Giuseppe Verdis zweihundertster Geburtstag

Von Fred Mazelis
23. November 2013

Am 10. Oktober jährte sich zum zweihundertsten Mal der Geburtstag des unübertrefflichen Operngenies Giuseppe Verdi. Er wurde mit Veranstaltungen auf der ganzen Welt begangen. Verdi kam 1813 in Italien, in der Nähe der Stadt Busseto, etwa 100 Kilometer südwestlich von Mailand, zur Welt. Er starb 87-jährig im Jahr 1901 nach einer fast sechzigjährigen Karriere, die ihn zum berühmtesten Opernkomponisten seiner und vielleicht auch der heutigen Zeit machte.

Man kann die Bedeutung dieser zur Ikone gewordenen Persönlichkeit nur schwerlich überschätzen. Es lässt sich über die Oper – und besonders über die italienische Oper – nicht sprechen, ohne dass sein Name fallen muss. Zwar gab es andere Komponisten, die mehr produzierten. Quantitativ zumindest fallen Verdis 28 Opern im Vergleich beispielsweise zu den 75 vom Maestro des Bel Canto, Gaetano Donizetti (1797-1848), erschaffenen Werken, etwas blass aus. Hinsichtlich des weltweit auch heute gängigen Aufführungsrepertoires in Werkanzahl und prozentualem Anteil kommt indessen weder Donizetti noch jemand anderes Verdi nahe, der hierbei auf fast zwanzig Opern verweisen kann.

(Gemäß Operabase ist Verdi tatsächlich der populärste Opernkomponist heutzutage. In den letzten fünf Spielzeiten wurden weltweit 2.486 Aufführungen von 28 seiner Opern dargeboten. An zweiter Stelle in der Popularität steht Giacomo Puccini [1858-1924] mit 1.893 Aufführungen von zwölf seiner Opern.)

Zu den Gedenkereignissen anlässlich seines zweihundertsten Geburtstages gehörten die Veröffentlichung einer 75-CD-Sammlung aller seiner Opern durch Decca, eine vom Amerikanischen Institut für Verdi-Studien organisierte viertägige Konferenz an der New Yorker Universität und am 10. Oktober eine Internet-Live-Übertragung von Verdis monumentalem Requiem, gespielt vom Sinfonieorchester Chicago unter der Leitung des Verdi-Experten Riccardo Muti. Die New York Metropolitan Opera markierte das 200-Jahr-Jubiläum in der vergangenen Spielzeit mit der Aufführung von sieben der berühmtesten Opern des Komponisten: Rigoletto, Il Trovatore, La Traviata, Un Ballo in Maschera, Don Carlos, Aida und Otello.

Giuseppe Verdi

Verdi bezeigte ein frühes musikalisches Talent, doch war er kein Wunderkind. Tatsächlich wurde er als junger Mann nicht zum Mailänder Konservatorium zugelassen. Seine frühen Jahre waren darüber hinaus von persönlicher Tragik gekennzeichnet: im kurzen Zeitraum zwischen 1838 und 1840 starben seine beiden Kinder und seine junge Frau. Der junge Komponist konnte erst im Jahr 1842 im Alter von 28 Jahren mit Nabucco, seiner dritten Oper, seinen ersten großen Erfolg feiern.

Nachdem ein weiteres Jahrzehnt vergangen war und Rigoletto, Il Trovatore und La Traviata kurz aufeinander aus seiner Feder geflossen waren, galt Verdi indessen bereits als berühmtester Opernkomponist seiner Zeit, dessen Stellung möglicherweise nur Giacomo Meyerbeer (1791-1864) infrage stellen konnte. Obwohl er nur vier Jahre nach dem Tod von Franz Joseph Haydn (1732-1809), dem Vater der Sinfonie und des Streichquartetts, zur Welt kam, wirkte Verdi auf den größten Teil des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus.

