Veranstaltung von ISSE and SEP zum Streik des Detroiter Symphonieorchesters an der Universität Michigan

Von Shannon Jones
20. November 2010

Die International Students for Social Equality und die Socialist Equality Party hielten am 15. November an der Universität Michigan in Ann Arbor eine öffentliche Versammlung über die Bedeutung des Streiks der Musiker des Detroiter Symphonieorchesters (DSO) ab. Neben Studenten der Universität und der Universität von Eastern Michigan nahmen Angehörige der Fakultät, Lehrkräfte und andere Bürger teil.

WSWS Kunstredakteur David Walsh spricht WSWS Kunstredakteur David Walsh spricht

Mitglieder des DSO befinden sich seit sieben Wochen im Streik gegen die massiven Zugeständnisse, die ihr Arbeitgeber von ihnen verlangt. Unter anderem sollen die Gehälter um 33 Prozent, bei Neueinstellungen sogar um 42 Prozent gesenkt, Leistungen der Krankenversicherung reduziert und die Renten eingefroren werden,.

Der leitende Kunstredakteur der World Socialist Web Site, David Walsh, hielt einen Vortrag. Joseph Striplin, Violinist des DSO, überbrachte der Versammlung Grüße der Streikenden.

Clement Daly, Vorsitzender der ISSE an der Eastern Michigan University stellte die Sprecher vor. Er sagte, die Socialist Equality Party und die WSWS hätten von Beginn an die Bedeutung des Streiks der DSO-Musiker erkannt, der am 4. Oktober begann.

“Über die folgenden Wochen hat die WSWS mehr als ein Dutzend Artikel dazu veröffentlicht, darunter Interviews und Videoaufnahmen, um die Bedeutung des Streiks zu erklären und die Musiker in ihrem Kampf zu verteidigen. Es fanden die bekannten Versuche statt, schlechter bezahlte Beschäftigte gegen die Musiker aufzuwiegeln, wie man sie in zurückliegenden Kämpfen gegen die Autoarbeiter und ihre ‚traumhaften Zulagen’ und gegen die angeblich ‚überbezahlten’ und ‚bequemen’ Lehrer an staatlichen Schulen kennengelernt hat. Man muss diese Versuche mit Verachtung zurückweisen.

ISSE–Vorsitzender bei der EMU Clement Daly, David Walsh, Joe Striplin für die streikenden DSO Musiker ISSE–Vorsitzender bei der EMU Clement Daly, David Walsh, Joe Striplin für die streikenden DSO Musiker

Daly fuhr fort: “Das Programm der SEP vertritt die Auffassung, dass in unserer heutigen, komplexen Gesellschaft der Zugang der Arbeiterklasse zu Kultur eine elementare Notwendigkeit darstellt. Zugang zu Kultur ist daher ein unveräußerliches soziales Recht – es darf niemandem genommen, noch kann es abgegeben werden. Für uns ist der Kampf für den Sozialismus untrennbar mit der Verteidigung der menschlichen Kultur verbunden. Und nur durch die Errichtung des Sozialismus wird die menschliche Kultur wachsen und gedeihen.

Die Beschäftigung mit kulturellen Fragen hat eine lange Tradition in der marxistischen Bewegung. Ihren höchsten Ausdruck findet diese Tradition heute in der WSWS, der Onlinezeitung der SEP. Wir freuen uns, heute Abend David Walsh begrüßen zu dürfen, den Kunstredakteur der WSWS. Er hat ausführlich über Fragen der Kunst und Kultur geschrieben und in Vorträgen gesprochen, und ist seit langem Mitglied der SEP.

Daly stellte dann den langjährigen DSO-Violinisten Joseph Striplin vor, der kurz zusammenfasste, worum es bei dem Streik geht.

Striplin, der 1972 dem Orchester beitrat, erklärte, dass das DSO seit einiger Zeit einen Rückgang des Kartenverkaufs beklage, und die Zuwendungen reicher Spender zurückgegangen seien. Mit dem Bau eines neuen Musikkomplexes, des Max Fisher Music Center, hatte man sich bei den Banken stark verschuldet.

Die Unternehmensleitung habe auf diese Krise reagiert, wie es heute Standard sei, “mit radikalen Kürzungen”. Das DSO-Management griff dabei zur Methode des sogenannten „Memphis Plans“ für Orchesterhäuser. Er sieht weniger Aufführungen vor und zwingt die Musiker, Aufgaben wie Unterricht zu erteilen oder gar Tätigkeiten von Angestellten zu verrichten, die mit ihrem Beruf nichts zu tun hätten.

“So etwas hat es noch nie bei einem Orchester gegeben.”

Er wies die Behauptungen der Unternehmensleitung zurück, es sei kein Geld da. „Es gibt zehn zwölf Milliardäre in Michigan und viele Millionäre“. Er warnte davor, dass es einen „Domino-Effekt“ geben könne, falls die angestrebten Kürzungen durchgesetzt würden.

Abschließend lobte er die Berichterstattung der WSWS über den Streik. „Eure lobenswerte Organisation hat uns sehr geholfen. Ich sehe, dass unser Kampf Teil eines umfassenderen Kampfes ist.“

David Walsh war der Hauptredner. Er sprach über die unmittelbaren Fragen des Streiks der DSO-Musiker und die weiterreichende soziale und historische Bedeutung des Angriffs auf die Musiker. Er betonte, dass der Typ des gesellschaftlich engagierten Künstlers, der in den letzten Jahrzehnten selten war, unbedingt wieder die Bühne betreten müsse.

Im Anschluss an seine Rede fand eine lebendige Diskussion statt. Besucher wollten vor allem wissen, in welcher Beziehung die verschiedenen musikalischen Richtungen mit der allgemeinen Entwicklung und dem umfassenden Verfall der amerikanischen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten stünden.

Joe Striplin vom DSO beantwortet eine Frage aus dem Publikum Joe Striplin vom DSO beantwortet eine Frage aus dem Publikum

In der Diskussion um den DSO-Streik ging es vor allem um die Rolle der Gewerkschaften. Ein Unterstützer der SEP bemerkte, dass die großen Gewerkschaften wie die Gewerkschaft der Autoarbeiter, UAW, keinen Finger gerührt hätten, um den Streik zu unterstützen, obwohl sie über gewaltige finanzielle Mittel verfügen.

Einige Besucher äußerten sich in Interviews. Allison Richards, Studentin der darstellenden Kunst an der Universität Michigan, filmte Walshs Rede: „Ich fand den Vortrag erhellend und informativ. Ich habe eine Leidenschaft für Musik, und ich glaube, es ist wichtig, Musik zu erleben.“

Erst durch ein Flugblatt über die Veranstaltung habe sie von dem Streik erfahren. „Schon als Kind war ich im Detroiter Symphonieorchester, deshalb habe ich mich angesprochen gefühlt.“

Ich habe immer gerne künstlerische Darbietungen erlebt und wollte Teil der Kunst sein. Kürzungen sollten hier nicht stattfinden. Ich finde, Kunst ist wichtig fürs Leben.“

Ein Mitglied der Detroit Choral Union meinte: „Die Orchestermusiker sollten die 33-prozentige Lohnsenkung nicht hinnehmen. Plötzlich machen Ford und GM wieder Profite. Detroit braucht dieses Orchester, auch wenn wir noch das AnnArbor Symphonie-Orchester haben. Das DSO ist ein internationales Spitzenorchester.“

In Chicago and Los Angeles verdienen die Musiker mehr als die des DSO. Insgesamt gesehen, werden wir alle von den Superreichen ausgenommen.“