Die Wurzeln der südafrikanischen Workers and Socialist Party und ihre politische Rolle

Von Thabo Seseane Jr.
8. Februar 2014

Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2014 in Südafrika ist die Workers and Socialist Party (WASP) gegründet worden. Das ist eine pseudolinke Gruppe, die mit dem Committee for a Workers International (CWI) in Verbindung steht. Sie behauptet, den Weg zu einer sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft aufzuzeigen. Sie allein vertrete die Interessen des Proletariats.

Nichts dergleichen trifft für die WASP zu. Die Partei ist durch ihre Wesensmerkmale vielmehr mit dem bürgerlich-nationalistischen African National Congress (ANC) verbunden.

Zu der Splittergruppe des ANC, die später die WASP ins Leben rief, führt Steven Friedman in einem Beitrag für das Journal of Asian and African Studies aus: “Zu Beginn der 1980er Jahre versuchte eine Gruppe von linken Intellektuellen und Aktivisten den damals aus dem Exil agierenden ANC dazu zu bewegen, eine Strategie anzunehmen, die der organisierten kollektiven Aktion von Arbeitern und Armen Priorität einräumte. Die Gruppe wurde ausgeschlossen und die von ihnen vorgeschlagenen Rezepte ignoriert.“ (Der Beitrag ist auf abahlali.org wiedergegeben).

Zu dieser Zeit war der ANC in Südafrika verboten, seine Führung war auf Robben Island inhaftiert oder befand sich im Ausland. Unter dem Einfluss seines stalinistischen Verbündeten, der South African Communist Party (SACP), nahm der ANC in den frühen 1960er Jahren den „bewaffneten Kampf“ auf. Er zielte mit sporadischen, von kleinen Zellen ausgeführten Anschlägen auf die Infrastruktur ab. Eine Orientierung auf die Arbeiterklasse gab es nicht.

Weil der ANC vor Ort nicht präsent war, blieb es den Arbeitern überlassen, dem Widerstand gegen die Apartheid 1973 in den Massenstreiks von Durban Ausdruck zu verleihen. Mit diesen Streiks rangen die Arbeiter der Bourgeoisie Zugeständnisse ab. Drei Jahre später übernahmen die Schüler von Soweto die Führung in einem Aufstand gegen den Apartheidstaat, als dieser versuchte, Afrikaans als Unterrichtssprache in schwarzen Schulen vorzuschreiben. Einige Strategen des ANC waren über die wachsende Entfremdung des ANC von den Massen beunruhigt. Diese Schicht suchte für die pro-kapitalistische und stalinistische Führung des ANC nach Arbeiterorganisationen als legitimer Verbindung zur breiten Bevölkerung. Der aus dem ANC ausgeschlossenen Gruppe, die sich als Marxist Workers Tendency (MWT) innerhalb des ANC organisierte, gelang es auch in der Parteibasis nicht, eine Anhängerschaft für sich zu gewinnen, nachdem sie mit dem anfänglichen Versuch gescheitert war, Unterstützung für ihre Positionen in der Führung zu erlangen.

Nichtsdestoweniger verbreiten die Gefolgsleute der MWT bis in die Gegenwart hinein die Illusion, radikale Tendenzen hätten die Möglichkeit, sich im Kern bürgerlichen Massenbewegungen anzuschließen und diese zu einer linken Ausrichtung zu zwingen. Dies ist der Gedanke hinter dem kürzlich erfolgten Aufruf der WASP an die einflussreiche National Union of Metalworkers of South Africa (NUMSA), unter dem Banner der WASP an den Wahlen teilzunehmen. Die Gelegenheit hierzu ergab sich, nachdem die NUMSA mit ihrer Tradition gebrochen hatte, und dem ANC für den kommenden Wahlgang die Unterstützung entzog (siehe “Campaigning underway in South African elections”).

Paula Ensor, Dave Hemson, Martin Legassick und Mark Heywood, die Gründer der MWT, sind immer noch als “Viererbande” bekannt. Die Stellungnahme, derentwegen Legassick und seine Mitstreiter aus dem ANC gedrängt wurden, erschien 1979 unter dem Titel „“The Workers’ Movement, SACTU and the ANC—A Struggle for Marxist Policies (Die Arbeiterbewegung, SACTU und der ANC – Ein Kampf für marxistische Politik”). Ihr Ziel war es, den ANC und SACTU zu überzeugen, die Perspektive der sozialistischen Revolution zu übernehmen. Die Fokussierung auf den bewaffneten Kampf und uMkhonto weSizwe wurde kritisiert.

