Mit Obamas Unterstützung:

Israelische Regierung droht mit Einmarsch in Gaza

Von Mike Head
18. Juli 2014

Am Mittwoch hat die israelische Regierung ihren barbarischen, seit neun Tagen andauernden Luftkrieg im Gazastreifen verschärft, während hochrangige Minister neue Warnungen vor einem umfassenden Bodenangriff aussprachen, der noch mehr palästinensische Todesopfer fordern würde. Bereits jetzt übersteigt die Zahl der Toten 220.

Sie sind sich der vollen Unterstützung Washingtons sicher. Präsident Barack Obama erklärte am Mittwoch bei einer Rede im Weißen Haus wieder einmal, Israel habe das Recht, sich gegen Raketenangriffe zu verteidigen. Zynischerweise gab er der Hamas-geführten Regierung im Gazastreifen die Schuld an all den "herzergreifenden" toten und verletzten "unschuldigen Zivilisten."

Obama erklärte: "Man kann von keinem Land auf der Welt erwarten, dass es sich tägliche Rakenangriffe bieten lässt" und gab damit der Eskalation Israels praktisch grünes Licht. "Gestern hat Israel einem Waffenstillstand zugestimmt. Leider schießt die Hamas weiterhin mit Raketen auf Zivilisten und verlängert damit den Konflikt."

Obama behauptete zwar, die US-Regierung arbeite eifrig an einem Waffenstillstand, seine Bemerkungen wiesen jedoch auf den wahren Zweck des angeblichen Waffenstillstands hin, der Anfang der Woche mit dem von den USA unterstützten Miliärregime von Präsident Abdel Fattah al-Sisi in Ägypten und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ausgehandelt wurde.

Der Pakt zwischen Sisi und Netanjahu wurde der Hamas als Ultimatum vorgelegt und war nichts anderes als ein Vorwand für Israel, um eine neue, noch tödlichere Phase seines Angriffs einzuleiten.

Laut Medienberichten hat die Hamas selbst einen Waffenstillstand vorgeschlagen: sie bietet zehn Jahre Ruhe an. Israel soll im Gegenzug die verheerende Belagerung des Gazastreifens beenden und Dutzende von Gefangenen freilassen, die währen des letzten Monats verhaftet wurden. Der Sisi-Netanjahu-Plan, der mit Unterstützung der USA entworfen wurde, ging auf keine dieser Forderungen ein, abgesehen von einem vagen Versprechen, die Wirtschaftsblockade und die Blockade von Versorgungslieferungen zu lockern, "sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert."

Am Mittwoch sollen unter dem Deckmantel einer fünfstündigen Feuerpause die Vorbereitungen für eine Invasion getroffen werden. Die Feuerpause wurde aus angeblich humanitären Gründen von der UN angeregt, um Nahrungsmittellieferungen nach Gaza zu ermöglichen. Das Ziel der Invasion wäre die Zerstörung des Gazastreifens und die Vernichtung der Hamas-Führung, die den Gazastreifen seit ihrem Wahlsieg 2006 regiert hat.

Am Mittwoch wurden weitere achttausend Reservisten der Israelischen Streitkräfte (IDF) für einen Bodenangriff in Bereitschaft versetzt, damit sind es insgesamt 50.000 Mann. Mehr als 100.000 Einwohner des Gazastreifens wurden wieder per Telefon und aus der Luft abgeworfenen Flugblättern dazu aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Die Bombenangriffe am Mittwoch richteten sich sowohl gegen die Häuser wichtiger Hamas-Führer als auch gegen unschuldige Kinder, um die gesamte Bevölkerung der winzigen, mit 1,7 Millionen Einwohnern überbevölkerten Enklave weiter zu terrorisieren.

Israelische Raketenangriffe trafen die Häuser von Hamas-Führern - darunter Mahmud al-Zahar, einen ihrer internationalen Sprecher; Fathi Hamad, einen ehemaligen Innenminister; Ismail al-Ashqar, einen ehemaligen Abgeordneten; und Bassem Naim, einen Berater des ehemaligen Premierministers Ismail Haniya.

Diese Häuser wurden mit messerscharfer Präzision angegriffen, ferner wurden an einem Strand in Gaza, mitten unter den Augen internationaler Journalisten, auch vier Jungen zwischen acht und elf Jahren von Raketen getötet.

Der Guardian-Reporter Peter Beaumont, der die Tragödie persönlich miterlebte, schrieb: „Nachdem ein erstes Geschoss die Ufermauer des kleinen Hafens von Gaza-Stadt getroffen hatte, konnte man "vier Gestalten sehen, zerlumpte Silhouetten, die wie wild die Mauer entlang liefen. Selbst auf die Entfernung von 200 Metern hin war es offensichtlich, dass es drei Kinder waren."

