Professor Cole delektiert sich an Gaddafis Ermordung

Von Bill Van Auken
28. Oktober 2011

Der acht Monate währende Krieg der USA und der Nato gegen Libyen, der in einer barbarischen Belagerung der Mittelmeer-Küstenstadt Sirte und dem abscheulichen Lynchmord an dem gestürzten libyschen Machthaber Oberst Muammar Gaddafi gipfelte, wurde von Beginn an von einer Anzahl politischer Parteien unterstützt, die sich selbst als „links“ bezeichnen. Zu den Unterstützern gehört auch ein sozio-politisches Milieu innerhalb der oberen Mittelschicht, das die wichtigste Wählerschicht dieser Parteien bildet.

In den Vereinigten Staaten äußert sich dieses Phänomen in der Unterstützung, die solche Parteien und dieses Milieu der demokratischen Regierung von Präsident Obama zuteil werden lassen. Die Unterstützung bleibt selbst dann nicht aus, wenn diese Regierung militärische Aggressionskriege in der ganzen Welt führt und auf Attentate als politisches Instrument setzt.

Zu den prominentesten Vertretern dieser Tendenz gehört Professor Juan Cole, der an der Universität von Michigan Geschichte des Nahen Ostens lehrt. Er spielte sich als Experte für Libyen auf, während er unkritisch die Kriegspropaganda der Obama-Regierung und der Nato unterstützte.

Cole, der sich als selbst als “Linker” bezeichnet, spielte die Rolle eines partiellen Kritikers der erfunden Vorwände für den Irakkrieg der Bush-Regierung. Daher speist sich seine Reputation. Nachdem der Krieg losgetreten worden war, unterstützte er indessen die US-Invasion und behauptete, sie sei „die Opfer wert“ – inzwischen wuchsen sie auf etwa eine Million irakischer Leben an – , wenn die Welt dafür Saddam Hussein los würde.

In ähnlicher Weise erklärte Cole zu Beginn des Libyen-Krieges,“falls es gelingt, Gaddafis mörderisches Regime loszuwerden und die Libyer ein normales Leben führen können, ist es die Opfer an Leben und Gütern wert“. Er ergänzte: „Falls die Nato mich braucht, bin ich zur Stelle.“

Seine Schriften und Reden zum Libyen-Feldzug stellen die schmutzige Rechtfertigung eines Krieges dar, der ohne jeden Zweifel von den USA und den anderen Großmächten in Verfolgung von strategischen und Profitinteressen entfesselt wurde. Indem sie die Situation ausnutzten, die durch die Aufstände in den Nachbarländern Ägypten und Tunesien entstand, schürten sie bewusst Proteste in Libyen. Das Ziel war es, Bedingungen für einen Regimewechsel zu schaffen. Die Westmächte intervenierten in Libyen im Wesentlichen, um sich die riesigen Öl- und Gaslieferungen des Landes zu sichern und um zu verhindern, dass ihre Rivalen Russland und China hier Fuß fassen könnten.

Unerschütterlich leugnete Cole, dass der US-Imperialismus und seine westeuropäischen Verbündeten andere als die reinsten, den Schutz der Menschenrechte und der Zivilisten sowie die Förderung der Demokratie betreffende Gründe haben könnten, als sie in Libyen intervenierten.

Sein jüngster Artikel, den er “Gaddafis Volkstempel” betitelte, entlarvt, dass Cole sich immer heftiger und rücksichtsloser nach rechts bewegt.

Das seltsame Thema des Essays ist ein Vergleich der blutigen Belagerung von Sirte und des Meuchelmords an Gaddafi mit dem Massenselbstmord aus dem Jahr 1978 in Guyana, den Mitglieder des Volkstempels, angeführt von Jim Jones, begingen.

Worin entspricht Gaddafis Widerstand gegen den Feldzug der US und der Nato dem Massenselbstmord einer religiösen Sekte? Nach Cole war es „selbstmörderisch“, der unvermeidlichen Niederlage widerstehen zu wollen. Er stellt diesen Widerstand als „irrational“ und „fanatisch“ dar.

“Gaddafi wurde mehr als eine Gelegenheit geboten, ins Exil zu gehen,“ schreibt Cole, „aber er schlich sich davon in seine Heimatstadt Sirte, um einen letzten selbstmörderischen Widerstand zu leisten.“

Er macht die Streitkräfte, die ihrem libyschen Führer ergeben waren und die er als „seine Schergen mit glasigen Augen“ beschreibt, für die Zerstörung Sirtes verantwortlich. Und das, obwohl die Verwüstung der einstigen 120.000-Einwohner-Stadt bis auf rußgeschwärzte Ruinen und die Tötung und Verstümmelung unzähliger ihrer Bewohner die Folge des unablässigen Nato-Bombardements war, dem die Beschießung durch die Nato-unterstützten „Rebellen“ folgte.

Die USA und die Nato haben in Sirte genau die Art von Belagerung durchgeführt, die sie durch ihre Intervention zu verhindern vorgaben.