Die grundlegende Selbsttäuschung der MWT bestand in der Annahme, es sei möglich, eine sozialistische Reorganisation der Gesellschaft zu erreichen, ohne zuvor eine revolutionäre Massenpartei aufzubauen. Sie sah jegliche Art von Massenbasis für ausreichend an.

Ignoranz gegenüber der schwierigen vorbereitenden Arbeit, die Arbeiterklasse über ihre historischen Aufgaben aufzuklären, ist oft ein Zeichen für kleinbürgerliches Abenteurertum, das heutzutage als marxistische Theorie durchgeht.
Die Perspektive Legassicks und Co., Druck auf existierende Massenorganisationen auszuüben, entsprach ihrer Glorifizierung der Möglichkeiten des Entrismus.

Der Entrismus ist ein rein taktisches Manöver, das im Beitritt eines trotzkistischen Blocks zu einer größeren Organisation mit dem Ziel besteht, die existierende Führung gegenüber der Arbeiterklasse zu entlarven und Anhänger aus dem Bereich des linken Flügels und besonders der Jugendorganisation (der größeren Partei) zu gewinnen, wobei sich die Vorbereitung für einen entscheidenden Bruch anschließen muss.

Diese Vorgehensweise wurde in der Mitte der 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts wirkungsvoll in Frankreich und den USA angewandt.

Nach dem Sturz der Regierung Daladier bildeten die Sozialistische Partei (SFIO) und die französische Kommunistische Partei eine “Einheitsfront” um eine faschistische Machtübernahme wie in Deutschland zu verhindern. Leo Trotzki, der neben Lenin 1917 die russische Revolution angeführt hatte, sah hierin eine günstige Gelegenheit, die Reihen der trotzkistischen Bewegung zu erweitern. Demgemäß überzeugte er die Kommunistische Liga, die französische Sektion der Internationalen Linken Opposition, im Juni 1934 sich der SFIO anzuschließen. Wegen des Plans, die Einheitsfront zu einer Volksfront zu erweitern, die nichtproletarische Elemente enthalten sollte, spalteten sich die Trotzkisten in der Folge von der Einheitsfront ab.

In den USA hatte der Eintritt der Trotzkisten in die Socialist Party Ende 1935 internationale Auswirkungen, indem er die Bildung der Dewey Kommission ermöglichte. Diese Untersuchungskommission widerlegte die erfundenen Anklagen gegen Trotzki und diskreditierte die Moskauer Prozesse, in denen die am meisten gebildeten und prinzipienfestesten Kader der bolschewistischen Partei von der stalinistischen Bürokratie ausgelöscht wurden.

Im „Erbe, das wir verteidigen“, schreibt David North: “Vorbedingung für eine Anwendung der Taktik des Entrismus ist stets die politische Festigkeit des trotzkistischen Kaders und seine Fähigkeit, dem Klassendruck zu widerstehen, der sich verstärkt, wenn man in einem feindlichen Milieu arbeitet“

Das Beispiel von Ted Grant bestätigt dieses Diktum negativ. Grants langer Werdegang führte ihn von der Workers International League (WIL) über die International Socialist League (ISL) in die Militant Tendenz, den Vorgänger des CWI. Als einzige der trotzkistischen Gruppen lehnte es Grants WIL 1938 wegen taktischer Erwägungen im Hinblick auf die Arbeit in Großbritannien ab, sich an der Vierten Internationale zu beteiligen.

Als sich die Vierte Internationale in das orthodox-trotzkistische Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) und das pablistisch-revisionistische Internationale Sekretariat (IS) spaltete, fand Grant seine Heimat im Internationalen Sekretariat. Dies gründete auf der gemeinsamen Perspektive, dass der Weg zum Sozialismus nicht über den Aufbau der Vierten Internationale, sondern darüber führen sollte, die existierenden stalinistischen, sozialdemokratischen und bürgerlich-nationalistischen Bewegungen zu einer Wendung nach links zu ermutigen.

