Aviation Power und Lufthansa

Von Ernst Wolff
11. September 2012

2004 gründeten Lufthansa Technics und Manpower zusammen das Zeitarbeitsunternehmen Aviation Power. Es hieß, man wolle „die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden sowohl in Form klassischer Personaldienstleitungen als auch in ganzheitlicher Übernahme von Werk- und Dienstverträgen“ sichern. Etwas weniger blumig ausgedrückt: Man wollte die Personalkosten im Bereich der Luftfahrt nach amerikanischem Vorbild senken.

Inzwischen verfolgt Aviation Power zwei unterschiedliche Strategien. Zum einen heuert das Unternehmen in klassischem Stil Leiharbeiter an oder bildet sie aus, um sie anschließend gegen entsprechende Gebühren an Firmen zu vermitteln. Geschieht das mit der Lufthansa, so geht die Hälfte der Gebühren wieder an die Lufthansa, da sie zu 49 Prozent an Aviation Power beteiligt ist. So werden nicht nur Lohnkosten, sondern auch die Hälfte der „Vermittlungs- und Bereitstellungskosten von Arbeitskräften“ gespart.

Zum anderen kommt Aviation Power seit einiger Zeit auch dort zum Zug, wo ein tatsächlicher Bedarf an Langzeit-Arbeitskräften besteht. Ende vergangenen Jahres wechselten 150 gut ausgebildete Mechaniker und kaufmännische Kräfte ohne Unterbrechung von der Aviation Power in eine Festanstellung bei der Lufthansa.

„Unsere Mitarbeiter werden abgeworben“, lamentierte Holger Küster, Geschäftsführer der Aviation Power damals gegenüber dem Handelsblatt und fügte scheinheilig hinzu, er wolle sich nicht über das Gebaren seiner Kunden beklagen.

Seiner Kunden? Kunde von Aviation Power war mit der Lufthansa die Miteigentümerin von Aviation Power! Diese „Übernahme von Leiharbeitern“, die in den Medien auch noch als Dienst des Unternehmens an der Gesellschaft und als Rückgang der Leiharbeit gefeiert wird, ist nichts anderes als eine gezielte Maßnahme zur Senkung von Personalkosten und hat in arbeitsrechtlichen Fachkreisen bereits ihren Namen: „Personalgewinnung mittels Vorschaltung von Leiharbeit“.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Stück pries die Vorteile dieser Strategie bereits 2007 im Heft „Arbeit und Arbeitsrecht“ an. Unter dem Titel „Praxistipp“ gab Stück interessierten Unternehmern damals folgende Informationen: Die „Personalgewinnung mittels vorgeschalteter Leiharbeit kann Vorteile bieten, die die Vermittlungsprovision wettmachen.“

Im Einzelnen führte er aus: „AGG-Risiken (AGG = Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) bei eigener Rekrutierung können so z.B. vermieden werden. Da die Verleihzeit ab 1.1.2004 nicht mehr begrenzt ist, hat der Entleiher eine Prüfungs- bzw. Beobachtungszeit, die über 6 Monate (§ 1 Abs. 1 Kündigungsschutzgesetz) oder sogar 2 Jahre (§ 14 Abs. 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz) hinausgehen kann; meist noch mit (Lohn) Kostenvorteilen. Zudem verringern sich die eigenen Rekrutierungsausgaben und es werden bewährte, bereits eingearbeitete Mitarbeiter in die Stammbelegschaft übernommen.“

Hier zeigt sich, wie geplant und mit welcher Akribie in den Chefetagen daran gearbeitet wird, geltende Gesetze zu umgehen, um Kosten zu sparen. Die vorbereitenden Arbeiten dazu haben SPD und Grüne in ihrer Regierungszeit geleistet, als sie die juristischen Grundlagen des Arbeitsschutzes mit der aktiven Hilfe der Gewerkschaften untergruben.

Das europäische Recht fordert nämlich die formale Gleichbehandlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften und konnte nur dadurch umgangen werden, dass Gewerkschaften Tarifverträge abschlossen, in denen eine Schlechterstellung der Leiharbeiter festgeschrieben wurde. Obwohl sich in ihren Reihen kaum Leiharbeiter befanden, waren IG Metall und der Christliche Gewerkschaftsbund für Zeitarbeit und Personal (CGZP) damals bereit, genau solche Verträge abzuschließen. Sie legten damit die Grundlagen für die explosionsartige Zunahme der Leiharbeit in den verschiedensten Branchen in den vergangenen fünf Jahren.

Aviation Power ist im Übrigen nicht das einzige Joint Venture der Firma Manpower, der mit einem Jahresumsatz von 22 Mrd. Dollar drittgrößten Personalvermittlung der Welt. Weitere Töchter sind Bankpower (mit dem Partner Deutsche Bank), Experis, Right Management und ManpowerGroup Solutions.

Das Unternehmen Vivento Interim Services wurde mit Beteiligung der Deutschen Telekom AG und deren Personaldienstleister Vivento gegründet und erfüllt im Bereich Telekommunikation den gleichen Zweck wie Bank Power im Bankwesen und Aviation Power in der Luftfahrt – die systematische branchenspezifische Organisation der Personalkostensenkung.