Wall Street feiert Ankündigung der Fed - Aktienkurse steigen auf Rekordniveau

Von Barry Grey
21. Dezember 2013

Der Vorstand der amerikanischen Notenbank Federal Reserve sprach am Mittwoch praktisch eine Garantie aus, die Zinssätze noch für mindestens ein Jahr bei nahezu null Prozent zu halten. Die massiven Aufkäufe von Anleihen sollen hingegen langsam zurückgefahren werden. Die Wall Street reagierte auf diese Ankündigung geradezu euphorisch. Die Aktienindizes Dow Jones und Standard & Poor's 500 erreichten Rekordwerte.

Am Mittwochnachmittag stiegen die Aktienindizes immer schneller, nachdem das Federal Open Market Committee (FOMC), das Entscheidungsgremium der Fed, nach einem zweitägigen Treffen seine Stellungnahme veröffentlicht hatte. Während einer Pressekonferenz mit dem scheidenden Vorsitzenden der Fed, Ben Bernanke, stiegen die Aktienkurse weiter. Bernanke versicherte den Banken und Konzernen, dass die Geldpolitik in der nahen Zukunft trotz der Reduzierung der Anleihenkäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung weiterhin "höchst entgegenkommend" bleiben werde.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, die amerikanische Zentralbank wird den Großbanken weiterhin nahezu unbegrenzt und fast kostenlos Kredit zur Verfügung stellen; dadurch werden die Aktienkurse, die Gewinne der Konzerne und die persönlichen Vermögen der Reichen und Superreichen noch weiter steigen.

Bernanke wies während seiner einstündigen Pressekonferenz mehrfach auf die "verlängerte, nach vorne gerichtete Lenkung" der Zinssätze hin, die die Fed in ihrer geldpolitischen Erklärung gegeben hatte. Er bezog sich auf Erklärung, die die frühere Ankündigung korrigieren sollte, den Leitzins langsam zu erhöhen, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent sinken sollte.

In der Erklärung des FOMC vom Mittwoch hieß es: "Der Ausschuss rechnet jetzt damit, dass es vermutlich angemessen sein wird, das aktuelle Niveau der staatlichen Zinsen auch nach einem Absinken der Arbeitslosenquote auf unter 6,5 Prozent beizubehalten. [Hervorhebung hinzugefügt.]

Diese Wortwahl zielte darauf ab, die Besorgnis der Märkte wegen einer Verringerung der Wertpapieraufkäufe durch die Fed zu zerstreuen, indem sie das beispiellose Versprechen gab, die Zinssätze auf ihrem historischen Tiefststand zu halten.

Um das nochmals zu betonen erklärte Bernanke vor der versammelten Presse: "Nichts was wir heute getan haben, wird unser Entgegenkommen verringern." Als Reaktion auf die Frage eines Reporters erklärte er kategorisch, dass der Geldhahn für die Finanzmärkte auch unter seiner mutmaßlichen Nachfolgerin, der aktuellen Vizevorsitzenden Janet Yellen, offen bleiben werde. Yellen ist von Präsident Obama als Nachfolgerin Bernankes nominiert worden, wenn dieser am 31. Januar aus dem Amt scheidet.

Der Dow Jones war zum Ende des Börsentages um 292 Punkte oder 1,8 Prozent gestiegen und stand bei 16.167 Punkten. Der S&P 500 stieg um 29 Punkte oder 1,7 Prozent auf einen Rekordstand von 1.810 Punkten. Der Nasdaq stieg um 46 (1,2 Prozent) auf 4070 Punkte.

Der Leitzins der Fed lag seit Ende 2008 bei null bis 0,25 Prozent. Die geldpolitische Erklärung, die sie am Mittwoch veröffentlichte, deutet darauf hin, dass der Zins noch bis 2016 nahe null Prozent bleiben und auch danach unter zwei Prozent bleiben dürfte.

Die meiste Zeit über hat die Fed außerdem riesige Geldbeträge in die Finanzmärkte gepumpt, indem sie Staatsanleihen und hypothekengestützte Wertpapiere im Rahmen einer dreimal verstärkten "quantitativen Lockerung" (QE) aufkaufte. Dazu hat sie praktisch Billionen von Dollar gedruckt, um Banken, Hedgefonds und Großspekulanten zu subventionieren.

Die Kombination aus praktisch kostenlosen Krediten und Geldspritzen hatte den beabsichtigten Effekt und führte zu einem beispiellosen Aktien- und Wertpapierboom zu. Seit Ende 2008 ist der Wert der Investitionen der Fed von 870 Milliarden auf fast vier Billionen Dollar gestiegen. Das ist Anzeichen für das Ausmaß, in dem die Finanzelite mit staatlichen Geldern gefördert wird.

