Hunderttausende Schüler und Studenten demonstrieren gegen die Bildungsmisere

Von unseren Korrespondenten
18. Juni 2009

Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten am vergangen Mittwoch mehr als zweihunderttausend Schüler, Studenten und Lehrer in über 70 Städten gegen die Misere im Bildungssystem. Diese Massendemonstrationen waren der Höhepunkt einer ganzen Protestwoche, in der Streiks und Aktionen an verschiedenen Universitäten und Schulen stattfanden. In Berlin wurden zeitweise Gebäude der Humboldt-Universität und der Freien Universität besetzt.

Demo Leipzig

In den letzten Jahren hat es deutliche Einschnitte in den Haushalt vieler Universitäten gegeben. Zahlreiche Lehrstühle blieben unbesetzt. Gleichzeitig wurde Geld für den Aufbau von Eliteprojekten wie der Einstein-Stiftung in Berlin zur Verfügung gestellt. Die meisten der Kürzungen fanden im Rahmen des Bolgna-Prozesses statt, der zum Ziel hat, Bildung innerhalb Europas zu einer handelbaren Ware zu machen.

Seit das Bundesverfassungsgericht 2005 das Verbot von Studiengebühren aufgehoben hat, haben außerdem viele Länder verschiedene Formen von Gebühren eingeführt, um die Haushaltslöcher auf Kosten der Studierenden zu stopfen. Die Gebühren haben schon dazu geführt, dass gerade Kinder aus ärmeren Elternhäusern ihr Studium frühzeitig abbrechen mussten.

Eine der wichtigsten Forderungen der Demonstranten war "Freie Bildung für alle". Die Mehrheit der Studenten lehnt eine Zwei-Klassen-Bildung, die nach Einkommen selektiert, strikt ab.

Personalkürzungen haben an Schulen und Unis zu überfüllten Klassen und Kursen, sowie mangelhafter Betreuung geführt.

Außerdem hat die Einführung von Bachelor und Master-Studiengängen zu einer Verschulung des Studiums geführt. Studierende haben immer weniger Wahlmöglichkeiten und ihre ganze Bildung wird auf die unmittelbaren Bedürfnisse des Arbeitsmarktes reduziert.

Wenn auch auf einigen Demonstrationen Gewerkschaftsfahnen auftauchten, war doch die wesentliche Rolle der Gewerkschaften, die Proteste der Schüler und Studenten von den Kämpfen der Arbeiter zu isolieren. Erst am Montag hatte verdi eine getrennte Demonstration der Erzieher und Sozialarbeiter organisiert.

Obwohl Erzieher mit ganz ähnlichen Problemen konfrontiert und oft von den gleichen Kürzungen betroffen sind wie Lehrer, Schüler und Studenten, verfolgen die Gewerkschaften eine systematische Taktik, um die Proteste voneinander zu isolieren.

Die wichtigsten Kürzungen und Umstrukturierungen im Bildungssektor fallen in die Zeit der rot-grünen Bundesregierung, bzw. der gegenwärtigen Großen Koalition. In Berlin werden die größten Angriffe auf Kitas, Schulen und Universitäten vom rot-roten Senat aus Linkspartei und SPD durchgesetzt.

Viele der Demonstranten waren den offiziellen Parteien und den Gewerkschaften daher feindlich gesonnen. Sie sahen keine Möglichkeit, diese Organisationen für ihre Ziele zu nutzen. Reporter der WSWS waren auf zahlreichen Demonstrationen im ganzen Bundesgebiet und sprachen mit Teilnehmern der Proteste.

Berlin

Moritz ist 22 und studiert Soziologie an der Humboldt-Universität, Jona (21) studiert Wirtschaftsingenieur an der Technischen Universität.

Moritz und Jona erklärten, dass sie hauptsächlich deshalb bei der Demonstration mit ca. 15.000 Teilnehmern mitmachten, weil sie etwas gegen die Kürzungen an den Universitäten und die zunehmende Tendenz zu einem Zwei-Klassen-System in der Bildung tun wollten.