Verdi komponierte fast ausschließlich für die Opernbühne. Zu seinen nicht für die Oper bestimmten Kompositionen zählt das berühmte Requiem aus dem Jahr 1873, eines der „opernhaftesten“ unter den geistlichen Werken, das jemals geschrieben wurde und dessen Anlass der Tod des Dichters und Schriftstellers Alessandro Manzoni (1785-1873) war. Ebenfalls aus dem Jahr 1873 stammt Verdis einziges bedeutendes Werk für Kammermusikbesetzung, das bewundernswerte Streichquartett in e-moll.

Man kann Verdis Jubiläum nicht würdigen ohne einen Vergleich mit Richard Wagner anzustellen, dem anderen Operngenie des 19. Jahrhunderts, das ebenfalls 1813 geboren wurde. Richard Wagner (gestorben 1883) wird häufig als großer Rivale von Johannes Brahms (1833-1897) dargestellt, doch der Kontrast zwischen Wagner und Verdi ist viel augenfälliger. Der deutsche Komponist war der Begründer einer vollkommen neuen Schule des Musikdramas, des „Gesamtkunstwerks“, das seinen höchsten Ausdruck in einem gigantischen Ringzyklus von vier Opern (im Verlauf von etwa 26 Jahren, 1847-74, komponiert) gefunden hatte.

Im Vergleich mit Wagner war Verdi zweifellos ein Konservativer in der Musik. Er wurde zu Lebzeiten häufig für als übermäßig volkstümliche oder durchschaubar geltende Methoden und Techniken kritisiert. Fraglos war er ein Mensch, der zutiefst seiner Zeit angehörte, ein Komponist, der entschieden bestrebt war, in Verbindung mit seinem Publikum zu stehen und der die bestehenden populären Formen nutzte. Doch Verdis Zeiten waren auch revolutionäre Zeiten und er brachte aufs Kraftvollste die gewaltigen sozialen und kulturellen Veränderungen seiner Epoche zum Ausdruck.

Zwar führte Verdi seine ersten Schritte ganz in der Tradition des Belcanto aus, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aufs Engste mit Gioachino Rossini (1792-1868), Vincenzo Bellini (1801-1835) und Donizetti in Verbindung stand. Die musikalische Grundstruktur, die Standardarien und –instrumentierungen, der Chorgebrauch, all dies ist vorhanden. Besonders Verdis frühe Opern stehen verständlicherweise in großer Abhängigkeit von seinen unmittelbaren Vorgängern.

Doch Verdi formte die Belcanto-Tradition auch um. Seine Opern sind von vornherein durch größeren Naturalismus sowie packende Leidenschaftlichkeit und Wucht gekennzeichnet. Sie zielen weniger auf den schönen Ton (Belcanto = schöner Gesang), vielmehr auf Gesang und Technik, die organisch aus der dramatischen Handlung selbst entstehen und dieser dienen.

Im Unterschied zu früheren Komponisten schuf Verdi beispielsweise Protagonisten ohne Glamour und Romantik, darunter die Zigeunerin Azucena (Il Trovatore) und den buckligen Hofnarren Rigoletto. La Traviata (“Die Frau, die vom rechten Wege abkam”), die von einer Mätresse handelt, wurde nach ihrer ersten Aufführung, aus moralischen Bedenken kritisiert. Wie Harold Schonberg in seinem Werk über Die großen Komponisten ausführt, wurden beispielsweise 1855 in New York gerichtliche Schritte gegen die Aufführung von Rigoletto eingeleitet. Begründet wurde dies damit, „dass durch ihren Gesang, ihre Darstellung und ihre Handlung, die Oper sich sogleich auf eine solche Weise darbietet, dass kein geachtetes Mitglied des schwachen Geschlechtes diese besuchen kann, ohne auf der Stelle sowohl Geschmack als auch Geduld aufzuopfern.“

Die dramatische Wirkung seiner Opern nahm zu, nachdem Verdi Selbstvertrauen und Erfahrung erlangt hatte. Die Werke aus seiner Reifeperiode sind gekennzeichnet durch rhythmische Spannung und Komplexität, denen eine unvergleichliche melodische Gabe beigesellt ist. Ebenso außerordentlich ist Verdis Gebrauch von Chören und Ensembles. Mit seinem Naturalismus und seiner dramatischen Wucht ging eine unbekannte psychologische Tiefe und Komplexität einher.

