Die Marokkokrise 1911 und die SPD: Ein Vorspiel zum Ersten Weltkrieg

Zweiter Teil

Von Sybille Fuchs
3. Januar 2012

Vor hundert Jahren führte ein Konflikt über Marokko beinahe zum Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Die SPD nahm gegenüber den raubgierigen Bestrebungen des deutschen Imperialismus eine äußerst zwiespältige und opportunistische Haltung ein. Ihre Unterstützung für den Ersten Weltkrieg drei Jahre später war die politische Konsequenz davon.

Rosa Luxemburg und die linken Sozialdemokraten traten für eine Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen Kolonialpolitik und Kriegsgefahr ein. Wie Luxemburg in der Gleichheit schrieb, dürfe „das klassenbewusste Proletariat“ nicht bloß „den passiven Beobachter“ spielen. Vielmehr müsse es tatkräftig eingreifen: „Nicht bloß die organisierte Vorhut des Proletariats, sondern die breitesten Schichten des arbeitenden Volkes müssen zu einem Proteststurm gegen den neuen Vorstoß der kapitalistischen Weltpolitik aufgepeitscht werden. Das einzige wirksame Mittel, um die Verbrechen des Krieges und der Kolonialpolitik zu bekämpfen, ist die geistige Reife und der entschlossene Wille der Arbeiterklasse, einen durch ruchlose Kapitalsinteressen angezettelten Weltkrieg in eine Rebellion der Ausgebeuteten und Beherrschten zur Verwirklichung des Weltfriedens und der sozialistischen Völkerverbrüderung zu verwandeln.“ (10)

Die Arbeiter selbst drängten zum Handeln. Besonders in der Arbeiterjugend gärte es. Anfang Juli sprach Rosa Luxemburg vor 3.000 Jugendlichen im Freien. „Ich redete kurz, aber sehr scharf, die Jungen waren sehr zufrieden“, schrieb sie am 4. Juli an Kostja Zetkin. Zahlreiche Veranstaltungen der SPD zur Wahlrechtsreform in Preußen wurden spontan zu Antikriegsversammlungen umfunktioniert. Allein am 4. Juli fanden in Berlin 31 derartige Versammlungen statt. Karl Liebknecht sprach am 15. Juli 1911 auf einer Parteiversammlung in Stuttgart und brachte eine Resolution gegen die Marokkopolitik der Reichsregierung ein, die einstimmig angenommen wurde.

Am 8. Juli lobte Franz Mehring in der Neuen Zeit die französischen Genossen für ihr prinzipielles Vorgehen gegen die Kriegstreiberei der Regierungen. (11)

Doch während französische und spanische Sozialisten zu Massendemonstrationen gegen die Gefahr eines Weltkriegs mobilisierten, bewahrte der Vorstand der SPD fast fünf Wochen lang Stillschweigen. Die Untätigkeit des Parteivorstands bei gleichzeitiger spontaner Mobilisierung der Arbeitermassen, die immer besorgter auf die Kriegsgefahr reagierten, rief die Gewerkschaften auf den Plan. Obwohl die Gewerkschaftsführung weit auf dem rechten Flügel der Sozialdemokratie stand, sah sie sich genötigt, aktiv zu werden, um eine spontane Mobilisierung zu verhindern, die sie fürchtete wie der Teufel das Weihwasser.

Anlässlich eines seit langem geplanten Besuchs französischer Gewerkschafter riefen die Gewerkschaften schließlich zu einer Massendemonstration in der „Neuen Welt“ auf, einem beliebten Versammlungsort in Berlin. Der Besuch fand zu einer Zeit statt, „als der Marokkorummel gerade größere Wellen schlug“, wie der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes Karl Legien später auf dem SPD-Parteitag erklärte. (12) Die Franzosen wollten daher statt über Gewerkschaftsfragen über die Kriegsgefahr sprechen. Schließlich schickte der SPD-Vorstand Georg Molkenbuhr als Gastredner zur Versammlung, weigerte sich jedoch, selbst für den Frieden zu mobilisieren.

