Unterstützt die Chrysler-Arbeiter in Dundee

Von Barry Grey
29. August 2012

Die Socialist Equality Party und die World Socialist Web Site rufen die Autoarbeiter in ganz Amerika und weltweit dazu auf, die Haltung der Arbeiter des Chrysler-Motorenwerks in Dundee, Michigan, zu unterstützen. Die Arbeiter haben diesen Monat einen betrügerischen Tarifvertrag mit überwältigender Mehrheit abgelehnt, den die Führung der Ortsgruppe der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) ausgehandelt hatte. Jetzt widersetzen sie sich den Versuchen der Gewerkschaft, den Tarifvertrag durchzusetzen.

Das Tarifabkommen ignorierte völlig die Sorgen der Arbeiter, die sieben Tage in der Woche zwölf Stunden arbeiten müssen. Die Hälfte der Mitglieder der UAW-Ortsgruppe (Local) 723 sind neu Eingestellte. Gemäß den Vorgaben, die die Obama-Regierung mit Unterstützung der UAW im Jahr 2009 im Rettungspaket für Chrysler und General Motors durchgesetzt hat, bedeutet dies, dass sie zu Anfang einen Armutslohn von 14,65 Dollar die Stunde verdienen.

Die UAW ist in dieser Zweiklassen-Lohnstruktur sogar noch weiter gegangen. Sie hat Chrysler erlaubt, eine eigenständige Kategorie von Vertragsarbeitern in ihrem Werk in Dundee auszubeuten. Sie verdienen nur neun Dollar die Stunde und erhalten fast keine Sozialleistungen. Außerdem müssen sie der UAW beitreten, sodass ihre bescheidenen Löhne durch den automatischen Abzug von Beiträgen für den Gewerkschaftsapparat noch weiter gesenkt werden.

Die Ablehnung des Vertrages durch die Arbeiter von Dundee ist Teil einer wachsenden nationalen und internationalen Bewegung der Arbeiter gegen die alten Gewerkschaftsorganisationen. Die offiziellen Gewerkschaften haben vor Jahrzehnten aufgehört, die Interessen der Arbeiter zu vertreten und sich auf die Seite der Unternehmen und des kapitalistischen Staates gestellt. Sie haben sich am Angriff auf die Arbeitsplätze, Löhne, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen der Arbeiter beteiligt.

Die Finanz- und Wirtschaftselite aller Länder hat auf die weltweite Krise infolge des Börsenkrachs an der Wall Street im September 2008 mit einer sozialen Konterrevolution reagiert, durch die alle Errungenschaften, die die Arbeiter im 20. Jahrhundert erkämpft haben, zurückgenommen werden sollen. Der wachsende Widerstand der Arbeiter gerät in Konflikt mit den rechten, arbeiterfeindlichen Organisationen, die sie angeblich repräsentieren. Die Arbeiter sehen die offiziellen Gewerkschaften wie die UAW zunehmend als ihre Feinde, genauso wie die Unternehmen.

Dieser Konflikt hat seinen bisher schärfsten Ausdruck in den Ereignissen gefunden, die sich in diesem Monat in Südafrika zugetragen haben. Die National Union of Mineworkers (NUM), die mit dem kapitalistischen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbunden ist, hat bei einem Massaker an streikenden Platin-Bergarbeitern, die in einer abgespaltenen Gewerkschaft organisiert sind, direkt mit der Polizei zusammengearbeitet. Die NUM verteidigt nicht nur die Ermordung von 34 Arbeitern durch den Staat, sie ruft auch zu einer Hexenjagd gegen die rivalisierende Gewerkschaft und die Verhaftung der Streikführer auf.

Dieses Ereignis hat die unversöhnlichen Klasseninteressen enthüllt – auf der einen Seite die Arbeiter, auf der anderen die offiziellen Gewerkschaften. Es hat auch die Behauptungen, diese Organisationen könnten reformiert werden, als Lügen entlarvt. Ihre Verwandlung in Wirtschaftsunternehmen (die UAW besitzt 55 der Aktien von Chrysler), die einen Teil der Profite für sich wollen, den die Arbeiter erwirtschaften, ist Teil eines historischen Prozesses und nicht einfach nur der Korruption einzelner Gewerkschaftsbürokraten geschuldet. Die allgemeine Akzeptanz korporatistischer Partnerschaft zwischen Unternehmen und Gewerkschaften ist das Ergebnis ihres nationalen Charakters und Programms unter Bedingungen der Globalisierung und der kapitalistischen Produktion.

Die größte Furcht der herrschenden Klasse ist, dass sich die Arbeiter aus dem Griff dieser Organisationen befreien und einen unabhängigen Kampf zur Verteidigung ihrer sozialen Grundrechte beginnen. Ein solcher Kampf wird schnell die Notwendigkeit internationaler Einheit der Arbeiterklasse und einer politischen und revolutionären Offensive gegen das kapitalistische System zeigen.

