Angriff des Kiewer Regime in Ostukraine verhindert Zugang zur Absturzstelle von MH17

Von Chris Marsden
1. August 2014

Die von den USA und der EU unterstützte rechtsextreme ukrainische Regierung in Kiew und ihre Streitkräfte verhinderten den Zugang zur Absturzstelle von Flug 17 der Malaysian Airlines, während in der Ostukraine die Kämpfe gegen Separatisten, die mehrere Städte besetz haben, weitergehen.

Viele Städte in der Ostukraine wurden zum Ziel der Militäroperation, unter anderem wurden bei einem Artillerieangriff auf Horliwka mindestens dreizehn Zivilisten getötet. In Donezk kamen mindestens drei Menschen im Beschuss ums Leben. Auch aus Lugansk wurden zivile Todesopfer gemeldet.

Ukrainische Soldaten und Panzer drangen in die Stadt Schachtarsk ein, die ca. sechzehn Kilometer von der Absturzstelle der Boeing 777 entfernt liegt. Aus den Städten Snischne und Tores, die der Absturzstelle am nächsten liegen, wurden ebenfalls Kämpfe gemeldet.

Es gab Berichte über eine Welle der Auswanderung aus Donezk. Weitere 4.600 Menschen zogen am Sonntag in Übergangslager in Russland um, womit die Gesamtzahl der Flüchtlinge in solchen Lagern auf 31.000 – 11.000 davon sind Kinder – und die Gesamtzahl von Flüchtlingen in Russland auf 142.000 steigt.

Militärsprecher Andri Lysenko erklärte, das ukrainische Militär habe die prorussischen separatistischen Rebellen zwar "bald" aus dem Gebiet vertrieben, allerdings könnten die Ermittler auch danach nicht in das Gebiet, da erst Minen geräumt werden müssten, die angeblich von Rebellen gelegt wurden. Es gibt allerdings keinerlei Beweise, dass um die Stelle irgendwelche Minen liegen.

Vertreter des ukrainischen Sicherheitsapparates behaupten, sie müssten die Kontrolle über die Absturzstelle erlangen, um prorussische Separatisten daran zu hindern, Beweise zu zerstören. In Wirklichkeit wurde jedoch ein militärisches Sperrgebiet um die Stelle eingerichtet, sodass die Ermittler es nicht erreichen können. Die Straße, die von der Provinzhauptstadt Donezk zur Absturzstelle nordöstlich von Schachtjorsk führt, wurde von gepanzerten Fahrzeugen blockiert und die Zahl der zivilen Todesopfer beginnt zu steigen.

Am Dienstag beschwerte sich das niederländische Justizministerium, dass bereits seit drei Tagen „die Gruppe von niederländischen und australischen Experten nicht zu der Absturzstelle in der Ostukraine gelangen kann. Momentan finden zu viele Kämpfe auf und um die Straße zur Absturzstelle statt."

Die New York Times betonte am Montag, Ziel der Operation sei es nicht, die Absturzstelle zu "befreien". Die Zeitung schrieb: "Reporter, die [die Absturzstelle] besuchten, sagten, sie hätten nirgendwo Aufständische gesehen." Sie zitierte einen "Kommandanten der Separatisten an einem Kontrollpunkt außerhalb von Schachtjorsk, etwa zehn Meilen von der Absturzstelle entfernt," der erklärte: "Die Versuche, Milizen von der Absturzstelle zu vertreiben, zeigen unwiderlegbar, dass Kiew versucht, Beweise zu zerstören."

Während die Absturzstelle von MH17 abgeriegelt ist, verurteilte der australische Premierminister Tony Abbott am Montag die "chaotische" Lage und gab dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Schuld dafür. Er stellte die Realität auf den Kopf und behauptete: "Zweifellos wird die Absturzstelle momentan durch von Russland unterstützte Rebellen kontrolliert, und angesichts der fast sicheren Schuld dieser Rebellen am Absturz des Flugzeuges kann man ihre Kontrolle über die Stelle damit vergleichen, Verbrecher einen Tatort kontrollieren zu lassen."