"Wir fordern, dass der Senat in den nächsten vier Jahren weitere 150 Millionen Euro in die Berliner Universitäten investiert." sagte Moritz, "Dieses Geld wird gebraucht, um wenigstens den status quo bei den Universitäten halten zu können. Wir sind auch gegen den zunehmenden Neoliberalismus im Kurssystem. Insbesondere die neuen Bachelor-Kurse, die vor ein paar Jahren eingeführt wurden, sind sehr restriktiv. Die Auswahl an Themen ist reduziert und alle interessanten oder gesellschaftskritischen Veranstaltungen sind gestrichen worden.

Weiter sagte Moritz: "Entscheidungen über solche Finanzfragen sind immer politisch. Uns wird erzählt, dass es wegen der Finanzkrise kein Geld für Bildung gibt, aber für die Banken gibt es Geld. Auch die für Eliten bestimmte Einstein-Stiftung wird vom Berliner Senat mit 40 Millionen Euro unterstützt. Es gibt auch Pläne für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses für 100 Millionen Euro. Statt kontroversen Prestige-Projekten sollte der Senat in Bildung für alle und die Zukunft seiner Bürger investieren."

Zum Berliner Senat befragt, erklärte Moritz, dass er weder in die SPD noch die Linkspartei Vertrauen habe. "Das Problem mit der Linkspartei ist, dass sie nicht links ist. Sie ist sozialdemokratisch und versucht nur, die Politik der SPD in den 1970er Jahren zu wiederholen.

Alles redet von 1968, nachdem wir letztes Jahr den 40. Jahrestag der Ereignisse hatten. Aber ich habe den Eindruck, dass einer der Hauptunterschiede zwischen damals und heute darin besteht, dass viele der 68er Studenten zwar protestierten, aber darauf vertrauen konnten, dass sie später Arbeitsplätze finden würden. Heute nach der Finanzkrise stellen sich die Dinge ganz anders dar. Wir werden auf einen bestimmten Berufsweg hin gedrillt, aber unter Bedingungen, wo es sehr zweifelhaft ist, ob wir am Ende unseres Studiums eine ordentlich bezahlte Arbeit finden können."

Jona berichtete, dass bei seiner Universität Niveau und Qualität der Lehre dramatisch abgenommen hätten - seit 2003 seien 10 Professorenstellen nicht mehr besetzt worden.

Leipzig

An der Demonstration in Leipzig nahmen ungefähr 3000 Schüler, Studenten und Erzieherinnen teil. Der Demonstrationszug startete vor der Fachhochschule HTWK Leipzig im Süden der Stadt und wurde in seinem Verlauf stetig größer. So reihten sich auf dem Weg durch die Leipziger Südvorstadt die streikenden Erzieherinnen ein, die von den Schülern und Studenten ebenso begeistert begrüßt wurden, wie die kurze Zeit später dazu stoßenden Studenten der Universität Leipzig.

Auf vielen kreativen Schildern und Plakaten machten die Teilnehmer der Demonstration ihre Kritik am Bildungssystem deutlich und verliehen ihrer Wut darüber Ausdruck, dass zwar Geld für die Banken und die Finanz- und Wirtschaftselite da ist, nicht aber für Bildung und die Jugend.

Robert, der Kulturwissenschaft studiert, sagt, dass an der Uni so ziemlich alles unterfinanziert sei und Stellen abgebaut würden, obwohl es immer mehr Studenten gäbe. Seiner Meinung nach müsste der gesamte Bologna-Prozess, der dafür mitverantwortlich sei und den er prinzipiell ablehnt, überdacht werden. Auf die Frage, ob er der Meinung sei, dass Protestaktionen wie diese erfolgreich sein können, äußert er sich kritisch. "Die große Demo im letzten Jahr in Dresden war rückblickend nicht erfolgreich. Seitdem hat sich nichts geändert. Natürlich ist Protest wichtig, er geht aber nicht weit genug. Es muss mehr passieren."

