Bürgerkrieg im Jemen: Huthi-Miliz erobert Tais

Von Niles Williamson
24. März 2015

Am Samstag besetzten Huthi-Milizionäre den Militärflughafen in Tais, ohne auf Widerstand der jemenitischen Streitkräfte zu stoßen. Nach der Eroberung von Tais sind die Huthi-Truppen nur noch 180 Kilometer von der südjemenitischen Hafenstadt Aden entfernt, der Heimatstadt und Hochburg von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi.

Berichten zufolge setzten Angehörige der Sicherheitskräfte automatische Waffen und Tränengas ein, um demonstrierende Menschenmengen auseinanderzutreiben. Wie sich später herausstellte, protestierten sie gegen die Anwesenheit der Huthis in der drittgrößten Stadt des Landes.

Angesicht der eskalierenden religiösen Konflikte im ganzen Land kündigten die USA an, etwa 100 Soldaten der Sondereinsatzkräfte zu evakuieren, die auf dem Luftwaffenstützpunkt Al Anad in der Provinz Lahj stationiert waren. Als Grund dafür nannten sie Sicherheitsrisiken, nachdem Al Qaida-Kämpfer am Freitag kurzzeitig die nahegelegene Stadt Al Houta unter ihre Kontrolle bringen konnten.

Die Huthis, die der schiitischen Richtung der Zaiditen angehören, hatten im August letzten Jahres die Hauptstadt Sanaa besetzt, um gegen Kürzungen der Treibstoffsubventionen zu protestieren. Im Januar eroberten sie den Präsidentenpalast, im Februar zwangen sie Hadi und seine Minister zum Rücktritt. Mohammed Ali Al Houthi, ein Cousin des Huthi-Führers Abdel Malik Al Houthi, wurde daraufhin zum neuen Präsidenten erklärt.

Letzten Monat konnte der bedrängte Hadi aus seinem Hausarrest in Sanaa nach Aden fliehen. Dort organisierte er ihm ergebene Militärkräfte zum Kampf gegen die Huthis, die mit dem früheren langjährigen Diktator Ali Abdullah Salih verbündet sind.

Die Kämpfe zwischen rivalisierenden Fraktionen eskalierten, nachdem der jemenitische Zweig des Islamischen Staates (IS) am Freitag Selbstmordanschläge auf zwei Huthi-Moscheen in Sanaa verübte, bei denen mehr als 130 Menschen getötet und mehr als 300 verwundet wurden.

Am Samstag forderte Hadi in einer Fernsehansprache die Huthi dazu auf, die Kontrolle über Sanaa und andere Städte aufzugeben. Er machte den Iran für die Vorstöße der Huthi verantwortlich und kündigte an, er werde die Milizen wieder in ihre Heimatprovinz Saada im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Saudi-Arabien zurückdrängen.

Der Oberste Revolutionsrat der Huthi veröffentlichte daraufhin eine Erklärung, in der Hadi und die für ihn kämpfenden Kräfte verurteilt wurden. In dieser Erklärung wurden Soldaten, Sicherheitsoffiziere und zivile Freiwillige, im ganzen Land aufgerufen gegen die "terroristischen Kräfte" zu kämpfen.

Die Huthi erhalten finanzielle und militärische Unterstützung vom Iran, und werden außerdem von dem langjährigen Diktator Ali Abdullah Salih unterstützt, der 2012 nach den Massenprotesten während des Arabischen Frühlings, die Macht an den damaligen Vizepräsidenten Hadi abgegeben hatte. Salih lebt mittlerweile im Exil in Äthiopien und genießt noch immer Rückhalt bei Teilen der jemenitischen Streitkräfte, vor allem unter den Spezialeinheiten.

Letzten Donnerstag griffen Salih-treue Truppen den Flughafen von Aden an, um Hadis Anhänger von dort zu vertreiben, konnten jedoch zurückgeschlagen werden. Salih-Anhänger befreiten außerdem 300 Insassen des größten Gefängnisses der Stadt. Berichten zufolge befanden sich mehrere Al Qaida-Kämpfer unter ihnen. Über Hadis Wohnkomplex flogen Maschinen der Luftwaffe und griffen ihn in den letzten vier Tagen mindestens zweimal an.