Rosa Luxemburg geißelte das zögerliche Taktieren der SPD-Führung scharf. Im Artikel „Um Marokko“ (13) , der am 24. Juli in der Leipziger Volkszeitung erschien, warf sie dem Parteivorstand vor, aus Rücksicht auf die bevorstehenden Reichstagswahlen vor der Agitation gegen die deutsche Marokkopolitik zurückzuschrecken und die Lösung der Marokkokrise mehr oder weniger den Stahlunternehmern zu überlassen.

Gerade wenn man annehme, das lächerliche und frivole Marokko-Abenteuer könnte „eine wirksame Parole“ gegen die SPD abgeben, sei es „völlig unlogisch, der Erörterung dieser Frage in der Agitation aus dem Wege zu gehen“, betonte Luxemburg. „Haben wir zu erwarten, dass die Reaktion mit dem Marokkoköder krebsen geht, dann wäre doch das einzige Mittel, um diese Parole unwirksam zu machen und diese Manipulationen zu durchkreuzen, wenn wir selbst so früh und so gründlich wie möglich die Volksmassen über den kläglichen Hintergrund und die schmutzigen Kapitalinteressen, die da in Betracht kommen, aufklären. In welcher Weise uns die eigene Erörterung, die eigene Agitation gegen diesen neuen Vorstoß der kapitalistischen Reaktion eine Niederlage bereiten könnte, ist unbegreiflich. Hier kommt ein so geringes Vertrauen in die überzeugende Macht unserer Auffassung, in die Werbekraft unserer Agitation zum Ausdruck, dass man vergeblich nach den Ursachen fragt.“

Luxemburg wandte sich scharf gegen die Auffassung des Parteivorstands, die Wahlagitation „ausschließlich auf die Fragen der inneren Politik, auf die Steuern und Sozialgesetzgebung“ zu beschränken: „Aber die Finanzpolitik, die Junkerherrschaft, Stillstand der Sozialreform sind mit dem Militarismus, Marinismus, mit der Kolonialpolitik, mit dem persönlichen Regiment und seiner auswärtigen Politik organisch verknüpft. Jede künstliche Trennung dieser Gebiete kann nur ein lückenhaftes, einseitiges Bild unserer öffentlichen Zustände geben. Vor allem sollen wir bei der Reichstagswahl sozialistische Aufklärung verbreiten, dies lässt sich aber nicht erreichen, wenn wir ausschließlich die innerpolitischen Zustände Deutschlands in den Kreis unsrer Kritik ziehen, wenn wir nicht die großen internationalen Zusammenhänge, die fortschreitende Kapitalherrschaft in allen Weltteilen, die augenfällige Anarchie in allen Ecken und Enden und die hervorragende Rolle der Kolonial- und Weltpolitik in diesem Prozess schildern.“

Der Parteivorstand antwortete am 4. August mit einer Erklärung im Vorwärts auf Luxemburgs Artikel und warf ihr Unwahrheit, Illoyalität und parteischädigendes Verhalten vor. Er versuchte, von der Marokkokrise abzulenken, indem er eine „Affäre Luxemburg“ konstruierte. Aber die Stimmung in der Arbeiterklasse gab Rosa Luxemburg und ihren Gesinnungsgenossen recht. Fünf Wochen nach dem „Panthersprung nach Agadir“ sah sich schließlich auch der Parteivorstand gezwungen, zu Großdemonstrationen gegen die Kriegsgefahr aufzurufen.

Hunderttausende folgten dem Aufruf. So protestierten am 21. August 100.000 Arbeiter in Leipzig gegen die „Kriegshetze“. Am 3. September demonstrieren rund 200.000 Menschen im Treptower Park bei Berlin für die Erhaltung des Friedens. Es war die bis dahin größte Antikriegskundgebung in Deutschland. Am 17. Oktober trat zum ersten Mal nach dem „Panther-Sprung“ der Reichstag zusammen. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg lehnte jedoch jede Debatte über die Marokko-Krise ab.

