Bewaffnet die pakistanischen Arbeiter mit einem revolutionären sozialistischen Programm

Baut die pakistanische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale auf!

Von Marxist Voice
27. Januar 2011

Die World Socialist Web Site veröffentlicht hier den ersten Teil einer Erklärung der pakistanischen Gruppe Marxist Voice (Marxistische Stimme), die ihr politisches Einverständnis mit den Perspektiven des Internationalen Komitees der Vierten Internationale erklärt und begonnen hat, mit dem IKVI zusammenzuarbeiten, um die Weltpartei der sozialistischen Revolution aufzubauen.

Die Erklärung von Marxist Voice stellt einen wichtigen Fortschritt in der Entwicklung einer revolutionären Perspektive für die Arbeiter Pakistans und Südasiens dar. Sie basiert auf einer Auswertung der wesentlichen strategischen Erfahrungen der südasiatischen Arbeiterklasse und zeigt, dass es für die Arbeiter Pakistans notwendig ist, ihre Kämpfe auf die Strategie der permanenten Revolution auszurichten.

Die WSWS ruft ihre pakistanischen Leser auf, die Erklärung der Marxist Voice zu lesen und zu verbreiten. Beteiligt euch an der Ausarbeitung der Perspektiven und des Programms für den Aufbau einer revolutionären sozialistischen Partei der Arbeiterklasse Pakistans! Kommentare und Fragen an die Adresse der World Socialist Web Site sind willkommen.

Pakistan befindet sich in einer akuten politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise. Diese Krise hängt eng mit der Weltkrise des Kapitalismus zusammen, die sich mit großer Geschwindigkeit über die ganze Welt ausbreitet und verheerende Auswirkungen auf das Leben von Milliarden Menschen hat. Das kapitalistische Weltsystem ist von unlösbaren Widersprüchen beherrscht, die im 20. Jahrhundert schon zum Horror zweier Weltkriege und zum Faschismus geführt haben, wie auch zu einer nahezu endlosen Reihe regionaler militärischer Konflikte und zu brutalen Polizeistaaten und Militärdiktaturen.

Dieser Entwicklung liegen einerseits der Widerspruch zwischen der Weltwirtschaft und dem System der Nationalstaaten, andererseits der zwischen der gesellschaftlicher Produktion und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln zugrunde. Aus diesen Widersprüchen folgt nicht nur die Gefahr eines weiteren furchtbaren Weltkriegs. Vielmehr erzeugen sie auch die objektiven Bedingungen für den Sturz des Kapitalismus – die Vergesellschaftung der Industrie und der Finanzwirtschaft, die Globalisierung des Wirtschaftslebens und die gesellschaftliche Macht der arbeitenden Klasse.

Mit dieser Erklärung beginnt Marxist Voice den Kampf für den Aufbau der pakistanischen Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI), der Weltpartei der sozialistischen Revolution, die Leo Trotzki, einer der beiden Führer der Russischen Revolution von 1917, gegründet hat. Er kämpfte gegen die privilegierte Bürokratie, die sich die Macht über die sowjetischen Arbeiter anmaßte und letztlich in der UdSSR den Kapitalismus wieder herstellte.

Ein Umstand beleuchtet die Dringlichkeit, das IKVI aufzubauen, besonders deutlich: Die Arbeiterklasse wird zwar durch die weltweite kapitalistische Krise in Kämpfe gezwungen, aber überall ist sie sofort damit konfrontiert, dass die Organisationen, die einst behaupteten, in ihrem Namen zu sprechen, in Wirklichkeit das kapitalistische System verteidigen. Diese Organisationen sind die Überreste stalinistischer Parteien, die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften. Sie versuchen heute, die Arbeiter nach nationalen Grenzen voneinander zu spalten.

63 Jahre "unabhängiger" bürgerlicher Herrschaft: Bilanz einer sozialen Katastrophe

Nach 63 Jahren unabhängiger bürgerlicher Herrschaft herrschen in Pakistan fürchterliche Armut und Verelendung und groteske soziale Ungleichheit. Die Infrastruktur zerfällt, die Spannungen zwischen nationalen und ethnischen Gruppen wachsen, und eine Militärkaste, die von den USA ausgehalten wird, hat die Macht im Griff.

Mehr als 45 Millionen Menschen in Pakistan leben unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, und fast Zweidrittel der Bevölkerung hat weniger als zwei US-Dollar pro Tag zum Leben. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen leiden 60 Prozent aller Kinder in Pakistan an Entwicklungsstörungen. Aber eine winzige, korrupte herrschende Klasse aus Großkapitalisten, Gutsbesitzern, hohen Bürokraten, Offizieren und ihren Geschäftspartnern plündert im Bündnis mit ausländischem Kapital den Reichtum des Landes aus.

Dutzende von Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Schulen, Gesundheitsversorgung, sanitären Anlagen oder Elektrizität, weil die Armut so groß ist und der Staat unfähig ist, eine grundlegende Infrastruktur zu schaffen. Abschaltungen der Elektrizitätsversorgung sind zu einer chronischen Behinderung des wirtschaftlichen- und gesellschaftlichen Lebens geworden. Bildung und Gesundheitsversorgung werden besonders stark vernachlässigt. Dadurch sind auch die Armen darauf angewiesen, sich an private Einrichtungen und die islamischen, fundamentalistischen Wohlfahrtsverbände und Koranschulen zu wenden. Insgesamt gibt der pakistanische Staat weniger als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung und Gesundheit aus.

Weil grundlegende Einrichtungen auf dem Land fehlen, und weil die Landbevölkerung dort ihren Lebensunterhalt nur unter großen Schwierigkeiten meistern kann, nimmt die Migration aus den ländlichen Gebieten in die urbanen Zentren immer mehr zu. Siebzig Prozent der ländlichen Bevölkerung besitzen kein Land und müssen als abgabenpflichtige Pächter oder Landarbeiter ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Die Bevölkerung in den Städten muss sich ebenfalls mit fehlender Infrastruktur und Arbeitslosigkeit herumschlagen.

Die pakistanische Bourgeoisie ist unfähig, die Probleme der Massen in fortschrittlicher Weise zu lösen. Daher nimmt sie in steigendem Maße Zuflucht zu anti-indischem Chauvinismus, islamischem Fundamentalismus und ethnischen Spaltungen, um die soziale Wut in reaktionäre Bahnen zu lenken und die Arbeiterklasse zu spalten. Pakistan ist zu einer Brutstätte sektiererischen Hasses und religiösem Obskurantismus geworden.

Einst behaupteten die Gründer des pakistanischen Staates, ein nationales muslimisches Heimatland werde Südasiens Muslimen Schutz und Sicherheit bieten. Dies hat sich als grausame Täuschung herausgestellt. Pakistan befand sich fast immer im Krieg oder am Rande von Kriegen, und der größte Teil seiner Bevölkerung lebt in äußerster wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn nicht extremer Armut.

In jüngster Zeit hat die herrschende Klasse Pakistans die US-Invasion und Besetzung Afghanistans logistisch unterstützt. Dies hat zu einem Bürgerkrieg geführt, mit dem das pakistanische Militär seit 2004 den Nordwesten des Landes überzieht. Dabei setzt es das ganze Arsenal antidemokratischer Methoden ein: Bombenteppiche, kollektive Bestrafung, Verschleppung und Massenhinrichtungen. Washington hat freie Hand, Drohnenraketen gegen Gegner der Okkupation Afghanistans abzuschießen, wobei eine große Anzahl Zivilisten ums Leben kommen.

Der AfPak-Krieg ist nur das letzte Stadium einer drei Jahrzehnte langen Intervention Washingtons und der pakistanischen herrschenden Elite in Afghanistan, die für die Bevölkerung Afghanistans und Pakistans gleichermaßen verheerend war. Wie schon früher stärkt auch der heutige Krieg die Herrschaft des Militärs und des US-Imperialismus über Pakistan, was letztlich nur den islamischen Fundamentalismus nährt.

Die pakistanische Demokratie war eine Totgeburt. Während der Hälfte der Existenz des Landes hat das Militär regiert. Aber auch in den Perioden sogenannter ziviler Herrschaft behielt das Militär weitgehend die Macht. Die krisengeschüttelte pakistanische Bourgeoisie ist vom Militär abhängig, um ihr Eigentum und die territoriale Einheit des pakistanischen Staates zu bewahren. Sie hat das Militär zum Dreh- und Angelpunkt ihrer reaktionären geopolitischen Rivalität mit Indien und ihrer Söldnerallianz mit dem US-Imperialismus gemacht.

Die gegenwärtige Krise

Seit langem ist Pakistan durch tiefe Klassengegensätze und ethnisch-nationale und Stammesspaltungen zerrissen. Durch die zehnjährige Beteiligung an den kriminellen Bestrebungen der USA, Afghanistan zu unterjochen, wurde Pakistan weiter destabilisiert. Mit dem Ausbruch der kapitalistischen Weltkrise im Herbst 2008 wurde der Boden für die pakistanische Bourgeoisie bereitet, das Wachstum der Wirtschaft zu fördern und ausländische Investoren zu ködern, indem sie verarmte Landarbeiter als billige Arbeitskräfte am Weltmarkt anbietet.

Vor anderthalb Jahren kam die Koalitionsregierung unter Führung der Pakistanischen Volkspartei (PPP) an die Macht, welche die in Auflösung begriffene Musharraf-Diktatur ablöste. Doch die öffentliche Begeisterung darüber ist rasch verflogen.

Die von der PPP geführte Regierung missachtete die Wünsche und Hoffnungen der Bevölkerung und verstärkte noch die Politik des Militärregimes, das sie abgelöst hatte. Sie lieferte entscheidende Unterstützung für den Krieg in Afghanistan, trieb die Privatisierungen und andere „Marktreformen" voran, setzte die Spardiktate des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch und erhöhte wiederholt den Militärhaushalt.

Mit Unterstützung und Ermutigung durch Washington baut das Militär seine Vorherrschaft immer mehr aus. Heute hat General Kiyani, der frühere stellvertretende Oberkommandierende von General Pervez Musharraf, die Führung der Armee inne. Vor einigen Wochen haben Präsident Zardari und Premierminister Gilani wiederholt vor verfassungswidrigen Verschwörungen zum Sturz der Regierung gewarnt. Gleichzeitig haben sie dem Druck des Militärs nachgegeben und Kiyanis Kommando um drei Jahre verlängert. Doch es hilft ihnen alles nichts. Wie die New York Times und die Washington Post berichten, überlegen sich die Vereinigten Staaten, die Forderung des Militärs nach einer „Neuorganisation" der pakistanischen Regierung zu unterstützen.

