Guardian-Herausgeber:

Zeitung wurde gezwungen, Festplatten zu zerstören

Von Thomas Gaist
22. August 2013

Am Montag berichtete der Herausgeber des Guardian, Alan Rusbridger, dass die britische Regierung ihm und anderen Journalisten der Zeitung inoffiziell mit gerichtlichen Schritten gedroht habe. Deshalb seien sie gezwungen gewesen, Festplatten zu zerstören, auf denen Material des Whistleblowers Edward Snowden gespeichert war.

Davor war David Miranda, Partner des Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, von britischen Staatsschützern festgenommen worden. Das war ein unverhüllter politischer Einschüchterungsversuch.

Die britische Regierung reagierte umgehend, um die Enthüllung ihrer kriminellen Aktivitäten und der Aktivitäten ihrer amerikanischen Partner zu unterdrücken. Schon einen Tag, nachdem der erste Artikel über die NSA-Schnüffelei im Guardian veröffentlicht worden war, stellte sie der Zeitung eine Defence Advisory Notice zu, in der sie warnte, weitere Artikel könnten die „nationale Sicherheit“ und „britische Staatsbürger“ gefährden.

Rusbridger schreibt, er sei vor zwei Monaten im Zusammenhang mit dem Snowden-Material von einem „sehr hochgestellten Vertreter der Regierung kontaktiert worden, der behauptete, die Auffassung des Premierministers wiederzugeben“. Rusbridger erfuhr im Verlauf mehrerer weiterer Treffen mit Regierungsagenten, dass der Staat das Material zerstört sehen oder ausgehändigt bekommen wolle. Rusbridger berichtet, einer dieser Agenten habe ihm gegenüber geäußert: „Ihr habt euren Spaß gehabt, jetzt wollen wir unser Zeug wiederhaben.“

Rusbridger zufolge überwachten “zwei Sicherheitsexperten des GCHQ” die Zerstörung der Festplatten mit dem Snowden-Material im Keller des Verlagsgebäudes. Die Agenten sollen Witze gerissen haben, während die Journalisten die Trümmer eines zerstörten McBook Pro zusammenkehrten, das sie vorher mit Bohrern und Schreddern hatten bearbeiten müssen, um die Speicher mit den verschlüsselten Dateien zu zerstören.

Rusbridger sagt, es gebe weitere Kopien der zerstörten Ordner, und der Guardian werde weiter über die Überwachungsaktivitäten berichten, wenn nötig aus Brasilien und Amerika.

“Wir wurden von der britischen Regierung vor die Alternative gestellt, das Material entweder zu übergeben oder zu zerstören, oder mit juristischen Maßnahmen rechnen zu müssen“, fügte Rusbridger in einem Interview mit dem Guardian hinzu.

In seinem Artikel schreibt Rusbridger: “Ein Staat, der einen derartigen Überwachsungsapparat aufbaut, wird alles tun, um Journalisten daran zu hindern, darüber zu berichten. Die meisten Journalisten wissen das. Aber ich bezweifle, ob alle wirklich die totale Bedrohung für den Journalismus verstanden haben, die mit der Vorstellung einer Totalüberwachung verbunden ist, wenn oder falls sie kommt. Und es sieht im Moment eher danach aus, dass es nur noch um das ‚wann’ geht, und nicht mehr um das ‚ob’.“

Der Herausgeber fügt hinzu: “Ich glaube, Snowden will darauf aufmerksam machen, wie weit wir schon auf dem Weg zur Totalüberwachung fortgeschritten sind. In diesen Dokumenten wird das Ziel formuliert, alles aufzusaugen, alles zu speichern und das Internet zu kontrollieren. In diesen Worten spricht man intern darüber. Snowden hat die große rote Alarmfahne gehisst.“

Auf die Frage in einem Interview mit World at One, ob seine Journalisten Dinge über den GCHQ und die britischen Sicherheitsdienste aus Rücksicht auf die nationale Sicherheit nicht veröffentlicht hätten, antwortete Rusbridger: „Ja, wir haben Vieles zurückgehalten. Wir haben nur einen kleinen Teil dessen veröffentlicht, was wir gelesen haben.