Weist den UAW Ausverkauf bei Ford zurück! Bildet Basiskomitees um Streikaktionen vorzubereiten!

Weist Niedriglöhne zurück und stellt alle Errungenschaften bei den Löhnen und Sozialleistungen wieder her!

Von von der Socialist Equality Party (USA)
13. Oktober 2011

Anhänger der Socialist Equality Party verteilen die folgende Erklärung an Ford-Arbeiter, in der die Ablehnung des neuen vierjährigen Tarifvertrags gefordert wird, der von der UAW auf den Weg gebracht wurde. Wir fordern alle Arbeiter auf, die Erklärung herunterzuladen und weiterzugeben.

Die Arbeiter bei Ford sollten sich jetzt organisieren, um den von der UAW unterzeichneten Tarifvertrag zurückzuschlagen. Sie sollten so die Führung im Kampf aller Autoarbeiter übernehmen, die Einführung eines Niedriglohnsystems zu verhindern und alle Errungenschaften bei der Entlohnung und den Sozialleistungen wiederherzustellen.

Während Ford Milliarden scheffelt und die Konten seiner Topmanager füllt, fordert UAW-Präsident Bob King von den Arbeitern, einem Tarifvertrag zuzustimmen, der die Zahl der schlecht bezahlten Niedriglohnarbeiter stark ansteigen lässt und den achtjährigen Lohnstopp für die schon angestellten Arbeiter fortschreibt. Bis zum Ende des Vier-Jahres-Vertrags bedeutet dies eine Senkung der Reallöhne um Tausende von Dollar für jeden Arbeiter.

Die Vereinbarung setzt auf dem UAW-GM Abkommen auf, durch das sich die Lohnkosten um nur 1 Prozent erhöhen. Das ist der kleinste Anstieg in vier Jahrzehnten. John Fleming, Fords amtierender Arbeitsdirektor, prahlte, dass vor dem Hintergrund des neuen Vertrags kein signifikanter Anstieg der Lohnkosten auf das Unternehmen zukomme.

Wie der GM-Vertrag setzt das Abkommen mit Ford auf Gewinnbeteiligung und “leistungsbezogene Prämien” an Stelle von Lohnerhöhungen. Zusätzlich zu der Tatsache, dass die Arbeiter so um zukünftige Rentenzahlungen gebracht werden, die sich nach den Grundlöhnen richten, wird dies zu größerer Arbeitshetze und einer Welle von Arbeitsunfällen führen. Darüber hinaus wird die Rolle der UAW als ein Flügel der Unternehmensführung weiter zementiert. Die Krönung des Ganzen ist, dass zehn Prozent der Gewinnbeteiligung in den von der UAW kontrollierten Gesundheitsfond für die Rentner umgeleitet werden.

Ziel dabei ist, “Mittelklasselöhne” dauerhaft abzuschaffen, die Industrie von den besser bezahlten Arbeitern zu befreien und sie durch billigere Arbeitskräfte zu ersetzen. Die UAW rühmt sich, dass Ford Arbeitsplätze aus Mexiko und China „wieder ins Land“ zurückholen werde. Mindestens 5.750 der angeblich entstehenden Arbeitsplätze werden Niedriglöhne zahlen. Eventuelle magere Lohnerhöhungen werden durch den Ausbau der Niedriglohnarbeit wieder ausgeglichen.

Die vereinbarte Einmalzahlung und sonstigen pauschalierten Boni, die benutzt werden, um diesen faulen Kompromiss durchzudrücken, fallen weit hinter die sieben- bis dreißigtausend Dollar an jährlichen Löhnen und Sozialleistungen zurück, die jeder Arbeitnehmer seit 2007 verloren hat. Das Unternehmen hat sich geweigert, dem Teuerungsausgleich COLA und steigenden Stundenlöhnen zuzustimmen – die weniger kosten würden als die 98 Millionen Dollar in Aktienzusagen, die Ford letzten März dem Vorstandsvorsitzenden Alan Mulally und dem Exekutivdirektor Bill Ford Jr. machte.

Von Anfang an hat King darauf Wert gelegt, dass die UAW nicht die “Fixkosten” des Autoherstellers erhöhen werde. Damit verabschiedet sich die UAW von der Vorstellung, dass Arbeiter Interessen haben, die unabhängig von den Gewinnen der Konzerne verteidigt werden müssen.

Ein Aktienanalyst, den das Wall Street Journal zitierte, feierte das Abkommen als ein “Win-Win [Abkommen] sowohl für die UAW als auch für die Autohersteller”. Die UAW, sagte er, “gewinnt mehr Mitglieder während GM und Ford von billigeren Arbeitskräften profitieren, die es ihnen erlauben, bei der Planung ihrer amerikanischen Niederlassungen strategischer vorzugehen.”

In Wirklichkeit waren die Verhandlungen kaum mehr als eine Verschwörung zweier Geschäftseinheiten, die ein eigennütziges Interesse daran haben, immer mehr Profit aus den Arbeitern herauszupressen. Mehr Arbeitsplätze mit Hungerlöhnen bedeuten zusätzliche Millionen an Mitgliedsbeitragseinnahmen für die Führungskräfte der UAW wie King und Settles, deren sechsstellige Gehälter und Spesen von 2009 bis 2010 um vierundzwanzig Prozent in die Höhe schossen. Mehr Gewinne steigern auch den Wert der Ford, GM und Chrysler Aktien, die das Solidarity House [UAW-Zentrale] besitzt.