Grant und Pablo waren der Auffassung, dass die stalinistischen Parteien in Osteuropa zur “Selbstreform“ getrieben werden könnten. Im Anschluss und nach einer anhaltenden Periode von Kriegen gegen den Imperialismus würden sie die Bildung von Arbeiterstaaten erzwingen, ohne dass es der bewussten Teilnahme der Arbeiterklasse bedürfte.

Den Ansichten der pablistischen Gruppen über die Notwendigkeit, die Stalinisten zur Selbstkorrektur zu drängen, möchten wir Trotzkis Bemerkung gegenüberstellen: “Es ist die Pflicht revolutionärer Sozialisten, die Führung dieser Organisationen gnadenlos als Agenten der herrschenden Klasse in den Reihen der Arbeiter bloßzustellen und die breite Masse der Arbeiter von der Seite der Führung dieser Organisationen für die Parteien der Vierten Internationale zu gewinnen.”

Grant entschied sich stattdessen, Bündnissen mit solchen Organisationen beizutreten. In seinem Essay, “Probleme des Entrismus” (1959), erklärte er, “Die Bedingungen für den Eintritt, wie Trotzki sie entwarf, sind noch immer nicht gegeben.” Dann widersprach er sich selbst und sagte: “Die Bedingungen für unabhängiges Arbeiten sind ebenfalls nicht günstig.”

Dies führte zu einer längeren Periode, in der die Militant Tendenz die Taktik des Entrismus in ein Dogma verwandelte und vergeblich in der Labour Party dem Tag entgegenlebte, an dem diese über eine parlamentarische Mehrheit friedlich den Sozialismus einführen werde.

Grant und seine Anhänger behaupteten mit Pablo, dass Trotzkis Prognose zur Nachkriegssituation unzutreffend gewesen sei. Er habe nicht nur die Überlebenskraft des Kapitals unterschätzt. Er habe auch die Fähigkeit der Arbeiterklasse überbewertet, eine sozialistische Revolution herbeizuführen.

Grant behauptete, in dieser Situation sei die Arbeiterbewegung unter Führung der Sozialdemokraten und der Stalinisten der Weg zum Sozialismus. Grants Glaube an den halb-permanenten Eintritt in eine Partei der Arbeitermassen, in seinem Fall der Labour Party, war daher absolut. Er hielt die Agitation für die Annahme sozialistischer Programme für geeignet, die sozialistische Reorganisation Großbritanniens herbeizuführen, solange er nur die Gewerkschaften hinter sich wusste.

Diese Sichtweise war nicht nur pessimistisch, sie war auch liquidatorisch. Hinter ihrer revolutionären Rhetorik arbeiteten Grant, Pablo und Konsorten an der Konsolidierung eines Programms der Konterrevolution.

Mitte der 1970er Jahre erfreute sich die von Grant und dem gegenwärtigen Kopf der CWI, Peter Taaffe, geführte Militant Tendenz einer Phase raschen Wachstums. Zurückzuführen war dies darauf, dass sie die Kontrolle über die Labour Party Young Socialists gewinnen konnte. Bis Mitte der 1980er Jahre galt Militant als die weltgrößte trotzkistische Bewegung. Doch der Aufstieg des Thatcherismus und der Schwenk der intellektuellen Meinung nach rechts forderten ihren Tribut. Im Jahre 1982 befand eine Kommission der Labour Party, dass die Gruppe gegen die Satzung von Labour verstoße und daher kein Recht habe, der Partei anzugehören.

Die fünf Mitglieder der Redaktionsleitung der Zeitung von Militant wurden 1983 aus der Labour Party ausgeschlossen. Weitere Maßnahmen von Neil Kinnock, dem Führer der Labour Party, führten zum Ausschluss weiterer prominenter Mitglieder und schließlich zum Verlust der zwei von Militant für Labour gehaltenen Parlamentssitze. Militant selbst schloss Grant im Jahre 1991 aus, als eine Mehrheit schließlich für eine Aufgabe der Politik des Entrismus stimmte.

Es gibt weitere Gemeinsamkeiten zwischen der Militant Tendenz und der MWT als nur bürgerlichen Reformismus in marxistischem Gewand. Sie sind auch über einen südafrikanischen Gewerkschaftsorganisator und Anti-Apartheid Aktivisten mit Namen Nimrod Sejake verbunden, der sich im Exil in Kreisen sowohl von Militant als auch der MWT bewegte.