Mohamed in Leipzig Der Student Mohamed in Leipzig

Ähnlich unzufrieden und kritisch äußert sich Mohamed, ein Student der Politikwissenschaft und Arabistik. Er nimmt an der Demo teil, da er für bessere Studienbedingungen, für eine bessere Ausstattung an den Universitäten und für ein besseres Bildungssystem im Allgemeinen ist. Vehemente Kritik übt er daran, dass die Uni immer mehr um Drittmittel aus der Wirtschaft buhlt bzw. darauf angewiesen ist. "Im Studiengang Politikwissenschaft und Kommunikationswissenschaft gibt es eine Stiftungsprofessur des Energiekonzerns Vattenfall und ich stelle mir schon die Frage, was der Vattenfall-Typ einem Studierenden beibringt bzw. inwieweit das durch die Interessen des Konzerns ideologisch vorbelastet ist. Das perfide daran ist, dass die Studenten teilweise nicht einmal wissen, wen sie da vor sich haben."

Dass Schüler, Studenten und Erzieherinnen prinzipiell mit ähnlichen grundlegenden Problemen konfrontiert sind, macht Birgit, eine Erzieherin aus Leipzig, deutlich: "Ich demonstriere, weil sich die Arbeitsbedingungen in meinem Beruf genauso verschlechtern wie die Lernbedingungen der Schüler und Studenten an den Schulen und Unis." Sie klagt, dass der Lärmpegel während der Arbeit viel zu hoch sei, da zu viele Kinder in einer Gruppe sind. "Es werden zu wenig Erzieherinnen eingestellt, obwohl die Anforderungen ständig steigen." Ob der Protest angesichts der Rolle der offiziellen Politik Erfolg haben kann, sei ihrer Meinung nach unsicher. Aber: "Man darf niemals aufgeben".

Bielefeld

In Bielefeld beteiligten sich etwa 4.500 junge Menschen an einem Sternmarsch ins Stadtzentrum, der mit einer Kundgebung vorm Rathaus endete. Die Demonstrationszüge bestanden in ihrer überwiegenden Mehrheit aus Schülerinnen und Schülern von der 5. bis zur 13. Klasse. Auffällig war die Abwesenheit der Studierenden aus der Universität und den diversen Fachhochschulen der Stadt.

Die Schülerinnen und Schüler traten in ihrer großen Zahl jedoch laut und selbstbewusst auf. Zwar hatte das Verwaltungsgericht Minden in einem Eilverfahren entschieden, dass der Sternmarsch nicht auf dem Verkehrsknotenpunkt der Stadt, dem Jahnplatz, enden durfte sondern zum Rathaus weiterziehen musste. Dennoch besetzten die Demonstranten den Jahnplatz und legten über Stunden hinweg den innenstädtischen Verkehr lahm. "Das war doch eine politische Entscheidung des Gerichts", erklärte Gesamtschüler Jannis gegenüber unserer Reporterin. "Bei der Fußballweltmeisterschaft haben sie den Jahnplatz fürs Public Viewing freigegeben, aber für die freie Meinungsäußerung ist er nicht zu haben!"

Ein Versuch der Polizei, den Platz zu räumen, scheiterte am passiven Widerstand der jungen Menschen, die sich nicht zum Rathaus "abschieben" lassen wollten, sondern größtmögliche Öffentlichkeit für ihren Protest suchten.

Unsere Reporterin sprach mit Organisatoren und Teilnehmern der Demonstration. Hendrik, ein Mitglied des Organisationsteams und der Bezirksschülervertretung, zog eine positive Bilanz der Aktion und hob die große Beteiligung der Schüler hervor. "Wir wurden auch von den Lehrerkollegien unterstützt, die die derzeitige Situation an den Schulen auch nicht gut finden." Er lobte auch die Unterstützung der Gewerkschaften und kündigte für das nächste Schuljahr neue Proteste an, die "Druck auf die Politik machen" sollten. Angesprochen auf das Fehlen der Erzieherinnen aus den Kitas und das Auseinanderdividieren der Proteste und Streikbewegungen gerade durch die Gewerkschaften musste er allerdings zugeben: "Das stimmt. Die Kitas streiken heute in Bielefeld wieder, aber die Erzieherinnen sind nicht hier, weil die Gewerkschaft Mahnwachen vor den Kindertagesstätten organisiert hat. Das ist sicherlich eher ungünstig." Auch einzelne Plakate auf der Demo, wie "Geld für Bildung statt für Insolvenzfirmen", stehen für Versuche, die Schülerinnen und Schüler von den Kämpfen der Beschäftigten bei Opel, Karstadt etc. zu entzweien.

