Die Klassenfragen im Krieg in Sri Lanka

Von der Socialist Equlity Party (Sri Lanka)
18. März 2009

Die Socialist Equality Party (SEP) fordert die sofortige Beendigung des verbrecherischen Krieges, den die srilankische Regierung gegen die tamilische Minderheit des Landes führt, und den bedingungslosen Rückzug aller Sicherheitskräfte aus dem Norden und Osten der Insel. Präsident Mahinda Rajapakse und das gesamte politische Establishment in Colombo tragen die Verantwortung für den 25jährigen Konflikt, der die tamilische und die arbeitende Bevölkerung auf der ganzen Insel in eine Katastrophe geführt hat.

Die Offensive der Regierungstruppen gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) unterstreicht die Verachtung der herrschenden Klasse Sri Lankas gegenüber dem Leben der einfachen arbeitenden Bevölkerung. Das Militär nimmt die von der LTTE noch gehaltenen Gebiete mit Artillerie und von der See her unter Dauerbeschuss, ohne Rücksicht auf das Schicksal der tamilischen Zivilisten, die ohne Zugang zu den lebensnotwendigsten Gütern in der Falle sitzen. Hunderte wurden getötet und ungleich mehr verwundet. Gleichzeitig wurden tausende von singhalesischen Jugendlichen, die die wirtschaftliche Notlage in die Armee zwingt, in ständigen Angriffswellen gegen Stellungen der LTTE geopfert.

Bei einer Rede am 4. Februar anlässlich der Feiern zum 61. Jahrestag der Unabhängigkeit versprach Rajapakse "ein neues Zeitalter der Demokratie", sobald der Norden "vom Terrorismus befreit" sein werde. Jedes Wort ist hier gelogen. Die Regierung hat noch nie einen Kampf zur Befreiung vom Terrorismus geführt, sondern einen bösartigen kommunalistischen Krieg, der das Ergebnis von jahrzehntelanger Diskriminierung gegen die Tamilen ist. Das Ziel besteht nicht in der Errichtung einer Demokratie, sondern darin, die Vorherrschaft der singhalesischen Elite über den Staat zu festigen und ihre Privilegien gegen die singhalesische, tamilische und muslimische Arbeiterklasse zu verteidigen.

Bei seinem "Krieg gegen den Terrorismus" orientiert sich Rajapakse an Washington und unterstützt, als Gegenleistung für den Beistand der USA, deren Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan. Die USA fördern Colombos Vorgehen gegen die LTTE seit jeher, weil es ihren ökonomischen und strategischen Interessen in der Region dient. Der Konflikt in Sri Lanka zeigt, ebenso wie der kürzliche Angriff Israels auf Gaza, zu welchen Methoden der Imperialismus zukünftig häufiger greifen wird, sowie sich die Weltwirtschaftskrise verschärft und die Rivaliäten zwischen den Großmächten sich zuspitzen.

Die LTTE ist mitverantwortlich für das schreckliche Ergebnis der Aggression Colombos. Sie hat sich nie an den Interessen der Arbeiterklasse orientiert. Ihr Programm verkörpert die Interessen der tamilischen Bourgeoisie, die durch die Errichtung eines separaten tamilischen Staates schon immer ihre eigenen Privilegien zu sichern suchte. Das Programm des tamilischen Separatismus ist ein Spiegelbild des singhalesischen Suprematismus des Establishments in Colombo und zementiert die kommunalistischen Spaltungen. Weit davon entfernt, die arbeitende Bevölkerung gegen die anti-tamilische Diskriminierung zu vereinigen, macht die LTTE stattdessen die "singhalesische Nation" verantwortlich. Mit ihren gewaltsamen Angriffen gegen singhalesiche Zivilisten haben sie der Regierung direkte Schützenhilfe geleistet, und gerade ihre separatistische Perspektive hat sie in die momentane politische Isolation geführt. Im Angesicht der militärischen Niederlage ist sie nur noch zu vergeblichen Appellen an ausgerechnet die Kräfte fähig, die Rajapakses Krieg unterstützen.