Im letzten Sommer haben die Überschwemmungen im Indus-Tal auf erschreckende Weise die Korruption, Gleichgültigkeit und Inkompetenz der pakistanischen Bourgeoisie bloßgestellt. Zwei Monate nach Beginn der Flutkatastrophe hatte die Mehrheit der 20 Millionen betroffenen Menschen noch keinerlei Hilfe durch die Regierung erhalten.

Die Verheerungen der Flut waren weitgehend von Menschen verursacht. Zunächst war die Infrastruktur des Hochwasserschutzes völlig unzureichend. Dies war eine Folge der Unfähigkeit der herrschenden Eliten, die Wirtschaft zusammenhängend und vernünftig zu entwickeln. Stattdessen geben sie den Militärausgaben Vorrang. Millionen Menschen wurden ihrer Heimat beraubt, weil die Dämme nach den Bedürfnissen der amerikanischen und pakistanischen Militärführer und ihres AfPak-Krieg manipuliert worden waren, wie auch nach den Interessen der großen Landbesitzer und ihrer politischen Verbündeten.

Die Fluten haben die bereits bestehende Wirtschaftskrise verschlimmert, und die Bourgeoisie ist entschlossen, die Last der Krise den Arbeitern und Handwerkern Pakistans aufzuladen. In den letzten Jahren ist der Lebensstandard abgesackt, da die Preise für Nahrungsmittel und Energie stiegen. Aber die Regierung und der IWF bestehen darauf, dass alle Subventionen für Strom, Treibstoff und Erdgas im laufenden Haushaltsjahr gestrichen werden. Das wachsende Haushaltsdefizit soll eingedämmt und die Sozialausgaben erneut gekürzt werden.

Wie auch bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti vom Januar 2010 beabsichtigt das internationale Kapital, die Überschwemmung als Gelegenheit zu nutzen, um den Wiederaufbau zu Gunsten des Kapitals zu gestalten. Dies wird aus Verlautbarungen vom IWF, der Weltbank und der pakistanischen Elite deutlich. Die von der PPP geführte Regierung hat erklärt, dass die durch die Fluten zerstörte Infrastruktur durch Private-Public-Partnership Organisationen wieder hergestellt werden soll. Durch diesen Trick werden dem Großkapital weltweit staatliche Gelder zur Verfügung gestellt, die ihm fette Profite garantieren, während eine wirkungsvolle Versorgung der Gesellschaft vernachlässigt wird.

Im letzten Jahr gab es überall in Pakistan wachsende öffentliche Protestaktionen, Hungeraufstände und Streiks. Jetzt kommt es täglich wegen der fehlenden Hilfe für die Flutopfer, den Stromabschaltungen, Preissteigerungen und verschiedensten weiterer Probleme zu Demonstrationen. Dass die pakistanischen Arbeiter den Kampf aufnehmen, kündigte sich bei den Massendemonstrationen gegen die Stromabschaltungen in Faisalabad und den wiederholten Streiks der Telekommunikationsbeschäftigten von der PTCL an. Das verspricht, die politische Situation entscheidend zu verändern.

Die herrschende Klasse zeigt sich zunehmend besorgt. Führende Zeitungen und Politiker warnen immer wieder vor drohenden sozialen Explosionen. Diese Gefahr von unten veranlasst die pakistanische Bourgeoisie, sich umso enger der Armee und dem US-Imperialismus an den Hals zu werfen und ethnische und Stammesspaltungen anzustacheln.

Der pakistanischen Bevölkerung stehen grundlegende soziale und demokratische Rechte zu. Dazu gehören die Gleichberechtigung der Frauen, Bildungseinrichtungen, sanitäre Anlagen und Arbeitsplätze, die Abschaffung der Kinder- und Sklavenarbeit, etc. Die Erfüllung all dieser elementaren Hoffnungen erfordert die Beseitigung des Großgrundbesitzes, die Zerschlagung des von den USA gestützten Sicherheitsapparats und die Überführung von Banken und der wichtigsten Industrien unter die demokratische Kontrolle der Arbeiter und Werktätigen. Diese Maßnahmen können nur verwirklicht werden, indem eine Arbeiter- und Bauernregierung an die Macht gebracht wird, die das Schicksal der Werktätigen Pakistans und Südasiens mit den Klassenkämpfen der internationalen Arbeiterklasse verbindet, um dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten.

Für diesen Kampf muss eine neue revolutionäre Partei der Arbeiterklasse aufgebaut werden. Eine solche Partei muss ihr Programm und ihre Perspektive auf die Lehren aus den strategischen Erfahrungen der Arbeiterklasse der Welt gründen, der die Arbeiter in Pakistan und ganz Südasien angehören.

Die Teilung Indiens und die Unterdrückung der demokratischen Revolution

Die Entstehung Indiens und Pakistans 1947 bedeutete nicht Freiheit, sondern die Unterdrückung der demokratischen, antiimperialistischen Revolution durch die kommunalistisch (d.h. ethnisch-religiös) gespaltene Bourgeoisie Indiens und Pakistans in Zusammenarbeit mit dem britischen Imperialismus.

Unmittelbar nach der Teilung kam es zu einer Orgie der Gewalt, bei der etwa zwei Millionen Menschen getötet wurden und zwölf bis vierzehn Millionen aus ihrer Heimat fliehen mussten. Der lebendige Organismus des Subkontinents wurde zerstückelt und mehrfach aufgeteilt. Die Bengalen, Punjabis, Kashmiris usw wurden gespalten. Staatsgrenzen wurden erzwungen, die der wirtschaftlichen, historischen und kulturellen Logik widersprachen und bis heute widersprechen.

Weit entfernt davon, das "kommunalistische Problem" zu lösen, hat die Teilung es verfestigt, indem kommunale Spaltungen in der Staatsstruktur Südasiens festgeschrieben wurden. Die Teilung hat einen reaktionären geopolitischen Konflikt zwischen Indien und Pakistan hervorgebracht, der zu drei erklärten Kriegen und zahllosen kriegerischen Auseinandersetzungen und zur Vergeudung lebenswichtiger wirtschaftlicher Ressourcen geführt hat. Heute droht der Bevölkerung Südasiens ein Atomkrieg, der katastrophale Folgen für die Weltbevölkerung hätte.

Die Teilung hat die imperialistische Beherrschung Südasiens erleichtert, da dadurch eine rationale wirtschaftliche Entwicklung, einschließlich der Wasserwirtschaft, behindert wurde. Ein politischer Mechanismus wurde geschaffen, der die USA und andere Großmächte in die Lage versetzte, einen Staat und seine herrschende Elite gegen einen anderen auszuspielen. Heute ist Südasien die am wenigsten wirtschaftlich integrierte Region der Erde.

Das kommunalistische Projekt Pakistan entsprach den käuflichen Interessen von Teilen der muslimischen Zamindaren (Großgrundbesitzern) und Kapitalisten Südasiens. Diese hatten innerhalb der britischen Kolonialordnung Privilegien ergattert, indem sie sich als „Repräsentanten der Muslime" andienten. Sie sorgten dafür, dass verschiedene muslimische Volksgruppen (kriegerische Rassen) der britischen Armee als Kanonenfutter dienten.

Die Muslimliga war eine Eliteorganisation, die für ihre Missachtung von Arbeitern, Bauern und Handwerkern berüchtigt war, aus denen heute wie damals die große Mehrheit der südasiatischen Moslems besteht. Die Liga suchte offen die Gönnerschaft des britischen Imperialismus und erhielt sie.

Letztendlich aber war für den Erfolg der Teile-und-Herrsche-Strategie des britischen Imperialismus und für die Teilung selbst vor allem der indische National Congress verantwortlich. Die Kongresspartei war die wichtigste Partei der aufstrebenden indischen Bourgeoisie. Zwar trat sie für die Einheit von Hindus und Moslems ein, dennoch stand die Kongresspartei auf Grund ihrer Klassenposition dem Kampf für die Einheit der Massen Südasiens feindlich gegenüber. Es lag ihr fern, die Massen auf der Grundlage ihrer gemeinsamen Klasseninteressen gegen die gemeinsame Unterdrückung durch die Kolonialherrschaft, die Zamindare und die Kapitalisten zu mobilisieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fürchtete sie die wachsenden Kämpfe der Arbeiter und Bauern in Indien. Die antiimperialistische Bewegung nahm immer mehr den Charakter eines Aufstands an, und die Kongresspartei war verzweifelt bemüht, den vom britischen Imperialismus geschaffenen Staatsapparat in den Griff zu bekommen, um ihre bürgerliche Herrschaft zu stabilisieren. Daher ließ sie rasch Schlüsselfragen ihres Programms fallen, wie beispielsweise die Forderung nach einer verfassungsgebenden Versammlung, die auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechts gewählt werden sollte, und ihre Ablehnung des Dominion-Status. Sie schloss sich vielmehr den Plänen der Muslimliga und der Briten für die Teilung des Subkontinents an. Tatsächlich wurde die Kongresspartei zum höchst vehementen und beständigen Befürworter der Teilung. Sie bestand darauf, Südasien aufzuteilen, und forderte sogar die Teilung des Punjab und Bengalens.

Dieser Verrat wurde sehr durch die stalinistische Kommunistische Partei Indiens (KPI) erleichtert. Unter dem Einfluss der Bürokratenkaste, die der sowjetischen Arbeiterklasse die Macht entrissen hatte, verfolgte die KPI in den zwei Jahrzehnten vor der Unabhängigkeit und Teilung einen opportunistischen Kurs, der die Vorherrschaft der Kongresspartei in der antiimperialistischen Bewegung sehr stärkte. Die Grundlage dafür war die menschewistisch-stalinistische Theorie der Zwei-Stadien-Revolution. Dieser Theorie folgend, wandten sich die Stalinisten im Kampf gegen den britischen Kolonialismus gegen jeden Versuch, der Kongresspartei die Führung streitig zu machen. In den letzten Jahren der britischen Herrschaft verfolgten sie gegenüber der Muslimliga eine ähnliche Linie. Damit verliehen sie der Forderung nach einem kommunalistischen Pakistan Legitimität und sandten KPI-Kader in die Muslimliga. Von 1945 bis 1947, als die Kongresspartei und die Muslimliga miteinander auf Kriegsfuß standen, rief die KPI die rivalisierenden bürgerlichen Parteien auf, sich zusammenzuschließen und ihre „Verantwortung" in der Führung der nationalen Revolution zu übernehmen.