Die australische Außenministerin Julie Bishop erklärte am gleichen Tag auf einer Pressekonferenz, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa habe sich vor der ukrainischen Offensive in Verhandlungen mit prorussischen Rebellen den Zugang zur Absturzstelle garantieren lassen und widerlegte damit praktisch Abbotts Gerede.

Nicht die Bewegungen der prorussischen Milizen, sondern die blutige Offensive des Kiewer Regimes entwickelt sich zum wichtigsten Hindernis in der Ukraine für eine Untersuchung des Absturzes.

Der niederländische Premierminister Mark Rutte forderte Poroschenko auf, die ukrainischen Truppen anzuweisen, die Kämpfe um die Absturzstelle einzustellen. Ein Sprecher erklärte: "Rutte drückte seine Besorgnis über die Tatsache aus, dass die Ermittler offenbar auch heute keinen Zugang zu dem Gebiet erhielten. Das ist wichtig, weil wir so nahe wie möglich an die Absturzstelle kommen wollen, um die Opfer zu finden und nach Hause zu bringen."

Die meisten der Opfer des Absturzes kamen aus den Niederlanden. Bis zu 71 Leichen sind noch immer nicht geborgen.

Die New York Times stellte am Dienstag zwischen der üblichen obligatorischen Kritik an Russland klar, dass die von Russland unterstützten Separatisten bereits "teilweise, aber noch nicht gänzlich" aus dem Gebiet vertrieben wurden, und sich nur noch "ein halbes Dutzend trübsinnig aussehender, erschöpfter Bewaffneter am Westrand in Schützengräben verschanzt haben."

"Einer der Kämpfer in einem Schützengraben am Straßenrand, der nur seinen Spitznamen, Trojan, nannte, erklärte, die ukrainischen Truppen kontrollierten jetzt das Dorf Grabowo, wo in einem nahegelegenen Feld das Fahrgestell, die Flügel und die Heckflosse aus dem Rumpf der Boeing 777-200 eingeschlagen sind. Hinter ihm lag eine Frachtpalette aus dem Flugzeug. 'Das Flugzeug ist jetzt nicht relevant,' sagte er. 'Wir werden angegriffen.'"

Ferner hieß es in dem Artikel, dass in Petropawlowka "die Gepäckfächer aus der Business-Class und weitere Trümmer" in einem Baum gelandet seien.

Die Einwohnerin Maria Nikolajewa fragte: "Warum kommt niemand, um die Trümmer einzusammeln?"

Die Medien schweigen sich über die politisch kriminelle Offensive in der Ostukraine natürlich weitgehend aus, ebenso Washington, London, Berlin und Paris.

Das gleiche gilt für die ungewöhnliche Verzögerung bei der Veröffentlichung der Erkenntnisse, die aus den Flugschreibern gewonnen wurden, die die Rebellen am 20. Juli ausgehändigt hatten und die am 22. Juli zu einer Untersuchung durch ein internationales Expertenteam nach Großbritannien geschickt wurden. Die BBC berichtete, dass die Ermittler der britischen Flugunfallermittlungsbehörde, abhängig vom Schaden, innerhalb von vierundzwanzig Stunden Informationen aus den Flugschreibern gewinnen können.

Seither gab es noch keinen offiziellen Bericht – was dadurch noch ungewöhnlicher wird, dass die Medien kurz vor der Übergabe in reißerischen Schlagzeilen darüber spekulierten, "wichtige Informationen" seien entweder zerstört oder nach Russland gebracht worden.

Stattdessen behaupteten ukrainische Behörden am Montag, die Daten aus den Flugschreibern würden auf eine "massive, explosive Dekompression" durch Raketentrümmer hindeuten. Der Sprecher des ukrainischen Sicherheitsrates, Andri Lysenko, erklärte auf einer Pressekonferenz in Kiew, die Information stamme von Experten, die die Rekorder des Flugzeuges analysierten.

Obwohl darüber kaum irgendwo anders berichtet wurde, erklärte die Sprecherin des niederländischen Sicherheitsrates dem Independent, Lysenkos Informationen kämen nicht von ihnen und es sei nicht hilfreich für die Untersuchung, deren erste Ergebnisse erst am 1. August veröffentlichen werden, "kleine Stücke von Informationen zu veröffentlichen".