Am Sonntag traf sich der UN-Sicherheitsrat zu einer nicht öffentlichen Krisensitzung, um über eine mögliche Reaktion auf den eskalierenden Konflikt im Jemen zu diskutieren. Der UN-Sondergesandte im Jemen, Jamal Benomar, erklärte, das Land werde sich in "eine Mischung aus Irak, Libyen und Syrien" verwandeln, wenn die UN nicht sofort handelt.

Letzten Endes ist der amerikanische Imperialismus für das Chaos verantwortlich, das in dem verarmten arabischen Land ausgebrochen ist. Washington hat sich aggressiv in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt, um seine strategische Kontrolle über die nahegelegene Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Indischen Ozean und dem Roten Meer zu sichern, die Asien und den Persischen Golf mit Europa verbindet. Durch seinen andauernden Drohnenkrieg gegen islamistische Aufständische hat der US-Imperialismus Spannungen im Land geschürt.

Der Krieg ist eine der wichtigsten außenpolitischen Inititativen der Obama-Regierung. Er begann im Dezember 2009 mit dem Abschuss eines Marschflugkörpers voller Streubomben auf das Dorf Al Majan in der Provinz Abayan. Bei dem Angriff kamen 41 Zivilisten ums Leben, darunter fünf schwangere Frauen und zweiundzwanzig Kinder.

Der Luftwaffenstützpunkt Al Anad ist einer der wichtigsten Stützpunkte des amerikanischen Militärs und der CIA; von dort aus starteten Drohnen zu Angriffen auf Ziele im Jemen. Salih hatte den Einsatz von Drohnen im Jahr 2009 unauffällig genehmigt, Hadi hatte den Drohnenkrieg nach seiner Machtübernahme 2012 ausdrücklich unterstützt.

Nachdem die Huthi Hadi aus Sanaa vertrieben hatten, deuteten die USA an, sie hätten sich mit den Huthi geeinigt, um ihre Operationen fortführen zu können. Der Unterstaatssekretär für Geheimdienstaktivitäten Michael Vickers erklärte im Januar in Al Monitor: "Die Huthis sind Gegner von Al Qaida, und wir konnten in den letzten Monaten einen Teil unserer Antiterroroperationen fortsetzen."

Der amerikanische Drohnenkrieg, durch den in weniger als sechs Jahren mehr als eintausend Menschen getötet wurden, hat ein Land, in dem seit langem Spannungen zwischen Stämmen und religiösen Gruppen herrschen, in einen blutigen religiös motivierten Bürgerkrieg gestürzt. Dieser hat sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den führenden sunnitischen und schiitischen Kräften der Region - Saudi-Arabien bzw. dem Iran - entwickelt.

Während die Huthi am Sonntag auf Tais vorrückten, forderte der stellvertretende iranische Außenminister Amir Abdollahian Hadi zum Rücktritt auf, um weitere Gewalt im Land zu verhindern. Abdollahian erklärte: "Wir erwarten, dass Präsident... Hadi zurücktritt, anstatt Fehler zu wiederholen, und dass er eine konstruktive Rolle spielt und verhindert, dass der Jemen auseinanderbricht und Aden eine Zuflucht für Terroristen wird."

Vertreter der arabischen Golfstaaten, unter anderem der saudische Innenminister Prinz Mohammed bin Nayef, veröffentlichten am Samstag eine Erklärung, in der sie Hadi als den rechtmäßigen Herrscher des Landes unterstützten und ihre Bereitschaft erklärten, seine Regierung "mit allen Mitteln" zu verteidigen.

In der Erklärung hieß es: "Das Abgleiten des Jemen in einen dunklen Tunnel hat nicht nur für den Jemen schwerwiegende Folgen, sondern auch für die Sicherheit und Stabilität der Region. Die Sicherheit des Jemen und der Staaten des GCC [Golf-Kooperationsrat] sind untrennbar miteinander verbunden."