Sejake (1920-2004) wurde in Südafrika mit anderen Angeklagten inhaftiert, entkam aber während des Hochverratsprozesses, der bis 1961 andauerte und in dem 156 Aktivisten, darunter Nelson Mandela, wegen Hochverrats gegen den Apartheidstaat angeklagt wurden. Sejake erhielt schließlich Asyl in der Sowjetunion.

Die politische Erziehung, die er von den Apparatschiks der korrupten Kremlbürokratie erhielt, war mit der Unterordnung der Arbeiterklasse unter das vom ANC vertretene bürgerliche Programm für eine kapitalistische Demokratie in Südafrika ohne weiteres zu vereinbaren. Vor seinem Exil hatte er noch der Neigung der ANC-Führung, Streiks abzusagen oder sie in harmlose Richtungen zu lenken, kritisch gegenübergestanden. Sejakes Glaube, durch Druckausüben eine revolutionäre Orientierung von Massenbewegungen herbeizuführen, stand im Widerspruch zur Führung des ANC, die unter dem Mantel radikaler Phrasen ihrer Freedom Charter (1955) bis zum heutigen Tage entschlossen ist, bürgerliche Interessen gegen Arbeiter durchzusetzen.

Zur gegebenen Zeit gab der ANC sein halbherziges Ziel der bewaffneten Machteroberung auf und wurde wieder zugelassen. Mit seiner Teilnahme an den Mehrparteiengesprächen, die 1994 zur Regierung der nationalen Einheit (Government of National Unity (GNU) führten, machte er deutlich, dass er die bürgerliche Ordnung vorbehaltlos verteidigte. Unter seinen Partnern in der GNU befanden sich Mitglieder der letzten Apartheidregierung von F W de Klerk, und der Inkatha Freedom Party, einer weiteren Partei der Rechten.

Die Dinge hätten sich nicht anders entwickelt, wären Sejake und die MWT mit ihren entristischen Plänen erfolgreich gewesen. Dies beweisen die Erfahrung von Grant und Militant in der Labour Party (auf der, wie auf dem ANC, die ganze Hoffnung der Arbeiterklasse ruhte), ebenso wie Sejakes weitere Auseinandersetzungen mit der Exekutive des ANC. Sejake kehrte nach Afrika zurück, um den Posten eines politischen Kommissars im Trainingslager des ANC bei Morogoro, Tansania, zu übernehmen. In einem Interview, das auf redlug.com erneut veröffentlicht wurde, lesen wir: „Nach einer Zeit in Tansania wies mich die Führung des ANC an, nicht mehr länger Marxismus lehren. Die Person, die dies veranlasste, war …Moses Kotane, damals Generalsekretär der South African Communist Party. Es erstaunte mich, als er sagte, wir müssten stattdessen den ‘afrikanischen Weg’ lehren. Das ist lächerlich.”

Sejake geriet mit der Führung des ANC im Exil auch deswegen aneinander, weil diese nicht bereit war, ausgebildete Organisatoren nach Südafrika zu entsenden, um eine Revolution über eine militantere Gewerkschaftsbewegung vorzubereiten. Die Führer zogen einen guevaristischen bewaffneten Kampf vor, bei dem die Kämpfer sich auf die Bauernschaft orientieren sollten, während gleichzeitig Appelle an die Vereinten Nationen gerichtet wurden. Nachdem der ANC Sejake entlassen hatte, wies ihn Präsident Julius Nyerere aus dem Land.

Sejake beklagte sich: „Das Hauptproblem war, dass wir, die Arbeiter, die den ANC unterstützt und aufgebaut hatten, ihn nicht kontrollierten. Sogar SACTU stand unter Kontrolle der kleinbürgerlichen ANC Führer“ Welchen Ausweg schlug er vor? „Ich stimme völlig mit Inqaba [der Publikation der MWT] überein, wenn sie sagt, dass die Gewerkschaften sich der [United Democratic Front, UDF] anschließen, eine Rolle in ihr spielen und die UDF in eine Massenbewegung der Arbeiterklasse umwandeln sollen ….” [Ibid.]

