Pulitzer-Preis für Snowden-Enthüllung des NSA-Lauschangriffs

Von Patrick Martin
16. April 2014

Die Columbia University hat die prestigeträchtige Pulitzer-Goldmedaille in der Kategorie Dienst an der Öffentlichkeit an die Zeitungen verliehen, die auf der Grundlage von NSA-Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden Artikel veröffentlicht haben.

Die Washington Post gewann den Preis für Artikel, die von Barton Gellman und der Filmemacherin Laura Poitras stammten, und der britische Guardian erhielt ihn für Artikel von Glenn Greenwald, Ewan MacAskill und ebenfalls Laura Poitras. Alle vier Journalisten stützten sich stark auf das von Snowden bereitgestellte Material. Greenwald, Poitras und MacAskill hatten Snowden in Hongkong getroffen, von wo aus das illegale und verfassungswidrige Ausspähen durch die NSA zuerst entlarvt wurde.

Die Auszeichnung der Columbia Universität ist ein politischer Schlag ins Gesicht der Obama-Regierung und der amerikanischen und britischen Geheimdienste. Die US-Regierung bemüht sich um die Auslieferung Snowdens, um ihn vor Gericht zu stellen, ins Gefängnis zu werfen und möglicherweise als Landesverräter hinzurichten. Die amerikanische und die britische Regierung versuchen bis heute, die ausgezeichneten Journalisten unter Druck zu setzen und einzuschüchtern.

Die Medaille für den Dienst an der Öffentlichkeit wird “für ein außergewöhnliches Beispiel lobenswerten Dienstes an der Öffentlichkeit durch eine Zeitung oder Nachrichtenseite“ verliehen. An die Washington Post ging der Preis „für die Enthüllung umfangreicher geheimer Überwachungsaktionen der National Security Agency, die sich durch ernsthafte und kluge Berichte auszeichnete, die der Öffentlichkeit zu verstehen halfen, wie die Enthüllungen in das ganze Muster nationaler Sicherheit passten“.

Die amerikanische Ausgabe des Guardian wurde ausgezeichnet „für ihre Enthüllung umfangreicher geheimer Überwachungsmaßnahmen der National Security Agency. Sie trug durch aggressive Berichterstattung dazu bei, eine Debatte über die Beziehung zwischen der Regierung und der Öffentlichkeit in der Frage der Sicherheit und der Privatsphäre anzufachen“.

Eine ähnliche Goldmedaille hatte 1972 die New York Times für die Veröffentlichung der Pentagon Papers erhalten, die von einem anderen Whistleblower aus dem nationalen Sicherheitsapparat an die Öffentlichkeit gebracht worden waren, nämlich von dem ehemaligen Pentagon Mitarbeiter Daniel Ellsberg.

Edward Snowden gab am Montag über die Freedom of the Press Foundation eine Erklärung heraus, in der er den beiden Zeitungen gratulierte und die Auszeichnung als Bestätigung für jeden bezeichnete, „der dafür hält, dass die Öffentlichkeit in der Politik eine Rolle zu spielen hat“.

Er fuhr fort: “Wir verdanken es den mutigen Reportern und ihren Kollegen, die ihre Arbeit trotz außergewöhnlicher Einschüchterung fortsetzten, obwohl sie zum Beispiel gezwungen wurden, journalistisches Material zu zerstören, oder gegen sie zu Unrecht die Anti-Terrorgesetze angewandt wurden, und vieles weitere mehr. Man wollte sie dazu bringen, ihre Tätigkeit einzustellen, die von der Welt inzwischen als von größter Bedeutung verstanden wird.

