Die Gewerkschaften und die Aussperrungen bei Cooper Tire und Caterpillar

25. Januar 2012

Die Aussperrungen der Arbeiter bei Cooper Tire in Findlay, Ohio und in dem zu Caterpillar gehörigen Werk Electro-Motive Diesel in London, Ontario dauern schon seit neun, bzw. vier Wochen an. In dieser Zeit arbeiten die Gewerkschaften vorsätzlich daran, die Kämpfe zu isolieren und zu sabotieren.

In den Vereinigten Staaten schloss die Gewerkschaft United Steel Workers (USW) am Wochenende einen vorläufig geltenden Vierjahres-Tarifvertrag für die 1.500 Arbeiter des Cooper Tire-Werkes in Texarkana, Arkansas, ab. Das Unternehmen begrüßte diesen Schritt, durch den ein gemeinsamer Kampf der Arbeiter in den anderen beiden Hauptwerken von Cooper verhindert werden soll.

Cooper ist zuversichtlich, die Arbeiter in Findlay mithilfe der USW in die Knie zwingen zu können und beginnt, Ausrüstungen aus dem Werk in Ohio zu verlagern, um es schließlich ganz zu schließen.

Die 1050 Arbeiter in Findlay wurden am 28. November ausgesperrt, nachdem sie es abgelehnt hatten, massive Zugeständnisse zu machen. Sie wurden von der Gewerkschaft ohne Streikgeld im Stich gelassen und fristen ihr Überleben nur noch durch magere Rationen, die sie für Lebensmittelmarken erhalten.

David Boon, der Vorsitzende der USW-Niederlassung in Arkansas, äußerte sich lobend über Cooper. Er erklärte, die Verhandlungen seien auf „professionellste Art“ geführt worden und die Gemeinde könne auf den Tarifvertrag stolz sein. Es wurden noch keine Details über den Vertrag bekannt und die Gewerkschaft hofft, ihn am Donnerstag mit einer Abstimmung durchsetzen zu können. Jedoch wird jedes Tarifabkommen, das die Arbeiter von Findlay weiter isoliert, nur den Weg zu Lohnsenkungen und schlechteren Arbeitsbedingungen in dem Werk in Texarkana ebnen.

In London, Ontario organisierte die Gewerkschaft Canadian Auto Workers (CAW) am Wochenende eine Kundgebung, die nur zeigte, dass die CAW jeden ernsthaften Kampf gegen die Forderungen des Caterpillar-Tochterunternemens Electro-Motive nach Lohnkürzungen von mehr als 50 Prozent ablehnt.

Die allgemeine Unterstützung für die ausgesperrten kanadischen Arbeiter und ihre Kampfbereitschaft stand im scharfen Kontrast zur CAW und ihren sinnlosen Appellen an die Regierung, unter anderem an den konservativen Premierminister Stephen Harper. Sie sind sinnlos, denn die Angriffe auf die Arbeiterklasse werden unter Augen der Regierung geführt. Die CAW-Funktionäre machten klar, dass sie bereit seien, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um über Zugeständnisse zu verhandeln.

So wie die USW und die United Auto Workers in den USA amerikanischen Nationalismus verbreiteten, schmückten sich auch die CAW-Funktionäre mit der kanadischen Flagge und verteilten Schilder mit der Aufschrift „kanadische Arbeitsplätze zuerst.“ Damit wollen sie die Arbeiter der kanadischen Regierung und der Wirtschaftselite unterordnen und einen gemeinsamen Kampf auf beiden Seiten der Grenze verhindern.

Das Vorgehen der USW und der CAW sind Teil eines allgemeinen Prozesses. Die offiziellen Gewerkschaften – amerikanische, kanadische und die in anderen Teilen der Welt – sind schon lange keine Organisationen mehr, die die Interessen der Arbeiterklasse verteidigen.

Angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise und massiver Angriffe der Konzerne auf die Arbeiterklasse haben die Gewerkschaften vorsätzlich den Arbeitgebern die Initiative überlassen und weigern sich, auch nur zu Streiks gegen Lohnkürzungen aufzurufen. Deshalb gehen Unternehmen immer mehr dazu über, auf Widerstand der Arbeiter mit Aussperrungen zu reagieren.

