Russland schickt strategische Bomber auf Patrouille vor amerikanischer Küste

Von Alex Lantier
15. November 2014

Während in der Ukraine die Kämpfe zwischen dem von der Nato unterstützten Regime in Kiew und den prorussischen Separatisten im Osten des Landes wieder aufflammen, kündigte Russland am Mittwoch die Wiederaufnahme regelmäßiger Patrouillenflüge im internationalen Luftraum vor der amerikanischen Küste mit atomwaffenfähigen strategischen Bombern an. Dies ist das erste Mal seit dem Ende des Kalten Krieges, dass Russland routinemäßige Patrouillen vor der Küste der USA plant.

Diese Entwicklung ist eine scharfe Warnung: die Konfrontation der USA und der Nato mit Russland und China, die sich durch den rechten, von den USA unterstützten Putsch in der Ukraine enorm verschärft hat, birgt die Gefahr eines mit Atomwaffen geführten Weltkrieges.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte bei einem Treffen des nationalen Militärrates, auf dem die Entscheidung bekannt gegeben wurde: "In der aktuellen Lage müssen wir im Westatlantik und Ostpazifik, sowie in der Karibik und im Golf von Mexiko unsere Militärpräsenz wahren. Daher werden russische Langstreckenbomber Flüge entlang der russischen Grenzen und über dem Nördlichen Eismeer durchführen."

Schoigu machte deutlich, dass diese Einsätze eine Reaktion auf die Drohungen der Nato in der Ukraine-Krise sind. "In vielerlei Hinsicht hat dies mit der Lage in der Ukraine zu tun, mit dem Schüren von antirussischer Stimmung durch die Nato und der Verstärkung ausländischer Militärpräsenz nahe unserer Grenze“, erklärte er.

Es wird angenommen, dass der Kreml über Abkommen zur Versorgung von Schiffen und Flugzeugen mit Ländern in allen Teilen der Welt verhandelt: mit Algerien und Zypern im Mittelmeer; mit Nicaragua, Venezuela und Kuba in Lateinamerika; mit den Seychellen im Indischen Ozean; und mit Vietnam und Singapur in Südostasien.

Da in der nahen Ukraine die Kämpfe wieder aufflammen, kündigte Schoigu außerdem an, dass Russland seine Truppen auf der Krim verstärken werde. "Unter diesen Bedingungen hat der Aufbau von vollwertigen und selbständigen Truppen auf der Krim Priorität“, erklärte er. Er führte außerdem aus, dass Russlands südlicher Militärdistrikt, d.h. der Teil des Landes, der an die Ukraine angrenzt, verstärkt werde.

Russlands atomares Säbelrasseln ist zutiefst reaktionär. Dennoch sind die Hauptverantwortlichen für die Gefahr eines Atomkrieges die imperialistischen Mächte des Nato-Bündnisses.

Die Nato-Mächte unter Führung von Washington und Berlin haben während des Sturzes des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, der von Russland unterstützt wurde, mit rechten, faschistischen Elementen aus der Ukraine wie der Miliz Rechter Sektor und mit ihr verbündeten Reaktionären wie der Wirtschaftsoligarchin Julia Timoschenko zusammengearbeitet. Timoschenko forderte einen Monat nach dem Putsch in einem Telefonat, das an die Öffentlichkeit geriet, die Vernichtung der ethnischen Russen in der Ukraine und die Ermordung von Russen und des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie sagte: "Es ist Zeit, dass wir unsere Knarren nehmen und diesen Abschaum und ihren Anführer töten."

Timoschenko genießt weiterhin die Unterstützung der Nato, und mit Arseni Jazenjuk ist ein Mitglied ihrer Partei Vaterland Premierminister der Ukraine.

Während in der Ukraine ein Bürgerkrieg ausbrach und die Nato zahlreiche Truppen, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge nach Osteuropa in die baltischen Republiken, nach Polen und bis zum Schwarzen Meer verlegte, wurde Flug MH17 der Malaysian Airlines unter noch immer ungeklärten Umständen über der Ostukraine abgeschossen. Die Nato-Mächte gaben sofort Russland die Schuld an der Katastrophe und die westlichen Medien schürten eine hysterische Hetzkampagne, die nur als Forderung nach einem Krieg gegen Russland interpretiert werden konnte.

