Weitere Entlassungen bei Heidelberger Druckmaschinen

Von Gustav Kemper
11. April 2012

Drei Jahre nachdem 4.500 Arbeiter und Angestellte der Heidelberger Druckmaschinen (HDM) entlassen wurden, sollen nun weitere 2.000 Stellen gestrichen werden. Zudem sind die verbleibenden Beschäftigten mit Lohnkürzungen konfrontiert.

Am 30. März beschloss die Unternehmensführung von HDM in Zusammenarbeit mit Betriebsrat und IG-Metall, dass mit 1200 Stellen in Deutschland und weiteren 800 Arbeitsplätzen im internationalen Verkaufs- und Servicenetzwerk insgesamt 13 Prozent der Gesamtbelegschaft von etwa 15.000 Beschäftigten entlassen werden.

In einer Pressemitteilung der IG-Metall wird diese Vereinbarung als „innovative Lösung“ dargestellt, und der Betriebsratsvorsitze Rainer Wagner sowie der 1. Bevollmächtigten der IG-Metall, Mirko Geiger, sprechen von einem „guten Ergebnis“ der Verhandlungen, das von der Tarifkommission einstimmig angenommen worden sei. Auch die Vertrauensleute der Gewerkschaft hätten „außerordentlich positive Rückmeldungen“ gegeben.

Geiger hatte erst vor wenigen Monaten bei der Insolvenz des HDM-Konkurrenten Manroland 2.200 Entlassungen und massiven Lohnkürzungen der verbleibenden Belegschaft zugestimmt, ebenso bei KBA in Frankenthal.

Zusätzlich zu den Entlassungen sieht die neue Vereinbarung vor, dass die gesamte Belegschaft im Stammsitz Heidelberg und Wiesloch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 35 Stunden auf 31,5 Stunden bei entsprechender Gehaltskürzung um 10 Prozent akzeptiert. Diese Lohnsenkung soll durch eine monatliche Zahlung von 100 Euro – begrenzt bis Mai 2014 – sowie die diesjährige noch auszuhandelnde Tariferhöhung „abgefedert“ werden.

Für die entlassenen Kollegen kann Rainer Wagners Lobpreisung der Vereinbarung als „gelebte Solidarität“ nur wie der reine Hohn klingen. Angeblich seien durch die Lohnkürzung einige hundert weitere Stellenstreichungen verhindert worden. Auch Mirko Geiger lobt in zynischer Art und Weise die „beschäftigungssichernde Wirkung nachhaltiger Arbeitszeitverkürzung“.

Außerdem sei die Rückzahlung des vor zwei Jahren gestundeten Urlaubs- und Weihnachtsgeldes vereinbart worden. Darüber hinaus wird älteren Arbeitern angeboten, bei freiwilliger Kündigung eine Abfindung zu erhalten oder in Frührente zu gehen.

Nach Bekanntgabe der Entlassungen und Lohnkürzungen sprang der Börsenkurs der Aktie kurzfristig um 8 Prozent nach oben, stürzte aber in den folgenden drei Handelstagen wieder um 12 Prozent ab, da die Händler die Sparmaßnahmen offensichtlich nicht für ausreichend hielten.

Die Entwicklung in der Druckmaschinenindustrie reflektiert zum einen den technologischen Umbruch von gedruckten hin zu digitalen Kommunikationsmedien und zum anderen die weltweite Finanzkrise, die es Druckereien erschwert, Investitionen in Maschinen durch Kredite zu finanzieren.

Bei HDM wird deutlich, wie durch die Arbeit der IG-Metall die ganze Last dieses Umbruchs auf die Arbeiter abgewälzt wird. Durch die jüngsten Maßnahmen soll die Zielsetzung des vom HDM-Vorstand geplanten Effizienzprogramms „Focus 2012“ erreicht werden, d.h. im Geschäftsjahr 2013/2014 einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 150 Millionen Euro zu erzielen. Die von Gewerkschaft und Betriebsrat abgesegnete neue Reduzierung der Belegschaft soll Kosteneinsparungen von 180 Mio. Euro generieren.

In den letzten zehn Jahren sank die weltweite Belegschaft bei HDM bereits von 25.000 auf unter 14.000 Stellen. Auch die Wettbewerber Manroland, KBA, Goss International und Komori strichen mehrere Tausend Stellen.

Betriebsräte und Gewerkschaftsführung ordneten die Interessen der Arbeiter und Angestellten bei all diesen Entlassungswellen den Profitzielen des Unternehmens unter. Sie waren diejenigen, die die Entlassungen und Lohnkürzungen vereinbarten und sie setzen sie gegen die Belegschaft durch.

Um ihre Interessen wahrzunehmen, müssen sich Arbeiter unabhängig von den Gewerkschaften organisieren und die Verteidigung von Löhnen und Arbeitsplätzen selbst in die Hand nehmen. Dazu müssen sie Verbindung zu den Arbeitern der HDM und anderer Druckmaschinenhersteller auf der ganzen Welt herstellen.