Whitney Houston gestorben

Von Hiram Lee
15. Februar 2012
Whitney Houston 2009 Whitney Houston 2009

Die Nachricht von Whitney Houstons Tod im Alter von nur 48 Jahren ruft ehrliche Trauer hervor. Houston war eine phantastische Sängerin, deren Aufführungen eine Vitalität ausstrahlten und von so außerordentlicher Qualität waren, dass sie Millionen Zuhörer in ihren Bann schlugen. Ihr Tod in so jungem Alter ist eine Tragödie.

Houstons Leiche wurde am Samstag, den 11. Februar im Bad ihrer Suite des Beverly Hilton Hotels in Los Angeles entdeckt. Die Todesursache steht noch nicht fest, aber es wird angenommen, dass Alkohol und Drogen eine Rolle gespielt haben. Houston litt seit Jahren unter Abhängigkeit. Es gab Berichte, dass die Sängerin sich in den Tagen vor der Grammy-Verleihung am Sonntag unberechenbar verhalten habe. Sie hatte ganz offensichtlich große Probleme und brauchte wirklich Hilfe.

Die oberflächlichen und voyeuristischen Medienberichte, von denen sie in den letzten Jahren verfolgt wurde, hätten nicht den Gedanken aufkommen lassen, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ein viel bewunderter Superstar war. Sie verkaufte weltweit erstaunliche 170 Millionen Alben, Singels und Videos. Das Guinness Buch der Rekorde führt sie als die am meisten geehrte Künstlerin aller Zeiten auf. Sie war einer der wenigen wirklich globalen Stars.

Houstons Stimme war außerordentlich bemerkenswert. Auf dem Höhepunkt ihres Könnens umfasste ihre Stimmbreite drei Oktaven. Sie sang mit aufregender Kraft und mit einem schönen, reichen und vollen Ton. Ihre Fähigkeit, in ihr oberes Register und wieder zurück zu gleiten, schien beinahe mühelos.

Nicht alles, was Houston gemacht hat, hatte viel Substanz. Sie sang zu Beginn ihrer Karriere leichte Popmusik und später meistens Balladen, die im Wesentlichen als Vehikel zur Demonstration ihrer sängerischen Fähigkeiten dienten. Dennoch bewegte ihr Können Millionen Menschen. Mehrere ihrer Hits von Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre wie “Saving All My Love for You”, “I’m Your Baby Tonight” und “I Have Nothing,” waren sehr unterhaltsam und ansprechend.

Whitney Houston, Tochter der Gospelsängerin Cissy Houston und Cousine der Sängerinnen Dionne and Dee Dee Warwick, hatte den größten Teil ihrer Karriere ein gutes Image und wurde von den Medien und den Chefs der Musikindustrie, die sie zum Star aufbauten, zu einer Art „amerikanischem Sweetheart“ stilisiert. Sie scheint dabei großenteils bereitwillig mitgespielt zu haben. Im Magazin Essence antwortete sie 1990 denjenigen, die glaubten, sie habe sich „verkauft“ und sei in „den Mainstream“ gewechselt: „Wenn du eine lange Karriere haben willst, dann bringt das gewisse Erfordernisse mit sich, und ich habe das so gemacht. Ich schäme mich dafür nicht.“

Einer der am meisten gefeierten Erfolge Houstons war ihre kraftvolle Version der amerikanischen Nationalhymne während des Superbowl (Football) Finales von 1991, nur wenige Tage nach Beginn des Golfkriegs. Die in rot, weiß und blau [Farben der Nationalflagge] gekleidete Houston war von amerikanischen Flaggen und Militärs umgeben. Als das Lied zu Ende ging, donnerten vier F-16 Kampfflugzeuge über das Stadion hinweg.

Die Plattenaufnahme von Houstons Version der Nationalhymne, die im Krieg zur Förderung von jeder Menge Nationalstolz herhalten musste, wurde für die Sängerin zu einem enormen Erfolg. Der Song nahm in der Kulturszene während des Golfkriegs einen besonderen Platz ein. Oft genug wurde ihre Version der Nationalhymne in Schulen morgens über das Lautsprechersystem zur nationalen Erbauung abgespielt. Man muss sagen, dass Houston bei all dem allzu bereitwillig mitgespielt hat. Das war ein Indikator der Rechtsentwicklung in der Musikwelt besonders der besser gestellten Schichten von Afroamerikanern.