Die SEP warnt vor dem Vorrücken der Armee gegen die LTTE, denn es ist die Vorbereitung für einen grausamen Angriff auf die Arbeiterklasse insgesamt. Der Krieg gegen die tamilischen Massen war bisher auf jeder Stufe von Angriffen auf die demokratischen Rechte und den Lebensstandard der Arbeiter begleitet. Immer wieder verlangt Rajapakse, dass die arbeitende Bevölkerung Opfer für den Krieg bringe. Nachdem er dem Land die Kosten für den Krieg aufbürdete, ist er nun mit der schlimmsten globalen Rezession seit den 1930ern konfrontiert. Und wieder werden die Arbeiter die Zeche bezahlen müssen.

Das gesamte politische Establishment hat sich hinter Rajapakse gestellt. Die konservative United National Party (UNP) will von dem Waffenstillstand, den sie 2002 mit der LTTE vereinbarte, nichts mehr wissen und lobt die Regierung für ihre militärischen Erfolge. Die UNP-Führer brüsten sich sogar ihrer Verdienste um den Krieg, weil ihre Friedensverhandlungen, wie sie sagen, nur ein kluger Schachzug waren, der es der Armee ermöglicht habe, sich neu aufzustellen und zu formieren. Die singhalesische extremistische Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) rühmt sich, Rajapakse hätte nur auf ihren Druck hin den Krieg wieder aufgenommen. Die Tamil National Alliance, die nach dem Waffenstillstand als das politische Sprachrohr der LTTE fungierte, hat sich jetzt in opportunistischer Weise von der LTTE distanziert.

Die Niederlage der LTTE wird auf jeden Fall die rechtesten, militaristischen Schichten des Colombo-Establishments stärken. Das Rajapakse-Regime funktioniert bereits jetzt als eine militärisch-politische Kamarilla, die das Parlament, die Gerichte und das Gesetz gering schätzt. Bei einer Niederlage der LTTE will die Regierung keinesfalls die Truppen zurückziehen; vielmehr hat sie bereits grünes Licht für eine enorme Aufstockung der Armee von 150.000 auf 200.000 Mann gegeben. Wie der "befreite" Norden und Osten wird die gesamte Insel in ein riesiges bewaffnetes Lager verwandelt. Der staatliche Unterdrückungsapparat, zu dem auch Konzentrationslager und Todesschwadronen gehören, wird schon bald gegen die Arbeiter, Bauern und Jugendlichen eingesetzt, die für ihre demokratischen Rechte und um ihre Lebensbedingungen kämpfen.

Die SEP besteht darauf, dass die Arbeiterklasse nur durch vereintes Handeln gegen Nationalismus und Kommunalismus und durch einen Bruch mit allen Fraktionen der herrschenden Elite dem Krieg ein Ende setzen kann. Arbeiter, welcher Herkunft sie auch seien, haben einen gemeinsamen Klassenfeind: die Rajapakse-Regierung und das von ihr verteidigte Profitsystem. Sie jetzt auf ihre eigene Stärke setzen und, gestützt auf eine sozialistische Perspektive, die unterdrückten ländlichen Massen im Kampf für eine Arbeiter- und Bauernregierung für sich gewinnen.

Geschichtliche Wurzeln

Der Krieg hat das Leben einer ganzen Generation zunichte gemacht. Die erste Voraussetzung dafür, dass die Arbeiterklasse einen Schritt vorwärts machen kann, besteht darin, eine historische Bilanz und die notwendigen politischen Lehren daraus zu ziehen. Diese Geschichte ist insbesondere eine eindrucksvolle Bestätigung für Leo Trotzkis Theorie der permanenten Revolution. Diese erklärt die organische Unfähigkeit der Bourgeoisie in Ländern mit verspäteter kapitalistischer Entwicklung, grundlegende demokratische Aufgaben zu lösen, und leitet daraus die Notwendigkeit ab, dass das Proletariat sein eigenes, auf dem sozialistischen Internationalismus fußenden Programm verwirklicht.