Da sich Verdi mit gewaltiger Energie in jedes neue Projekt stürzte, stellte seine Opernkarriere, die von seiner ersten Oper Oberto (1839) bis zu seiner letzten, Falstaff (1893), 54 Jahre umspannte, eine fast ununterbrochene Kette fortgesetzter Entwicklung und sogar Neuerfindung dar. Man kann die Opern grob in vier Perioden einteilen: die frühen Opern, darunter Nabucco, I Lombardi, Ernani und Macbeth, die bereits genannten vier ganz großen Erfolge aus den frühen 1850er Jahren, die berühmten Opern aus Verdis Reifeperiode, darunter Simon Boccanegra, Un Ballo in Maschera, La Forza del Destino, Don Carlos und Aida, sowie die Opern aus Verdis Altersperiode, Otello und Falstaff.

Dabei erschöpft sich Verdis Werk keineswegs auf allein diese vierzehn Meisterwerke. Ein weiteres etwa halbes Dutzend gut bekannter Verdi-Opern wird regelmäßig an den verschiedensten Ecken und Enden der Welt auf die Bühne gebracht. Als die Metropolitan Opera in den vergangenen Jahren Attila (von 1846) und Stiffelio (aus dem Jahr 1850) präsentierte, waren dies für jene Opernenthusiasten, die diese Werke niemals zuvor gehört hatten, musikalische Offenbarungen.

Eine weitere gegen den Komponisten gerichtete Kritik, die bis auf den heutigen Tag fortdauert, nimmt die zweifellose Schwäche einiger seiner Libretti aufs Korn. Oft wird Il Trovatore vorgebracht, der als Vorzugsbeispiel für eine Oper herhalten muss, die mit Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüchen durchsetzt ist. Aber es stimmt, einige von Verdis Werken illustrieren die Tatsache, dass gerade ausdrucksstarke Musik letzten Endes der zentrale Bestandteil der Oper ist.

Es wäre indessen eine große Ungerechtigkeit, das Faktum außer Acht zu lassen, dass ein halbes Dutzend von Verdis Meisterwerken auf klassischer Literatur fußt. Macbeth, Otello und Falstaff sind natürlich Adaptionen von William Shakespeare. Ernani ist Victor Hugos (1802-1885) Drama Hernani entnommen, Rigoletto hat Le roi s’amuse zur Vorlage, ein weiteres Schauspiel Hugos, des französischen Dramatikers, Republikaners und führender aufklärerischer Persönlichkeit, der aufgrund seiner Opposition zu Napoelon III. ins Exil gezwungen wurde. La Traviata basiert auf der Kameliendame von Alexandre Dumas dem Jüngeren (1824-1895). Und Don Carlos, die Oper, die von vielen als Verdis großartigste angesehen wird, geht auf das gleichnamige Drama von Friedrich Schiller zurück, einer der überragenden Schöpfergestalten der deutschen Aufklärung.

Verdis Interesse am Werk Schillers, Dumas‘ und Hugos offenbart, bis zu welchem Ausmaß er von den politischen und gesellschaftlichen Kämpfen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts beeinflusst war, jenen Jahrzehnten, die auf die Französische Revolution folgten, welche mit dem Versprechen von Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit daherkam. In dieser Hinsicht ist es notwendig, Verdis eigenen Atheismus festzustellen. Einige Historiker sprechen von Agnostizismus, doch eine Vielzahl an Belegen legt Zeugnis ab von Verdis Feindschaft gegen organisierte Religion.