Die Socialist Equality Party ruft dazu auf, Basis-Komitees zu gründen, die von den Arbeitern selbst gewählt und kontrolliert werden. Diese Komitees werden die Aufgabe haben, Verbindung zu den Arbeitern in allen Fordwerken aufzunehmen, um eine Kampagne für einen landesweiten Streik zu starten.

Die Fordarbeiter dürfen nicht alleine gelassen werden. Aufrufe zu Solidaritätsaktionen sollten an die GM, Chrysler, nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und solche aus Zulieferbetrieben gerichtet werden, die den gleichen Angriffen auf Arbeitsplätze und Lebensstandard ausgesetzt sind. Alle Drohungen der Autobosse und der Obama Administration, die von der UAW unterzeichnete Anti-Streik Klausel zu nutzen, sollten mit Massendemonstrationen und Fabrikbesetzungen beantwortet werden.

Der vergiftete Nationalismus des “Kauft amerikanisch”, den die UAW fördert, muss zurückgewiesen werden. Es muss ein gesonderter Aufruf zu einem gemeinsamen Kampf an die Arbeiter in Kanada, Mexiko, Lateinamerika, Europa und Asien herausgegeben werden.

In der ganzen Welt wächst die Erkenntnis, dass Arbeiter gegen die globalen Angriffe auf ihre Arbeitsplätze kämpfen müssen und sich dem Wettstreit um die niedrigsten Löhne und Sozialleistungen entgegenstemmen müssen. In den letzten Wochen sind Arbeiter in Indien, Australien und Frankreich in militante Streiks getreten, ein Jahr nachdem chinesische Autoarbeiter gegen die brutalen Bedingungen bei Honda und anderen Autoherstellern rebelliert haben.

Den Vertrag niederzustimmen ist nur der erste Schritt. Wie die Ablehnung des Ford-Vertrags von 2009 durch die Arbeiter zeigt, wird sich der UAW-Apparat unter keinen Umständen dem Druck von unten beugen. Stattdessen wird er jedes Mittel, das ihm zur Verfügung steht – Lügen, Wahlmanipulation, Einschüchterungsversuche, Drohen mit Regierungsintervention und Werksschließungen – nutzen, um den Willen der Konzerne und Banken durchzusetzen.

Entgegen den unaufrichtigen Behauptungen von Protestgruppen wie Auto Worker Caravan und Soldiers of Solidarity kann die UAW nicht reformiert werden. Es werden neue Kampforganisationen und eine umfassende neue politische Perspektive benötigt.

Die Arbeiter befinden sich nicht nur im Kampf gegen einen Konzern, sondern gegen das gesamte Profitsystem und die beiden großen wirtschaftstreuen Parteien, die es verteidigen.

Die Obama Administration hat 2009 nicht interveniert, um die Arbeitsplätze der Arbeiter zu retten, sondern um die Drohung mit einer Liquidation zu nutzen, um die Errungenschaften von Generationen von Arbeitern zu zerschlagen und die Profitinteressen der Banken und Finanzinstitutionen sicherzustellen. Drei Jahre nach dem Zusammenbruch ist die Wirtschafts- und Finanzelite wieder dabei, Milliarden zu scheffeln während Massenarbeitslosigkeit, Niedriglöhne und ständige Unsicherheit für die Arbeiterklasse zur “neuen Normalität” geworden sind.

Vor fünfundsiebzig Jahren haben linksgerichtete militante Arbeiter und Sozialisten einen Aufstand gegen die unternehmensfreundliche AFL Gewerkschaft geführt und mit Sitzstreiks in Flint und anderen Städten die UAW etabliert. Die militanten und sozialistischen Traditionen, von denen diese Kämpfe inspiriert waren, sollten wieder belebt werden und mit einem Verständnis für die politische Beschränktheit der Bewegung kombiniert werden, die schließlich zusammenbrach, weil sie von Reuther und anderen Führern der CIO der demokratischen Partei und dem Profitsystem untergeordnet wurde.

Arbeiter müssen sich als unabhängige Macht organisieren, um einen Arbeitskampf und einen politischen Kampf zu führen, der den Würgegriff, mit dem die Finanzelite die Gesellschaft umklammert, durchbricht. Das Wirtschaftsleben muss auf der Grundlage eines rationalen Plans reorganisiert werden, der auf demokratische Weise von denjenigen ausgearbeitet wird, die den Reichtum der Gesellschaft produzieren, und der die Bedürfnisse der Menschen und nicht privaten Profit befriedigt. Das beinhaltet die Umwandlung der Automobilindustrie in einen vergesellschafteten Wirtschaftszweig als Teil einer geplanten sozialistischen Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und in internationalem Maßstab.

Die Socialist Equality Party ruft alle Autoarbeiter, die die Notwendigkeit eines solchen Kampfes erkennen, auf, Kontakt mit uns aufzunehmen, unser Programm zu studieren und zu helfen, die SEP als die neue Führung der Arbeiterklasse aufzubauen. Für Informationen über die SEP und ihr Programm, hier klicken.