Unsere Korrespondentin führte allerdings sehr erfrischende Gespräche mit den teilweise sehr jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demonstration, die sich allesamt von der offiziellen Politik angewidert zeigten. So erwiderte Marc (16) auf die Frage, warum er da sei: "Weil ich gegen Hartz IV und die SPD bin." Seine Freunde Leon (16) und Robert (15) ergänzten, dass sie natürlich auch gegen das verkürzte Abitur und die wieder eingeführten Kopfnoten seien, aber eben auch abgestoßen vom ganzen politischen Establishment: "Die Politik kümmert sich um die Wirtschaft, nicht um uns Menschen." Den Verantwortlichen für die Schulreformen der jüngsten Vergangenheit ginge es ums Einpauken von Wissen, dagegen wollen Leon und seine Freunde "eigensinnig Denken".

Duisburg

In Duisburg sammelten sich etwa 250 bis 300 Schüler und einige Lehrer vor dem Rathaus in Duisburg-Hamborn und zogen dann durch ein Wohngebiet und vorbei an der August Thyssen Realschule nach Duisburg-Marxloh. Dort ging es durch die Fußgängerzone und dann zurück über die Hauptverkehrsstraße nach Hamborn.

Auf der Demonstration in Duisburg Auf der Demonstration in Duisburg

Als der Demonstrationszug an der August Thyssen Realschule ankam, stürmte ein Teil der Schüler in die Schule und versuchte dort andere Schüler zur Teilnahme an der Demonstration zu bewegen. Auf Anordnung der Polizei verließen sie das Schulgebäude nach wenigen Minuten wieder und die Demonstration wurde fortgesetzt. Viele Schüler beobachteten den Demonstrationszug von den Fenstern der Klassenzimmer aus und zeigten teilweise V-Zeichen zur Unterstützung.

Die meisten der Schüler, die sich an der Aktion beteiligten, kamen von verschiedenen Gymnasien und der Gesamtschule in Duisburg-Neumühl. Eine Lehrerin, die mit ihren Schülern an der Demonstration teilnahm, sagte, dass sie teilweise 33 Schüler in einem Kurs habe und viel zu wenig Geld für die Bildung zur Verfügung stehe.

Zwei Schülerinnen von der Gesamtschule in Neumühl berichteten, das bei ihnen an der Schule ein Informationsblatt verteilt wurde, dass sie in Zukunft 40 Euro für ein Buch bezahlen müssten.

Ein junger Mann aus Krefeld, der sich mit seiner Freundin und deren Kind an der Demonstration beteiligte, berichtete den Reportern der WSWS, dass er gerade arbeitslos geworden sei. Er interessierte sich sehr für den Aufruf der Partei für Soziale Gleichheit "Eine sozialistische Antwort auf die kapitalistische Krise". Er unterschrieb auch für die Wahlteilnahme der PSG für die Bundestagswahl. Sie hatten über das Internet von der Demonstration gegen den Bildungsnotstand erfahren.

Essen

Schon frühmorgens vor acht Uhr zogen die ersten Demonstrationszüge von Schülern von einer Schule zur anderen. Schließlich sammelten sich ca. 2.500 Schüler auf dem Universitätsgelände, um mit den Studenten gemeinsam für freie Bildung für alle und gegen die Verschlechterung der Lern- und Studiensituation zu demonstrieren.

Essen - Tanja und Leoni Henke mit Mitschülerin Essen - Tanja und Leoni Henke mit Mitschülerin

Tanja Henke hat zusammen mit Mitschülerinnen ein Schild gemalt: "Für mehr soziale Gerechtigkeit an den Schulen". Mit dem Turbo-Abitur innerhalb von acht Jahren werde die soziale Auslese an der Schule noch verstärkt, sagt sie. "Der ganze Stoff, den man vorher in dreizehn Jahren gemacht hat, der wird jetzt in zwölf Jahre gepackt, ohne dass der Stoff angepasst und weniger wird. Die Kinder müssen ja irgendwann noch mal Kinder sein und das ist durch G-8 gar nicht mehr möglich. "

Tanjas jüngere Schwester Leoni berichtete: "Ich bin im ersten Jahrgang, der das G-8 machen muss. Das Ganze geht viel zu schnell, wir sind einfach die Versuchskaninchen. Ich musste schon die Schule wechseln, weil ich es gar nicht mehr gepackt habe. Die 2. Sprache schon in der 6. Klasse, nachdem man in der 5. Klasse gerade mit der 1. Sprache angefangen hat - das geht überhaupt nicht."

