Die Gewerkschaft United Mine Workers of America und die Wiederkehr der Staublunge

Von Jerry White
22. Januar 2010

Laut der nationalen Gesundheitsbehörde National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) hat sich der Zahl der Fälle von Staublunge unter den Kohlebergarbeitern in den USA in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Dadurch wird ein jahrzehntelanger Trend umgekehrt, der einen Rückgang der Fälle von Staublunge um 90 Prozent verzeichnen konnte; die Staublunge, auch Kohlenbergarbeiter-Pneumokoniose genannt, zerstört das Gewebe der Lunge und führt bei den Bergarbeitern zum langsamen Tod durch Ersticken.

Die erneute Verbreitung der Staublunge belegt in besonders tragischer Weise, wie sämtliche historischen Errungenschaften nicht nur der Bergarbeiter, sondern der gesamten Arbeiterklasse wieder rückgängig gemacht werden. Vor den Massenkämpfen der Bergarbeiter in den 1960er und 1970er Jahren zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen ging die Verbreitung der Staublunge mit Unterdrückung und Armut breiter Bevölkerungsschichten einher, speziell in den Bergbaugebieten der Apalachen. Michael Harrington hat die damaligen Zustände in dem berühmten Werk The Other America aus dem Jahr 1962 festgehalten.

Trotz eines massiven Rückgangs der Zahl der Bergarbeiter - auf heute 98.000 im Vergleich zu fast 500.000 im Jahr 1950 - steigt die Zahl der Staublungenfälle und ihre Rate wieder an, auch unter jungen Bergarbeitern. Beamte der Gesundheitsbehörde machen die erhöhte Zahl von Arbeitsstunden - sie sind seit 1978 um 32 Prozent gestiegen - und eine erhöhte Kohlenstaub-Exponierung für das Anwachsen verantwortlich. Das sind hauptsächlich die Folgen des irrsinnigen Profit-Strebens einiger Unternehmen, die Kohle in Bergwerken abbauen wollen, die zuvor schon als ausgeschöpft galten.

Auch die systematische Aushöhlung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes sowohl unter demokratischen als auch republikanischen Regierungen hat dazu beigetragen. Unter der Bush-Regierung wurden ehemalige Führungskräfte aus der Kohleindustrie zu Chefs der Sicherheits- und Gesundheitsbehörde für die Bergwerke (Mine Safety and Health Administration, MSHA) gemacht und den Kohleunternehmen wurde aufgetragen, sich selbst zu überwachen.

Seit 1995 schlägt die NIOSH vor, den Grenzwert für die Kohlestaub-Exponierung um die Hälfte auf 1 Milligramm pro Kubikmeter Luft zu reduzieren. Die MSHA hat sich jedoch geweigert, einen strengeren Grenzwert einzuführen. Das Entgegenkommen gegenüber der Industrie hat sich unter Präsident Obama fortgesetzt, der schon seit langem enge Beziehungen zur Lobby der Kohleindustrie von Süd-Illinois unterhält.

Die Rückkehr hoher Zahlen von Staublungenerkrankungen ist vor allem ein Beweis für die verräterische Rolle der Bergarbeitergewerkschaft United Mine Workers of America. In den letzten drei Jahrzehnten hat die UMWA systematisch den Widerstand der Bergarbeiter sabotiert und mit den Unternehmern und der Regierung zusammengearbeitet, um die Errungenschaften zu vernichten, die von vorangegangenen Generationen in mehr als einem Jahrhundert erkämpft wurden

Die Entwicklung der UMWA - die einst als die militanteste und mächtigste Gewerkschaft Amerikas galt - ist ein Anzeichen für die generelle Verwandlung der Gewerkschaften in korporatistische Anhängsel der Großunternehmen. Sie ist ein historisches Urteil über die Perspektive einer Arbeiterbewegung auf der Grundlage der Unterstützung des Profitsystems, des Nationalismus und eines Bündnisses mit den kapitalistischen Parteien, speziell mit der Demokratischen Partei.

Wie der übrige AFL-CIO-Gewerkschaftsapparat reagierte auch die UMWA in den späten 1970er Jahren auf die Krise des amerikanischen Kapitalismus, indem sie sich vom Klassenkampf distanzierte und immer enger mit den Unternehmern zusammenarbeitete, um die Arbeitskosten zu senken und die US-Unternehmen im Vergleich zu ihren internationalen Rivalen konkurrenzfähiger zu machen.

Ein Wendepunkt in der Degeneration der UMWA war die Wahl von Richard Trumka zum Gewerkschaftsvorsitzenden im Jahr 1982. Trumka machte sich systematisch daran, die reiche Tradition von klassenbewusster Solidarität und militanten Kämpfen der Bergarbeiter zu zerstören, die in den bitteren "Bergwerks-Kriegen" der ersten zwei Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts geschmiedet wurde.

Trumka kippte das langjährige Prinzip der Bergarbeiter "kein Vertrag, keine Arbeit" und die Durchführung von nationalen Streiks, um sowohl gewerkschaftlich organisierte als auch unorganisierte Betriebe still zu legen, und führte die verhängnisvolle Politik der "punktuellen Streiks" ein. Das führte zur Isolation und Niederlage von erbitterten Kämpfen bei AT Massey (1984-85) und Pittston (1989-90). Gleichzeitig ließ die Gewerkschaft militante Bergarbeiter im Stich, die von den Bergwerksgesellschaften verleumdet, geschlagen und sogar ermordet wurden.