Die Spaltung Indiens bestimmte die Art von "Freiheit" und "Unabhängigkeit", wie sie im bürgerlichen Indien und Pakistan verkörpert sind – und bestimmt sie noch heute. Dabei handelte es sich keineswegs um eine Anomalie, es war nur die blutigste und offensichtlichste Konsequenz davon, dass die antiimperialistische Revolution abgewürgt worden war.

Der neue Staat verteidigte den Reichtum der Zamindaren, Fürsten und Großunternehmer und schützte deren Eigentum und Privilegien. Er behielt die wichtigsten Institutionen und Gesetze des britischen Kolonialstaates bei und verabschiedete nur eine Handvoll magerer, unbedeutender Reformen, um die kapitalistische Entwicklung zu erleichtern.

Sechs Jahrzehnte später ist noch keines der dringenden demokratischen und sozialen Probleme der Massen gelöst. Im Gegenteil, sie wurden immer schlimmer, indem Großgrundbesitz, Kastenunterdrückung und andere feudale Überreste sich immer mehr mit der kapitalistischen Ausbeutung verflochten.

Die Hälfte der Armen der Welt lebt auf dem Subkontinent. In keiner Region der Welt gibt es einen größeren Anteil Unterernährter an der Bevölkerung. Weder der indische noch der pakistanische Staat geben mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Gesundheitsversorgung aus.

Wegen der reaktionären Logik der Teilung und der indisch pakistanischen Rivalität ist keine Region der Welt weniger wirtschaftlich integriert als der Subkontinent.

Aus dieser Erfahrung der Teilung und den sechs Jahrzehnten der "unabhängigen" bürgerlichen Herrschaft in Südasien muss die Arbeiterklasse weitreichende Schlussfolgerungen ziehen. Die imperialistische Unterdrückung und das Erbe des Kolonialismus, sowie die verspätete kapitalistische Entwicklung Südasiens können nur durch eine sozialistische Revolution unter Führung der Arbeiterklasse überwunden werden. Es ist die einzige Möglichkeit, die reaktionäre staatliche Struktur Südasiens aufzubrechen.

Schlüsselerfahrungen der pakistanischen Arbeiterklasse

Eine Untersuchung der wesentlichen Erfahrungen der pakistanischen Arbeiterklasse führt zu zwei zentralen Schlussfolgerungen:

Im ersten Jahrzehnt der Existenz Pakistans, d.h. in der Zeit vor Beginn der offenen Militärherrschaft 1958, versuchten die südasiatischen muslimischen Kapitalisten, Zamindars [Großgrundbesitzer] und Politiker aus dem Norden und Nordwesten, ein politisches System und eine Verfassung zu schaffen, die ihnen eine privilegierte wirtschaftliche und politische Position im neuen Staat garantierte und den Willen der Mehrheit der Bevölkerung konterkarierten. Sie waren es, die an der Spitze der Bewegung für die Schaffung von Pakistan gestanden hatten.

Urdu, eine Sprache, die von weniger als zehn Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, wurde als einzige offizielle nationale Sprache durchgesetzt. Dem Bengalischen, der Sprache der Mehrheit der Pakistaner und praktisch aller Ostpakistaner, wurde ein offizieller Status verweigert. Auch wurde Ostpakistan ein auch nur halbwegs angemessener Anteil an den Staatsausgaben und Entwicklungsgeldern vorenthalten. Als Studenten in Ostpakistan dagegen rebellierten, wurden sie unterdrückt. Daraus entstand ein Kreislauf aus Protesten und staatlicher Unterdrückung, der 1971 in einer brutalen militärischen Offensive mündete. Dabei kamen Hunderttausende Bengalis ums Leben. Im Ergebnis wurde Ostpakistan als Bangladesch von Pakistan abgespalten.

Die Verweigerung elementarer demokratischer Rechte ging Hand in Hand mit der Unterordnung der pakistanischen Bourgeoisie unter den Imperialismus. Kaum war Pakistan gegründet, als seine neuen Herrscher begannen, das Land als imperialistisches Bollwerk anzupreisen, zuerst als Stellvertreterstaat in Asien für Großbritannien, und als sich Großbritannien für diese Rolle als zu schwach erwies, für die USA.

Das amerikanisch-pakistanische Bündnis wurde 1954 in das US-Pakistan Mutual Defense Assistance Agreement und in die SEATO and CENTO-Verträge gegossen. Es ermutigte die pakistanische Elite zu ihrer reaktionären geopolitischen Rivalität mit Indien und begünstigte den Aufstieg des Militärs zur stärksten staatlichen Institution, die immer stärkere politische Ambitionen entfaltete. Inmitten tiefer fraktioneller Spaltungen in der herrschenden Elite und einer wachsenden Welle von Arbeiter- und Bauernkämpfen ergriff das Militär unter Ayub Khan 1958 zum ersten Mal die Macht.

Die Stalinisten akzeptierten von Anfang an die Legitimität des Systems kapitalistischer Nationalstaaten, das durch die Teilung Indiens geschaffen worden war. Die Unfähigkeit der krisengeschüttelten pakistanischen Regierung, grundlegende Bürgerrechte zu verteidigen, eine Landreform durchzuführen und die anderen demokratischen und sozialen Bedürfnisse der Massen zu befriedigen, diente den Stalinisten als neues Argument dafür, dass Bündnisse mit den so genannten progressiven Teilen der Bourgeoisie notwendig seien. Im Namen des Widerstands gegen das reaktionäre Konzept eines einheitlichen Westpakistan gingen die Stalinisten Bündnisse mit regionalen bürgerlichen Eliten wie der National Awami Party (NAP) ein. Um ihre Politik der Klassenzusammenarbeit besser verfolgen zu können, spaltete sich die KPP 1968 in zwei Parteien auf, eine für Westpakistan und eine für Ostpakistan.

1968-69 betraten die pakistanischen Arbeiter als Teil einer starken Offensive der internationalen Arbeiterklasse mit Macht die Bühne. Dem ging eine Periode wirtschaftlichen Wachstums voraus, dessen Früchte fast ausschließlich der kleinen kapitalistischen Elite und den Günstlingen Ayub Khans zugute kam. Zusammenstöße zwischen Studenten und der Diktatur bildeten den Katalysator für Proteste und Streiks der Arbeiterklasse. Aber die Furcht vor der wachsenden Kraft und Militanz der Arbeiterklasse veranlasste das Militär schließlich dazu, den verhassten Ayub Khan in die Wüste zu schicken und das Kriegsrecht zu verhängen. Gleichzeitig versprach es, die ersten Wahlen in der Geschichte des Landes einzuleiten.

Zulfikar Ali Bhutto, Abkömmling einer feudalen Familie und unzufriedener Minister in der Regierung Ajub Khans, konnte deswegen mit seiner neu gegründeten Pakistanischen Volkspartei (PPP) als Führer der Opposition gegen die Militärherrschaft in Westpakistan auftreten. Auf der Linken gab es ein gähnendes politisches Vakuum. Die verschiedenen stalinistischen Parteien waren alle in der einen oder anderen Weise in die politischen Strukturen des Regimes integriert. Die Maoisten waren die kriecherischsten von allen. Sie folgten der Linie des chinesischen stalinistischen Regimes unter dem Vorsitzenden Mao und bezeichneten den Diktator Ayub Khan als „progressiven Autokraten“, weil er sich für die kapitalistische Industrialisierung einsetzte und ein diplomatischer Bündnispartner Pekings war.

Zeit ihres Bestehens war die PPP eine bürgerliche Partei, die sich sozialistisch klingender populistischer Rhetorik bediente, um die Massen für ein Programm nationaler kapitalistischer Entwicklung zu gewinnen und, was genau so wichtig war, zu verhindern, dass die Arbeiterklasse der politischen Kontrolle der Bourgeoisie entglitt. Sie vertrat einen starken pakistanischen Nationalismus und befürwortete „islamischen Sozialismus“ – eine religiös-kommunalistische, nationalistische Ideologie. Diese verband sie mit einigen Reformen, vor allem der Verstaatlichung von Teilen der Industrie, womit die kapitalistische Entwicklung vom Staat unterstützt werden sollte. Das Programm ähnelte dem der indischen Kongresspartei und vieler anderer, unabhängig gewordener bürgerlicher Staaten in Asien und Afrika.

Die Stalinisten passten sich der PPP sofort an und stärkten ihren Anspruch, einen brauchbaren Weg in den sozialen Fortschritt zu weisen. Besonders Pro-Peking-Gruppen wie der Studentenverband National Students Federation forderten Arbeiter und andere sozialistisch gesinnte Elemente auf, in die PPP einzutreten und sie aufzubauen.

Praktisch von Anfang an machte Bhutto die Grenzen seiner Opposition gegen die herrschende Fraktion der pakistanischen Bourgeoisie klar. Er arbeitete mit dem pakistanischen Militär und der Staatsbürokratie im Kampf gegen die bengalische bürgerliche Opposition unter Scheich Mujibur Rahman zusammen und unterstützte die üble militärische Unterdrückung des bengalischen Volkes.

Bhutto übernahm im Dezember 1971 die Präsidentschaft, nachdem die pakistanische herrschende Klasse im indisch-pakistanischen Krieg von 1971 eine schmähliche Niederlage erlitten und Ostpakistan/Bangladesch verloren hatte. Schon im Herbst 1972 geriet die PPP-Regierung besonders in Karatschi in scharfen Konflikt mit der Arbeiterklasse.

Gewerkschafter, die für ihre Opposition gegen das Militärregime im Gefängnis gesessen hatten, fanden sich schon bald unter Bhutto erneut im Gefängnis wieder. Es wurde eine Landreform beschlossen, aber, wie ein Historiker schrieb: „Hinter den vielen Worten blieb praktisch alles beim Alten… Wie 1959 wurde schließlich nur eine geringe Menge Land verteilt“ (Talbot, Pakistan: eine moderne Geschichte).

Die Diktatur von General Zia ul-Haq, der Bhutto 1977 stürzte und dann seine Ermordung durch die Justiz organisierte, wird zu Recht als wichtiger Wendepunkt in der Geschichte Pakistans gesehen.

Zia führte das islamische Recht ein und arbeitete eng mit den islamischen Fundamentalisten von Jamat-i-Islami zusammen. Er beraubte Frauen ihrer Grundrechte und führte mittelalterliche Strafen für verschiedene Vergehen ein. Für Zia war die Islamisierung eine Rechtfertigung seiner diktatorischen Herrschaft, sie erlaubte ihm, das zunehmend diskreditierte pakistanisch-nationale Projekt wiederzubeleben. Er förderte fundamentalistische Institutionen und Parteien, die als reaktionäres Bollwerk gegen die Arbeiterklasse und die Linke dienen konnten.