Außer in Findlay und London werden auch bei Rio Tinto in Quebec und dem Zuckerhersteller American Crystal in Minnesota, in North Dakota und in Iowa Arbeiter ausgesperrt. In einem Artikel in der New York Times heißt es zu diesem Phänomen: „Die Gesamtzahl der Streiks ist auf ein Sechstel des Jahresniveaus vor zwanzig Jahren gesunken.

Die Times macht für diese außergewöhnliche Entwicklung aber nicht den Verrat der Gewerkschaftsführer verantwortlich, sondern sinkende Mitgliederzahlen. Warum diese aber sinken, dafür liefert die Zeitung keine Erklärung. Vielmehr heißt es: „Viele Arbeiter machen sich Sorgen, dass sie im Falle eines Streiks Geld verlieren, und vielleicht auch ihren Arbeitsplatz an permanente Ersatzarbeiter“ – also seien die Arbeiter selbst am fast völligen Verschwinden von Streiks schuld.

Aber an Kampfbereitschaft mangelt es den Arbeitern keineswegs. Der Hauptgrund für den Rückgang von Streiks ist die Integration der Gewerkschaften in die Konzernleitungen. Die Gewerkschaften haben wirtschaftliche und institutionalisierte Interessen entwickelt, die direkt mit der Profitsteigerung von Unternehmen, Lohnsenkungen und der Verschlechterung von Arbeits- und Lebensbedingungen zu tun haben. Sowohl die USW als auch die CAW sind sich einig, dass ihre Mitglieder niedrigere Löhne und Zusatzleistungen sowie schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren müssen, um die Unternehmen „wettbewerbsfähiger“ zu machen.

Die Rolle der Gewerkschaften hängt zusammen mit ihrer vollständigen Unterstützung für das kapitalistische Profitsystem. USW-Präsident Leo Gerard bekräftigte dies in einer Kolumne, die vor kurzem in der Huffington Post erschien. Nachdem er sich ein paar Absätze lang inhaltsleer über die Gier der Konzernchefs, auch der von Cooper Tire, ausgelassen hatte, beeilte er sich zu versichern: „Das soll keine Kritik am freien Unternehmertum oder am Kapitalismus sein.“

Durch die Verschärfung der Krise des Kapitalismus im Jahr 2012 wird es weltweit viel Anlass für Klassenkämpfe geben. Die Kämpfe der verschiedenen Sektionen der Arbeiterklasse können jedoch nur erfolgreich sein, wenn sie auf Grundlage eines gemeinsamen Programms geführt werden, das sich über die Grenzen von Unternehmen und Ländern hinwegsetzt.

Gleichzeitig bringt das Streben der Arbeiterklasse danach, sich gegen den Angriff auf Arbeitsplätze, Löhne und soziale Rechte zu verteidigen, sie in direkten Konflikt mit dem Profitsystem, dessen Grundlage die Unterordnung aller sozialen Bedürfnisse unter den Bereicherungsdrang einer winzigen Elite kapitalistischer Eigentümer und Spekulanten ist.

Die einzige Alternative, die der Arbeiterklasse offensteht, ist es, ihre starke industrielle und soziale Macht zu mobilisieren, um den Würgegriff der Wirtschafts- und Finanzelite über Wirtschaft und Politik zu brechen. Die Banken und Konzerne müssen verstaatlicht und in demokratisch kontrollierte öffentliche Unternehmen umgewandelt werden. Für diesen Kampf sind die bestehenden Gewerkschaften nicht nur wertlos, sondern sogar schädlich

Die Arbeiter müssen mit diesen Syndikaten brechen und neue, wirklich demokratische Basisorganisationen für Arbeitskämpfe und die Organisierung von Streiks, Demonstrationen, Fabrikbesetzungen und anderen Formen des kollektiven Widerstands bilden, und diese mit dem Aufbau einer sozialistischen Massenbewegung zum Kampf für die Arbeitermacht verbinden.

Joseph Kishore