Syrische Rebellen bringen der historischen Stadt Maalula Tod und Zerstörung

Von Johannes Stern
11. September 2013

Medienberichten zufolge sind vom Westen unterstützte “Rebellen” in die historische syrische Stadt Maalula zurückgekehrt, haben Teile von ihr zerstört und Dutzende ihrer Einwohner getötet.

Rami Abdul Rahman, Chef der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, einer in London ansässigen oppositionsfreundlichen NGO, berichtete, dass 1.500 Kämpfer der mit al-Qaida verbündeten al-Nusra Front und der Kalamon Befreiungsfront das Städtchen nach heftigen Kämpfen mit der regulären syrischen Armee am Sonntag gestürmt haben. Mittwoch vergangener Woche hatten die Islamisten Maalula zum ersten Mal angegriffen, waren aber von der syrischen Armee zurückgeschlagen worden, nachdem sie Verstärkung aus der Hauptstadt Damaskus erhalten hatte.

Blick über Maalula

Jetzt scheinen die Islamisten die historische Stadt eingenommen zu haben, die zwei der ältesten christlichen Klöster Syriens beherbergt und einer der wenigen Orte in der Welt ist, wo noch Aramäisch gesprochen wird, die biblische Sprache von Jesus.

„Die Armee hat sich an den Stadtrand des Ortes zurückgezogen und beide [Rebellengruppen] kontrollieren Maalula jetzt vollständig”, sagte Abdel Rahman. Ein Bewohner bestätigte über Telefon, dass die Rebellen jetzt die Kontrolle hätten. „Die Rebellen sind in Maalula, in ganz Maalula. Die Regierungstruppen haben sich aus Maalula zurückgezogen“, sagte der Einwohner, der darum bat, seine Anonymität zu wahren, um ihn vor Vergeltungsmaßnahmen der Islamisten zu schützen.

Andere Bewohner, die in der libanesischen Zeitung The Daily Star zitiert wurden, berichteten von einem Massaker, nachdem die Rebellen in den Ort eingerückt seien. „Sie haben Menschen erschossen. Ich habe Gewehrschüsse gehört und habe dann drei Leichen in der Mitte einer Straße der Altstadt liegen sehen. „Viele sind aus der Stadt geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen.“ Maalula sei „jetzt eine Geisterstadt“, fügte er hinzu.

Anonyme Quellen sagten der in Rom beheimateten katholischen Zeitung AsiaNews, dass „die islamistischen Aufständischen in Wohnungen einbrechen. Gestern töteten sie drei Menschen und nahmen sechs junge griechisch-katholische Christen gefangen. Leichen werden auf den Straßen liegengelassen, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Viele Familien sitzen in ihren Häusern fest und können nicht entkommen. Niemand weiß, wie es ihnen geht.“

Ein christlicher Einwohner berichtete, dass er gesehen habe, wie „die Kämpfer fünf Bewohner ergriffen und mit den Worten bedroht hätten: ‘Entweder ihr konvertiert zum Islam oder ihr werdet geköpft’.“ Eine christliche Frau bestätigte gegenüber AP, dass die Islamisten christliche Einwohner mit dem Tod bedrohten, wenn sie nicht konvertierten.

Das Kloster Mar Thekla in Maalula

Ein anderer Bewohner sagte zu Reportern, dass eine der Kirchen in Maalula mit Namen Demyanos von bewaffneten Rebellen in Brand gesteckt und zwei andere geplündert worden seien. Die meisten Rebellen seien keine Syrer, sagte er. Er habe mehrere ausländische Dialekte unterscheiden können, hauptsächlich tunesisch, libysch, marokkanisch und tschetschenisch.

Einer der Wenigen, die trotz des Terrors geblieben sind, ist der 73jährige George. Er sagte AFP am Telefon: „Die Menschen haben Angst, sie sind völlig eingeschüchtert. Es ist niemand mehr übrig in Maalula. Alle sind geflohen.“

Eine christliche Frau, der es gelang, nach Damaskus zu entkommen, gab der BBC ein Interview, in dem sie unter Tränen schilderte, dass sie ihre ganze Habe zurücklassen musste, als die Rebellen, „die Uniformen der Freien Armee trugen und ihre Gesichter verdeckt hatten,“ in die Stadt einrückten. „Die Leute ließen alles zurück, sie konnten nicht einmal ihr Geld mitnehmen“, klagte sie.

Sie machte US-Präsident Barack Obama und die Verbündeten der USA dafür verantwortlich, die islamistischen Kräfte zu bewaffnen und zu finanzieren, die jetzt Tod und Zerstörung über ihr Städtchen brachten. „Obama muss aufhören, diese großen Waffen, Gewehre usw. an die Rebellen zu liefern, weil sie uns töten“, sagte sie in Tränen aufgelöst.

Auf die Frage nach Obamas Drohungen mit einem Militärschlag gegen Syrien, klagte sie: “Das ist falsch. Er ist ein großer Lügner. Man kann sich das Video ansehen und man weiß das. Sie tun jetzt das Gleiche Syrien an, das sie dem Irak angetan haben. Sie spielen mit uns. Aber wir danken Großbritannien, danken Russland und danken allen, die auf die Straße gehen und rufen „Hände weg von Syrien“.

In Damaskus geben Kirchengemeinden Flüchtlingen Obdach, aber Berichten zufolge werden die Lebensmittel in der Hauptstadt knapp, weil immer mehr Flüchtlinge aus allen Teilen des Landes eintreffen und dem Terror der Islamisten zu entkommen suchen. „Diese Menschen sind traumatisiert“, sagte eine Quelle zu AsiaNews. „Ganze Familien haben ihr gesamtes Leben in Maalula zurückgelassen. Sie brauchen nicht nur materielle Dinge wie Lebensmittel Wasser und ein Bett, sondern auch seelische Unterstützung, besonders die Alten, Frauen und Kinder.“

Kirchen in Maalula

Der Angriff der vom Westen unterstützten islamistischen Rebellen unterstreicht die mörderische Strategie der imperialistischen Mächte bei der Rekolonialisierung Syriens. In der Vorbereitung eines großen militärischen Angriffs auf das kleine Land mobilisieren sie ihre al-Qaida-Stellvertreter vor Ort und lassen sie ihre blutigen sektiererischen Säuberungen und terroristischen Angriffe auf Zivilisten verstärken.

Die syrische Zeitung Al-Watan berichtete Dienstagfrüh, dass fünf Arbeiter der General Company for Reconstruction and Development bei einem Angriff im Stadtteil Harasta von Damaskus getötet worden seien, als Granaten ihr Firmengebäude trafen.

Der Angriff der Opposition auf Maalula gibt einen Eindruck von den kommenden Verbrechen, wenn die imperialistischen Mächte das Assad-Regime zu stürzen und ihre Marionetten an die Macht zu bringen versuchen. Die drohenden Bombenangriffe bedrohen nicht nur direkt das Leben von Tausenden syrischen Soldaten und Zivilisten. Sie werden auch die „Rebellen“ vor Ort stärken, die auf grünes Licht ihrer imperialistischen Hintermänner für den Marsch auf Damaskus warten, um noch viel größere Massaker zu begehen. Damaskus ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt mit einer langen Geschichte von religiöser und kultureller Vielfalt.