Den durch zahlreiche im Internet gepostete Mobiltelefonvideos dokumentierten Lynchmord an Gaddafi wischt Cole unter Berufung auf andere Berichte beiseite, nach denen der libysche Führer in einem „Feuergefecht“ starb oder beim Versuch zu fliehen getötet wurde.

Cole ignoriert die Nachrichten über Spannungen zwischen verschiedenen Regionen und den bewaffneten Milizen, die sie gebildet haben, – ebenso die Belege dafür, dass sowohl westliche Länder als auch arabische Golfstaaten diese anfachen – und beharrt darauf, dass der Libyen-Krieg ein „Sieg für die vierte Welle der Demokratisierung“ sei.

In Erwiderung auf den Artikel schrieb einer seiner Leser: „Ich lese nach wie vor Berichte über Rebellen, die Massaker an schwarzen Libyern verüben und auch, dass die Stadt Towerga [eine Stadt mit überwiegend schwarzer Einwohnerschaft im Süden Misratas] von der Landkarte ausradiert wurde. Können Sie dazu Stellung beziehen?“

Coles Antwort jagt einem einen Schauer den Rücken hinunter: “Es gibt nur sehr wenige schwarze Libyer…Das ist keine bedeutende Spaltung.“

In Wirklichkeit stellen die schwarzen Libyer gemeinsam mit den mehr als zwei Millionen schwarzafrikanischen Migrantenarbeitern, von denen zahlreiche seit vielen Jahren in Libyen leben, ein gutes Drittel der Bevölkerung dar. In seinem blutdürstigen Enthusiasmus über den imperialistischen Sieg ist Cole vollständig gleichgültig gegenüber dem Schicksal tausender wegen ihrer Hautfarbe getöteter, gefolterter und gefangen genommener Menschen.

Des Professors Schluss ist triumphalistisch und straft seine Behauptungen Lügen, dass die Menschenrechte der einzige Grund für den libyschen Krieg gewesen seien.

„Diejenigen Investitionskapitalbesitzer, die Libyen wegen solcher übertriebenen Bedenken [drohender Konflikte] übergehen, vertun eine große Chance“, schreibt er. „Die Nationale Übergangsregierung braucht jetzt unsere Unterstützung, und das neue, befreite Libyen wird sich an diejenigen erinnern, die ihm in diesen unsicheren Zeiten beiseite standen. Die Stiere laufen in Tripolitanien und der Cyrenaika.“

Mit anderen Worten: bei einem Regime, das von Gnaden Washingtons und der Nato an die Macht kommt, kann auf Ölgeschäfte unter weit lukrativeren Bedingungen als unter der gestürzten Regierung von Gaddafi gehofft werden sowie auf saftige Verträge für den Wiederaufbau der massiv durch die Nato-Bombardements zerstörten Infrastruktur.

Bemerkenswert und politisch bedeutsam ist hier die unverfrorene Identifikation eines Universitätsprofessors, der sich selbst als „links“ bezeichnet, mit imperialistischer Gewalt, Neokolonialismus und Mord.

Coles Schriften und Aktivitäten sind kennzeichnend für die Bewegung einer Schicht von Akademikern nach rechts, die durch das politische Klima in den Vereinigten Staaten und Westeuropa tief korrumpiert wurde. Ebenso trug hierzu ihr Aufstieg in eine gesicherte Stellung in der gehobenen Mittelklasse bei.

In Coles Schriften weht mehr als nur ein Hauch von Faschismus. Er begeistert sich an seiner Fähigkeit, sich bei den Mächtigen einzuschmeicheln. Er prahlt mit seinen Treffen mit dem Geheimdienst und Offizieren. Dadurch wird er in die Lage versetzt, eine gewisse Rolle, wenn auch nur indirekt, bei den Gewalt- und Mordaktionen des amerikanischen Imperialismus zu spielen. Bei Libyen glaubt er offensichtlich in seinem Element zu sein.

Unter den Bedingungen einer sozialen Krise, wachsender sozialer Polarisierung und aufkommenden Klassenkämpfen in Amerika und weltweit, hat eine solche Entwicklung tiefgehende historische Bedeutung.

In der Weimarer Republik der 1920er Jahre gab es nicht wenige deutsche Akademiker und Intellektuelle, die eine Entwicklung nach rechts begannen um ein Jahrzehnt später „Sieg Heil!“ zu brüllen. Leute wie Martin Heidegger und Carl Schmitt waren die prominentesten dieser Schicht, die gleichfalls eine kranke Faszination für die Gewalttätigkeit und das Morden des Nazismus empfand.

Bevor ein autoritäres Regime in Amerika an die Macht kommen kann, braucht die herrschende Elite die Dienste von Akademikern und Lumpenintellektuellen wie Cole, die hierfür die ideologischen Grundlagen legen und die öffentliche Meinung dahingehend zurichten, indem sie zu Verteidigern und Rechtfertigern der Verbrechen des Staates werden.

Cole hat sich in seiner Pose als „Mann der Linken“ mehr und mehr lächerlich gemacht. Bei einer zunehmenden Zahl von Menschen, die mit seiner Rolle vertraut sind, ruft die Nennung seines Namens politischen Ekel hervor. Seiner intellektuellen Reputation haftet, gelinde gesagt, ein unangenehmer Ruch an.