Vorgänge nur mit der Hilfe eines Übersetzers der Botschaft Sri Lankas in Riad schildern. Im Verfahren vor dem Gericht am 3. Februar widerrief sie ihr Geständnis und sagte aus, dass sie von der Polizei unter Druck gesetzt worden sei. Das Gericht ignorierte ihre Aussagen über die polizeilichen Einschüchterungen, sprach sie schuldig und verurteilte sie zum Tode durch Enthaupten.

Bis zum 16. Juli kann Nafeek Widerspruch gegen das Urteil einlegen, aber sie und ihre Familie können sich die dafür nötigen Gebühren nicht leisten. Saudische Kanzleien verlangen für die Übernahme des Falles 250.000 Rial (48.000 Euro) - ein astronomischer Betrag für arbeitende Menschen in Sri Lanka. Nafeeks Vater hat an die Regierung Sri Lankas appelliert, die Kosten für das Verfahren zu übernehmen. Diese hat sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt geweigert. Wie die staatlichen Daily News berichteten, verhandelt die Botschaft Sri Lankas in Riad über "eine Gebührenreduktion der Anwaltskanzlei in Riad".

Der stellvertretende Geschäftsführer des Büros für Auslandsarbeit von Sri Lanka (SLFEB - Sri Lanka Foreign Employment Bureau) L.K. Ruhunuge erklärte der Zeitschrift Lakbima, dass eine Berufung keinen Sinn habe, da der Fall viel zu gravierend sei. Als die WSWS telefonisch nachfragen wollte, war Ruhunuge nicht zu sprechen. Ein anderer Beamter, der sich weigerte seinen Namen anzugeben, verteidigte Ruhunuges Stellungnahme. Er sagte: "Es lohnt sich nicht, eine solche Summe aufzubringen, da die Anwaltskanzlei in Saudi Arabien keine Garantie geben kann, das Mädchen frei zu bekommen."

Von Anfang an, hat die Regierung Sri Lankas das Mädchen seinem Schicksal überlassen. Botschaftsangestellte in Saudi-Arabien bestätigten, dass sie über den Fall unterrichtet waren, mit saudischen Behörden darüber sprachen und sogar bei Gerichtsverhandlungen anwesend waren. Sie haben jedoch keinerlei Unterstützung gewährt. Als nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen die Regierung Sri Lankas kritisierten, meldeten die Daily News am 9. Juli die Entschuldigung der Botschaft: Sie sei nicht in der Lage gewesen, sich die notwendigen Unterlagen über den Fall zu beschaffen, um eine Berufung einzureichen.

In Wirklichkeit ist die Regierung in Colombo nicht willens, irgendetwas zu unternehmen, was den lukrativen Handel mit billigen Arbeitskräften zwischen Sri Lanka und dem Nahen Osten stören könnte. Die Weigerung der Regierung, Nafeek zu verteidigen, zeigt in außergewöhnlicher Schärfe, dass sie nichts unternimmt, um die extreme Ausbeutung Tausender Vertragsarbeiter zu verhindern.

Fast ein Drittel der 24 Millionen Einwohner des ölreichen Saudi-Arabien sind Ausländer, die meisten stammen aus Asien und verrichten niedere Tätigkeiten. Nach saudischem Gesetz haben sie kaum Rechte, leben in der ständigen Angst, dass ihre Verträge gekündigt werden, und werden oft schlecht behandelt oder erhalten keinen Lohn. Insbesondere junge Frauen werden als Hausdienerinnen beschäftigt und kaum besser als Sklavinnen behandelt.

Nafeek ist ein klassisches Beispiel. Die junge Muslimin aus der Stadt Muttur im Osten von Sri Lanka war in einer so aussichtlosen Situation, dass sie fortgehen und Arbeit suchen musste. Wie sich bei der Gerichtsverhandlung herausstellte, war sie erst siebzehn Jahre alt, als sie nach Saudi-Arabien kam. Ihr Vermittler fälschte ihre Dokumente und sie erhielt so einen Pass, der sie um sechs Jahre älter machte. In Saudi-Arabien angekommen, musste Nafeek 24 Stunden am Tag nach der Pfeife ihres Arbeitgebers tanzen. Neben der riesigen Belastung durch die tägliche Hausarbeit, die aus Kochen, Putzen, Waschen und Bügeln bestand, musste sie auf das Baby aufpassen.

