28 Tote durch Bombenanschläge in Aleppo

Von David Walsh
14. Februar 2012

Am Freitag starben in Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, 28 Menschen, 235 weitere wurden verletzt. Die Regierung gab der bewaffneten „Opposition“ die Schuld an den Explosionen vor Niederlassungen von Polizei und Geheimdienst. Die „Opposition“ wird von den Golfstaaten, den USA und anderen westlichen Mächten unterstützt.

Vom Tatort des ersten Bombenanschlags, dem Direktorat des Militärgeheimdienstes, zeigte das staatliche Fernsehen Bilder von zerfetzten Leichen, Straßen voller Schutt, zerbrochenen Fenstern der umliegenden Gebäude und wimmelnden Menschenmassen. Ein Mitarbeiter des Fernsehens versicherte, dass unter den Opfern der Bombe, die in der Nähe eines Parks explodiert war, auch Kinder waren. „Zivilisten und Angehörige des Militärs wurden von den Explosionen, die die Terroristen verursacht haben, verwundet oder getötet“, behauptete das staatliche Fernsehen.

Der zweite Anschlag, scheinbar ein Selbstmordanschlag, traf ein Polizeipräsidium in einem anderen Stadtteil von Aleppo. Laut BBC meldete das staatliche Fernsehen, dass die Explosion einen „mehrere Meter großen Krater“ hinterließ und einen LKW zum Umkippen brachte. „Es waren Rettungskräfte mit Leichenteilen in den Händen zu sehen.“

Aleppo liegt im Norden Syriens und ist ein wichtiges Finanz- und Handelszentrum. Bisher wurde es von dem Aufstand gegen das Regime von Bashir al-Assad, der im März 2011 begann, relativ wenig betroffen. Laut dem Wall Street Journal gab es nur „gelegentliche Proteste“ und Assads Gegner hatten dort wenig Erfolg bei der Mobilisierung von Anhängern.

Laut dem Journal hat sich der große kurdischstämmige Teil der Bevölkerung aus dem Aufstand größtenteils herausgehalten, seit das Regime ihnen die Staatsbürgerschaft verliehen hat.

Oppositionsgruppen wiesen die Verantwortung für die Anschläge zurück und beschuldigten Sicherheitskräfte. Die BBC kommentierte: „Nach einigen verwirrten Statements bestritt die Freie Syrische Armee (FSA), daran beteiligt zu sein, sagte aber, es sei kurz zuvor zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen.

Oberst Malik al-Kurdi von der FSA sagte der BBC am Freitagmorgen: „Zwei Gruppen der FSA griffen die beiden Gebäude mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten an.“

„Nach gewaltsamen Zusammenstößen gab es im Gebäude des Militärgeheimdienstes eine Explosion. Zuerst wussten wir nicht, was es war, aber wir denken, es war das Regime, um die Operationen der FSA zu stoppen,“ sagte al-Kurdi.

Die Freie Syrische Armee ist eine sunnitische Miliz, die von der Türkei aus operiert und von den Regierungen der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars finanziert wird. In Amerika fordern rechte Politiker wie Senator Joseph Lieberman, John McCain und Lindsey Graham sie stärker zu bewaffnen.

Amerikanische und westliche Medien achteten darauf, die Behauptungen der syrischen Regierung, die Anschläge seien von „bewaffneten Terrorbanden“ ausgeführt worden, in Anführungszeichen zu setzen. In den Massenmedien sind nur Gegner der amerikanischen Außenpolitik echte Terroristen.

Oppositionsgruppen behaupten, syrische Truppen würden versuchen, in Homs, einem Industriezentrum mit 800.000 Einwohner in Westsyrien, Rebellen zu unterdrücken. Angeblich haben syrische Truppen die von Rebellen besetzten Teile von Homs in der vergangenen Woche mit Feuerwaffen und Artillerie unter Beschuss genommen. Assad-feindliche Kräfte behaupten, hunderte von Menschen seien bei dem jüngsten Angriff getötet worden.

Associated Press gibt Aussagen des Syrian Observatory for Human Rights wieder, dass syrische Truppen im Stadtteil Inshaat „von Haus zu Haus gingen und Leute verhafteten.“ Dieser Stadtteil liegt in der Nähe von Baba Amr, einem Viertel, das sich seit Monaten unter Kontrolle der Rebellen befindet. Laut Aktivisten wurden bei Artillerieangriffen auf Baba Amr am Freitag vier Menschen getötet.

Das Syrian Observatory in London ist eine dubiose Organisation und die Medienberichte über Tote in Homs sollten nicht einfach so geglaubt werden.

