CIA-Drohnen feuern auf Rettungskräfte und Trauernde

8. Februar 2012

Laut einem Bericht des Londoner Büros für investigativen Journalismus (Bureau of Investigative Journalism, BIJ) hat der amerikanische Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) nach Raketenangriffen in den pakistanischen Stammesgebieten vorsätzlich Rettungskräfte und Beerdigungszüge angegriffen. Die Ergebnisse sind auf der Webseite der Organisation nachzulesen und wurden in der Londoner Sunday Times veröffentlicht.

Laut der Organisation, die aus britischen und pakistanischen Journalisten besteht, wurden mindestens fünfzig Zivilisten bei Nachfolgeangriffen getötet, als sie versuchten, den Opfern des ursprünglichen Drohnenangriffs zu helfen. Dutzende weitere wurden bei Raketenangriffen auf die Beerdigungen der Opfer der Drohnenangriffe getötet.

Insgesamt hat die Gruppe errechnet, dass „seit Obama Amtsübernahme vor drei Jahren glaubhaften Quellen zufolge 282 bis 535 Zivilisten getötet wurden, mehr als 60 davon waren Kinder.“ Vertreter Pakistans und humanitäre Helfer meldeten aus den Stammesgebieten viel höhere Opferzahlen, bis zu mehreren Tausend.

Einige der Massenmorde, die in dem Bericht beschrieben werden:

16. Mai 2009: Eine amerikanische Drohne greift eine Gruppe von Taliban-Aufständischen im Dorf Khaisor an, etwa ein Dutzend kommen ums Leben. Als Dorfbewohner die Leichen aus den Trümmern bargen, schlagen zwei weitere Raketen ein; die Zahl der Toten steigt auf mindestens 29.

23. Juni 2009: Durch einen CIA-Raketenangriff sterben der pakistanische Taliban-Anführer Khwaz Wali Mehsud und fünf seiner Begleiter. Etwa fünftausend Menschen nahmen an seiner Beerdigung später am selben Tag teil. Amerikanische Drohnen schlugen wieder zu, bis zu 83 Menschen starben, darunter zehn Kinder.

17. März 2011: Am Tag nach der Freilassung des pakistanischen CIA-Mitarbeiters Raymond Davis, der zwei Monate für den Mord an zwei Pakistanern in Lahore im Gefängnis saß, griff eine CIA-Drohne in Nordwasiristan an und tötete 42 Menschen. Laut einem pakistanischen Offizier war das Ziel ein Stammestreffen, bei dem über Fragen des Landbesitzes diskutiert wurde, und keine Versammlung der Taliban.

Internationale Rechtsexperten bezeichneten diese Nachfolgeschläge als Kriegsverbrechen. Clive Stafford Smith, der für die Freilassung vieler unschuldig Verhafteter in Guantanamo Bay gekämpft hat, sagte BIJ, die Drohnenangriffe seien „wie ein Angriff auf das Rote Kreuz auf dem Schlachtfeld. Es ist nicht legitim, Unbeteiligte anzugreifen.“

Christof Heyns, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zum Thema außergerichtliche Tötungen, sagte der Gruppe: „Laut den Anschuldigungen erfolgt ein zweiter Schlag nach einer halben Stunde, wenn medizinisches Personal vor Ort ist. Das ist sehr besorgniserregend. Zivilisten anzugreifen wäre ein Kriegsverbrechen.“

Wenn die CIA ihre Nachfolgeschläge so plant, dass sie die Menschen töten, die den Opfern des ersten Angriffs zu Hilfe kommen, wendet sie eine Taktik an, die die USA regelmäßig als „Terrorismus“ bezeichneten, als Aufständische sie im Irakkrieg anwandten. Solche Angriffe werden vorsätzlich ausgeführt, um der Zivilbevölkerung die größtmöglichen Verluste beizubringen.

Die Obama-Regierung nahm Anstoß an dem Bericht des BIJ. Er erschien nur Tage, nachdem Obama in einem vielzitierten Kommentar in einem Forum auf YouTube erklärte „Drohnen haben keine schweren zivilen Opfer gefordert.“ Er nannte die Schläge „gezielt, konzentriert auf Menschen, die auf einer Liste aktiver Terroristen stehen.“

Die New York Times zitierte in ihrem Bericht über das Exposé einen „hochrangigen amerikanischen Antiterrorexperten,“ der denen, die die Wahrheit über amerikanische Massenmorde in Pakistan ans Licht bringen, vorwarf, sie seien Elemente, die „nichts lieber wollten, als diese Bemühungen schlecht zu machen und Al Qaida zum Erfolg zu verhelfen.“

Diese Kommentare sind praktisch eine Morddrohung gegen die beteiligten Journalisten und diejenigen, die ihnen die Informationen geliefert haben. Sie werden als Unterstützer und Förderer von Al-Qaida verunglimpft. Wenn die Times das Zitat bringt und den Namen des Antiterrorexperten verschweigt, macht sie sich zur Erfüllungsgehilfin bei der angedeuteten Vergeltung.

Der Bericht des BIJ ist ein weiterer Beweis dafür, dass die führenden Köpfe der Obama-Regierung, des Pentagons und der CIA vor einem internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden sollten.

Die grauenhaften Drohnenangriffe sind nicht das Ergebnis von Fehlentwicklungen, vielmehr demonstrieren sie das Wesen der amerikanischen Intervention in Afghanistan und Pakistan, die nun schon seit elf Jahren andauert. Der amerikanische Militär- und Geheimdienstapparat und seine Nato-Verbündeten führen einen barbarischen imperialistischen Krieg gegen die unterdrückten Massen auf beiden Seiten der Grenze.

Die arbeitende Bevölkerung in den Vereinigten Staaten und der Welt muss den sofortigen Abzug aller amerikanischen- und Nato-Truppen, ihrer Geheimdienste und privaten Söldnerfirmen aus Afghanistan und Pakistan fordern, sowie ein Ende der amerikanischen Politik, Tod und Vernichtung auf wehrlose unschuldige Menschen herabregnen zu lassen.

Patrick Martin