Mit der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Dezember 1979 wurde das militärische Zia-Regime zu einem Dreh- und Angelpunkt für die erneute militärisch-diplomatische Offensive der USA gegen die UdSSR. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater der USA, Zbigniew Brzezinski, gibt inzwischen zu, dass Washington durch seine Unterstützung für die Mudschaheddin die Invasion bewusst provoziert hatte. Auch die saudische Monarchie schwang sich zu einem wichtigen Förderer des Zia-Regimes, der Intervention von CIA und ISI in Afghanistan und Zias reaktionärer Islamisierungskampagne auf, die sie mit ihrer eigenen, Aufklärungs-feindlichen, wahabitischen Ideologie anreicherte.

Die Politik des Zia-Regimes zeitigte dauerhaft katastrophale Folgen für das pakistanische Volk. Aber es ist wichtig zu verstehen, dass der populistische bürgerliche Demagoge Zulfikar Ali Bhutto den Weg für Zia bereitete, und nicht nur deswegen, weil er ihn über die Köpfe dienstälterer Generale hinweg zum Armeechef machte. Bhutto führte auch die Allianz mit Washington weiter und trug seinen Teil dazu bei, das Militär zu rehabilitieren und seine Rolle bei der blutigen Niederschlagung des nationalistischen Aufstands in Belutschistan anzuerkennen. Er ermutigte die religiöse Rechte und gab vielen ihrer reaktionären Forderungen nach. Zum Beispiel verfügte er, dass die Ahmadis keine Moslems seien, er machte den muslimischen Sabbath zum Feiertag und er verbot den Alkohol. Die Verfassung von 1973 verschaffte dem Islamin Pakistan viel weitergehende Privilegien als die Verfassung Ayub Khans. Auch um sich die Unterstützung der reaktionären Scheichs Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten zu sichern, betonte Bhutto den islamischen Charakter Pakistans. Mit Bhuttos Segen bot das pakistanische Militär Gulbuddin Hekmatyar und anderen islamistischen Gegnern der afghanischen Regierung unter Mohammed Daoud Zuflucht und logistische Unterstützung.

Es gibt auffällige Parallelen zwischen der Rolle, die Bhutto in Pakistan, Indira Gandhi in Indien und Madame Bandaranaike in Sri Lanka damals spielten. Mit dem Ende des kapitalistischen Nachkriegsbooms nahm der Klassenkampf rapide zu. Unter diesen Bedingungen versuchten sie alle, die Arbeiterklasse und unterdrückten Massen durch pseudosozialistische Rhetorik und populistischen Nationalismus an die Bourgeoisie zu fesseln. Anfänglich führten sie beschränkte Reformen ein, gerieten aber bald in direkte Konfrontation mit der Arbeiterklasse und unterdrückten die Opposition mit Notstandsmaßnahmen und anderen autoritären Methoden.

Nachdem diese Regimes die Herausforderung von links mittels Populismus und Unterdrückung unter Kontrolle gebracht hatten, verloren sie alle 1977 innerhalb von fünf Monaten ihre Macht. Die bürgerliche Politik machte eine scharfe Rechtswende. Im Fall von Indira Ghandi nahm diese Entwicklung die Form an, dass Ghandi selbst diese Wende verkörperte, als sie 1980 wieder an die Regierung kam. Diese Regierungen hinterließen ein dauerhaft reaktionäres Erbe: ihren „linken“ Populismus, der mit Chauvinismus und Appellen an nationale und religiös-kommunalistische Identität angereichert war. Das war die Saat für die spätere Eskalation ethnisch-kommunalistischer Politik in den 1980er Jahren in ganz Südasien.

Stalinisten und Maoisten spielten eine entscheidende Rolle dabei, die Arbeiterklasse daran zu hindern, diese scheinbar linken Regimes herauszufordern. Sie weigerten sich, die Arbeiterklasse als unabhängige politische Kraft gegen das PPP-Regime und gegen die Pakistanische Nationalallianz (PNA) zu mobilisieren, die 1977 als eine von Rechten dominierte Opposition gegen Bhutto entstand. Die PNA nahm an der Wahl von 1977 als Koalition teil, der die NAP (die aus juristischen Gründen in Nationale Demokratische Partei umbenannt wurde), die rechte Pakistanische Muslim Liga und die fundamentalistischen islamischen Parteien angehörten. Nach den Wahlen organisierten sie eine Welle von regierungsfeindlichen Protesten, die dazu beitrugen, Zias Putsch den Weg zu bereiten.

Die Kommunistische Partei Indiens (KPI) war Koalitionspartner von Indira Ghandis Kongresspartei, sogar während der Zeit des Notstands von 1975-77. Die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten) (KPM) ordnete die Arbeiterklasse der bürgerlichen Opposition zur Kongresspartei unter und unterstützte schließlich die Übernahme der Regierung durch die Janata-Partei, einer ad hoc Koalition von Kongress-Gegnern, zu der auch die Hindu-Suprematisten von der Jana Sangh gehörten. Die Naxaliten (Maoisten) weigerten sich, gegen die Kontrolle der stalinistischen Parlamentsparteien über die Arbeiterklasse anzukämpfen. Sie propagierten einen auf die Bauern gestützten Guerillakampf („einen langen Volkskrieg“) als den eigentlichen revolutionären Kampf, anstelle des Kampfs für sozialistisches Bewusstsein in der Arbeiterklasse und für die politische Unabhängigkeit und die führende Rolle der Arbeiterklasse. Wie die KPI und die KPM wandten sich auch die Naxaliten offen gegen die sozialistische Revolution. Sie propagierten den Block der vier Klassen unter Führung der Bauern, dem auch „patriotische“ Elemente der Bourgeoisie angehörten, um die nationale, demokratische, d.h. kapitalistische Revolution zu vollenden.

Afghanistan liefert ein weiteres tragisches Beispiel für die politischen Katastrophen, in welche die stalinistisch-nationalistische Politik in Südasien führt. Die afghanische Revolution von 1978 verdiente diesen Namen nicht. Als ihr langjähriger Verbündeter, der afghanische Prinz und Politiker Daoud, sich gegen sie wandte und sie zu unterdrücken begann, reagierten die afghanischen Stalinisten von der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) praktisch mit einer Palastrevolte. Trotz erbitterter Rivalitäten untereinander hofften alle Fraktionen der PDPA, ein progressives bürgerliches Regime durch Reformen von oben und unter dem Schutz der stalinistischen Sowjetbürokratie installieren zu können. Sie unterschätzten völlig den Widerstand der Großgrundbesitzer und Stammesführer, anderer Teile der afghanischen Elite und vor allem der pakistanischen herrschenden Klasse und des Imperialismus gegen das Projekt. Weil sie selbst von afghanischem Nationalismus durchdrungen waren, waren sie nicht in der Lage, an die Arbeiter Pakistans, Indiens und der Welt zu appellieren, und reagierten auf die Ränke des US-Imperialismus mit politischen Rückzügen und brutaler Repression.

Die Zia ul-Haq Diktatur traf auf massiven Widerstand, vor allem 1983 in der Provinz Sind. Die Armee musste drei Divisionen und Kampfhubschrauber einsetzen, um einen Bauernaufstand niederzuschlagen. Fünf Jahre später endete die Diktatur abrupt mit Zias Ermordung. Aber es hatte schon zahlreiche Anzeichen gegeben, dass sein Regime sich schnell dem Ende näherte. Die sowjetische Bürokratie hatte mit dem versprochenen völligen Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen, wodurch Zia für den amerikanischen Sicherheitsapparat drastisch an Wert verlor. Breite Teile der pakistanischen Bourgeoisie und selbst des Militärs sahen die Diktatur inzwischen eher als Belastung, besonders ihre spalterische und destabilisierende Islamisierungskampagne. Die Islamisierungskampagne führte nicht nur zu religiösen Auseinandersetzungen, sondern zusammen mit dem Konzept einer „starken“ Zentralregierung nährte sie zentrifugale Tendenzen im pakistanischen Staat und machte die Armee zur Zielscheibe des Volkszorns.

Die Stalinisten versuchten, den Widerstand der Arbeiterklasse gegen die Zia-Diktatur der PPP und ihrer Bewegung für die Wiederherstellung der Demokratie (MRD) unterzuordnen. Ihre Perspektive wurde von Tariq Ali geteilt, dem einstigen pablistischen Führer und heutigen Propagandisten der Labour Party von Pakistan. In den 1980er Jahren arbeitete Ali lange Jahre praktisch als inoffizieller Berater Benazir Bhuttos. Er schrieb auch ihre Rede, die sie 1986 in Lahore hielt, als sie nach der Ermordung ihres Vaters durch das Regime zum ersten Mal wieder die Möglichkeit zu einem öffentlichen Auftritt erhielt.

Pakistans offizielle Linke schürte Illusionen in die PPP und ist nicht nur für ihr Handeln nach ihrer erneuten Regierungsübernahme 1989 mitverantwortlich, sondern auch für die politische Konfusion und Desorientierung über die Rolle der PPP bei den Privatisierungen und anderen rechten Marktreformen.

Die Politik der mehrfach wechselnden, kurzzeitigen Regierungen der PPP und der von Nawaz Sharif geführten Pakistanischen Muslim Liga (PML) unterstreichen ihren grundlegend gleichen Klassencharakter. Beide setzten Strukturprogramme des IWF durch, betrieben die Nuklearwaffenfähigkeit Pakistans und billigten die Unterstützung des pakistanischen Militär- und Geheimdienstapparats für die Taliban und ihre Machtübernahme in Kabul. Heute streiten sich PPP und PML (Nawaz) darüber, wem das Verdienst für den Triumph des pakistanischen Atomwaffenprogramms gebührt.

Musharrafs Putsch vom Oktober 1999 wurzelte in wichtigen Veränderungen in der Weltpolitik nach dem Ende des Kalten Kriegs. Das Militär war erzürnt, dass Sharif dem Druck der USA nachgegeben hatte und die pakistanische Armee aus dem Kargil-Gebirge im indischen Teil Kaschmirs abzog. Die amerikanische Haltung war in dem Wunsch begründet, engere Beziehungen zu Indien zu knüpfen, das jetzt nicht mehr in der Allianz des Kalten Krieges mit der Sowjetunion gefangen war.