Die Entscheidung erinnert uns daran, dass eine freie Presse ändern kann, was das Gewissen eines Einzelnen nicht ändern kann. Mein Handeln wäre bedeutungslos geblieben ohne die Entschlossenheit, Leidenschaft und das Können dieser Zeitungen. Sie haben meine Dankbarkeit und Anerkennung für die außerordentlichen Dienste, die sie der Gesellschaft geleistet haben. Ihre Arbeit eröffnet uns eine bessere Zukunft und eine transparentere Demokratie.“

Die gleichen vier Journalisten haben auch die George Polk Auszeichnung für Berichterstattung über nationale Sicherheitsfragen erhalten, die vergangenen Freitag in einem Hotel in Manhattan verliehen wurde. Greenwald und Poitras, beide Bürger der Vereinigten Staaten, kehrten dorthin zurück, um den Polk-Preis entgegenzunehmen. Es war ihr erster Besuch in den Vereinigten Staaten, seit sie ihre Berichterstattung über die NSA-Ausspähaktionen aufgenommen hatten. Greenwald lebt gegenwärtig in Brasilien, und Poitras in Berlin, um einer Beeinträchtigung ihrer journalistischen Arbeit durch die US-Regierung aus dem Weg zu gehen.

Beide erklärten, sie seien nicht an der Einreise gehindert worden, und beide sprachen auf der Polk-Verleihungszeremonie, wo sie Snowdens Tätigkeit würdigten. „Diese Auszeichnung gebührt in Wirklichkeit Edward Snowden“, sagte Poitras. Greenwald fügte hinzu: „Was er getan hat, war absolut richtig und verdient Dankbarkeit und nicht Anklagen und jahrzehntelange Gefängnisstrafen.“

MacAskill wies in seiner Polk-Danksagung darauf hin, dass der Guardian wesentlich stärkere Repressalien von der britischen Regierung auszuhalten hatte als die amerikanische Ausgabe des Guardian oder die Washington Post in den Vereinigten Staaten. Die britischen Geheimdienste gingen so weit, Agenten in die Büros des Guardian zu schicken, wo sie die Zerstörung von Computerfestplatten überwachten, um maximale Einschüchterung zu verbreiten.

Greenwald hat sich noch nicht öffentlich zu dem Pulitzer-Preis geäußert, aber Poitras sagte: „Ich denke, das ist eine verblüffende Nachricht. Es ist ein Zeugnis für den Mut Snowdens, es bestätigt seinen Mut und seinen Wunsch, die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen, was die Regierung tut.“

Poitras und Snowden erhielten auch den Ridenhour-Preis, der nach dem Vietnam-Veteranen benannt ist, der mit Seymour Hersh bei der Enthüllung des Massakers von My Lai zusammengearbeitet hatte.

Die Herausgeber der beiden Zeitungen würdigten sowohl die Journalisten wie auch Edward Snowden.

Chefredakteur Alan Rusbridger vom Guardian sagte: “Wir sind besonders unseren Kollegen in aller Welt dankbar, die den Guardian unter Bedingungen unterstützten, als seine Berichterstattung zu ersticken drohte. Wir teilen diese Ehre nicht nur mit den Kollegen von der Washington Post, sondern auch mit Edward Snowden, der für den Dienst an der Öffentlichkeit so viel riskiert hat. Das wird heute durch die Verleihung dieser hoch angesehenen Auszeichnung anerkannt.“

Janine Gibson, Herausgeberin des Guardian US, sprach über die besondere Bedeutung, in der Kategorie Dienst an der Öffentlichkeit zu gewinnen. Mit Blick auf die Verleihung an der Columbia fügte sie hinzu: „Ich denke, diese Worte sagen etwas darüber aus, was Edward Snowden geleistet hat, und was die Reporter und Herausgeber gegen großen Widerstand geleistet haben.“

Der geschäftsführende Herausgeber der Washington Post, Martin Baron, sagte, die Berichterstattung habe eine staatliche Politik „mit weitreichenden Folgen für die Verfassungsrechte der amerikanischen Bürger“ und die Rechte von Menschen in aller Welt enthüllt. „Die Enthüllung der ungeheuren Ausweitung der Überwachungstätigkeit der NSA war ohne jeden Zweifel ein Dienst an der Öffentlichkeit. Durch ein Überwachungssystem von atemberaubendem Ausmaß und Aufdringlichkeit hat unsere Regierung die individuelle Privatsphäre stark unterhöhlt. Das alles geschah heimlich, ohne öffentliche Debatte und bei eindeutig mangelnder Kontrolle.“

Er fügte hinzu, ohne Snowdens Enthüllungen “hätten wir niemals erfahren, wie weit dieses Land schon von den Rechten des Einzelnen zugunsten der Staatsmacht abgedriftet ist“.