Der Wert des S&P 500 hat sich fast verdreifacht, seit er im Frühjahr 2009 nach dem Zusammenbruch an der Wall Street auf den Tiefstwert von 666 Punkten abgestürzt war. Alleine in diesem Jahr ist er um 25 Prozent gestiegen.

Die aktuelle Runde quantitativer Lockerung begann im September 2012, als die Fed mit dem Ankauf von Staatsanleihen und hypothekengestützten Wertpapieren im Wert von 85 Milliarden Dollar im Monat (bzw. einer Billion Dollar im Jahr) begann. Vor einigen Monaten hatte die Fed davon gesprochen, den Kauf von Anleihen zurückzufahren, und erklärt, dies sei angesichts der verbesserten Lage auf dem Arbeitsmarkt denkbar.

Tatsächlich ist die Realwirtschaft trotz der Bereicherungsorgien auf den Finanzmärkten immer noch in der Rezession, die Arbeitslosigkeit liegt fast auf dem Niveau einer Depression, auch wenn die offiziellen Zahlen stark geschönt sind. In ihrer Stellungnahme vom Mittwoch wies die Fed darauf hin, dass die offizielle Arbeitslosenquote auf 7,0 Prozent gesunken sei, aber sie weiß nur zu gut, dass ein Großteil dieses Rückgangs darauf zurückgeht, dass Langzeitarbeitslose aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und deshalb nicht in den Statistiken der Regierung auftauchen.

Die amerikanische Wirtschaft ist seit dem offiziellen Ende der Rezession im Juni 2009 um durchschnittlich nur 2,3 Prozent pro Jahr gewachsen. Als Vergleich dazu war die Wirtschaft in den ersten vier Jahren von anderen Erholungsphasen nach dem Zweiten Weltkrieg um 4,1 Prozent gewachsen.

Zusätzlich zu ihrer geldpolitischen Stellungnahme veröffentlichte die Fed am Mittwoch außerdem eine Wirtschaftsprognose, laut der die amerikanische Wirtschaft im Jahr 2013 um nur 2,2 bis 2,3 Prozent wachsen werde, und die offizielle Arbeitslosenquote würde zum Jahresende 7,0 bis 7,1 Prozent betragen. Die Zentralbank prognostiziert außerdem, dass die Wirtschaft im Jahr 2015 um 3,0 bis 3,4 Prozent, und im Jahr 2016 um 2,5 bis 3,2 Prozent wachsen werde.

Laut den Prognosen der Fed wird die Arbeitslosenquote bis 2016 auf 5,3 bis 5,8 Prozent sinken. Im Mai 2007, vor Beginn der Finanzkrise, lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent.

Die Erklärung des FOMC zeigt, dass die Inflation deutlich unter dem Richtsatz der Fed von zwei Prozent liegt. Das ist Teil eines allgemeinen Phänomens. In Europa liegt die Inflation bei weniger als einem Prozent. Die extrem niedrige Inflationsrate ist ein weiterer Ausdruck des zutiefst rezessiven und sogar deflationären Zustandes der Realwirtschaft.

Der Hauptgrund für die Entscheidung der Fed, den Kauf von Anleihen langsam zu reduzieren, ist die Furcht, dass die Finanzblase, die sie damit gefördert hat, platzen und eine noch schwerere Finanzkrise auslösen könnte als die Katastrophe 2008. In der Erklärung des FOMC hieß es, die Fed werde ihre monatlichen Aufkäufe von Staatsanleihen ab Januar von 40 Milliarden auf 35 Milliarden Dollar reduzieren, und den Kauf von hypothekengestützten Wertpapieren von 35 Milliarden auf 30 Milliarden Dollar, insgesamt also eine Kürzung von 85 auf 75 Milliarden Dollar.

In der Stellungnahme hieß es, die Fed werde "die Anleihenaufkäufe bei künftigen Treffen vermutlich in weiteren maßvollen Schritten reduzieren."

In der gleichen Woche, in der die Fed verspricht, ihren Geldregen für die Wall Street fortzusetzen, haben die Obama-Regierung und der Kongress einen Haushaltsplan durchgesetzt, der Kürzungen bei der Unterstützung für Langzeitarbeitslose ermöglicht, die Renten von staatlichen Beschäftigten kürzt und die Haushaltskürzungen aus dem "Sequester" beibehält. Ferner steht ein Agrargesetz kurz vor der Verabschiedung, das die Mittel für Lebensmittelmarken kürzt, von denen Millionen Amerikaner abhängig sind.

Die Klassenorientierung der Politik der Regierung, d.h. die Verarmung der Arbeiterklasse und weitere Bereicherung der Wirtschafts- und Finanzelite, könnte kaum offener sichtbar sein.