Im Juni 1989 explodierte die Wut der Bergarbeiter in einem wilden Streik von 50.000 Bergarbeitern bei Pittston, der sich über elf Staaten ausbreitete. Trumka versuchte die Kohle-Bosse in flehentlichem Ton davon zu überzeugen, dass die Unnachgiebigkeit von Pittston die Bemühungen der Gewerkschaften unterminiere, Stabilität in die Kohlenreviere zu bringen.

Wenn die Betreiber der Bergwerke und die Regierung Erfolg dabei hätten, die UMWA zu zerstören, warnte Trumka, dann könne das zu einer wesentlich radikaleren Bewegung der Bergarbeiter führen. "Wenn sie wiederersteht, dann wird die Form der Gewerkschaft eine andere sein", erklärte Trumka. "Ihre Toleranz gegenüber Ungerechtigkeit wird sehr viel niedriger sein und ihre Bereitschaft, Nachsicht gegenüber dem System zu üben, von dem wir wissen, dass es nicht funktioniert, wird gleich Null sein."

Es fehlte nicht viel, und Trumka hätte zugegeben, dass die UMWA als Polizist für die Kohlebosse fungierte und eine politische und wirtschaftliche Ordnung entschuldigte und verteidigte, die durch und durch feindlich gegenüber den Interessen der Bergarbeiter ist, deren Interessen die Organisation zu vertreten behauptet.

Als Belohnung für die Zusammenarbeit bei der Zerstörung seiner eigenen Gewerkschaft und der faktisch erneuten Versklavung der Bergarbeiter wurde der ehemalige Vorsitzende der UMWA an die Spitze des Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO gewählt. Auch in dieser Funktion verteidigte Trumka natürlich weiterhin das Profitsystem und die Demokratische Partei und arbeitete immer enger mit der Obama-Regierung zusammen, auch als sie ihre Angriffe auf die Arbeitsplätze, den Lebensstandard, das Gesundheitssystem und die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse immer weiter verschärfte.

Fragen der Gesundheit und der Sicherheit standen immer im Zentrum der Kämpfe der Bergarbeiter. 1968 rebellierten die Bergarbeiter, nachdem 78 von ihnen bei einer Bergwerksexplosion in Farmington, West Virginia, getötet wurden und der UMWA-Präsident Tony Boyle die Grubenbesitzer verteidigte. Während dieser Zeit organisierten Bergarbeiter mit der Unterstützung sympathisierender medizinischer Fachkräfte die Gesellschaft für Staublunge (Black Lung Association), um Schadenersatz für dieses Leiden zu verlangen, das zu dieser Zeit von der Regierung nicht einmal als Berufskrankheit anerkannt war.

Im Februar 1969 organisierten die Bergarbeiter in West Virginia einen 23-tägigen wilden Streik und erzwangen damit das erste Gesetz in den USA, das sich mit der Staublunge beschäftigte. Dem folgte die Verabschiedung des Gesetzes über Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bergwerken, das unter anderem Sicherheitsüberprüfungen anordnete und legale Obergrenzen für die Belastung mit Kohlenstaub festlegte.

Dieser Kampf ging der massiven Streikwelle der 1970er Jahre voran, in der die Bergarbeiter trotz der Feigheit und dem Verrat der UMWA-Bürokratie wesentliche Verbesserungen erreichten. Dazu gehörte auch ein 111-tägiger Streik von 1977 bis 1978 als die Bergarbeiter sich über das Streikverbot der Taft-Hartley-Verfügung hinwegsetzten, die der demokratische Präsident Jimmy Carter erlassen hatte.

Die beachtlichen Errungenschaften, die zwischen 1960 und 1980 gewonnen wurden, sind unter tatkräftiger Mithilfe der UMWA rückgängig gemacht worden. Erneut sind die Täler und Bergarbeiterstädte der Appalachen von hoher Armut und chronischer Arbeitslosigkeit gezeichnet, wobei das mittlere Familieneinkommen in West Virginia durchweg nahe am oder auf dem untersten Niveau sämtlicher US-Staaten liegt. Junge Arbeiter stehen vor der trostlosen Wahl, in unsicheren, schmutzigen, "Höhlen" ähnelnden Minen zu arbeiten, den Staat zu verlassen und irgendwo anders einen Job zu suchen oder zum Militär zu gehen.

Es ist aufschlussreich, dass die höchste Steigerungsrate an Staublungenfällen in Pennsylvania, West Virginia, Ost-Kentucky und West-Virginia aufgetreten ist - den ehemaligen Hochburgen der UMWA. Heute sind weniger als fünfzehn Prozent der Kohlebergarbeiter Mitglied der UMWA im Vergleich zu 90 Prozent in ihrer Blütezeit in den 1950er Jahren. Alles in allem ist die aktive Mitgliedschaft der UMWA von über 120.000 im Jahr 1978 auf heute 14.152 abgesackt.

Es ist unausweichlich, dass die Bergarbeiter und die gesamte Arbeiterklasse versuchen werden, neue Kampforganisationen aufzubauen und neue Mittel zu finden, um sich zu verteidigen. Der Erfolg hängt allerdings von der Entwicklung einer neuen politischen Perspektive ab, die sich nicht auf die Verteidigung des amerikanischen Kapitalismus und das Zwei-Parteien-System stützt, sondern auf den unversöhnlichen Kampf gegen das bestehende wirtschaftliche und politische System. Die Arbeiterklasse muss mit den überholten und reaktionären Gewerkschaftsorganisationen brechen und eine politische Massenbewegung schaffen, die auf der Grundlage einer sozialistischen und internationalistischen Strategie kämpft.