Die SEP im US-Wahlkampf:

Jerry White spricht mit Transportarbeitern über den Lehrerstreik in Chicago

Von unserem Korrespondenten
20. September 2012

Jerry White, Kandidat der Socialist Equality Party für das Amt des US-Präsidenten, sprach am Montag in Chicago mit Transportarbeitern und Feuerwehrleuten, um weitere Unterstützung für den Lehrerstreik in der amerikanischen Großstadt zu gewinnen.

Jerry White mit einem Transportarbeiter in Chicago Jerry White mit einem Transportarbeiter in Chicago

Nachdem die Mehrheit der 26.000 Lehrer am Wochenende beschlossen hatte, nicht in die Klassenräume zurückzukehren, war der Streik am Montag in seine zweite Woche gegangen. Der Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel, hatte die Streikenden aufgefordert, die Arbeit umgehend wieder aufzunehmen und für den Fall einer Fortsetzung des Streiks mit einer einstweiligen Verfügung gedroht.

An einem Busbahnhof stärkten Transportarbeiter den Streikposten demonstrativ den Rücken. „Sie sollten unbedingt weiter kämpfen“, sagte Busfahrer David. „Wir machen derzeit das Gleiche durch. Wir arbeiten ohne Vertrag. Sie drängen die Busfahrer mit Langzeitverträgen langsam aus dem Betrieb und ersetzen sie durch Zeitarbeiter. Ich stehe zu einhundert Prozent hinter den Lehrern, weil sie auch für unsere Rechte kämpfen.“

White wies auf die Rolle hin, die der Chicagoer Bürgermeister Rahm Emanuel spielt. Der enge Vertraute von Barack Obama war fast drei Jahre lang Stabschef im Weißen Haus und organisiert derzeit die Finanzierung von Obamas Wiederwahlkampagne. Emanuel setzt in Chicago dieselbe Politik durch, die die Regierung im ganzen Land verfolgt.

„Erst dachte ich, Obama und Emanuel wären sich bei diesem Streik nicht einig“, sagte eine Busfahrerin. „Schließlich spricht Obama ständig darüber, wie sehr er sich für die Bildung einsetzt. Aber das scheint offensichtlich nicht der Fall zu sein. Im Grunde überrascht es mich nicht.“

„Lehrer haben das Recht zu streiken“, sagte ein anderer Busfahrer. „Rahm Emanuel interessiert sich nur für sich selbst und Leute mit Geld. Studenten und Schüler sind ihm egal. Ich bin froh, dass die Lehrer sich gegen ihre Gewerkschaft für die arbeitende Bevölkerung stark machen. Ihre Gewerkschaft ist genau wie unsere – seit Jahren der beste Verbündete der Geschäftsleitung.“

Casey äußerte sich zur allgemeinen politischen Situation. „Emanuel versucht, mit den Lehrern das zu machen, was sie damals mit den Fluglotsen gemacht haben“, sagte er und sprach damit die fristlose Entlassung der streikenden Fluglotsen durch den damaligen Präsidenten Ronald Reagan im Jahr 1981 an. „Kein Wunder, dass Obama auf Emanuels Seite steht. Alle Politiker halten in diesen Dingen zusammen. Ich glaube, es muss eine neue Partei für die Armen in diesem Land geben. Die Demokraten unterscheiden sich in nichts von den Republikanern. Sie spielen nur den Freund des kleinen Mannes, und genau das macht sie so gefährlich.“

„Genauso ist es“, antwortete Jerry White. Die Demokraten benutzen die Gewerkschaften, um die Arbeiter anzugreifen.“ Casey stimmte zu und sagte: „Die Gewerkschaften schlagen dabei auch einiges an Geld für sich selbst heraus. Randi Weingarten, der Präsident des amerikanischen Lehrerverbandes, und andere Gewerkschaftsfunktionäre streichen sechsstellige Gehälter ein und reden den Demokraten dafür nach dem Mund.

Es wundert mich auch nicht, dass die Gewerkschaft der Autoarbeiter Obama geholfen hat, die Löhne zu halbieren. Die Leute lassen ihn gewähren, weil er schwarz ist. Aber das hat nichts zu bedeuten. Es gibt schwarze Bürgerrechtsaktivisten, die das kapitalistische System verteidigen. Sie sagen, dass sie sich für die Armen einsetzen, aber in Wahrheit arbeiten sie für die Reichen.“

Jerry White sprach auch mit einigen Feuerwehrleuten über die streikenden Lehrer. „Wir unterstützen sie“, sagte einer von ihnen. „Wir haben zwei bis vier Jahre gebraucht, um unseren letzten Tarifvertrag unter Dach und Fach zu bringen. Momentan arbeiten wir ohne Vertrag. Die Polizisten ebenfalls. Es gibt keinen Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten. Die Demokraten sagen zwar: ‚Wählt keine Republikaner, weil sie die Gewerkschaften zerschlagen’, aber in Wahrheit machen sie dasselbe mit den Lehrern.“

In der Nähe der Streikposten im Norden von Chicago sprach eine Angestellte aus dem öffentlichen Dienst mit Jerry. Sie bat darum, nicht namentlich erwähnt zu werden, und sagte: „Der Gouverneur von Illinois macht uns im öffentlichen Dienst das Leben genauso schwer wie Rahm Emanuel den Lehrern. Er ist Demokrat, aber das hat nichts zu sagen – sowohl die Demokraten, als auch die Republikaner vertreten das große Geld.“

„Eigentlich sollten wir öffentlichen Angestellten längst selber streiken“, fügte sie hinzu. „Unser Tarifvertrag lief am 30. Juni aus, zusammen mit dem der Lehrer. Sie nehmen uns die stufenweisen Gehaltserhöhungen weg und weigern sich, unsere Ausgaben für Erziehungszwecke zu ersetzen.

Bei meiner Gewerkschaft hat der Ausverkauf schon begonnen. Sie werden keinen Streik ausrufen. Stattdessen spalten sie die alten und die jüngeren Angestellten durch ein zweiteiliges Vergütungssystem. Die Jüngeren werden erst dann in Rente gehen können, wenn sie mindestens dreißig Jahre gearbeitet haben und die Altersgrenze von 67 erreicht haben.“

Jerry White antwortete: „Die Demokraten sind in mancherlei Hinsicht raffinierter als die Republikaner. Während die Republikaner die Gewerkschaften verteufeln, versuchen die Demokraten, mit ihnen zusammen zu arbeiten, um auf diese Weise gegen die arbeitende Bevölkerung vorzugehen. Im Grunde aber sind das nur zwei verschiedene Taktiken zur Erreichung ein und desselben Ziels: Der Durchsetzung der Interessen der finanziellen Elite.“