Die Flugblattkontroverse

Rosa Luxemburg übte heftige Kritik am Inhalt des Flugblatts, mit dem die SPD zu den Demonstrationen aufgerufen hatte. (14) Sie beanstandete, dass darin der „Zusammenhang der Weltpolitik mit der kapitalistischen Entwicklung“ nicht beleuchtet werde, obwohl der Titel „Weltpolitik, Weltkrieg und Sozialdemokratie“ dies verspreche. Das Flugblatt beginne sofort mit dem Gegensatz England und Deutschland und „stelle das ganze Problem ausschließlich auf diesen Gegensatz“. Stattdessen hätte „in dem Flugblatt der Zusammenhang der Weltpolitik im allgemeinen und der Marokkoaffäre im besonderen mit der inneren Entwicklung Deutschlands, mit dem Militarismus, Marinismus, mit der Finanz- und Steuerpolitik, mit dem Stillstand und der Reaktion auf sozialpolitischem Gebiete, mit der Unhaltbarkeit der ganzen inneren Lage wenigstens berührt“ werden müssen.

Statt die Marokkoaffäre, eine Teilerscheinung der internationalen Weltpolitik, als ein „gesetzmäßiges Produkt“ der kapitalistischen Entwicklung zu erklären, mühe sich das Flugblatt ab, sie „als eine Sinnlosigkeit, als einen Blödsinn auch vom Standpunkt der kapitalistischen Gesellschaft hinzustellen“. Es suche zu beweisen, „dass die Welt- und Kolonialpolitik auch für die besitzenden Klassen gar kein Gewinn, vielmehr eine Last wäre“. Damit übernehme die Partei „das Amt, die kapitalistische Weltpolitik und den Militarismus statt vom Standpunkt des proletarischen Klassenkampfs vielmehr im Namen einer angeblichen Interessenharmonie in diesem Punkte zwischen dem Proletariat und der ‚Masse der besitzenden Klassen‘ zu bekämpfen“. Man könne sich „schwer etwas Verkehrteres einfallen lassen“.

Außerdem sei in dem Flugblatt nicht ein einziges Mal von den unterdrückten Völkern in den Kolonien, „von ihren Rechten, Interessen und Leiden“ die Rede. Stattdessen spreche es mehrmals von der „glänzenden englischen Kolonialpolitik“, „ohne den periodischen Hungertyphus der Inder, die Ausrottung der Eingeborenen Australiens, die Nilpferdpeitsche auf dem Rücken der ägyptischen Fellahs zu erwähnen“.

Erst hinterher erfuhr Rosa Luxemburg, dass Karl Kautsky das Flugblatt geschrieben hatte. Dieser reagierte im Vorwärts höchst beleidigt auf ihre Kritik und warf ihr persönliche Verunglimpfung vor. Im September rechtfertigte der Vorstand auf dem Jenaer Parteitag Kautskys Flugblatt und dessen Kritik an Luxemburg. (15)

Der Jenaer Parteitag 1911

Die Aussprache über das Verhalten in der Marokkofrage auf dem Jenaer Parteitag war von heftigen Kontroversen geprägt. Der Parteivorstand versuchte sich als Gegner der imperialistischen Politik auszugeben, verurteilte aber gleichzeitig Rosa Luxemburg. Alle Anträge und Ergänzungen der Parteilinken wurden niedergestimmt.  

Im Bericht des Parteivorstands drückt dieser die „schärfste Opposition“ gegen die bürgerlichen Parteien aus. Er warf ihnen vor, sie versuchten von der inneren Politik abzulenken, indem sie „einen Taumel nationaler Begeisterung“ und „Appetit auf ein Stück Marokko“ schürten. Für die Sozialdemokratie bleibe es dagegen bei der Parole: „Keinen Mann und keinen Groschen für Kolonialabenteuer irgendeiner Art.“

Der Vorstand versicherte, das klassenbewusste Proletariat der beteiligten Länder werde „seine Augen offen halten, denn die wegen Marokko hervorgerufene Krise ist nur eine Episode in den Interessenkämpfen der Kapitalistenklassen der verschiedenen Nationen Die imperialistische Politik des nach neuen Absatzmärkten gierigen modernen Kapitalismus kann jeden Tag in Asien oder Afrika neue Situationen schaffen, die zum Weltkriege führen.“ Der Bericht zählte die zahlreichen Versammlungen zur Marokkofrage auf und beteuerte, die Massen ließen sich „heute nicht mehr von skrupellosen ‚Staatsmännern‘ für kapitalistische Profitinteressen in nationale Begeisterung hetzen“. (16)