Der Krieg brach 1983 aus, doch seine Wurzeln reichen bis zu den Vereinbarungen von 1947-48 zurück, die die britische Kolonialherrschaft in Südasien beendeten. Aus Furcht vor revolutionären Unruhen auf dem gesamten indischen Subkontinent arbeitete die junge nationale Bourgeoisie aufs engste mit dem britischen Imperialismus zusammen. Damit wollte sie die antikoloniale Bewegung zerstören und Regelungen durchsetzen, die ihre Interessen auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung befriedigten. Die Zerstückelung, die sich daraus ergab, führte zur Teilung des kolonialen indischen Kaiserreiches Raj in ein muslimisches Pakistan und ein vorwiegend hinduistisches Indien. Eine Welle kommunalistischer Gewaltorgien war die Folge, die Millionen Menschen das Leben kostete.

Die Gründung eines unabhängigen Sri Lanka, damals Ceylon genannt, war politisch ebenso zum Scheitern verurteilt. Selbst im Vergleich zu den Führern des indischen Nationalkongresses, die kontrollierte Massenproteste gegen die britische Herrschaft anführten, spielten die Gründer Sri Lankas eine besonders korrupte Rolle. Aus Furcht, die revolutionären Unruhen, die den Subkontinent erschütterten, könnten ihre eigenen Pläne für einen separaten Staat durchkreuzen, standen die einheimischen bürgerlichen Politiker der antikolonialen Bewegung in Ceylon feindlich gegenüber und forderten daher nicht die Unabhängigkeit, sondern den Status eines mit London weiterhin eng verbundenen Herrschaftsgebietes. Ihre beschränkten, engstirnigen Interessen passten dem britischen Imperialismus gut ins Konzept, der die Insel als Operationsbasis im politisch unbeständigen Asien behalten wollte.

Die Führung im antiimperialistischen Kampf im britisch verwalteten Ceylon fiel der Vierten Internationale und der Bolschwistisch-Leninistischen Partei Indien (BLPI) zu. Die BLPI gründete ihre Perspektive auf den Aufbau einer Partei, um die Einheit der Arbeiterklasse auf sozialistischer Basis nicht nur in Sri Lanka, sondern auf dem ganzen indischen Subkontinent zu verwirklichen. Ihre Opposition gegen das erbärmliche Unabhängigkeitsabkommen von 1948 verband sie mit der Warnung, dass die "gekaufte und umschmeichelte" ceylonesische Bourgeoisie mit dem britischen Imperialismus zusammenarbeite, um aus der Insel ein "asiatisches Ulster zu machen, eine Bastion zum Schutz des Königreichs gegen die längst überfällige indische Revolution".

Aus der Errichtung einer Staatsgrenze zwischen Indien und Sri Lanka folgte unmittelbar, dass der Status von einer Million tamilischsprachigen Teeplantagenarbeiter, die im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert aus Indien eingewandert waren und zehn Prozent der Inselbevölkerung ausmachten, ungeklärt war. Eine der ersten Maßnahmen der neu gebildeten UNP-Regierung, die sich einer aufsässigen Arbeiterklasse gegenübersah und unter allen Umständen ihre Herrschaft festigen wollte, bestand darin, die Verhandlungen mit Indien über den künftigen Status der Plantagenarbeiter abzubrechen und ihnen die Staatsbürgerschaft vorzuenthalten. Während Teile der tamilischen Bourgeoisie sich fügten, stellte sich die BLPI gegen diesen eklatanten Angriff auf grundlegende demokratische Rechte und warnte, die UNP agiere nach dem kommunalistischen Prinzip, "der Staat muss sich auf die Nation, und die Nation auf die Rasse stützen".

