Electrolux-Norditalien: Massiver Angriff auf Löhne und Arbeitsplätze

Von unseren Korrespondenten
1. Februar 2014

Der schwedische Haushaltsgerätekonzern Electrolux droht damit, seine Werke in Norditalien zu schließen und nach Polen zu verlagern, falls die Arbeitskosten nicht massiv gesenkt würden. Dies gab das Management am Montag, 27. Januar, in Mestre bei Venedig den Gewerkschaften bekannt.

Zurzeit gibt es noch vier Werke mit etwa 5.000 Arbeitsplätzen in Norditalien: in Porcia, Susegana, Soaro und Forlì. Im Jahr 1984 hatte der schwedische Electrolux-Konzern die italienische Firma Zanussi übernommen.

Der Plan stellt einen brutalen Angriff auf den Lebensstandard der Arbeiter von Electrolux dar. Das Werk in Porcia (Pordenone) mit 1.300 Arbeitsplätzen ist von Schließung bedroht, und anderswo sollen mehrere hundert weiterer Stellen abgebaut werden.

Die Löhne sollen reduziert und die Arbeitszeit gleichzeitig von acht auf sechs Stunden am Tag verkürzt werden, was einer Lohnkürzung von vierzig Prozent gleichkommen würde. Weihnachtsgeld, Unternehmensboni und Seniorenzuschläge werden abgeschafft, Pausen um die Hälfte gekürzt, die Bandgeschwindigkeit erhöht.

Besonders die Produktion in Porcia sei nicht mehr konkurrenzfähig; sie müsste um dreißig Prozent verbilligt werden, um überhaupt eine Chance auf dem Weltmarkt zu haben.

Zur Begründung wird erklärt, die in Italien hergestellten Haushaltsgeräte seien im globalen Vergleich nicht mehr konkurrenzfähig; polnische Electrolux-Arbeiter würden für sieben Euro die Stunde arbeiten. Nur wenn die Arbeitskosten drastisch reduziert würden, werde Electrolux in Norditalien weiter produzieren.

Seit Dienstag versammeln sich in Porcia täglich hunderte Arbeiter vor den Toren, um gegen die Pläne zu protestieren. Die Produktion wird sporadisch unterbrochen, die Auslieferung der Geräte blockiert. Arbeiterinnen sagten der Presse, von ihren bisher 1.350 Euro im Monat würden ihnen künftig noch etwa achthundert Euro bleiben. „Damit können wir nicht leben“, sagte eine Bandarbeiterin.

Doch die Arbeiter haben keinerlei Interessenvertretung im Kampf gegen diese Angriffe. Die Gewerkschaften finden zwar markige Worte, um den Angriff zu denunzieren, teilen aber im Grunde die Argumente der Wirtschaft, und konzentrieren sich auf Appelle an die Regierung von Enrico Letta.

Rocco Palombella, Sekretär der christlichen Gewerkschaft Uilm, klagte, dies sei „offenbar die Zeit des harten Vernichtungskampfs. Die Regierung, wenn es sie denn gibt, lässt sich kaum hören.“ Auch ein Delegierter der alternativen Gewerkschaft RSU sagte: „Wir haben umsonst auf ein Treffen mit dem Minister für ökonomische Entwicklung, Flavio Zanonato, gewartet. Jetzt gehen wir direkt zu Letta.“ Er meinte, da Electrolux bei seiner Ansiedlung in Italien staatliche Gelder und Vergünstigungen erhalten habe, müsse die Regierung jetzt ein Einlenken verlangen.

Die Orientierung der Gewerkschaftsvertreter auf die Letta-Regierung zeigt deutlich, dass sie der Ansicht sind, es gehe jetzt darum, konkurrenzfähige Bedingungen für ein Verbleiben des Konzerns in Italien zu schaffen, was natürlich auf Kosten der Arbeiter gehen wird. Sie werden sicherstellen, dass ein entsprechender Deal zustande kommt.

Der Sekretär der größten Metallergewerkschaft FIOM, Maurizio Landini, appellierte am 29. Januar in einem Offenen Brief an Enrico Letta und schrieb: „Ihr Eingreifen ist notwendig und dringend; der Streitfall Electrolux übersteigt den üblichen Ausgleich zwischen den [Vertrags-]parteien“.

Landini weiß ganz genau, dass die Letta-Regierung momentan dabei ist, die Produktionsbedingungen im Sinne der Wirtschaft umzukrempeln. Nur einen Tag nach Erhalt des Offenen Briefes traf sich Letta mit den Vertretern von Wirtschaft und Bankenwelt und sagte: „Wir haben dieses Jahr mit einer wichtigen Reduktion der Arbeitskosten begonnen, aber offensichtlich müssen wir noch viel mehr tun. Italien muss auf den globalen Märken glaubwürdig sein.“

Die Vertreter der Unternehmerverbände Confindustria und Unindustria fordern seit langem, die Arbeitskosten in Italien zu senken. Der Unindustria-Präsident von Pordenone, Michelangelo Agrusti, forderte einen Notfallplan, um einen „unabdingbaren und substanziellen Einschnitt bei den Arbeitskosten“ durchzusetzen.

Der Minister für Wirtschaftsentwicklung, Flavio Zanonato, stimmte dem Electrolux-Management öffentlich zu. Er sagte, er habe „Verständnis“ für die Gründe des Konzerns: „Die italienischen Produkte der elektrischen Haushaltsgeräte sind von guter Qualität, aber verursachen hohe Produktionskosten, vor allem Arbeitskosten, die jene unserer Konkurrenten übersteigen.“ Deshalb sei es notwendig, „in Italien die Produktionskosten, vor allem die Arbeitskosten, zu senken“.