Bevor er Giuseppina Strepponi, eine Sopransängerin, die in einigen seiner Werke gesungen hatte, im Jahr 1859 schließlich heiratete, lebte der Komponist über ein Jahrzehnt offen mit ihr zusammen. 1851 erklärte er verärgert in einem Brief an seinen früheren Schwiegervater: „In meinem Hause lebt ein Dame, frei und unabhängig, begütert mit einem Vermögen, welches sie aller Bedürftigkeit enthebt, und die mein Verlangen nach Abgeschiedenheit teilt. Weder sie noch ich brauchen irgendeinem Menschen Rechenschaft über unsere Handlungen abzulegen…Mein Naturell schreit dagegen auf, sich den Voreingenommenheiten anderer Menschen unterzuordnen.“

Da ist auch die äußerst wichtige Verbindung zwischen Verdi und dem Risorgimento (“Wiedererstehung”), der nationalen Vereinigungsbewegung, die sich gegen die österreichische Okkupation richtete, von der ein Teil des italienischen Territoriums betroffen war. Was auch immer Verdis besondere politische Motive gewesen sein mögen, der berühmte Chor der hebräischen Sklaven in Nabucco (“Va, pensiero”) traf die Stimmung der italienischen Hörer, die der Okkupation Widerstand leisteten. Nachdem Verdi zum berühmtesten italienischen Komponisten avancierte – in den 1850er und 60er Jahren war er praktisch der einzige aktive italienische Komponist von Belang –, wurde er kurzzeitig in die italienische Deputiertenkammer entsandt.

Im Jahr 1874 wurde Verdi von König Victor Emmanuel in Anerkennung seiner Verdienste und seines Ruhmes zum Senator ernannt. In seinem letzten Lebensjahrzehnt wurde der Komponist, der politisch nicht aktiv war, häufig in Zusammenhang mit den großen Namen des italienischen Nationalismus gebracht, darunter Cavour und Garibaldi. Das Staatsbegräbnis, das ihm über einen Monat nach seinem Tod, im Februar 1901, bereitet wurde, begleiteten mehr als 300.000 Menschen, die größte Menschenansammlung, die jemals über die Mailänder Straßen hinwegging. Arturo Toscanini, der als junger Mann mit Verdi zusammengearbeitet hatte und zu einem der führenden Dirigenten der italienischen Oper in der ersten Jahrhunderthälfte des 20. Jahrhunderts werden sollte, leitete bei dem Leichenbegängnis gigantische, speziell zusammengelegte Orchester und Chöre, die unter anderem “Va, pensiero” darboten.

Ein besser bekanntes Beispiel für Verdis historische Bedeutung und seine Verbindung mit dem Risorgimento bietet Luchino Viscontis 1954 gedrehter hervorragender italienischer Film Senso (Sehnsucht), der im Venedig des Jahres 1866 vor dem Hintergrund des Kampfes gegen die österreichische Okkupation spielt. Der Film beginnt mit einer Szene aus Il Trovatore, gedreht in Venedigs berühmtem Opernhaus La Fenice, welches zum Austragungsort einer heftigen Auseinandersetzung zwischen italienischen Nationalisten und österreichischen Soldaten wird.

Während Verdis großartigste Arien und Chöre vielen Millionen Menschen bekannt sind, die noch keinen Fuß in ein Opernhaus gesetzt haben (“Va, pensiero” aus Nabucco, “The Anvil Chorus” aus Il Trovatore, “La donna e mobile” aus Rigoletto, “Das Trinklied” aus La Traviata), fehlt es auch anderen seiner Arien und Ensembles nicht an Größe und dementsprechender Wertschätzung.

Zu diesen zählen beispielsweise die zahllosen ausgedehnten Duette für Vater- und Tochterfiguren, welche in den meisten berühmten Opern Verdis zu finden sind. Der Fokus wird immer wieder, anders als es für Puccini und andere Komponisten typisch ist, nicht allein oder einzig auf Liebesduette gerückt, sondern auf allgemeine soziale Themen und auf tragische Verlegenheiten und Bedrängnisse, denen Familien oder Individuen gegenüberstehen, die in Konflikte mit der Gesellschaft oder der offiziellen Moral geraten sind. Beispiele für derartige psychologische Komplexitäten sind bei Verdi in Überfluss vorhanden, so in den Duetten zwischen Nabucco und Abigaille, Rigoletto und Gilda, Germont und Violetta in La Traviata, und Amonasro und Aida.