Der Kreml ist scheinbar nach monatelangen Spannungen und den sich wieder verschärfenden Kämpfen in der Ostukraine zu dem Schluss gekommen, dass diese kriegerischen Drohungen ernst zu nehmen sind und eine Reaktion erfordern, die sich nicht nur gegen das Kiewer Regime richtet, sondern auch gegen seine internationalen Hintermänner.

Schoigus Drohung richtet sich zwar direkt gegen die USA, allerdings beinhalten Russlands Kriegsplanungen unweigerlich auch Vorbereitungen für Angriffe auf wichtige Verbündete der USA: das Überleben eines Teils der russischen Bevölkerung in einem Krieg mit einem von den USA angeführten Bündnis erfordert die Zerstörung von dessen Atomwaffen nicht nur in den USA, sondern auch in Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, der Türkei und Japan. Auch Großbritannien und Frankreich verfügen über eigene Atomwaffen.

Auch in Europa und dem asiatischen Pazifik verschärfen sich die Spannungen im Luftraum. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon erklärte im Wall Street Journal, die Aktivität russischer Militärflüge in internationalem Luftraum rund um Europa nähme zu.

Er erklärte: "Wir haben festgestellt, dass große Formationen in weiterem Umkreis fliegen. Am 31. Oktober haben wir russische Flugzeuge entdeckt, die um Norwegen, Dänemark, Großbritannien und Irland herum und bis nach Portugal geflogen sind." Fallon bezeichnete die Flüge als "einschüchternd und, ehrlich gesagt, gefährlich."

Während russische Kriegsschiffe aktuell Übungen vor Australien durchführen, ist in Ostasien eine angespannte Konfrontation zwischen Luftstreitkräften ausgebrochen. Aktuelle Zahlen der japanischen Regierung zeigen, dass Tokio dieses Jahr bis September viel häufiger Jagdflugzeuge ausgeschickt hat, um russische Militärflugzeuge zu überwachen als im gleichen Zeitabschnitt im Jahr 2013, und zwar 324-mal im Vergleich zu 126-mal. Die Gesamtzahl der Alarmstarts japanischer Flugzeuge mit dem Ziel, anfliegende Flugzeuge abzufangen, war dieses Jahr auf dem Rekordstand von 533.

Dieser Ausbruch einer schweren Kriegsgefahr zwischen den Weltmächten zeigt die Irrationalität des Nationalstaatensystems und den historischen Bankrott des Kapitalismus.

Der einzige Ausweg ist die Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse gegen imperialistischen Krieg und für Sozialismus und ein internationalistisches Programm. In diesem Kampf dürfen weder die Manöver des kapitalistischen Regimes in Moskau, noch des Regimes in Peking unterstützt werden. Sie repräsentieren eine Schicht von superreichen Oligarchen, die aus der Wiedereinführung des Kapitalismus und der Plünderung von Staatseigentum entstanden ist. Sie sind unfähig, die Antikriegsstimmung in der internationalen Arbeiterklasse erfolgreich zu mobilisieren.

Ihre Politik schwankt zwischen kriegerischen Drohungen, um die imperialistischen Mächte an den Verhandlungstisch zu zwingen, und Versuchen, sich mit ihnen als Lieferanten von Öl und billiger Arbeitskraft für die großen transnationalen Konzerne zu einigen. So hat Russland vor kurzem eine neue Interkontinentalrakete vom Typ Bulawa getestet, China testet ballistische Atomraketen von U-Booten der Jin-Klasse, die in der Lage sind, vom Pazifik aus Atomschläge auf das amerikanische Festland zu führen.

Solche Waffen können zwar eine wichtige Rolle in einem Krieg spielen, der den Planeten zerstören würde, jedoch können sie nicht den Widerstand gegen einen solchen Krieg mobilisieren, der in der internationalen Arbeiterklasse existiert. Stattdessen werden sie von den imperialistischen Mächten und ihren Verbündeten als Vorwand benutzt werden, um gegen Russland zu hetzen und das Land einzukreisen.

Der estnische Verteidigungsminister Sven Mikser antwortete auf die Frage der Süddeutschen Zeitung, was er von Russlands rücksichtslosem Taktieren zu Wasser und in der Luft halte, er hielte es in gewisser Weise für positiv, da es dem Westen helfe, wachsam zu bleiben.