Nach Wikipedia war die UDF eine “nichtrassische Koalition von etwa 400 bürgerlichen, studentischen, Arbeiter- und sonstigen Organisationen, die ursprünglich 1983 gegründet worden war, um das Dreikammerparlament zu bekämpfen, [das] Indern und [Menschen gemischter Herkunft] eine bedeutungslose Repräsentation verschaffte und für die schwarze Mehrheit gar nichts änderte.” Tatsächlich war die UDF eine verspätete Antwort des verbotenen ANC auf seine fehlende Verbindung zu einer Massenbewegung innerhalb Südafrikas.

Wir müssen Sejakes Vorstellung des Beitritts zu einer derart breiten Frontorganisation nochmals der orthodoxen trotzkistischen Linie gegenüberstellen. James P. Cannon, ehemaliger Führer des IKVI, vertrat die Auffassung, dass die trotzkistische Strategie der Aufbau unabhängiger revolutionärer sozialistischer Parteien ist, der mit allen taktischen Mitteln betrieben wird.

Diese Unabhängigkeit bezieht sich auf eine Mitgliedschaft mit ausschließlich proletarischer Orientierung, frei von fremdem Klasseneinfluss.

Das nationale Programm einer solchen Partei müsse einer fortlaufenden Einschätzung der internationalen Situation entspringen und dieser untergeordnet sein.

Dass sozialdemokratische Parteien und Befreiungsbewegungen während des gesamten 20. Jahrhunderts davon absahen, den Kapitalismus herauszufordern, ergab sich aus ihrer starken Abhängigkeit von der bürgerlichen Ordnung. Diese Unterordnung fand ihre Ergänzung durch den Verrat der stalinistischen Bürokratie. Dies begünstigte die lange währende Stabilisierung des Kapitalismus nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und bereitete bis 1991 den Zusammenbruch der autarken Sowjetwirtschaft und die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR vor.

Wie Sejake, steht auch die WASP jeder unabhängigen revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse feindlich gegenüber. Stattdessen bietet sie sich selbst als „linke“ pressure group an, die aber nicht effektiver wäre als es Militant war. Sie wird lediglich eine linke Hülle liefern und mancherlei kraftlose Proteste durchführen, während der ANC eine superreiche Minderheit verteidigt und die systematische Verarmung der Mehrheit der Südafrikaner betreibt. Das syndikalistische Vorgehen der WASP und ähnlicher Gruppierungen soll alle progressiven Tendenzen unter einem Flügel der Bürokratie sammeln und kontrollieren, um den Kapitalismus besser verteidigen zu können, indem Illusionen in seine Verbesserungsfähigkeit gefördert werden.

Bei all ihrer Empörung über den afrikanischen Nationalismus des ANC, seine Orientierung auf Guerillakampf, das Dämpfen der Militanz von Arbeitern und Jugendlichen führen Sejake und seine Freunde von der MWT die Arbeiter über einen anderen Weg in dieselbe Sackgasse. Dies ist der einzige Schluss, der aus einer Bewertung einiger der Aktivitäten der Viererbande seit ihrer Zeit bei MWT gezogen werden kann.

Mark Heywood, Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation (NGO) Sector27, ist heute eines der prominentesten ehemaligen MWT-Mitglieder. Er sprach im Dezember in einem Interview des Daily Maverick in glühenden Worten über den Aktivismus eines Anderen aus seinem Zirkel. Die Rede ist von Zackie Achmat, der 2009 Fördermittel der Soros Open Society Foundation empfangen hat und neben Heywood Mitbegründer der pressure group Treatment Action Campaign (TAC) ist: “2003 überwand die Zivilgesellschaft die Uneinsichtigkeit der Regierung und änderte die Politik, wodurch das Leugnen von [HIV/AIDS] beendet wurde.… Die Arbeit in der Zivilgesellschaft kann deprimierend und fordernd sein, aber Veränderung ist möglich und man muss daran festhalten.”

Heywood fährt fort, den Reformismus zu propagieren: “Der Staat sollte sich dem Fehlverhalten privater Macht annehmen. Nicht willkürlich, aber indem er sicherstellt, dass exzessive Preise nicht den Zugang zu Bildung, Gesundheit und Nahrung verhindern – die allesamt verfassungmäßige Rechte darstellen.”