Weniger als zwei Jahre später war Musharraf selbst gezwungen, amerikanischem Druck nachzugeben. Die USA drohten, Pakistan “ins Steinzeitalter zurückzubomben”, wenn es sich nicht grundlegend strategisch umorientiere: Islamabad sollte seine Unterstützung für das Taliban-Regime in Kabul aufgeben und die amerikanische Invasion in Afghanistan logistisch unterstützen.

Wie schon früher ziehen die pakistanische Elite und besonders das Offizierscorps wirtschaftlichen und geopolitischen Nutzen davon, den Handlanger für amerikanische Aggression zu spielen. Aber der Afghanistankrieg bedeutet auch eine Krise für die pakistanische Bourgeoisie, weil er größere Teile des Landes in den Bürgerkrieg stürzt. Und was noch wichtiger ist: Das Hegemoniestreben der USA in Asien bringt die ganze Region in Unruhe und verleiht alten geopolitischen Konflikten eine unvorhergesehen, explosive Dimension, nicht zuletzt der indisch-pakistanischen Rivalität. Macht und Einfluss in Afghanistan sind zu einem wichtigen Streitpunkt zwischen Neu Delhi und Islamabad geworden. Die amerikanische Zielsetzung, China durch eine „globale strategische Partnerschaft“ mit Indien einzudämmen, bedroht die langfristigen strategischen Interessen der pakistanischen Bourgeoisie.

Zuerst begrüßte die PPP Musharrafs Putsch, genauso wie Nawaz Sharif die wiederholten undemokratischen Manöver des Militärs und der Staatsbürokratie begrüßt hatte, mit denen sie in den zehn Jahren zuvor versucht hatten, PPP-Regierungen zu entmachten. Erst als der General deutlich machte, dass er entschlossen war, die PPP von allen Machtpositionen fernzuhalten, sprach auch sie sich gegen die Diktatur aus. Ein großer Teil der Führung der PML (jetzt PML-Q) stellte sich hinter das Musharraf-Regime.

Die Opposition von PML-N und PPP war völlig kraftlos. Benazir Bhutto erklärte mehrfach, die PPP werde keine Massenbewegung gegen die Diktatur führen oder unterstützen. Sie fürchtete, dass eine solche Bewegung der Kontrolle der Parteien der Bourgeoisie entgleiten und in eine radikale Richtung gehen könnte. Stattdessen umwarb sie die Bush-Regierung und versprach, dass eine PPP-Regierung den Afghanistankrieg entschlossener vorwärtstreiben werde als die Militärregierung. Schließlich schlossen Bhutto und die PPP unter Vermittlung der Bush-Regierung einen Handel mit Musharraf. Washington fürchtete, dass der Krieg und die sozioökonomische Krise zu sozialen Unruhen führen könnten.

Weil die offizielle politische Opposition kaum wahrzunehmen war, fand die wachsende Unzufriedenheit der städtischen Mittelschichten und breiter Teile der Bourgeoisie mit dem Musharraf-Regime ihren Ausdruck in der Bewegung der Richter. Diese lehnten sich gegen die Entlassung des Obersten Richters Chaudry auf und forderten – nach Musharrafs zweitem Putsch am 3. November 2007 – die Wiedereinsetzung aller gesäuberten Richter.

Die Frage muss beantwortet werden, warum die Bewegung der Richter die politische Bühne monopolisierte. Warum war die Arbeiterklasse nicht in der Lage, die Diktatur herauszufordern und alle Arbeiter hinter sich zu mobilisieren? Auch hier spielte die Politik der so genannten Linken eine zentrale und hinderliche Rolle.

Es gab tatsächlich eine ganze Menge Opposition in der Arbeiterklasse gegen die Privatisierungen, Entlassungen und die Liberalisierungspolitik der Musharraf-Regierung. Besonders wichtig war der Streik von Mai-Juni 2005 bei der Pakistan Telecom (PTCL). Aber diese Kämpfe wurden von den Gewerkschaften mit Unterstützung der Linken auf reine Lohnkämpfe reduziert und nicht zur Speerspitze einer Bewegung der Arbeiterklasse gemacht, und so verraten.

Als sich die Bewegung der Richter entwickelte, jubelten Organisationen wie die Labour Party Pakistans (LPP) und die International Socialists (Pakistan) [eine Schwesterorganisation der britischen SWP], sie hoch. Wenn sie sich überhaupt an die Arbeiterklasse wandten, dann mit der Aufforderung, die Richter zu unterstützen, und nicht, als unabhängige Kraft mit einem eigenen Programm einzugreifen. Ein solches Programm müsste beinhalten, die Massen gegen die Diktatur und die wirtschaftlichen Interessen des Imperialismus zu mobilisieren

Die LPP und die International Socialists feierten Richter Chaudry, einen langjährigen Ja-Sager des Militärregimes, und wiederholten die Behauptung der Richter, der Kampf für eine „unabhängige Justiz“ sei die Nagelprobe für den Kampf für Demokratie. Sie verschleierten damit die grundlegende Wahrheit, dass die gesellschaftliche Funktion der pakistanischen Justiz darin besteht, Gesetze durchzusetzen, welche die völlig von Ungleichheit geprägte gesellschaftliche Ordnung garantieren. Sie propagieren die verzerrte Definition der Richter von Demokratie. Diese Definition reduziert sich auf die Beachtung einiger bürgerlicher Freiheiten und akzeptiert die kapitalistische Ordnung in Pakistan und die unterwürfige Beziehung zu den USA und zum Weltimperialismus.

Es war abzusehen, dass die Bewegung der Richter, unabhängig vom Mut und von der Ernsthaftigkeit einiger Teilnehmer, praktisch zu einem Instrument der Kampagne der PML-N und des Militärs zur Destabilisierung der PPP-Regierung werden würde.

Es ist längst überfällig, dass die pakistanische Arbeiterklasse eine neue Seite ihrer Geschichte aufschlägt und eine wirklich revolutionäre Partei aufbaut. Die führenden Elemente der Arbeiterklasse müssen sich dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale zuwenden und ihre Kämpfe auf das trotzkistische Programm der Permanenten Revolution stützen.

Permanente Revolution heute

Die Permanente Revolution ist eine einheitliche Theorie der Weltrevolution, die sich aus dem globalen Charakter des Kapitalismus, des Kampfs für den Sozialismus und der Arbeiterklasse ergibt. Sie wurde von den beiden russischen Revolutionen von 1917 bestätigt, die ihren Höhepunkt in der Machteroberung der russischen Arbeiterklasse unter Führung der bolschewistischen Partei in einem revolutionären Bündnis mit der armen Bauernschaft fanden. Die Bolschewiki verstanden sie als Speerspitze der sozialistischen Weltrevolution. Trotzki betonte, dass es in der modernen Epoche keine demokratische Revolution getrennt von der sozialistischen Revolution geben könne. In den unterentwickelten und unterdrückten Ländern können die demokratischen und nationalen Aufgaben nur von einer proletarischen Revolution verwirklicht werden, die weltweit ausgedehnt wird.

Auf der Grundlage einer sozioökonomischen Untersuchung der Weltlage und des Klassenkampfs erklärte Trotzki in der Theorie der Permanenten Revolution, dass die Bourgeoisie in den Kolonien und anderen Ländern mit verspäteter kapitalistischer Entwicklung nicht mehr die revolutionäre Rolle spielen könne, die die Bourgeoisie in Westeuropa und Nordamerika in der Entstehungszeit des Kapitalismus gespielt hatte. Die koloniale Bourgeoisie hänge zu sehr vom Imperialismus ab, habe schon zu große Angst vor der Arbeiterklasse und verfüge über zu geringe Mittel, um einen revolutionären Kampf führen zu können, mit dem sie Aufgaben hätte erfüllen können, die im 17., 18. und 19. Jahrhundert historisch mit dem Aufstieg der Bourgeoisie verbunden waren: Bodenreform, nationale Einheit und Demokratie. Die Bourgeoisie stellt sich heute vielmehr unerschütterlich auf die Seite des Imperialismus und der Reaktion, um ihre eigenen Klassenprivilegien zu sichern.

Der gleiche historische Prozess hat aber die Arbeiterklasse auf die Bühne der Geschichte gebracht, deren gesellschaftliches Gewicht angesichts ihrer entscheidenden Rolle in der modernen Industrie und im Transportwesen wesentlich größer ist als ihre relative Größe. Dazu trägt auch ihre organische Verbindung mit der Weltarbeiterklasse bei. Ihr Klasseninteresse besteht in der Mobilisierung aller Unterdrückten gegen den Imperialismus und den Kapitalismus.

Die Ausdehnung der Billiglohnproduktion in Asien in den letzten Jahrzehnten hat die kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse gestärkt und die Arbeiterklasse enorm anwachsen lassen. Dadurch ist auch das revolutionäre Potential der Arbeiterklasse gewaltig gestiegen. Somit ist die Lösung der demokratischen Aufgaben noch viel stärker mit dem Angriff auf das kapitalistische Eigentum und dem Kampf für den Sozialismus verbunden.

Die Permanente Revolution ist im Negativen von den Bourgeoisien Indiens und Pakistans bestätigt worden, die die demokratische Revolution verraten haben, indem sie den britischen Imperialismus bei der Teilung des Subkontinents aktiv unterstützten. 1939 verurteilte Trotzki in einem offenen Brief an die indischen Arbeiter nur wenige Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Stalinisten, weil sie die Arbeiterklasse mit dem Argument an den Indischen Nationalkongress fesselten, dass die Bourgeoisie die historisch legitime Führerin der demokratischen Revolution sei.

“Die indische Bourgeoisie”, bekräftigte Trotzki, “ist unfähig einen revolutionären Kampf zu führen. Sie ist eng mit dem britischen Kapitalismus verbunden und von ihm abhängig. Sie zittert um ihr Eigentum. Sie fürchtet die Massen. Sie sucht den Kompromiss mit dem britischen Imperialismus um jeden Preis und versucht die indischen Massen mit der Hoffnung auf Reformen von oben einzulullen. Der Führer und Prophet dieser Bourgeoisie ist Ghandi. Ein falscher Führer und ein falscher Prophet!