Im Verlauf der kommenden Jahrzehnte wurde der singhalesische Suprematismus zur mächtigsten Waffe im politischen Arsenal der srilankischen Bourgeoisie. Bei politischen Krisen und insbesondere dann, wenn die Arbeiterklasse aufbegehrte, heizten die Politiker in Colombo kommunalistische Spannungen an und hetzten die Singhalesen gegen die Tamilen auf. Nach dem Hartal (Generalstreik) von 1953, der die bürgerliche Herrschaft in ihren Grundfesten erschütterte, betraten die Sri Lanka Freedom Party (SLFP) und ihr Führer, S.W.R.D. Bandaranaike, als Verfechter eines sich links gebärdenden singhalesischen Populismus die Bühne. Sie verquickten Anklagen gegen die koloniale Vergangenheit Großbritanniens und sozialistisch klingende Phrasendrescherei mit der reaktionären Perspektive, die Insel auf Kosten der tamilischen und muslimischen Minderheiten in einen singhalesisch-buddhistischen Staat zu verwandeln. Nach seinem Wahlsieg 1956 machte Bandaranaike Singhalesisch zur einzigen Amtssprache, womit tamilischsprachige Menschen zu Bürgern zweiter Klasse degradiert wurden.

Der Verrat der LSSP

Zum Verständnis der nachfolgenden Geschichte Sri Lankas ist es unerlässlich, die gravierenden Auswirkungen der weiteren Geschichte der BLPI zu studieren, die sich 1950 mit der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) zusammenschloss. Anfangs widersetzten sich die LSSP-Führer zwar der "Nur-Singhalesisch"-Politik der SLFP, doch passten sie sich im Lauf der Zeit mehr und mehr dem linken Populismus der SLFP an und traten 1964 in die Koalitionsregierung der Witwe Bandaranaikes ein. Dass die LSSP den prinzipiellen Kampf aufgab, Singhalesen und Tamilen auf einer Klassengrundlage zu vereinen, um für den Sozialismus zu kämpfen, schuf große Verwirrung in der srilankischen Arbeiterklasse und sorgte dafür, dass kommunalistische Politik beträchtlichen Einfluss gewinnen konnte. Das Auftreten radikaler kleinbürgerlicher Tendenzen - der JVP unter der singhalesischen Landjugend und der LTTE unter jungen Tamilen - kann direkt auf den Verrat der LSSP an den Grundsätzen des sozialistischen Internationalismus zurückgeführt werden.

Die bittere Ernte des Verrats von 1964 wurde während der Amtszeit der SLFP-LSSP-Koalitionsregierung von 1970-77 eingefahren. Die SLFP schlug zunächst einen von der JVP angezettelten Aufstand von Jugendlichen mit äußerster Härte nieder. Darauf versuchte sie, ihre eigene politische Basis zu verbreitern, indem sie eine höchst diskriminierende Politik gegen die tamilische Minderheit durchsetzte. Die neue Verfassung der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka, die vom LSSP-Führer Colin R. De Silva entworfen wurde, etablierte den Buddhismus als Staatsreligion. De Silva war auch für die "Verstaatlichung" der Plantagen verantwortlich - d. h. für die Ersetzung privater Besitzer durch singhalesische Unternehmensführungen - und die erzwungene Rückführung von Plantagenarbeitern nach Indien. Als Reaktion auf die "Standardisierung" der Berechtigung zu einem Universitätsstudium, die singhalesische Studenten stark begünstigte, fand unter tamilischen Jugendlichen eine Radikalisierung statt. Daraus entstanden Gruppen wie die LTTE, die den bewaffneten Kampf für einen tamilischen Staat befürworteten.