Farina Nasik, eine Verwandte, erklärte gegenüber BBC: "Achtundzwanzig Tage nachdem Rizana Sri Lanka verlassen hatte, erhielten wir einen Brief von ihr, in dem sie schrieb, dass sie auf zehn Kinder aufpassen müsse... Sie war nicht zufrieden und wollte sich einen anderen Arbeitgeber suchen." Morgens um drei Uhr musste sie aufstehen und bis spät in die Nacht arbeiten. Es war ihr einziger Brief.

Farina beharrte auf Nafeeks Unschuld: "Wir können das nicht glauben. Wir haben sie arbeiten geschickt, weil wir kein Geld haben. Sie ist keine Kriminelle, sie ist unschuldig." Thaslim Muhammed Nishber, eine Einwohnerin Mutturs, sagte zur BBC: "Die Regierung sollte aufhören, sich taub zu stellen, und einschreiten, um diese Skandale zu beenden."

Wie Amnesty International berichtet, sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Saudi-Arabien fast 100 Menschen hingerichtet worden, drei davon waren Frauen. Die Hälfte waren Ausländer, meist aus armen Ländern wie Pakistan, Sri Lanka, Afghanistan und aus dem Irak.

Im Februar wurden vier Männer aus Sri Lanka wegen Raubes und Schusswaffenbesitzes enthauptet - Victor Corea, Ranjith De Silva, Santhosh Kumar und Sharmila Sangeeth Kumar. In einem grotesk wirkenden Versuch, andere ausländische Vertragsarbeiter einzuschüchtern, stellten die saudischen Behörden die hingerichteten Körper öffentlich zur Schau.

Amnesty International hatte wiederholt gegen drei der Todesurteile Einspruch erhoben, in der Meinung, der vierte Mann sei zu einer fünfzehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die Regierung Sri Lankas hatte für die Verteidigung der Männer nichts getan. Der Sozialminister Sri Lankas, Keheliya Rambukwella, verteidigte die Hinrichtungen und betonte gegenüber den Medien, wie wichtig es sei, die Gesetze, die in Saudi-Arabien gelten, nicht zu verletzen.

Angesichts der wachsenden Wut der Bevölkerung Sri Lankas über die Behandlung der Vertragsarbeiter im Ausland hat die Regierung in letzter Minute beschlossen, Nafeeks Eltern zusammen mit dem stellvertretenden Außenminister Hussein Bhaila und einem Rechtsberater nach Saudi-Arabien zu schicken. Mit der Reise soll nicht eine rechtmäßige Verteidigung von Nafeek erreicht werden, sondern ein Gnadengesuch soll die saudischen Behörden und die Familie des toten Babys versöhnlich stimmen. Wie Regierungssprecher Rambukwella gegenüber der Asian Tribune formulierte: "Das Gesuch ist lediglich eine Formalität. Es ist keine juristische Eingabe, sondern nur ein Appell."

Das wichtigste Anliegen der Regierung bleibt, jede Störung des Handels mit billigen Arbeitskräften zu verhindern. Im vergangenen Jahr überwiesen Vertragsarbeiter aus dem Ausland 2,3 Milliarden Dollar. Sie waren damit der Wirtschaftssektor, der die meisten Devisen für Sri Lanka erwirtschaftete.

Siehe auch:
Streik der Plantagenarbeiter am Scheideweg
(22. Dezember 2006)
Oberster Gerichtshof Sri Lankas verbietet Anrufung von internationalem Menschenrechtsgremium
(12. Oktober 2006)
Srilankisches Hausmädchen berichtet über systematische Misshandlungen in Saudi Arabien
(28. Februar 2006)