Minuten später "schlug das zweite Geschoss am Strand ein, die Schützen richteten ihr Feuer offenbar auf die fliehenden Überlebenden. Als sie Rakete explodierte, riefen Journalisten von der Terrassenmauer aus: 'Das sind doch nur Kinder.'"

Als sich Verwandte versammelten, um die toten Jungen zu begraben, sagte ihr 41-jähriger Onkel Karim Baker Reportern: "Das war ein kaltblütiges Massaker. Es ist eine Schande, dass sie trotz der fortschrittlichen Technik, die sie angeblich benutzen, nicht erkennen konnten, dass es Kinder waren."

Das israelische Militär erklärte in einer Stellungnahme abfällig, die Todesopfer seien das "tragische Ergebnis" eines israelischen Angriffs auf "Terroristen" der Hamas.

Netanjahus Sprecher Mark Regev erklärte am Mittwoch, eine Invasion des Gazastreifens sei "definitiv eine Option." Der Minister für Strategische Angelegenheiten Yuval Steinitz, der oft als Sprachrohr für Netanjahu dient, drängte auf eine Besetzung das Gazastreifens für einige Wochen, um ihn zu "entmilitarisieren," die Hamas zu stürzen und den Weg für "etwas anderes" frei zu machen.

Außenminister Avigdor Lieberman bekräftigte seine Forderung nach einer Invasion. "Es ist nicht möglich, ohne Bodenoperationen im Gazastreifen die Sommerferien und einen normalen Sommer für unsere Kinder zu gewährleisten," erklärte er. "Wir erwarten, dass die internationale Staatengemeinschaft Israel diplomatisch unterstützt, wenn wir dafür sorgen, dass unsere Bürger in Frieden leben können."

Ein anonymer hochrangiger israelischer Militär erklärte vor internationalen Journalisten im Hauptquartier der IDF in Tel Aviv, die Wahrscheinlichkeit einer Invasion sei "sehr hoch." Eine Eroberung des Gazastreifens durch Israel würde "ein paar Tage oder Wochen" dauern, aber eine Besetzung über "viele Monate" erfordern.

Der Vertreter erklärte, das Militär habe mehrere Operationspläne, darunter eine erneute vollständige Besetzung des Gazastreifens, den Israel 1967 nach dem Sechstagekrieg besetzt hatte. Es hatte seine Siedler und Soldaten erst 2005 zurückgezogen.

Bis Mittwoch hatte Israel mehr als 1.800 Ziele in Gaza angegriffen, während des achttägigen Angriffs im November 2012 waren es nur 1500. Mehr als 220 Menschen wurden getötet, 1.500 verletzt. Das israelische Militär erklärte am Mittwoch, etwa die Hälfte der Toten seien Zivilisten. Die UN geht jedoch eher davon aus, dass 80 Prozent der Todesopfer Zivilisten sind.

Die Flugblätter, die Israel am Mittwoch im Norden des Gazastreifens und einigen Stadtteilen von Gaza-Stadt abgeworfen hatte, enthielten die Warnung: "Wer diese Anweisungen nicht beachtet und nicht sofort seine Wohnung verlässt, gefährdet sein eigenes Leben und das seiner Familie."

Es ist unklar, wie viele Einwohner der Anweisung Folge leisteten. Die Hamas rief die Menschen zum Bleiben auf und nannte die Warnungen "psychologische Kriegsführung." Journalisten erklärten, in den dicht besiedelten und armen Stadtteilen Zeitun und Shejaya in Gaza-Stadt seien viele Menschen verwirrt, einige würden Zuflucht bei Freunden suchen, die weiter im Inneren der Stadtteile leben, anstatt zu flüchten.

"Wir erhielten Flugblätter und Aufforderungen, das Gebiet zu verlassen," sagte Um Mohammed Rahmi, 56, die mit sechs ihrer Nachbarn auf einem Eselkarren flüchtete, dem Sender Al Dschasira. "Wir wissen nicht, wo wir hingehen. Wir wissen nicht wo wir hinsollen... Wir sind einfach ziellos unterwegs."

Hunderte von Einwohnern waren mit Tüten, in denen ihre Habseligkeiten waren, auf den Straßen unterwegs. "Wir wollen unsere Häuser nicht verlassen, aber wir tun es wegen der Kinder. Es wird viele Bombenangriffe geben, und sie werden Angst haben," sagte Um Ramez, als sie und ihre Enkel ein Auto mit Kleidern und Nahrung beluden.

Derweil unterdrückte und verhinderte das Regime der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmud Abbas im Westjordanland Proteste gegen die israelische Offensive. Abbas war am Mittwoch in Kairo bei einem Treffen mit Sisi. Damit zeigt er nochmals seine Komplizenschaft mit der ägyptischen- und amerikanischen -Regierung.