Während des weltweiten Wirtschaftsrückgangs von 1975-76 führte die Bandaranaike-Regierung eine Wirtschaftspolitik staatlicher Regulierung ein. Diese Politik, die zu Unrecht als "Sozialismus" ausgegeben wurde, führte zu katastrophalen Ergebnissen, die von der UNP bei den Wahlen 1977 zu einem Erdrutschsieg ausgenutzt werden konnten. Die Regierung von J.R. Jayawardene gehörte weltweit zu den ersten, die die Politik des freien Marktes einführte, um so die Insel in ein Billiglohn-Eldorado für ausländisches Kapital zu verwandeln. Seine einschneidenden Kürzungen von Dienstleistungen, Abbau von Arbeitsplätzen und Verschlechterung von Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst riefen den Widerstand der Arbeiterklasse hervor, der im Generalstreik von 1980 gipfelte. Anhaltende soziale Unruhen und der weltweite Wirtschaftsabschwung veranlassten Jayawardene, zu dem erprobten und bewährten Mittel kommunalistischer Politik zu greifen. Vereinzelte bewaffnete Angriffe von tamilischen Separatisten wurden begierig aufgegriffen, um Unterdrückungsmaßnahmen, staatliche Provokationen und schließlich, 1983, ein schreckliches Pogrom gegen die Tamilen zu rechtfertigen. Dieses Pogrom von 1983 erfasste die ganze Insel und bereitete die Bühne für Jayawardenes umfassenden Krieg.

In den darauf folgenden 25 Jahren verfolgte die srilankische Bourgeoisie zwei wesentliche politische Strategien - die vollständige Integration der Insel als Billiglohnparadies in den globalisierten Kapitalismus, und Krieg. Für jede Regierung bedeutete dies aber auch ein Dilemma: Während der Krieg die ökonomische Entwicklung hemmte, scheiterte auch jeder Versuch, ihn zu beenden, am singhalesischen Suprematismus, der zur wichtigsten Säule der bürgerlichen Herrschaft geworden ist. Ein Vierteljahrhundert kommunalistischen Krieges hat mächtige persönliche Interessen im Militär, der staatlichen Bürokratie, der buddhistischen Hierarchie und Teilen der Geschäftswelt hervorgerufen, und jede Regierung, die versucht hat, einen Kompromiss mit der LTTE auszuhandeln, war mit heftigster Opposition seitens dieser Interessen konfrontiert.

Nach nunmehr sechs Jahrzehnten kann es für niemanden mehr einen Zweifel an der reaktionären Logik des singhalesischen Populismus, selbst in seiner "radikalsten" Form geben. Die JVP, die sich in den 1960ern am "bewaffneten Kampf" Mao Zedongs und Che Guevaras ausrichtete, ist seit Ende der 1980er zum glühendsten Verfechter des kommunalistischen Kriegs geworden. Sie stemmte sich mit aller Kraft gegen den Versuch Jayawardenes, den Konflikt durch das Indo-Srilankische Abkommen von 1987 zu beenden. Ihre eingefleischte Feindseligkeit gegenüber der Arbeiterklasse zeigte sich deutlich, als ihre bewaffneten Banden hunderte von Arbeitern, Gewerkschaftsaktivisten und politische Gegner ermordeten, die sich weigerten, ihren Anweisungen zu folgen und ihre Kampagne zu unterstützen. In den 1990ern wurden die früheren JVP-Guerilleros zu Mitgliedern des politischen Establishments in Colombo, und 2004-05 traten sie in die von der SLFP geführte Regierung ein und halfen dieser, die Politik des freien Marktes durchzusetzen. Formal gehört die JVP inzwischen zwar zur Opposition, doch hat sie Rajapakses Krieg unterstützt, für seinen Militärhaushalt gestimmt und wiederholt jeden gewerkschaftlichen Kampf sabotiert, der Rajapakses Regierung hätte gefährden können.