Zweifellos ist das Regime von Assad brutal und begeht Gräueltaten gegen seine Bevölkerung. Trotz gelegentlicher „antiimperialistischer“ Demagogie hat es seit Jahrzehnten mit den Großmächten zusammengearbeitet und unterdrückt seine eigene Bevölkerung und die Palästinenser. Die Regierung in Damaskus unterstützte die Bush-Regierung bei ihrem „Überstellungs“-Programm, in dem Verhaftete wie der kanadische Softwareexperte Maher Arar illegal nach Syrien geschickt wurden, wo sie im Rahmen des „Kriegs gegen den Terror“ brutal gefoltert wurden.

Die USA und ihre Verbündeten wollen nicht die „Diktatur“ durch eine „Demokratie“ ersetzen, sondern ein autoritäres Regime durch ein anderes, das besser den westlichen Interessen dient. Die weitere Isolation des Irans, ist eines der Hauptziele bei der derzeitigen Offensive gegen Assad.

Nach den blutigen Erfahrungen im Irak und vor allem in Libyen sollte die Vorgehensweise der CIA und anderer Geheimdienste klar sein. Einem Regime wird vorgeworfen „Verbrechen gegen das eigene Volk“ zu begehen, eine Rebellenbewegung aus „Freiheitskämpfern“ wird hochgezüchtet und deren reale oder erfundene Unterdrückung dient als Vorwand für eine „humanitäre Intervention.“

Egal wer für die Anschläge in Aleppo verantwortlich ist, die Strategie der Opposition und ihrer imperialistischen Geldgeber ist es, weiteres Chaos und Blutvergießen zu provozieren, darunter auch Angriffe auf Regierungstruppen und Polizei, um neue Unterdrückungsaktionen der Assad-Anhänger zu provozieren, was zu weiteren Forderungen nach einem westlichen Militärschlag „zum Schutz der Bevölkerung“ führen wird.

Wie „demokratisch“ die Opposition gegen die syrische Regierung ist, zeigt sich am Charakter der Regimes, die sich auf die Seite des Weißen Hauses stellen. Am Freitag verurteilte der saudische König Abdullah, der an der Spitze eines der rechtesten und undemokratischsten Regimes der Welt steht, das Scheitern der Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen Assad am letzten Wochenende durch ein Veto von Russland und China.

In einer kurzen Fernsehansprache erklärte Abdullah: „Wir leben in bedrohlichen Zeiten, und leider ist das, was bei den Vereinten Nationen passiert ist, höchst bedauerlich.“ Bizarrerweise sagte der König seinen Zuhörern: „Länder können nicht die ganze Welt regieren… Die Welt wird mit Verstand regiert, mit Gerechtigkeit, Moral und Rechtschaffenheit.“

Im März 2011 schickte das saudische Regime tausende von Soldaten nach Bahrain, einem winzigen Inselstaat im Persischen Golf mit einer Bevölkerung halb so groß wie Aleppo, um bei der Unterdrückung des Widerstandes der Bevölkerung gegen die brutale Diktatur von König Hamad bin Ali zu helfen. Diese Operation wurde von der Obama-Regierung vollständig unterstützt. Bei der Unterdrückung wurden Hunderte von Einwohnern Bahrains eingesperrt, geschlagen und gefoltert.

Der Golf-Kooperationsrat, dem die Monarchien Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten angehören, brach vor kurzem aus Protest gegen den „Massenmord“ in Homs die diplomatischen Beziehungen mit Damaskus ab.

Vertreter Russlands bekräftigten am Freitag ihren Widerstand gegen das Vorgehen gegen Assad, der ein wichtiger Verbündeter in der Region ist. Der stellvertretende Außenminister Sergei Rjabkow sagte der Presse, die russische Regierung werde jeden Versuch abblocken, das syrische Regime zu stürzen. „Wenn unsere ausländischen Partner das nicht verstehen, werden wir wieder und wieder heftige Maßnahmen ergreifen müssen, um sie wieder in die Realität zurückzuholen“, wurde er von einer russischen Nachrichtenagentur zitiert.

Das russische Unterhaus, die Duma, verabschiedete eine Resolution, die die „voreingenommene Herangehensweise der gescheiterten UN-Resolution kritisierte, die „die Chancen auf einen gerechten, konstruktiven Dialog“ untergräbt. Die Stellungnahme „verurteilt aufs Schärfste die Praxis, sich militärisch in die Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen oder ihnen eigene Entscheidungen aufzuzwängen.“