Nur das Proletariat kann ein kühnes, revolutionäres Agrarprogramm vertreten, Dutzende Millionen Bauern aufwecken und mobilisieren und in den Kampf gegen die einheimischen Unterdrücker und den britischen Imperialismus führen. Das Bündnis der Arbeiter und armen Bauern ist das einzig ehrliche, verlässliche Bündnis, das den endgültigen Sieg der indischen Revolution sicher stellen kann.“ [aus dem englischen]

Die stalinistische Bürokratie usurpierte die Arbeitermacht in der UdSSR und suchte im Namen des “Sozialismus in einem Land” ihren Frieden mit der internationalen Bourgeoisie zu machen. Parallel dazu belebte sie die menschewistische Zwei-Stadien-Theorie der Revolution wieder. Diese Theorie rechtfertigt die Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Bourgeoisie, überlässt ihr die Führung der Massen und akzeptiert den Anspruch der Bourgeoisie auf die Macht mit der Begründung, dass sie die historische Führerin der demokratischen Revolution sei. Die Existenz ungelöster brennender demokratischer Fragen sei der Beweis, dass die Bedingungen für den Sozialismus noch nicht reif seien. Die stalinistischen kommunistischen Parteien sind dieser Linie Jahrzehnte lang gefolgt. Auf diese Weise haben sie die politische Vorherrschaft der Bourgeoisie ermöglicht und die Massen zwangsläufig verraten. Dieser Kurs führte zu einer ganzen Reihe von Katastrophen: In China 1927, in Spanien in den 1930er Jahren, im Iran 1953 und erneut 1979, in Indonesien 1965 vor dem Massaker Suhartos an den Linken. Die Liste könnte man endlos weiterführen.

Die Aufgaben der demokratischen Revolution werden in Pakistan und Südasien nicht von der Bourgeoisie erfüllt, auch nicht im Bündnis mit ihr oder mit Teilen von ihr, sondern nur im revolutionären Kampf gegen die Bourgeoisie und die kapitalistische Ordnung. Die Arbeiterklasse wird nur dann als Befreier der unterdrückten Massen auftreten und ein revolutionäres Bündnis der Arbeiter und Bauern führen können, wenn sie unablässig dafür kämpft, die Massen vom politischen Einfluss der Bourgeoisie zu befreien. Sie muss die Unterordnung der Bourgeoisie unter den Imperialismus entlarven. Sie muss deren Gleichgültigkeit gegenüber den sozialen und demokratischen Bestrebungen der Massen aufzeigen und ihr korruptes Streben nach den eigenen Klasseninteressen entlarven. Eine Arbeiter- und Bauernregierung wird revolutionäre demokratische Maßnahmen, vor allem eine radikale Umgestaltung der Klassenbeziehungen auf dem Land, mit der Enteignung der Wirtschaft und anderen sozialistischen Maßnahmen verbinden. Ins Zentrum ihrer Strategie wird sie den Kampf für die Mobilisierung der Weltarbeiterklasse zur Abschaffung des Kapitalismus stellen. Die Voraussetzung für jede dauerhafte Lösung der Probleme der Massen in Südasien und weltweit ist die Befreiung vom Imperialismus und kapitalistischer Ausbeutung, die nur als Teil der sozialistischen Weltrevolution möglich ist. Dieser Prozess beginnt im nationalen Rahmen, entfaltet sich international oder permanent und findet seine Vollendung erst mit dem endgültigen Sieg der neuen Gesellschaft auf dem ganzen Planeten.

Für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Südasien!

Es ist für die Arbeiter Pakistans und Indiens unabdingbar, sich über die Teilungsgrenze hinwegzusetzen und ihre Kämpfe gegen ihren gemeinsamen Feind zu koordinieren – die rivalisierenden Bourgeoisien des Subkontinents und den Weltimperialismus. Um einen vierten, potentiell nuklearen, indisch-pakistanischen Krieg zu verhindern, um die Geißel des Kommunalismus zu beseitigen und um eine rationale und gerechte wirtschaftliche Entwicklung für die arbeitende Bevölkerung zu ermöglichen, ist der Sturz des reaktionären Staatensystems notwendig, das die nationale Bourgeoisie und der Imperialismus 1947 geschaffen haben. Die Völker des Subkontinents müssen sich freiwillig zu den Vereinigten Sozialistischen Staaten Südasiens zusammenschließen.

Die Bourgeoisien Indiens und Pakistans haben sich als völlig unfähig erwiesen, wirkliche Gleichheit zwischen den zahlreichen ethnischen Gruppen zu schaffen, aus denen ihre Länder bestehen. Die politischen Wunden von 1947-48 haben zu eitern und zu faulen begonnen. In Pakistan, Indien, Sri Lanka und Bangladesch hat die Bourgeoisie die Anfachung und Manipulation ethnisch-nationaler und kommunaler Unterschiede zum integralen Bestandteil ihres Systems politischer und ideologischer Kontrolle gemacht. Das hat zahllosen ethnisch-nationalistischen und sezessionistischen Bewegungen Nahrung gegeben.

Diese Bewegungen knüpfen an berechtigte demokratische und sozioökonomische Probleme an. Aber ihre nationalistischen Programme, mit denen sie sich voneinander abgrenzen, entsprechen in keiner Weise den Interessen der Arbeiterklasse in Südasien. Die Balkanisierung des Subkontinents erleichtert nur die imperialistische Manipulation und Unterdrückung, schafft neue Hindernisse für die Vereinigung der Arbeiterklasse und institutionalisiert ethnische Politik und Konflikte.

Die national-separatistischen Bewegungen artikulieren die Bestrebungen von Teilen der Bourgeoisie für ihren eigenen, ethnisch definierten Staat. Sie erhoffen sich dadurch bessere Möglichkeiten für die Bereicherung und Ausbeutung in Zusammenarbeit mit dem internationalen Kapital. Ihre Politik ist nicht darauf gerichtet, das reaktionäre Nationalstaatensystem zu beseitigen, dass 1947-48 in Südasien durchgesetzt wurde, sondern auf einige Grenzkorrekturen. Um das zu erreichen, üben sie Druck auf die herrschende bürgerliche Fraktion aus, oftmals mittels Aufstandsbewegungen, und buhlen um die Gunst der Großmächte. Mit Parolen wie „Belutschistan für die Belutschis“, „Karatschi für die Mohajirs“ und „Sind für die Sindhis“ grenzen solche Bewegungen Arbeiter anderer Nationalitäten aus, setzen sie chauvinistischer Gewalt aus und treten für ausgrenzende Sprach- und Bürgerrechtsgesetze ein.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale erklärt dazu:

"In Indien und China stellte sich den nationalen Bewegungen [der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts] die fortschrittliche Aufgabe, grundverschiedene Völker in einem gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus zu vereinen - eine Aufgabe, die unter der Führung der nationalen Bourgeoisie nicht gelöst werden konnte. Die neue Form des Nationalismus macht sich stark für einen Separatismus nach ethnischen, sprachlichen und religiösen Kriterien, mit dem Ziel, existierende Staaten im Interesse lokaler Ausbeuter aufzuspalten. Solche Bewegungen haben nichts mit dem Kampf gegen den Imperialismus zu tun, und genauso wenig verkörpern sie in irgendeiner Weise die demokratischen Bestrebungen der unterdrückten Massen. Sie dienen dazu, die Arbeiterklasse zu spalten und den Klassenkampf in einen ethnischen Bürgerkrieg umzulenken."

Die zahllosen nationalen Konflikte, die Südasien heute plagen, haben ihre Ursache in dem Scheitern der unabhängigen bürgerlichen Herrschaft und des bürgerlichen Nationalismus. Als eine der unvollendeten Aufgaben der demokratischen Revolution ist auch die Abschaffung aller Formen nationaler Unterdrückung mit der sozialistischen Revolution verbunden. Entsprechend dem Programm der Permanenten Revolution muss die Arbeiterklasse der Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum die Führung der arbeitenden Massen entreißen. Sie muss zeigen, dass wirkliche Demokratie, nationale Gleichheit und Unabhängigkeit vom Imperialismus nur durch den Sturz der herrschenden bürgerlichen Ordnung erreicht werden können.

Die Arbeiter Pakistans müssen den prinzipiellen Kampf studieren, den die Socialist Equality Party (vormals Revolutionary Communist League) in Sri Lanka zur Verteidigung des tamilischen Volkes geführt hat. Seit ihrer Gründung 1968 hat die srilankische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale den Kampf gegen singhalesischen Chauvinismus ins Zentrum ihres Kampfs für die Einheit und politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse gestellt.

Die SEP hat gegenüber der srilankischen Bourgeoisie und ihrem Staat in dem dreißigjährigen Bürgerkrieg in Sri Lanka eine defätistische Haltung eingenommen. Sie hat immer den sofortigen und bedingungslosen Rückzug aller srilankischen Truppen und Sicherheitskräfte aus dem Norden und Osten der Insel gefordert und tut das auch heute noch. Das ist Bestandteil ihres Kampfes, die singhalesische und tamilische Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen gegen die kapitalistische Herrschaft und für die Vereinigten Staaten von Sri Lanka und Tamil Eelam zu mobilisieren.

Die SEP macht für den Bürgerkrieg die singhalesische Bourgeoisie und den Imperialismus verantwortlich und erklärt unermüdlich den Zusammenhang zwischen der Unterdrückung der Arbeiterklasse und der tamilischen Minderheit. Aber sie hat sich auch immer gegen den Versuch der LTTE gewandt, einen neuen kapitalistischen Nationalstaat im Norden und Osten der Insel mittels eines ethnischen Krieges und diplomatischer Manöver mit der indischen Bourgeoisie und den imperialistischen Mächten zu schaffen.

Letztlich liegt der Grund für die Niederlage des Aufstands der LTTE in ihren selbstsüchtigen Klasseninteressen. Sie konnte und wollte sich nicht an die singhalesische und internationale Arbeiterklasse wenden; das Polizeiregime, das sie in den Gebieten der Insel unter ihrer Kontrolle errichtete, stieß die tamilische Bevölkerung zunehmend ab. Diese Erfahrung ist eine erneute Bestätigung, dass nur die sozialistische Revolution ein tragfähiges Programm für die Durchsetzung der demokratischen Rechte der Völker Südasiens ist.