Tamilischer Separatismus

Auch für die tamilischen Massen hat sich der Kommunalismus in Form des tamilischen Separatismus als tödliche politische Falle erwiesen. Der Chefideologe der LTTE, der verstorbene Anton Balasingham, behauptete zu Unrecht, das "Recht auf Selbstbestimmung" sei ein unveräußerliches Prinzip des Marxismus. An der Forderung nach einem eigenen Staat der Tamilen gibt es jedoch nichts von Natur aus Progressives. Die Forderung nach einem unabhängigen Eelam wurde zum erstenmal in den 1970ern von der bürgerlichen Tamil United Liberation Front (TULF) erhoben. Sie brachte die Verbitterung der tamilischen Eliten zum Ausdruck, die jahrzehntelang gegenüber ihren singhalesischen Konkurrenten nur die zweite Geige spielen durften. Die Reaktion der tamilischen Bourgeoisie auf Bandaranaikes verschärfte antitamilische Diskriminierung war, einen eigenen kapitalistischen Staat zu fordern - um die eigene Arbeiterklasse auszubeuten.

Der Verrat der LSSP hinderte die Arbeiterklasse daran, eine unabhängige Alternative zu erarbeiten, um alle Arbeiter in einem gemeinsamen Kampf auf der Grundlage eines sozialistischen Programms gegen das Regime in Colombo zu vereinen. Die Beteiligung der LTTE an der Regierung Bandaranaike wurde von den Jugendlichen, die der LTTE beitraten, als Beweis für das Scheitern des Marxismus und Trotzkismus angeführt. Die LTTE sprach zwar immer wieder von Sozialismus, doch ihr Programm war im Wesentlichen das der bürgerlichen TULF. Ihre Differenzen mit der TULF waren rein taktischer Natur. Aus Enttäuschung über die fehlgeschlagenen Wahlmanöver der TULF griff die LTTE zu den Waffen, um für einen eigenen Staat zu kämpfen.

Der militärische Zusammenbruch der LTTE ist ein Ergebnis ihrer Klassenorientierung und politischen Perspektive. Hinter ihrer Verherrlichung des bewaffneten Kampfes steckt eine tief sitzende Klassenfeindschaft gegen die Entwicklung von politischem Bewusstsein in der Arbeiterklasse und ihre unabhängige Mobilisierung auf sozialistischer Grundlage. Die Kämpfer der LTTE nahmen nicht nur die srilankischen Sicherheitskräfte aufs Korn, sondern gewöhnliche singhalesische Arbeiter und Dorfbewohner, schürten bewusst kommunalistischen Hass und lieferten der staatlichen Propagandamaschinerie Munition. Die Organisation vertritt ohne Rücksicht, durch Unterdrückung und Ermordung ihrer politischen Gegner, ihren Anspruch, die einzige Vertretung des tamilischen Volkes zu sein. In Gebieten, die ihrer Kontrolle unterstehen, bewies die LTTE ihre Verachtung für die Massen, indem sie eine demokratiefeindliche Herrschaft errichtete, die jede Kritik an ihrem Regime unterdrückte, hohe Steuern verhängte, Jugendliche zum Militärdienst einzog und jede Organisation ihrer Kontrolle unterwarf. Derartige Maßnahmen erzeugten Furcht, Verärgerung und Feindseligkeit, nicht politischen Respekt und Loyalität.

Trotz der militanten Rhetorik hingen die Pläne der LTTE für einen eigenen Staat letztlich von der Unterstützung der einen oder anderen Großmacht oder auch kleineren Macht ab. Immer wieder führte das pragmatische Manövrieren der LTTE mit der einen oder anderen Macht in die Katastrophe. Nachdem sie alles auf die Unterstützung Indiens gesetzt hatte, akzeptierte die LTTE den Einmarsch indischer Truppen in den Norden Sri Lankas im Rahmen des Indo-Srilankischen Abkommens von 1987. Sie musste aber schnell feststellen, dass Neu-Delhi andere Interessen verfolgte als sie selbst. Aus Frustration über die Kämpfe, die ausbrachen, als die indischen Truppen versuchten, ihre Kämpfer zu entwaffnen, schlug die LTTE zurück und ermordete 1991 den indischen Premierminister Rajiv Ghandi. Damit schwächte sie ihre Position auf dem internationalen Parkett noch weiter.