Gleichzeitig gab sich der Vorstand große Mühe, Rosa Luxemburg zu diskreditieren und von ihrer inhaltlichen Kritik abzulenken. Er hatte im Vorfeld des Kongresses ein Flugblatt verbreitet, das Luxemburg wegen ihrer Kritik am Vorstand Indiskretion und Illoyalität vorwarf. Auch Bebel selbst rügte in seinen Redebeiträgen Luxemburg mehrfach und setzte eine Resolution gegen sie durch, die mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

In seinem Marokko-Referat nahm Bebel zu Luxemburgs inhaltlicher Kritik keine Stellung. Er verurteilte die Kolonialverbrechen aller imperialistischen Mächte, einschließlich Deutschlands, forderte aber gleichzeitig faire Chancen für Deutschland auf dem Weltmarkt: „Nun soll nicht bestritten werden, dass Marokko zu denjenigen Ländern gehört, die bei vernünftiger Wirtschaft einer großen Entwicklung fähig sind, dass, wenn in der Tat mit den geeigneten Mitteln, gegen die wir auch, wenn sie die rechten wären, nichts einzuwenden hätten, die Kolonisation Marokkos betrieben würde, der Handelsverkehr gewaltig stiege und damit auch große Vorteile für Deutschland in Aussicht stünden.“ Dann forderte er, dass „Deutschlands Handel und Deutschlands industrielle Entwicklung unter den gleichen Bedingungen in Marokko sich vollziehen können wie die jedes anderen Staates (lebhafte Zustimmung).“ (17)  

Diese Haltung kam derjenigen der Parteirechten um Bernstein und Hue oder des später wegen allzu rechter Ansichten aus der Partei ausgeschlossenen Georg Hildebrand sehr nahe. Bebel war zwar mit dem Erwerb von Kolonialbesitz in Marokko nicht einverstanden, aber indem er volle Gleichberechtigung deutscher industrieller und Handelsinteressen gegenüber Frankreich und Großbritannien forderte, machte er sich zum Fürsprecher der imperialistischen Interessen des deutschen Kapitals.

Folgerichtig schloss Bebel einen Massenstreik zur Verhinderung eines Krieges aus, um nicht das „Geschrei von der sogenannten Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie“ aufkommen zu lassen. Damit kam er auch den Gewerkschaften entgegen, mit denen der SPD-Vorstand bereits 1906 in Mannheim einen faulen Kompromiss zur Verhinderung eines politischen Massenstreiks geschlossen hatte.

Das zögerliche Verhalten des Parteivorstands in der Marokkofrage wurde auf dem Parteitag von vielen Rednern kritisiert, auch von einigen, die Bebels Kritik an Luxemburg unterstützten. Am eindeutigsten stellten sich Karl Liebknecht, Clara Zetkin, Paul Lensch, Georg Ledebour sowie einige andere Delegierte des linken Flügels auf Luxemburgs Seite.

Liebknecht, der wegen seines Buchs „Militarismus und Antimilitarismus“ 1907 zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt worden war, verteidigte auch, dass Luxemburgs Kritik „mitten in der Aktion“ erfolgt sei: „Mitunter kann es notwendig werden, mitten im heftigsten Kampfe zu kritisieren. Die Art der hier geübten Kritik hat auch nicht hemmend, sondern voranpeitschend gewirkt. Sie hat gezeigt, dass die Masse der Parteigenossen mit viel größerem Eifer und größerem Interesse auf die Marokkoaffäre blickt, als gewisse leitende Stellen in der Partei.“

