Besucher sprechen über die Bedeutung der Vierten Internationale

Von unserem Korrespondenten
5. Dezember 2013

Am 30. November sprachen auf einer Veranstaltung in Berlin führende Vertreter der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) und der britischen Socialist Equality Party zum 75-jährigen Bestehen der Vierten Internationale. Nach der Veranstaltung unterhielten sich Besucher mit der WSWS über ihre Eindrücke und ihre Meinung.

André sagte: „Ich fand den Beitrag von Johannes Stern wichtig, weil er erklärt hat, welche Rolle die Arbeiterklasse spielt und warum so viele politische Tendenzen der Arbeiterklasse gleichgültig oder feindlich gegenüberstehen. Ich habe eine solche Haltung schon selbst erlebt. Ich war in einer Umweltgruppe aktiv, die Demonstrationen organisiert hat. Die Gruppe lehnte jede Beteiligung von Parteien ab und machte im Grunde die Konsumenten, d.h. die einfachen Arbeiter, für den Klimawandel verantwortlich.

Ich habe ein Dokument geschrieben, in dem ich erklärt habe, dass nur die Arbeiterklasse mit der Perspektive der Vierten Internationale grundlegende Veränderungen bewirken kann. Die Versammlung hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, ‚Das Erbe, das wir verteidigen‘ zu lesen, in dem die Geschichte der Vierten Internationale in der Nachkriegszeit detailliert erklärt wird.

Ich halte es für wichtig, dass die PSG und die Vierte Internationale der Geschichte große Aufmerksamkeit schenken. Das macht es mir möglich, meine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen und meine Perspektive zu entwickeln.“

Sergei, 50, aus Rostow am Don, erklärte, warum er zu der Versammlung gekommen ist:

„Mich haben die Traditionen der Vierten Internationale angezogen und die Tatsache, dass die sozialistischen Traditionen, die zur Oktoberrevolution geführt haben, heute noch leben. Das ist mir sehr wichtig. Als Russe fühle ich mich immer noch als Teil dieser Tradition, die heute in Russland ständig attackiert wird. Lenin, Trotzki und Stalin werden in einen Topf geworfen.

Gleichzeitig gibt es nachdenkliche Leute in Russland, die besonders über den Neo-Stalinismus besorgt sind. Unter Studenten gibt es wieder zunehmendes Interesse am Sozialismus, aber natürlich hat die jahrzehntelange Propaganda gegen Trotzki tiefe Spuren hinterlassen.“

Jakob aus Mainz meinte: „Die Reihenfolge der Redner war gut, viele Aspekte wurden beleuchtet und der ganze Zusammenhang wurde deutlich. Man muss hervorheben, dass die Veranstaltung ihrem internationalen Charakter gerecht wurde. Besonders gut fand ich, dass die Perspektive der englischen Sektion gezeigt wurde.

Wichtig war auch, wie Chris Marsden auf die Rolle der Mittelschicht in der Nachkriegszeit eingegangen ist. Das wirft ein anderes Licht auf die etablierten Parteien und die Zielgruppen, die sie in den 50er und 60er Jahren hatten. Wir wussten darüber bis jetzt sehr wenig. Es wird ja häufig gesagt, dass es kein Proletariat mehr gäbe. Man hat diese Schichten glauben lassen, dass sie etwas besseres seien, dass sie zum Kleinbürgertum gehören.

Wichtig fand ich auch, dass der ‚große Verrat’ in Sri Lanka beleuchtet wurde. Daraus wurde klar, dass marxistische Politik eine Beteiligung an bürgerlichen Regierungen ausschließt.“

Janina aus Mainz fügte hinzu: „Ich fand gut, dass auf die Frankfurter Schule eingegangen wurde, weil wir das schon in den Schulungen der IYSSE besprochen hatten, z. B die ‚Dialektik der Aufklärung‘. Ich hätte mir gewünscht, dass in dem Beitrag, in dem die Standpunkte der Frankfurter Schule zur Sprache kamen, diese noch ausführlicher behandelt werden.

Gut war auch, dass auf den Zentrismus eingegangen und sein Charakter erklärt wurde. Ich hatte mich gefragt, warum Willy Brandt jetzt immer im Gespräch ist. Es liegt wohl daran, wie Ulrich Rippert sagte, dass die Bourgeoisie jemanden wie ihn wieder benötigt.“