Die pakistanische herrschende Klasse führt gegenwärtig wieder einmal eine blutige Aufstandsbekämpfung in Belutschistan durch. Gleichzeitig steht sie den elenden Bedingungen der Massen in Pakistans ärmster Provinz völlig gleichgültig gegenüber. Beide Bedingungen, dieser Krieg und die Gleichgültigkeit, provozieren unvermeidlich den Widerstand in der Bevölkerung gegen den pakistanischen Staat. Aber die Belutschi-Nationalisten, die größere Autonomie für ihre Provinz oder sogar Unabhängigkeit und ein Groß-Belutschistan fordern, bieten in keiner Weise eine progressive Alternative. Ihre reaktionären Ziele äußern sich darin, dass sie Arbeiterorganisationen nach nationalen Kriterien voneinander trennen und Arbeiter anderer Nationalitäten, z.B. Pundschabis, Hazara und Paschtunen, gewaltsam angreifen. Die Sprecher der Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA), Brahamdagh Bugti und Nawabzda Hiar Biyar Marri, erklären sich ausdrücklich bereit, die Unterstützung der USA oder anderer imperialistischer Mächte zu akzeptieren. Führer der BLA verweisen darauf, dass das Kosovo im Nato-Krieg von 1999 gegen Jugoslawien seine Unabhängigkeit mit Hilfe der USA und anderer imperialistischer Mächte errungen habe. Dies führen sie als Beispiel an, wie ein unabhängiges Belutschistan geschaffen werden könnte.

Die Staatsgrenzen Pakistans, die sich unter anderem auf die vom britischen Imperialismus willkürlich gezogene Durand-Linie stützen, haben das paschtunische Volk gespalten. Seine Vereinigung und wirkliche Befreiung erfordert einen Sieg über den Imperialismus auf einer Klassengrundlage. Die Unterstützung der paschtunischen Nationalisten der Awami National Party für die US-Invasion Afghanistans und den AfPak-Krieg hat dazu beigetragen, die ganze Region in Blut zu tränken.

Die Kaschmirfrage hat eine besondere Bedeutung wegen der Rolle, die sie in der reaktionären staatlichen Rivalität zwischen Indien und Pakistan gespielt hat und weiterhin spielt. Die indische und die pakistanische Elite haben die Bevölkerung Kaschmirs gleichermaßen für ihre Zwecke missbraucht und unterdrückt. Als die indische Regierung die Staatswahlen in Jammu und Kaschmir 1987 offensichtlich fälschte, führte das zu einer Aufstandsbewegung. Pakistan ergriff umgehend die Gelegenheit, sich einzumischen, und unterstützte die spalterischsten und islamistischsten Elemente unter den Aufständischen, weil es diese für am leichtesten manipulierbar hielt.

Die Arbeiterklasse muss die territorialen Ansprüche beider Staaten entschieden zurückweisen. Alle von Neu Delhi und Islamabad vorgeschlagenen Lösungen – Kaschmirs Anschluss an Pakistan, eine Spaltung des indischen Bundesstaates Jammur und Kaschmir nach ethnischen Gesichtspunkten, größere Autonomie, usw. - bedeuten die Fortsetzung der gleichen spalterischen Politik, die dem gegenwärtigen Konflikt zugrunde liegt, und werden nur zu neuen Spannungen führen. Die Arbeiterklasse muss auch die Forderung einiger kaschmirischer Nationalisten nach einem unabhängigen Kaschmir zurückweisen. Ein neuer kapitalistischer Nationalstaat in Südasien entspricht lediglich den Spekulationen von Teilen der kaschmirischen Elite, dass ein unabhängiges Kaschmir seine geostrategische Bedeutung angrenzend an Indien, Pakistan, China und Afghanistan und nicht weit von Russland, zu seinem Vorteil nutzen könne.

Die fortschrittliche Vereinigung des Volkes von Kaschmir und, noch allgemeiner, die Schaffung gleichberechtigter Beziehungen zwischen den zahllosen Volksgruppen in Südasien ist nur durch einen Kampf von unten unter Führung der Arbeiterklasse gegen die Spaltungen möglich. Er muss sich gegen die abgewirtschaftete bürgerliche Herrschaft richten und die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Südasien zum Ziel haben.

Gegen den AfPak-Krieg und die Besetzung Afghanistans! Zerschlagt die Achse Islamabad-Washington!

Die Arbeiterklasse muss sich kraftvoll gegen den reaktionären AfPak-Krieg wenden, der von den USA mit Unterstützung ihrer Nato-Verbündeten und der pakistanischen Bourgeoisie geführt wird, um Washingtons militärstrategische Präsenz in Zentralasien zu etablieren. Die Existenz der Sowjetunion hat die USA fast das ganze zwanzigste Jahrhundert über aus dieser Region ausgeschlossen. Doch haben Washington und die Wall Street auf diese Region ein Auge geworfen, weil sie über die zweitgrößten Ölreserven der Welt und andere wertvolle Bodenschätze verfügt, und weil sie an China, Russland und den Iran grenzt, alles potentielle Konkurrenten für die weltweite Dominanz der USA.

Die PPP und andere Vertreter der bankrotten liberalen Bourgeoisie Pakistans versuchen, Unterstützung für den AfPak-Krieg zu mobilisieren, indem sie ihn, im Sinne der Propaganda Bushs und Obamas, als einen Krieg gegen islamische Reaktion verkaufen möchten – nicht etwa einen amerikanischen Krieg, sondern einen „Krieg für Pakistan“ und für einen „moderaten Islam“. Das versuchen sie mit dem Hinweis auf diverse Gräueltaten der Taliban und mit ihnen verbündeter Milizen zu begründen.

Die Vorstellung, der US-Imperialismus und die pakistanische Bourgeoisie und ihr Militär- und Geheimdienstapparat könnten im Interesse der Demokratie handeln, wird von der ganzen Geschichte Pakistans widerlegt. Seit mehr als fünfzig Jahren ist der US-Imperialismus ein Partner des pakistanischen Militärs. Er war eine starke Stütze aller Militärdiktaturen und machte die Armee zur Stütze des Staates Pakistan und der amerikanisch-pakistanischen Allianz, gerade weil das Offizierscorps so isoliert von der Bevölkerung ist und ihr mit Feindschaft gegenübersteht.

Der AfPak-Krieg ist das direkte Ergebnis früherer Verbrechen des US-Imperialismus und der pakistanischen Bourgeoisie.

Seit 1978-79 drängte Washington Islamabad zehn Jahre lang, islamische Fundamentalisten in Pakistan und Afghanistan auszubilden und zu bewaffnen. Afghanistan sollte im reaktionären Kalten Krieg gegen die Sowjetunion zu einem wichtigen Schlachtfeld gemacht werden. Zwanzig Jahre später sah Washington in diesen Fundamentalisten ein Hindernis für sein Streben nach amerikanischer Hegemonie im ölreichen Zentralasien. Es brach einen Krieg vom Zaun, der inzwischen zehn Jahre andauert. Beide Male spielten das Leben und die demokratischen Rechte der pakistanischen und afghanischen Bevölkerung für den US-Imperialismus keine Rolle.

Die Tradition der pakistanischen Elite, ihre räuberischen Klasseninteressen mithilfe islamischer Fundamentalisten zu fördern, reicht noch viel weiter zurück, bis in die Tage der “Islam in Gefahr”-Kampagne Jinnahs und der Zusammenarbeit mit Teilen der Ulema bei der Agitation für die Teilung. General Zia institutionalisierte diese Politik, indem er rechte islamistische Parteien und ein Netzwerk fundamentalistischer Organisationen und Milizen förderte. Aber alle Flügel des politischen Establishments sind darin verwickelt, von der PML, deren Führer Nawaz Sharif ein Grabmahl für General Zia versprochen hat, um „seine Mission zu vollenden“, bis zur „islamisch-sozialistischen“ PPP.

Der Taliban-Aufstand in Pakistan nährt sich aus dem Zorn und der Abscheu der Paschtunen über die Untaten der Besatzungstruppen von USA und Nato. Die Taliban kümmern sich in gewisser Weise um den sozialen Unmut über Großgrundbesitz, Korruption der Herrschenden und Vernachlässigung und schlechte Behandlung der Bevölkerung. Diese grassieren in den zentral verwalteten Stammesgebieten schon seit der Unabhängigkeit Pakistans vor sechzig Jahren.

Die Arbeiterklasse darf nicht zulassen, dass die islamischen Fundamentalisten und ihre Förderer wie Hamid Gull im Militär- und Geheimdienstestablishment die Opposition gegen die Besetzung Afghanistans und den AfPak-Krieg monopolisieren.

Wenn die Arbeiterklasse die Opposition gegen den Krieg mit dringenden demokratischen und sozialistischen Maßnahmen verbindet, wird sie zur Führerin der pakistanischen Arbeiter und Unterdrückten werden und das Ansehen der islamischen Fundamentalisten dramatisch unterhöhlen. Solche Maßnahmen sind die Abschaffung des Großgrundbesitzes, die Auflösung von Pakistans Sicherheitsorganen und die Verstaatlichung der zentralen Wirtschaftseinheiten, um Arbeitsplätze und Sozialleistungen für alle zu gewährleisten.

Eine Bewegung unter Führung der Arbeiterklasse gegen den AfPak-Krieg würde auch der Bewegung gegen Krieg und Imperialismus unter den Arbeitern in Europa und Nordamerika einen starken Auftrieb geben und den Tag näher rücken lassen, an dem die Völker Afghanistans und Pakistans die Fesseln imperialistischer Unterdrückung abschütteln.

Baut die pakistanische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale auf!

Ein entscheidender Bestandteil des Kampfs für den Aufbau einer neuen revolutionären Partei der pakistanischen Arbeiterklasse ist die politisch-theoretische Entlarvung der pseudo-trotzkistischen Gruppen, die in den letzten zwanzig Jahren infolge des Zusammenbruchs der pakistanischen Maoisten und der Stalinisten von der KPP eine gewisse Bedeutung erlangt haben. Der Zusammenbruch der Stalinisten war in erster Linie die Folge der Liquidierung der Sowjetunion durch ihre politischen Ziehväter, die Kreml-Bürokratie. Aber der Bankrott der pakistanischen Stalinisten wurde auch an dem Debakel der PDPA-Regierung in Afghanistan offensichtlich und an der weiteren Rechtswendung der PPP, als sie 1989 erneut an die Regierung kam.

Pseudo-trotzkistische Gruppen wie The Struggle (Der Kampf) und die Labour Party Pakistans (LPP) sind von übelstem Opportunismus zerfressen und spielen eine abscheuliche Rolle. Sie hindern Arbeiter und sozialistisch gesinnte Jugendliche daran, sich dem wirklichen Trotzkismus zuzuwenden. Sie beuten Trotzkis Prestige als Stratege der sozialistischen Weltrevolution und unversöhnlicher Gegner des Stalinismus aus, um üble Manöver mit der Gewerkschaftsbürokratie und dem bürgerlichen Establishment durchzuführen, die sich gegen alles richten, für das Trotzki jemals gestanden hat.