Die Titelmusik zu Houstons Film The Bodyguard (1992) hob die Sängerin in noch größere Höhen. Ihre Version von Dolly Partons „I Will Always Love You“ mit seinen schwierigen hohen Tönen, ist legendär.

Das war wohl der Höhepunkt von Houstons künstlerischer Karriere, obwohl sie weitere erfolgreiche Aufnahmen und Filme machte. In den folgenden Jahren begann ihre Stimme aber nachzulassen, Folge ständigen Singens ohne richtiges professionelles Stimmtraining. Die letzten mehr als zehn Jahre von Houstons Leben waren von Skandalen beeinträchtigt.

Erfolg hat in Amerika oft einen hohen Preis. Für die Musikindustrie hat Talent nur so viel Wert, wie es hier und jetzt Profit bringt. Künstler müssen persönliche und künstlerische Kompromisse machen. So schaffen sie am Ende oft nicht die Kunst, die sie sich einmal vorgestellt hatten. Enormer Reichtum und die Isolation, die das mit sich bringt, richten schlimmen Schaden an.

Wie wir schon oft erklärt haben, spielt die Jagd nach Berühmtheit in den USA selbst eine zutiefst ungesunde Rolle. Wenn der Lebensstandard von Massen von Menschen zerstört wird und die offizielle Politik einen völlig irrealen Charakter annimmt und auf keine der wichtigen Fragen des Lebens eine Antwort geben kann, dann wächst der Bedarf, sein eigenes Leben in den Prominenten widergespiegelt zu sehen, und das hilft das Vakuum zu füllen. Die Medien beuten das aus und fördern eine voyeuristische Faszination mit Persönlichkeiten wie Houston, Michael Jackson oder Lindsay Lohan.

Wenn ein Medienstar, dessen Bedeutung weit überschätzt wird, dann bei “Ausrutschern” erwischt wird oder wirkliche menschliche Schwächen zeigt, dann wird ihm sein Status als amerikanische Ikone flugs entzogen und Bewunderung schlägt in Verärgerung und Wut um. Die Medien übernehmen die Führung und fordern hartnäckig Rechtfertigung und Strafe. Der ganze zynische Prozess ist selbst ein großes Geschäft.

Jahrelang waren die Medien voll mit Berichten über Skandale Houstons und ihres Ehemanns Bobby Brown mit Gerüchten über Drogenmissbrauch und Browns häufige Konflikte mit dem Gesetz. Eine besonders hässliche Episode war ein bösartiges Interview mit Dianne Sawyer in der Sendung „Primetime“ auf ABC im Jahre 2002, in der Sawyer der Sängerin ein Bekenntnis zu entlocken versuchte, zu dem sie nicht bereit war.

Eine Reality Show von 2005 mit dem Titel “Being Bobby Brown” war ein billiger und voyeuristischer Blick in Houstons und Browns Leben. Dass Houston überhaupt bereit war, daran teilzunehmen, war ein klares Zeichen dafür, dass die Sängerin ernste Probleme hatte.

Nach der Scheidung von Brown 2007 versuchte Houston ein Comeback, aber ihre Karriere war weiterhin von Stimmproblemen und der Absage von Konzerten belastet. Im Mai vergangenen Jahres begab sich die Sängerin in eine Drogenentzugsklinik. Zum Zeitpunkt ihres Todes war geplant, dass sie in einem Remake des Films „Sparkle“ von 1976 über eine singende Frauenband und ihre Probleme die Hauptrolle spielen sollte.

Nach Houstons Tod wird die Medienberichterstattung jeden Rahmen sprengen. Die Skandale werden wieder aufgewärmt und Houstons Gesangstalent wird Tribut gezollt werden. Bis die offiziellen Berichte vorliegen, wird einige Tage über die Todesursache spekuliert. Ganz sicher wird die Musikindustrie neue Greatest Hits-Sammlungen herausgeben und unveröffentlichte Aufnahmen auflegen. Wer an der richtigen Stelle sitzt, kann auch jetzt noch eine Menge Geld machen.