So soll der kapitalistische Staat das Handeln individueller Kapitalisten und Konzerne kontrollieren, allerdings nur dann, wenn ihre Handlungen als „exzessiv“ eingestuft werden.

Die Bedeutung der zahlreichen, von ehemaligen MWT-Mitgliedern gegründeten NGOs besteht darin, der Bourgeoisie eine Atempause zu verschaffen. Sie erlauben Teilen der Öffentlichkeit, Dampf abzulassen, geben ihrer Enttäuschung eine Stimme und dies auf eine Weise, die die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Fundamente der Ungleichheit nicht grundlegend antasten.

NGOs und “soziale Bewegungen” dienen einem weiteren hinterlistigen Zweck. Sie spalten die Arbeiterklasse über Fragen des Lifestyles und der Identitätspolitik. Ohne Zweifel ist die Arbeit der TAC unverzichtbar, aber es ist eine Arbeit, die am besten unter dem Banner der vollständigen sozialistischen Reorganisation der Gesellschaft geleistet wird, nicht unter dem Fokus der oberen Mittelklasse auf isolierte Einzelprojekte. Ein umfassendes, klassenbasiertes Vorgehen würde gleichzeitig Fragen der Geschlechterungleichheit, Rassendiskriminierung, AIDS-Waisen, Umweltverträglichkeit, des legalen Zugang für Einwanderer, der Landreform etc. lösen.

Im Zuge der Wahlen könnten durchaus mehr Wähler der Arbeiterklasse die Einsicht gewinnen, dass alle diese Themen miteinander verbunden sind und dass sie ungeachtet der Überfülle von Einzelinteressengruppen, die von Leuten wie Heywood angeboten werden, von einer einzelnen Organisation angesprochen werden könnten.

Es könnte sogar eine wachsende Orientierung in Richtung einer politischen Partei mit einer Massenbasis erfolgen. Selbstverständlich hoffen die ehemaligen MWT-Mitglieder, dass diese Partei ihre eigene WASP sein wird.

Eine der Gründungstendenzen der WASP ist die Nachfolgerin der MWT, die Democratic Socialist Movement (DSM). Die DSM sieht sich selbst als eine trotzkistische, der CWI angeschlossene Organisation. Unter Anleitung der DSM ist die WASP versiert in der Kunst der Öffentlichkeitsarbeit. Sie versuchte sich im August 2012 an die Spitze der Empörung der Massen über die Ermordung der Marikana-Bergarbeiter zu stellen.

Trotz ihrer radikalen Rhetorik könnte sich die WASP als unfähig erweisen, allein genügend Wählerinteresse auf sich zu ziehen. Dies ist der Grund, weshalb sie mit dem Angebot zu einem Schulterschluss auf NUMSA zuging. Falls die NUMSA-Bürokratie zustimmt, würde eine politische Dividende in Gestalt des linken Wortgeklingels von WASP und DSM fließen und möglicherweise mehr finanzielle Belohnungen von solchen Freunden der Ex-MWT Gruppe wie der Ford-, der Rockefeller- und der Bill und Melinda Gates Stiftung.

Sollte sich die WASP als Blindgänger erweisen, haben Leute wie Heywood Optionen, die noch unheilvoller für Arbeiter sind. Im Beitrag des Daily Maverick sagt er, “Anstatt die Economic Freedom Fighters (EFF) zu beschimpfen, müssen wir uns mit ihnen zu ihren Bedingungen auseinandersetzen.”

Die EFF werden von dem korrupten bürgerlichen Populisten und inzwischen ausgeschlossenen, früheren Präsidenten der ANC Youth League, Julius Malema, geführt. Das “wir”, auf das sich Heywood oben bezieht, meint eindeutig Elemente der wohlhabenden Mittelklasse wie ihn selbst, die stets bereit sind, einen Handel mit der Reaktion abzuschließen, während sie bei Gelegenheit die linken Slogans ihrer Jugend aufsagen.

Als Antwort hierauf müssen Arbeiter, Intellektuelle, Jugendliche und Arbeitslose zeigen, dass revolutionärer Marxismus kein toter Buchstabe sondern eine lebendige Kraft ist. Sie müssen die südafrikanische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale als notwendige Vorbedingung für eine Übernahme der Macht und die demokratische Reorganisation der Gesellschaft auf sozialistischer Basis gründen.