Die LTTE wurde von den schnellen Veränderungen in den internationalen Beziehungen nach dem Ende des Kalten Kriegs völlig überrascht. Wie die palästinensische Befreiungsorganisation PLO im Nahen Osten und der Afrikanische Nationalkongress (ANC) in Südafrika sprang auch die LTTE auf den Zug der Marktwirtschaft auf und suchte eine Übereinkunft mit dem Imperialismus. Nach dem 11. September 2001 manövrierte sie verzweifelt, um nicht ins Visier des "Kriegs gegen den Terror" der Bush-Regierung zu geraten. 2002 unterzeichnete sie ein Waffenstillstandsabkommen, gab ihre Forderung nach einem unabhängigen Eelam auf und trat in Verhandlungen über ein Akommen für eine Teilung der Macht ein. Die Verhandlungen brachen schnell wieder zusammen, als klar wurde, dass die USA und Indien kein Interesse hatten, der LTTE eine ernsthafte Rolle in der srilankischen Politik zuzugestehen.

Als Rajapakse das Land 2006 zurück in den Krieg warf, sah die gesamte "internationale Gemeinschaft" über den offensichtlichen Bruch des Waffenstillstandsabkommens von 2002 durch seine Regierung und über die Verletzung demokratischer Rechte weg. Die USA unterstützten den wieder aufgeflammten Krieg und gaben Militärhilfe, politische und diplomatische Unterstützung, um die EU und Kanada zu einem Verbot der LTTE zu bewegen. Die amerikanischen Verbündeten Israel und Pakistan verkauften der srilankischen Regierung den größten Teil des militärischen Geräts, das sie benötigte. Trotz Bedenken wegen möglicher politischer Unruhe unter ihrer eigenen tamilischen Bevölkerung unterstützte auch Indien die srilankische Regierung politisch und militärisch, um seine Rivalen Pakistan und Indien nicht zum Zuge kommen zu lassen. Peking lieferte Geld und Waffen, ohne viel zu fragen.

International isoliert, stand die LTTE jetzt einer an Feuerkraft und Zahl sehr gestärkten srilankischen Armee gegenüber. In ihren eigenen Gebieten war die politische Basis der LTTE inzwischen unterhöhlt worden, weil das Waffenstillstandsabkommen von 2002 keine Verbesserung des Lebensstandards gebracht hatte, und aufgrund ihrer eigenen repressiven Methoden. Die Versuche rivalisierender Fraktionen, ihren Einfluss auszudehnen, führten 2004 zu einer lähmenden Spaltung. Die Abtrünnigen in der Ostprovinz unter der Führung Karunas beschuldigten ihre Widersacher im Norden, alle lukrativen Posten für sich zu reservieren. Dieser Bruch machte es der Armee deutlich leichter, die LTTE, mit Unterstützung von Karunas Kämpfern, gegen Mitte des Jahres 2007 aus dem Osten zu vertreiben Danach konnte sie ihre Kräfte auf den Norden konzentrieren.

Tamilische Arbeiter, Jugendliche und Intellektuelle in Sri Lanka und weltweit befürchten mit einiger Berechtigung, dass der Sieg der Armee über die LTTE eine neue Welle der Verfolgung und Unterdrückung auslösen wird. Doch die tamilischen Arbeiter und Jugendlichen können sich nicht verteidigen, wenn sie an der Perspektive des tamilischen Separatismus festhalten. Sie müssen unwiderruflich mit kommunalistischer Politik brechen und damit beginnen, sich im gesamten Land, in Südasien und weltweit an ihre Klassenbrüder und -schwestern zu wenden, die sich mit denselben einschneidenden Angriffen auf demokratische Rechte und den Lebensstandard konfrontiert sehen. Nur wenn sie sich auf der Grundlage eines sozialistischen Programms zusammen schließt, kann die Arbeiterklasse die unterdrückten Massen hinter sich mobilisieren und eine Offensive gegen die wirkliche Ursache sozialer Ungleichheit, von Kommunalismus und Krieg führen - das Profitsystem selbst.