Tanja ist der Zugang zu freier Bildung für alle wichtig. "Deswegen protestieren wir auch besonders gegen Studiengebühren. Auch wenn wir selbst es uns vielleicht noch leisten können, aber es gibt viele, die das nicht können und deshalb nicht zur Uni gehen, und sich auch keine guten Schulbücher leisten können. Das akzeptieren wir überhaupt nicht."

Jennifer studiert Englisch und Geschichte. Sie demonstriert vor allem gegen die fatalen Folgen des Bologna-Prozesses. "Die Einführung von Bachelor und Master hat zur völligen Verschulung des Studiums geführt. Ein wirklich wissenschaftliches und selbständiges Studium ist fast nicht mehr möglich. Alles ist den Interessen der Wirtschaft nach möglichst billigen und effektiven Studiengängen und schnellen Abschlüssen untergeordnet, die "verwertbare" Absolventen ausspucken. Das ist Bestandteil der neoliberalen Ausrichtung der EU."

Frankfurt

In Frankfurt am Main strömten schätzungsweise 5.000 Schüler und Studenten aus der Stadt und der Region zum Opernplatz, um gegen die Bildungsmisere zu demonstrieren. "Geld für Dichter und Denker - nicht für die Bänker" stand auf einem der Transparente und auch: "Fließt das Geld zur Bundeswehr, bleiben unsre Köpfe leer", oder "Bildung krepiert, weil Dummheit regiert".

"Eine Schule für alle" fordern Eva und Max (Schwalbacher Albert-Einstein-Schule) auf ihrem Transparent. "Wir wollen bessere Bildung, mehr Lehrer, kleinere Klassen und einen effektiveren Unterricht", sagt Eva. "Jeder Schüler muss die gleichen Bildungschancen haben, nicht so wie es heute ist: aufgeteilt in Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen. Jeder lernt doch in seiner Schule was anderes. Wir wollen Bildungsstandards und keine Studiengebühren, und jeder muss die Möglichkeit bekommen, zu studieren, um den Beruf zu kriegen, den er möchte."

Die Schüler erwähnen die Schulproteste in Frankreich: "Ich denke, die Franzosen haben das gleiche Problem wie wir, die wollen einfach eine bessere Zukunft und gute Bildung auch für Schüler, die nicht aus reichen Familien kommen." Max ergänzt: "In Frankreich ist es dasselbe wie hier, nur haben sie bessere Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Ich hoffe, dass wir mit dem Schulboykott jetzt hier auch was bewegen. Schon letztes Jahr waren 100.000 Schüler in Deutschland auf der Straße, und ich hoffe, dass die Regierung langsam merkt, was los ist."

Von links Sarah, Nora und Alina Von links - Sarah, Nora und Alina

Sarah, Nora und Alina, von der Karl-Rehbein-Schule in Hanau, haben gerade ihr Abitur gemacht. Sarah erklärt, warum sie demonstriert: "Ich finde es vollkommen falsch, dass Bildung in Deutschland immer noch so viel Geld kostet, und dass es in manchen Bundesländern noch immer Studiengebühren gibt. So viele Menschen müssen so viel Geld für Nachhilfe ausgeben, weil sie nicht mehr klar kommen. Schon nach der vierten Klasse werden die Kinder in ein System einsortiert, das es ihnen wegen G8 nicht mehr ermöglicht, von der Realschule auf das Gymnasium zu wechseln. Ich finde es vollkommen falsch, dass so wenig Geld in die Bildung gesteckt wird, und so viel in die Rüstung und in die Banken. Das kann nicht sein."