Aber auch Liebknecht verbeugte sich letztlich vor dem Fetisch der Parteieinheit: „Die hier geübte Kritik erscheint mir höchst erfreulich, mag sie auch zeitweise heftige Forman angenommen haben. Sie beweist, dass unsere Genossen in dieser bedeutsamen Frage keinen Spaß verstehen. Das ist von großer Wichtigkeit. Das besonders Wertvolle an dieser Debatte aber ist, dass wir trotz alledem die einheitliche Geschlossenheit des deutschen Proletariats in allen wesentlichen Punkten aus unseren Verhandlungen haben hervorleuchten sehen. Wir dürfen das Wichtigste nicht vergessen: dass trotz der Fehler, die begangen worden sind, die deutsche Partei und die Gewerkschaften noch niemals so geschlossen und so einig waren, wie gerade jetzt, und vor allem in der Marokkofrage. (Beifall) Das sollen sich unsere Gegner gesagt sein lassen!“ (18)

Liebknechts Festhalten an der Parteieinheit sollte sich als gefährliche Illusion erweisen. Keine drei Jahre später, am 4. August 1914, stimmte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion geschlossen für die Kriegskredite für den Ersten Weltkrieg. Liebknecht blieb der Abstimmung fern. Am 2. Dezember stimmte er dann als einziger Abgeordneter gegen die Verlängerung dieser Kredite. Im Laufe des Krieges spaltete sich die SPD, und als im November 1918 die Revolution ausbrach, standen Rechte und Linke auf unterschiedlichen Seiten der Barrikaden. Am 15. Januar 1919 wurden Liebknecht und Rosa Luxemburg von Militäreinheiten ermordet, die unter dem Befehl des sozialdemokratischen Heer- und Marineministers Gustav Noske standen.

Die Auseinandersetzungen der SPD über die Marokkofrage waren ein Wetterleuchten für das Herannahen einer gewaltigen Katastrophe, die über Europa hereinbrechen und die deutsche und internationale Arbeiterbewegung tief spalten sollte. Der rechte Flügel, der den Kurs der Partei bestimmte, führte diese direkt ins Desaster. Ermöglicht wurde dies vor allem durch Zentristen in der Partei wie Karl Kautsky, die das Lavieren des Vorstands und sein Einschwenken auf den Kurs der Rechten durch scheinbar orthodoxe Phrasen abdeckten. Kautsky wurde in dieser Zeit vom Gesinnungsgenossen zum schärfsten Gegner Rosa Luxemburgs.

Das mutige Vorgehen von Rosa Luxemburg und ihren Anhängern zeigte den Weg auf, den die Arbeiterklasse gehen musste, um gegen die Schlächterei des Weltkriegs zu kämpfen. Ihre Gegner, auch wenn sie wortradikal gegen die Reichsregierung und das Kapital auftraten, befanden sich 1914 fast geschlossen auf der Seite der Befürworter des Kriegs. Hätten die scharfen Gegensätze, die in der SPD anlässlich der Marokkokrise deutlich wurden, bereits damals zu einer Neuorganisation der revolutionären Kräfte geführt, wäre es der deutschen Arbeiterklasse leichter gefallen, sich der Schlächterei des Ersten Weltkriegs entgegen zu stemmen.

Heute, wo sich der internationale Kapitalismus in einer ähnlich tiefen Krise wie 1911 befindet, müssen sich Arbeiter und Jugendliche an der grundsätzlichen, sozialistischen und internationalistischen Antikriegspolitik Rosa Luxemburgs orientieren und ihre eigene, unabhängige Partei, die Partei für Soziale Gleichheit als Sektion der Vierten Internationale aufbauen.

Anmerkungen

10) Die Gleichheit, Stuttgart, 21. Jg. 1911, Nr.23, S.353/354

11) Das Marokkoabenteuer, in: Die Neue Zeit, Jg. 29, 1911, S. 505-507

12) Protokoll über die Verhandlungen des Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin 1911 (Jena 10-16. September 1911), S. 226

13) Rosa Luxemburg: Um Marokko, in : Gesammelte Werke, Bd. 3, S. 5-11

14) Rosa Luxemburg : Unser Marokkoflugblatt, in : Gesammelte Werke, Bd. 3, S. 32-36

15) Protokoll über die Verhandlungen des Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin 1911 (Jena 10-16. September 1911), S.194

16) Ebd. S. 15

17) Ebd. S. 335 f

18) Ebd. S. 243-45