Berliner Busfahrer unterstützt Basiskomitee der New Yorker Schulbusfahrer

5. März 2013

Am 19. Februar gründeten New Yorker Schulbusfahrer ein Basiskomitee, nachdem die Gewerkschaft Amalgamated Transit Union ihren monatelangen Streik ausverkauft hatte. (Siehe: „New Yorker Schulbusfahrer gründen Basiskomitee) Das Komitee bekämpft die Pläne von privaten Vertragspartnern der Schulen, mit Unterstützung des milliardenschweren Bürgermeisters der Stadt, Michael Bloomberg, 9.000 Arbeitsplätze bei Schülertransporten zu streichen und die Löhne der restlichen Arbeiter um 20 und mehr Prozent zu kürzen.

Der folgende Brief stammt von einem Busfahrer in Berlin.

Liebe Kollegen,

wir grüßen Euch herzlich und begrüßen Eure Entscheidung, ein unabhängiges Basiskomitee zu gründen. Genau das ist es, was wir Arbeiter weltweit so dringend brauchen. In Eurem Kampf habt Ihr die bittere Erfahrung gemacht, mit Euren Lohnforderungen einer geschlossenen Front aus Arbeitgebern, dem Bürgermeister Bloomberg und der Amalgamted Transit Union (ATU) gegenüber zu stehen. Mit Eurem prinzipiellen Standpunkt, nicht zuzulassen, dass durch die Abschaffung der Employment Protection Provision (EPP) marktwirtschaftliche Bedingungen in Eurem Arbeitsgebiet eingeführt werden, verteidigt Ihr nicht nur Eure Interessen, sondern zugleich die Interessen der New Yorker Arbeiter, ihre Kinder sicher auf dem Weg in die Schule zu wissen.

Eure Entscheidung ist mutig und richtig!

Auch wir Busfahrer und die anderen Verkehrsarbeiter in Berlin stehen einer solchen geschlossenen Front gegenüber und sind mit den gleichen organisatorischen und politischen Aufgaben konfrontiert wie Ihr. Über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren mussten wir Lohnkürzungen, die Aufspaltung unserer Kollegen in Neueingestellte und altbeschäftigte Mitarbeiter, die Zersplitterung der Verkehrsarbeiter in einen extra geschaffenen Fahrerpool (Berlin Transports BT) und in die Berliner Verkehrsbetriebe BVG, sowie die Verschlechterung der Arbeits - und Lebensbedingungen hinnehmen. Die Verantwortung für all dies trägt die Gewerkschaft Verdi, die uns für nutzlose Streiks missbraucht hat, um der Berliner Regierung und der Finanzelite zu zeigen, dass sie – die Gewerkschaft! – am besten Löhne kürzen und Arbeitsbedingungen verschlechtern kann.

Zwar haben einige Kollegen teils neue, kleine Gewerkschaftsgruppen gegründet, und sich links gebende Radikale versuchen, bei uns auf Stimmenfang zu gehen. Ändern tut sich jedoch am Wesen nichts! Ständig wird argumentiert, alle müssten sparsamer sein, denn mehr Geld sei nicht da. Ganz sicher kennt Ihr diese Argumente ebenfalls.

Und genau wie Ihr haben wir die Medien gegen uns. Diese berichten über Tarifverhandlungen und Warnstreiks mit dem Tenor, dass unsere Forderungen überzogen wären und wir schon genügend bekämen, wir müssten doch etwas abgeben.

Euer Streik wurde in den deutschen Medien totgeschwiegen! Ganz sicher aus Angst, wir könnten aus Eurem Beispiel lernen. Nur die World Socialist Web Site berichtete ausführlich darüber.

Klar ist, dass wir in unserem Kampf – wir hier in Berlin und Ihr in New York – fest Seite an Seite stehen müssen. Was uns vereint, ist nicht nur der Fakt, dass wir Teil der gleichen Klasse sind, sondern dass wir auch die gleichen Feinde haben.

Euer mutiges Beispiel soll für uns zum Vorbild werden. Wir müssen hier, genauso wie alle anderen Arbeiter in Europa und weltweit, für von den Gewerkschaften unabhängige Basiskomitees kämpfen und uns den sich daraus ergebenden politischen Fragen und Aufgaben stellen.

Wir benötigen eine weitergehende politische Perspektive, die unsere Interessen als Arbeiter ausdrückt und uns ermöglicht, gegen die bestehenden kapitalistischen Verhältnisse und all ihre Verteidiger zu kämpfen.

Mit Lohndumping, Zerstörung des Sozial- und Bildungswesens, Kriminalisierung der Streikenden und Demonstranten werden für uns Arbeiter zunehmend unerträgliche Bedingungen geschaffen. Die Situation ist auch in Europa zum Zerreißen gespannt. Während sich die politische und wirtschaftliche Elite hemmungslos bereichert, werden weltweit zunehmend Kriege um Rohstoffe geführt, in denen dann die politischen Parteien des gesamten Spektrums und die Gewerkschaften (unter der verlogenen Formel der „Arbeitsplatzsicherung“) uns und unsere Kinder verheizen wollen.

Die einzige Möglichkeit, diese katastrophale Entwicklung zu stoppen, ist uns international gegen die herrschenden Eliten zusammenzuschließen und sie gemeinsam politisch zu bekämpfen. Dazu ist eine sozialistische Perspektive notwendig, wie sie von der WSWS und den Parteien für Soziale Gleichheit der Vierten Internationale vertreten wird!

Es ist ermutigend zu hören, dass es mitten im Herz des weltweiten Finanzkapitals kämpfende Arbeiter gibt, die sich nicht mehr von den Agenten und Speichelleckern der Reichen dominieren lassen wollen.

Für gemeinsame Arbeiterregierungen in den USA und Europa!

A. N., Busfahrer in Berlin