Die Betonung, die in Verdis Werken den Bariton- und Bassrollen zukommt, spiegelt außerdem sein Interesse wieder, typische romantische Konflikte in einen umfassenderen historischen Kontext zu setzen. Nirgendwo sonst ist dies so kraftvoll ausgedrückt, wie im Don Carlos, der auf Schillers Schauspiel (1783-87) basiert, im Spanien des 16. Jahrhunderts spielt und in welchem Freiheit, Gerechtigkeit und das Ringen mit fremden Unterdrückern die beherrschenden Themen sind (vgl. “Schiller’s Don Carlos: the light and warmth of a timeless play,” 12 November 2004).

Don Carlos, ursprünglich zu einem französischen Libretto und für die Pariser Oper komponiert, wird jetzt am häufigsten auf Italienisch gesungen. Es ist das längste und am häufigsten überarbeitete der Werke Verdis und es erfordert aufmerksames Zuhören. Hier findet sich eine fast endlose Liste musikalischer Beispiele, doch König Philips tragische Eröffnungsarie aus dem vierten Akt. “Ella giammai m’amo” (“Sie hat mich niemals geliebt”), ragt heraus, ebenso wie die Sterbearie Rodrigos, des Freundes von Philips Thronfolger Don Carlos, “Io morro, ma lieto in coro”, und das prächtige Duett für Tenor und Bariton aus dem zweiten Akt, “Dio che nell’ alma infondere.

In den 1870er und 80er Jahren hatte Verdi sich bereits überwiegend vom Musikbetrieb zurückgezogen, als ihn der Komponist und Dramatiker Arrigo Boito (1842-1918) wieder zum Arbeiten verlockte. Boito, dessen einzige Oper Mefistofele es verdiente, öfter wiederaufgeführt zu werden, brachte den betagten Meister für zwei auf Shakespeare basierende Projekte aus seinem Ruhestand zurück. Otello erschien 1887, als Verdi 74 Jahre alt war, und Falstaff sechs Jahre später.

Diese beiden Werke, die fünfzehn respektive zwanzig Jahre nach Aida auf die Bühne kamen, repräsentieren einen Wandel – besonders Falstaff. Im Otello gibt es keinen Sprechgesang wie bei Wagner, er ist mit Arien durchkomponiert. Zu diesem Zeitpunkt, nachdem das Musikdrama sich in den vorausgegangenen Jahrzehnten unter dem Einfluss Wagners entwickelt hatte, begann sich Verdi selbst Techniken zuzuwenden, die auf das Leitmotiv zurückgingen, welches der deutsche Meister eingeführt hatte. Otello weist weniger dramatische Handlung auf als die früheren Opern, auch weniger Arien und Ensembles, welche so charakteristisch für Verdis Repertoire bis zu diesem Zeitpunkt waren, doch er ist von enormer Kraft und erkennbar das Werk desselben Künstlers, der Rigoletto und La Traviata komponiert hatte.

Falstaff ist anders, eine Art operngemäßer Lebensausklang, wiewohl Verdi noch weitere acht Jahre nach der Fertigstellung seinen Lebensabend genießen sollte. Hier kehrt Verdi zum zweiten Mal in seiner Karriere zur Komödie zurück. Vorlage der Oper sind Die lustigen Weiber von Windsor sowie zwei Teile aus Heinrich IV. Sie nutzt nur wenige entwickelte Melodien und großen Arien, für die Verdi so berühmt war, stattdessen gibt es Witz und meisterhaften Kontrapunkt. Die Oper klingt in einer außergewöhnlichen Fuge aus.

Verdientermaßen bleiben Verdis Erbe und sein Einfluss gigantisch. Eine jüngere Untersuchung stellt heraus, dass sieben der 25 meistaufgeführten Werke der vergangenen Jahrzehnte von Verdi komponiert worden sind. Neben dem großen musikalischen und dramatischen Genuss, den das Anhören seiner Werke vielen Millionen Menschen bereitet, sollte auch der Einfluss erwähnt werden, den sein Naturalismus auf die nachfolgende Oper genommen hat. Die Werke solch unterschiedlicher Komponisten wie Puccini, Alban Berg, Benjamin Britten und Francis Poulenc verdanken den Innovationen und dem dramatischen Realismus sehr viel, für welche Verdi sich kämpferisch eingesetzt hatte.