Politik der “Quantitativen Lockerung” der Fed bringt Gefahr von Währungskrieg

Von Nick Beams
26. September 2012

Es gibt wachsende Befürchtungen, dass die Politik der „quantitativen Lockerung“, welche die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) betreibt, internationale Spannungen hervorrufen wird. Denn diese Politik der Fed, durch die monatlich zig Milliarden Dollar in die Finanzmärkte hineingepumpt werden, hat Auswirkungen auf die internationalen Währungen.

Eine der Konsequenzen der Fed-Entscheidung besteht in der Abwertung des amerikanischen Dollars. Damit wird die Wettbewerbsposition anderer großer Länder auf dem internationalen Markt geschwächt.

Nach der Bekanntgabe der letzten Entscheidung der Fed, eine zeitlich unbeschränkte Zusage zum monatlichen Kauf hypothekengestützter Wertpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar zu geben, wiederholte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega seine früheren Warnungen vor einem Währungskrieg.

In einem Interview vom letzten Donnerstag mit der Financial Times sagte Mantega, dass der Schritt der Vereinigten Staaten „protektionistisch“ sei und dramatische Konsequenzen für den Rest der Welt haben könnte. „Man muss verstehen, dass es Konsequenzen gibt“, sagte er der Zeitung. Die letzte Entscheidung der Fed brächte nur unwesentlichen Nutzen, sagte er. Es gebe bereits reichlich Liquidität in der Wirtschaft, doch sie gehe nicht in die Produktion. Der tatsächliche Zweck dieser Maßnahmen sei das Senken des Dollarwerts und die Förderung der amerikanischen Exporte, ergänzte er.

Mantega wies auf die Entscheidung der Bank of Japan (BoJ) aus der letzten Woche hin. Diese interveniere mit ihrer eigenen Version der quantitativen Lockerung auf den Finanzmärkten. Dies sei ein weiteres Anzeichen globaler Spannungen. „Das ist ein Währungskrieg“, sagte er.

In einem Schritt, der eindeutig auf die Senkung des Yen-Wertes und die Hebung japanischer Exporte gerichtet ist, entschied die BoJ, ihr Programm für Anleihenaufkäufe um 128 Milliarden Dollar zu erhöhen. Zur Begründung ihres Vorgehens nannte sie die Auswirkungen von „Entwicklungen auf dem Finanz- und Devisenmarkt“.

Weitere Belege des Einflusses der globalen Finanzturbulenzen enthüllen die japanischen Wirtschaftsdaten für den vergangenen Monat. Diese zeigen an, dass die Exporte nach Westeuropa im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent gesunken sind und die Exporte nach China den dritten Monat in Folge zurückgehen.

Auch China ist besorgt über die Auswirkungen der Fed-Entscheidung. Zhou Xiaochuan, Direktor der chinesischen Zentralbank, gab die Veröffentlichung seiner Kritik frei, die er im April über das Programm der „quantitativen Lockerung“ gemacht hatte. Er sagte, fortgesetzte billige Kreditspritzen helfen nicht und gezieltere Maßnahmen müssten ausgearbeitet werden, um Geld dorthin zu bringen, wo es gebraucht werde.

Der Fall des amerikanischen Dollarwerts bereitet China Sorgen in z wei Richtungen: Er neigt dazu, den Wert des Yuan zu erhöhen, was sich auf den chinesischen Exportmarkt auswirkt und er schmälert den Wert der amerikanischen Staatsanleihen im Wert von über 1,2 Billionen Dollar, die Peking besitzt.

Die Begründung der amerikanischen Fed für ihre Maßnahmen ist, dass die Liquiditätsspritzen die Zinssätze senken und Investitionen begünstigen würden, was zum Schaffen von Arbeitsplätzen und zur Senkung der Arbeitslosigkeit führen werde. Doch eine aktuelle Untersuchung der Duke University, in der die Finanzchefs von 887 großen Unternehmen befragt wurden, erweist, dass eine Zinssatzsenkung praktisch keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen haben würde.

Gemäß den Analytikern der Duke University “glauben die Finanzvorstände, (…) dass Währungsmaßnahmen nicht besonders effektiv wären. 91 Prozent der Firmen sagen, sie würden ihre Investitionspläne selbst dann nicht ändern, wenn die Zinssätze um ein Prozent sinken und 84 Prozent sagen, dass sie ihre Investitionspläne nicht ändern würden, wenn der Zinssatz um zwei Prozent sinkt.“

Mit anderen Worten: So weit die Realwirtschaft betroffen ist, laufen die Maßnahmen der Fed ins Leere. Tatsächlich wird dies auch innerhalb der führenden Finanzkreise erkannt.

Richard Fisher, ein nicht abstimmungsberechtigtes Mitglied des Federal-Open-Market-Komitees, das die jüngste Politik beschlossen hatte, sagte vergangenen Donnerstag im Harvard Club von New York, dass die Fed tief in unerforschte Gewässer vordringe. In einem aufrichtig gemeinten Eingeständnis teilte er mit: „Die Wahrheit (…) ist, dass niemand im Komitee oder im Stab des Ausschusses der Gouverneure und der zwölf Banken tatsächlich weiß, was die Wirtschaft zurückhält. Niemand weiß, was die Wirtschaft wieder auf Kurs bringen kann. Und niemand – in der Tat, keine Zentralbank auf der Welt – hat Erfahrung darin, uns aus der Lage in der wir stecken, erfolgreich wieder nach Hause zu navigieren. Keine Zentralbank – jedenfalls nicht die Fed – war jemals zuvor auf so einer Reise.“

Der ehemalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker reihte seine Stimme in den Chor derer ein, die darauf beharren, dass weitere quantitative Lockerung nicht dazu beitragen werde, die Wirtschaft der USA und Europas zu befördern. Auf einer Konferenz in Schottland, die am Wochenende stattfand, sagte er: „Es gibt so viel Liquidität auf dem Markt, dass eine Erhöhung die Ökonomie nicht ändern wird.“

Das wachsende Gefühl, dass die Weltwirtschaft wieder zurückgehen wird, wurde durch die jüngsten Prognosen der Welthandelsorganisation (WHO) bekräftigt. Sie sagte vorher, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr nur um 2,5 Prozent wachsen werde, und ging damit von ihrer vorherigen Vorhersage von einem Wachstum um 3,7 Prozent wieder ab.

Obwohl die Maßnahmen der Fed fast keinen Einfluss auf Investitionen und Arbeitsplätze haben, geben sie den Finanzmärkten Auftrieb. Seit dem Zusammenbruch im September 2008 verfolgte die Fed eine klare Zielvorgabe. Die Banken und Finanzhäuser, deren zum Teil vollständig kriminelle Spekulationsaktivitäten, die Krise ausgelöst hatten, wurden mit extrem billigem Geld endlos unterstützt. Durch die Erhöhung der Preise für Kapitalanlagen werden Profite gemacht, die auf die erhöhten Geldspritzen der Fed zurückzuführen sind.

Der Stillstand und die vollständige Rezession in der realen Wirtschaft bedeuten indessen, dass dieser Prozess nicht endlos fortgesetzt werden kann. Das Kartenhaus muss in sich zusammenfallen. Die Interventionen der drei größten Zentralbanken der Welt – die amerikanische Fed, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan – weisen weniger darauf hin, dass sie in der Lage sein werden, weitere Rettungsgelder zu liefern, als vielmehr darauf, dass sie selbst in die Fluten gerissen werden.