In den USA sind die Autoarbeiter zunehmend mit der UAW in Konflikt geraten. Vor zwei Jahren lehnten die Arbeiter eines GM-Presswerkes in Indianapolis die Forderung der UAW nach einer 50-prozentigen Lohnkürzung ab. Ein Teil der Arbeiter gründete ein von der UAW unabhängiges Basiskomitee, um gegen die Versuche der Gewerkschaft zu kämpfen, die Lohnkürzung durchzusetzen.

Kurze Zeit später rebellierten die Arbeiter des GM-Werkes in Lake Orion im Raum Detroit gegen die Einführung einer 50-prozentigen Lohnkürzung, ohne dass auch nur darüber abgestimmt worden wäre.

Die SEP und die WSWS unterstützen die Bewegung der Arbeiter gegen die UAW vollkommen. Wir rufen die Arbeiter dazu auf, mit dieser Agentur der Konzerne und der Regierung zu brechen und neue demokratische Kampforgane aufzubauen. Es sollten Basiskomitees gegründet werden, aus denen die UAW und ihre Vertreter ausgeschlossen sind. Sie müssen die Arbeitsplätze, Löhne, Leistungen und Arbeitsbedingungen verteidigen und die Unterordnung der Bedürfnisse der Autoarbeiter unter das Profitstreben der Konzerne ablehnen. Die Komitees müssen den Kampf auf Autoarbeiter in ganz Amerika, auch bei den Tochtergesellschaften, und weltweit ausdehnen.

Der Kampf für diese Perspektive erfordert einen Kampf gegen eine ganze Reihe von kleinbürgerlichen und pseudolinken Organisationen wie die International Socialist Organization in Amerika, die die offiziellen Gewerkschaften verteidigt und fordert, dass sich die Arbeiter dem Gewerkschaftsapparat unterordnen. Der soziale und politische Standpunkt, der dieser Haltung zugrunde liegt, wurde vor kurzem in einem Artikel von Jean Damu, in dem „linken“ Journal Counterpunch gut zusammengefasst. Der Artikel verteidigt die ANC-Regierung und die NUM und unterstützt ihre Hexenjagd gegen die streikenden Bergarbeiter.

Damu verteidigt die offiziellen Gewerkschaften und behauptet, „gespaltene Gewerkschaften“ sind und waren schon immer ein Werkzeug der Unternehmer. Die Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung widerlegt diese Behauptung.

Die UAW hätte niemals entstehen können, wenn die Arbeiter der Auto-, Stahl- und anderer Massenproduktionsindustrien in den 1930ern nicht mit der alten, von Zunftgewerkschaften dominierten American Federation of Labor (AFL) gebrochen und eine neue Bewegung gegründet hätten, den Congress of Industrial Organizations, um die Arbeiter der Grundindustrien zu organisieren.

Die Gründung der UAW und des CIO erforderte einen aufstandsartigen Kampf unter Führung sozialistisch gesinnter Arbeiter. Die Bewegung wurde jedoch von der Gewerkschaftsbürokratie verkauft, indem sie sich den Demokraten und den Interessen der herrschenden Klasse Amerikas im In- und Ausland unterordnete. Die CIO und die AFL führten nach dem Zweiten Weltkrieg antikommunistische Hexenjagden durch, um die Gewerkschaften von den militanten und sozialistischen Kräften zu säubern, die im vorherigen Jahrzehnt die Kämpfe geführt hatten.

Die Beseitigung der „gespaltenen Gewerkschaft“ durch die Fusion zwischen AFL und CIO im Jahr 1955 auf Grundlage der Klassenkollaboration im eigenen Land und dem Antikommunismus des Kalten Kriegs nach außen waren die Grundlage für den Zusammenbruch der Gewerkschaftsbewegung in den darauffolgenden Jahren und ihre Umwandlung in ein Werkzeug zur Unterdrückung und Verarmung der Arbeiter.

Der Aufbau neuer Kampforganisationen der Arbeiter muss mit einer neuen politischen Strategie verbunden werden. Der Niedergang der UAW als Arbeiterorganisation ist untrennbar verbunden mit ihrer Zurückweisung des Sozialismus und ihrer Verteidigung des Profitsystems. Das zeigt sich politisch an ihrem Bündnis mit den Demokraten und ihrer Unterstützung für Obamas Wahlkampf.

Die grundlegende Aufgabe, vor der die Arbeiter stehen, ist der Aufbau einer eigenen politischen Massenpartei, um für ein sozialistisches Programm zu kämpfen. Dazu gehört die Enteignung der Vermögen der Banker und Vorstände und die Verstaatlichung der Konzerne und Großbanken unter demokratischer Kontrolle der Arbeiterklasse.

Die Socialist Equality Party nimmt an den Wahlen im Jahr 2012 teil, um für dieses Programm und gegen Demokraten und Republikaner zu kämpfen und eine neue sozialistische Führung in der Arbeiterklasse aufzubauen.