Roma-Junge im Norden von Paris von Lynch-Mob angegriffen

Von Kumaran Ira
24. Juni 2014

Am Freitag, dem 13. Juni, wurde der 16-jährige Roma-Teenager Darius in der Siedlung Cité des Poètes in Pierrefitte-sur-Seine, einem armen Vorort im Norden von Paris, von einem Lynch-Mob entführt und brutal geschlagen. In der letzten Woche befand er sich immer noch im Koma und kämpfte in einem Pariser Krankenhaus um sein Leben. Er hat mehrere Schädelbrüche erlitten.

Der Angriff auf Darius ist eine Anklage gegen die französische Gesellschaft und insbesondere gegen die Verfolgung der Roma durch die Regierung der Sozialistischen Partei (PS). Deren Vertreter fordern die Polizei regelmäßig auf, Roma-Lager aufzulösen und wollen durchsetzen, dass alle Roma Frankreich verlassen müssen. Die Regierung und die Polizei haben den Lynchvorfall vier Tage lang geheim gehalten. Am Dienstag schließlich verbreitete sich die Nachricht.

Die von Darius‘ Familie beauftragte Anwältin Julie Launois-Flacelière teilte mit: "Darius wurde von mehreren Personen entführt, manche von ihnen waren maskiert und bewaffnet." Berichten zufolge war der Teenager am Freitag um circa 17.30 Uhr von einer Gruppe bewaffneter Männer in einen Renault Clio gestoßen worden. Nach Angeben der Polizei wurde er dann in einem Keller eingesperrt, in welchem er fast zu Tode geschlagen wurde.

Ein paar Stunden, nachdem Darius entführt worden war, erhielt seine Mutter einen Anruf von seinem Handy mit der Aufforderung 15.000 € als Lösegeld für seine Rückkehr zu zahlen. Sie alarmierte die Polizei. Darius wurde bewusstlos in einem verlassenen Einkaufswagen an der Autobahn N1 gefunden.

Den Berichten nach war der Angriff auf Darius ein Akt der Rache, da Anwohner ihn des Schmuckdiebstahls in einer nahegelegenen Wohnung am selbigen Freitag beschuldigten. Staatsanwältin Sylvie Moisson sagte, dass der Angriff auf Darius sich nach einem Wohnungseinbruch ereignete, bei dem Gegenstände gestohlen worden waren. Er soll im Zusammenhang mit Raubüberfällen in einem Wohnblock von der Polizei verhört worden sein, wurde aber keiner Straftat überführt.

Darius lebte zusammen mit seiner Familie und anderen Roma in einem provisorischen Lager nahe der Siedlung Cite des Poètes in Pierrefitte-sur-Seine. In diesem Lager sind ungefähr 200 Menschen untergebracht. Nachdem sie Ende Mai aus Aubervilliers vertrieben worden waren, hatten sie ihr Lager vor ein paar Wochen in der Nähe eines leerstehenden Hauses aufgeschlagen. Vor Angst flohen die Roma nach dem Angriff auf den Jungen noch am selben Abend aus dem Lager und aus der Gegend.

Die Hauptverantwortung für den unmenschlichen Angriff auf Darius haben die politische Führungsschicht und die ihr hörigen Medien. In den letzten fünf Jahren hat die französische politische Elite rassistische und diskriminierende Maßnahmen gegen, die Roma Bevölkerung ergriffen und die gesamte Volksgruppe stigmatisiert.

Die Eskalation der sozialen Spannungen, die dem Angriff zugrunde liegt, wurde durch die öffentlichen Verleumdungen der Roma durch die PS provoziert. In ganz Frankreich unternahm die Polizei kürzlich Schritte, um Roma Lager aufzulösen. In Frankreichs Vorstädten breiten sich durch jahrzehntelange soziale Sparmaßnahmen und Haushaltskürzungen Armut und Verzweiflung aus.

Die Arbeitslosenquote in den ärmeren Vorstädten Frankreichs liegt bei 24 Prozent, verglichen mit 10,1 Prozent im nationalem Durchschnitt. Junge Menschen zwischen 15 und 24 sind am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen. Sie liegt bei 45 Prozent.

Der 27-jähriger Elektriker und Bewohner der Region Toufik berichtete der Le Monde "Wir sind dazu verdammt, alles selbst zu tun. Das ist das Problem. All die jungen Leute hier hatten Probleme mit der Polizei, die werden wir nicht rufen ... Hier gibt es kein Kino, kein Einkaufszentrum, kein Schwimmbad oder einen Park für Kinder, nichts".

Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 versprach der damalige Kandidat François Hollande eine "Lösung" für die Roma-Frage zu finden. Er wollte ihre Lager auflösen und sie in speziellen Einrichtungen festsetzen. Damit machte er deutlich, dass er bereit war, die konservative Anti-Roma-Politik von Nicolas Sarkozy weiterzuführen.

Nach der Wahl von Hollande hat sich seine Regierung daran gemacht, aggressiv gegen die Roma vorzugehen. Sie hat gewaltsam Roma-Lager in Frankreich niedergerissen und Zehntausende abgeschoben. Im vergangenen Jahr forderte der damalige Innenminister und heutige Premierminister Manuel Valls die Abschiebung von Roma. Frankreich sei "nicht da, um diese Bevölkerungsgruppen willkommen zu heißen". Er hat den lokalen Behörden den Auftrag gegeben, "Roma-Lager abzureißen, wenn ein Gerichtsurteil dazu existiert".

Am Mittwoch letzter Woche ordneten die Lokalbehörden den Abriss eines Roma Lagers in Marseille an, in dem 400 Menschen untergebracht sind, darunter hunderte Kinder. Berichten zufolge hat die PS Regierung im Jahr 2013 eine Rekordzahl von 19.380 Roma aus provisorischen Lagern vertrieben. Vergangenen Oktober hatte die Regierung die 15-jährige Schülerin Leonarda Dibrani zusammen mit ihrer Familie in den Kosovo abgeschoben. Dies hatte zu Schüler- und Studentenprotesten in mehreren Städten geführt.

Nachdem schließlich das Schweigen über das Lynchen von Darius gebrochen worden war, versuchten die PS und die Medien ihre ständigen politischen Angriffe auf Roma herunterzuspielen und distanzierten sich von der Prügelei der Bürgerwehr im Fall von Darius. Hollande nannte sie einen "unsäglichen und nicht zu rechtfertigen Angriff auf all die Prinzipien, auf denen unsere Republik gegründet wurde", Valls nannte sie eine "inakzeptable Tat".

In einem Leitartikel am 18. Juni tat Le Monde zynisch so, als sei sie entsetzt über das Verbrechen und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Roma in Frankreich. Sie schrieb: "Muss man daran erinnern, dass die Republik sich ihrer selbst als unwürdig erweisen würde, wenn sie erlaubt, derart schändliche Gleichgültigkeit vorherrschen zu lassen? Das würde bedeuten, ihre Ohnmacht angesichts solch finsterer Rachezüge zuzugeben wie der in der Cité des Poètes. Das wäre das Schlimmste".

Was für eine verachtenswerte Heuchelei! Seit Jahren hat diese Zeitung, ebenso wie der Rest der Medien und der politischen Führungsschicht die Verfolgung der Roma durch die PS und Hollande unterstützt. Sie waren rücksichtslos gleichgültig gegenüber den Folgen dieser Politik und erwähnen dieses Problem jetzt nur, weil die schrecklichen Folgen der ethnischen Verfolgung der Roma die Menschen in ganz Frankreich schockiert haben.

Als im Jahr 2010 Hollandes Vorgänger Sarkozy zum Abriss von Roma Lagern im ganzen Land und zum Entzug der französischen Staatsbürgerschaft für missliebig gewordene Migranten aufrief, kritisierten Politiker und die Medien diese Methoden noch als antidemokratisch. Sarkozys Maßnahmen wurden mit der Verfolgung von ethnischen Minderheiten, einschließlich der Juden und der Roma unter dem Vichy-Regime im Zweiten Weltkrieg, verglichen, das mit den Nazis kollaborierte.

Die jetzt von der PS durchgeführten ethnisch motivierten Verfolgungen, treffen jedoch weder im politischen Establishment noch in den Medien auf Widerstand. Pseudolinke Organisationen wie die Neue Antikapitalistische Partei (NPA), die Hollandes Wahl befürworteten und seinerzeit ein paar halbherzige Vorwürfe gegen Sarkozys Anti-Roma-Politik erhoben hatten, sagen nichts zur Verfolgung der Roma durch die PS. All diese Kräfte sind politisch mit mitverantwortlich für den Angriff auf Darius.