Die Socialist Equality Party ist die einzige Organisation, die für diese Perspektive in Sri Lanka und auf dem Subkontinent kämpft. Der revolutionäre Kampf für eine Sozialistische Republik Sri Lanka und Eelam ist nur als integraler Bestandteil des Kampfes für Sozialismus in Südasien und weltweit möglich. Sri Lanka ist ein Mikrokosmos der politischen Prozesse, die auf dem Subkontinent im Gange sind. Sechzig Jahre nach der Unabhängigkeit steckt die große Mehrheit der Bevölkerung in den südasiatischen Ländern immer noch tief in wirtschaftlicher Rückständigkeit und Armut fest. Die Region ist von Kriegen und Ausbrüchen kommunalistischer Gewalt erschüttert worden, deren Ursachen auf die ungelösten Fragen im Zusammenhang mit der reaktionären Teilung von 1947 zurückgehen. Seit die herrschenden Eliten die uneingeschränkte Herrschaft des Marktes zum Programm erhoben haben, hat sich die soziale Kluft vertieft. Deshalb greifen sie heute erneut auf das Mittel kommunalistisch und ethnisch begründeter Politik zurück. Die Perspektive der Vereinigten Sozialistischen Staaten Südasiens ist zu einer unaufschiebbaren praktischen Notwendigkeit geworden.

Die Tatsache, dass die herrschenden Eliten der Region nicht in der Lage waren, der US-geführten Invasion und Rekolonisierung Afghanistans Widerstand entgegenzusetzen, muss als äußerst ernste Warnung verstanden werden. Die Weltwirtschaftskrise heizt die Spannungen zwischen den Großmächten an und verschärft die ökonomischen und strategischen Gegensätze. Der indische Subkontinent, der über ein großes Reservoir an billigen Arbeitskräften verfügt, wird in dieses Netz imperialistischer Intrigen hineingezogen, mit verheerenden Konsequenzen für die Arbeiterklasse. Im letzten Weltkrieg hat der britische Imperialismus mit der Unterstützung seiner politischen Agenturen im Land sowie der stalinistischen Kommunistischen Partei Indiens Hunderttausende von Indern als Kanonenfutter zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Bereitwilligkeit der indischen, pakistanischen, srilankischen und der Regierung von Bangladesh, den US-Krieg in Afghanistan zu unterstützen, ist ein sicheres Zeichen, dass die Bourgeoisie sich wieder einmal darauf vorbereitet, Arbeiter für imperialistische Konflikte zu opfern.

Seit der Gründung der Revolutionary Communist League (RCL) 1968 hat die Socialist Equality Party für die Prinzipien des sozialistischen Internationalismus gekämpft. Daher ist sie von allen Seiten verfolgt worden - vom Staatsapparat ebenso wie von der JVP und der LTTE. Die Partei konnte gerade deshalb standhalten, weil sie auf dem stärksten Fundament gegründet wurde - dem Kampf für den Marxismus, wie er im Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) verkörpert ist, gegen alle Formen des Nationalismus und Opportunismus.

Die SEP ruft alle Arbeiter und Jugendlichen in Südasien auf, sich dem reaktionären Krieg der srilankischen Regierung sowie jeder Form des Nationalismus, ethnischer Diskriminierung und kommunalistischer Politik zu widersetzen, als erster Schritt im Aufbau einer machtvollen sozialistischen Bewegung in der ganzen Region und international. Wir appellieren an unsere Leser, das Programm und die Perspektive der internationalen trotzkistischen Bewegung, die täglich auf der World Socialist Web Site dargelegt werden, ernsthaft zu studieren, Mitglied zu werden und die SEP und das IKVI aufzubauen.

Siehe auch:
Truppen raus aus dem Norden und Osten Sri Lankas!
(10. März 2009)