Die Gruppe The Struggle, der pakistanische Ableger der International Marxist Tendency (IMT) [in Deutschland Der Funke] arbeitet seit über zwanzig Jahren als Sprecher für und Bestandteil der Pakistan Peoples Party (PPP), der Partei der herrschenden Klasse. Sie behauptet, die PPP sei die historische Partei der pakistanischen Arbeiterklasse, und die Arbeiter müssten dafür kämpfen, sie für ihr ursprüngliches, „sozialistisches“ Programm „zurückzugewinnen“. In Wirklichkeit fungierte die PPP bei den Massenunruhen Ende der 1960er Jahre als Instrument, um die Arbeiterklasse politisch an die Bourgeoisie zu fesseln. Das Gründungsprogramm der PPP stützte sich auf zwei Säulen: pakistanischen Nationalismus und „islamischen Sozialismus“. Es war ein politischer Betrug. Eine Kritik seiner populistischen Politik vom Standpunkt des Marxismus muss ein wesentlicher Bestandteil des Kampfs für die politische Unabhängigkeit und die führende Rolle der Arbeiterklasse sein.

Der zweitbekannteste Führer von The Struggle, Chaudry Manzoor Ahmed führte die Perspektive der Organisation kürzlich zu ihrer logischen reaktionären Konsequenz, als er mit der Partei brach, um umso offener als Agent der bürgerlichen PPP arbeiten zu können. Mehrere Dutzend weitere, darunter nach eigener Aussage mehrere “alte Führer”, folgten ihm. Fünf Jahre lang hatten The Struggle und die IMT Manzoor Ahmed als „Pakistans marxistischen Abgeordneten“ hochgejubelt. Manzoor war schon von 2002 bis 2008 Parlamentsabgeordneter der PPP. Heute verurteilen sie Manzoor als Handlanger Zardaris. Manzoor wurde auch zum Chef des „Volkssekretariats“ der PPP und zum Vorsitzenden ihrer Gewerkschaftsorganisation ernannt. Er hat sich inzwischen zu einem entschiedenen Befürworter der Privatisierungspolitik der Regierung gewandelt. Die Organisation The Struggle gesteht ein, dass Manzoor im Juni 2008 einen militanten Streik bei dem Telekommunikationskonzern PTCL schamlos verraten hat, als er noch führendes Mitglied ihrer Organisation war. Aber als Manzoor half, den Streik zu brechen, kritisierte The Struggle seine Rolle nicht öffentlich, weil die Gruppe und die IMT immer noch hofften, einen faulen Handel abschließen zu können. Ein solcher Deal hätte es ihm ermöglicht, einen hohen Posten in der Führung der PPP zu bekleiden und dennoch Mitglied ihrer Organisation zu bleiben. Solcherart sind die schmutzigen rechten Verbindungen, die The Struggle mit der Führung der pakistanischen Regierungspartei pflegt.

Die Labour Party Pakistans (die bei der pablistischen Internationale permanenten Beobachterstatus hat) ist Anfang der 1990er Jahre aus einer Abspaltung von The Struggle entstanden. Auch sie orientiert sich an Teilen des bürgerlichen Establishments, den Gewerkschaften, NGOs und dem Weltsozialforum. Sie betrachtet schon eine formale Verbindung zum Trotzkismus als nicht akzeptables Hemmnis für ihre Manöver mit dem politischen Establishment Pakistans und definiert sich deswegen selbst nicht als trotzkistische Partei.

Während Musharrafs Ausnahmezustand 2007 brüstete sich der wichtigste Führer der LPP, Faruk Tariq, eines freundschaftlichen Treffens mit Benazir Bhutto, bei dem er sie ermunterte, sich an die Spitze eines Anti-Musharraf-Bündnisses zu stellen, und ihr Ratschläge gab, wie sie Unterstützung in der Arbeiterklasse gewinnen könne. Im weiteren Verlauf trat die LPP dann der Demokratischen Allparteienbewegung (APDM) bei, deren Ziel es war, einen Boykott der Wahl von 2008 zu organisieren. Ihr gehörten auch die rechts-fundamentalistische Jamat-i-Islami, Imran Khans PTI und verschiedene nationalistische Parteien der Sindhis, Belutschis und Saraikis an. Die LPP gehörte übrigens zu den entschiedensten Protagonisten der Richter-Bewegung.

Die Organisation The Struggle, die LPP und mehrere kleine Gruppen sind politische Erben einer liquidatorischen Tendenz – des Pablimus –, die sich unter Bedingungen der Stabilisierung des Kapitalismus in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb der Vierten Internationale entwickelte. (Die wichtigsten Führer dieser Tendenz waren Michel Pablo, der Sekretär der Vierten Internationale in der unmittelbaren Nachkriegszeit, und Ernest Mandel.)

Beeindruckt von der Stärkung der stalinistischen Bürokratie der Sowjetunion als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs und von der Fähigkeit der Sozialdemokratie, welche der Arbeiterklasse unter Bedingungen schneller kapitalistischer Expansion gewisse materielle Errungenschaften vermittelte, erklärten die Pablisten die revolutionäre Perspektive Trotzkis für obsolet. Pablo erklärte rundheraus, die Reorganisierung der Arbeiterklasse unter Führung der Vierten Internationale sei im Kampf für den Sozialismus die „am wenigsten wahrscheinliche Variante“. Stattdessen würden, argumentierten die Pablisten, die stalinistische Bürokratie und andere feindliche Klassenkräfte unter dem Druck des Imperialismus von oben und der Massen von unten dazu getrieben, die Bourgeoisie zu enteignen, was dann zu „Jahrhunderten von deformierten Arbeiterstaaten“ führen werde.

Die Pablisten begannen, die stalinistischen und sozialdemokratischen Parteien und diverse kleinbürgerlich-nationalistische und radikale Bewegungen nicht mehr als politische Hindernisse für die revolutionäre Mobilisierung der Arbeiterklasse zu sehen, sondern als neue Instrumente für die Realisierung des Sozialismus. Es ging daher nicht mehr darum, diesen Organisationen die unabhängige Perspektive der Vierten Internationale entgegenzusetzen, sondern die Pablisten begannen, die Vierte Internationale in eine Pressure Group für die alten Führungen der Arbeiterklasse und die nationalen Bewegungen zu verwandeln. Die Pablisten sprachen den Stalinisten und den bürgerlichen Nationalisten eine historisch progressive Rolle zu und wiesen Trotzkis Auffassung über ihren konterrevolutionären Charakter zurück. Mit ihrer Perspektive, sich „in die Massenbewegungen zu integrieren“ begannen sie, die bestehenden trotzkistischen Parteien organisatorisch zu zerstören.

Die Implikationen dieser Perspektive, d.h. der Verwandlung trotzkistischer Parteien in Anhängsel der konterrevolutionären Arbeiterbürokratien und zweitrangigen Stützen der bürgerlichen Ordnung, traten bald in den politischen Ereignissen in Südasien zutage. Unter dem Schutz der Pablisten passte sich die Lanka Sama Samaja Party (LSSP) in Sri Lanka an den singhalesischen Populismus an, gab die Permanente Revolution zugunsten von gewerkschaftlichem und parlamentarischem Opportunismus auf und trat 1964 in eine bürgerliche Koalitionsregierung unter Madame Bandaranaike und ihrer Sri Lanka Freedom Party (SLFP) ein.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) wurde 1953 gegründet, um die echten Trotzkisten gegen die Pablisten zu sammeln. In den folgenden Jahrzehnten hat es einen hartnäckigen Kampf geführt, das Programm der sozialistischen Weltrevolution zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Es hat die World Socialist Web Site als sein politisches Organ geschaffen, um über die Kämpfe der Arbeiterklasse in aller Welt zu berichten, sie zu vereinen und politisch anzuführen. Mit seiner enormen Erfahrung aus den jahrzehntelangen Kämpfen zur Verteidigung marxistischer und trotzkistischer Prinzipien verkörpert das Internationale Komitee die Notwendigkeit für die Weltarbeiterklasse, ihre Kämpfe bewusst zu koordinieren und das verrottete kapitalistische System zu stürzen.

Die zentrale Aufgabe der Marxistischen Stimme (Marxist Voice) ist der Aufbau der pakistanischen Sektion des IKVI, einer trotzkistischen Vorhut der Arbeiterklasse, die in der Lage ist, in die spontanen Massenkämpfe der Arbeiterklasse einzugreifen, die Stalinisten, Opportunisten und die Gewerkschaftsbürokratie zu bekämpfen und politisch zu besiegen und die Arbeiter mit einem klaren, revolutionären Programm und einer Perspektive zu bewaffnen.

Marxist Voice ist 2001 aus einer Abspaltung von den IMT-The Struggle-Opportunisten entstanden. Wir haben uns von dieser Gruppierung abgespalten, weil sie die Arbeiterklasse an die bürgerliche PPP fesselte, ständig den demokratischen Zentralismus verletzte und organisatorischen Opportunismus praktizierte. Vor allem tat sie die amerikanische Invasion Afghanistans als nebensächliche Episode ab, obwohl sie Ausdruck des strategischen Vorstoßes des US-Imperialismus nach Zentralasien war.

Als Marxist Voice durch die World Socialist Web Site mit dem IKVI in Kontakt kam, war sie sofort von dessen internationalistischer Perspektive, seinem prinzipienfesten Herangehen an politische Fragen und seiner revolutionären Orientierung auf die Arbeiterklasse, auch die amerikanischen Arbeiter, angezogen. Im Verlaufe mehrerer Jahre gelangten wir immer mehr zur Überzeugung, dass der lange Kampf des IKVI gegen Opportunismus und für den Marxismus von überragender Bedeutung sei, und dass die Lehren dieses Kampfes den Arbeitern in Pakistan vermittelt werden müssten. Von besonderer Bedeutung ist der Kampf der RCL/SEP in Sri Lanka, das Programm der Permanenten Revolution zu entwickeln, der unter der Anleitung des IKVI geführt wurde.

Bei der Gründung der Vierten Internationale 1938 betonte Trotzki ihre Bedeutung für die Überwindung der Krise der revolutionären Führung der Arbeiterklasse. „Wir sind nicht“, erklärte Trotzki, „ eine Partei, wie andere Parteien… Unser Ziel ist die volle materielle und geistige Befreiung der Arbeiter und Unterdrückten durch die sozialistische Revolution. Niemand außer uns selbst wird sie vorbereiten, niemand außer uns wird sie leiten.“

Wir fordern alle Sympathisanten und Leser von Marxist Voice und alle Leser der World Socialist Web Site in Pakistan auf, diese Erklärung zu studieren, Mitglied bei uns zu werden und an dem Kampf zum Aufbau des IKVI teilzunehmen.