Stimmen zum International May Day aus Deutschland

Von unseren Korrespondenten
5. Mai 2015

In Deutschland stieß der International May Day auf reges Interesse. In Berlin, Leipzig, Frankfurt und Bochum versammelten sich jeweils größere Gruppen, um das Ereignis gemeinsam zu verfolgen. Die Zuhörer reagierten begeistert auf die umfassende Analyse und klare Perspektive, die in den Redebeiträgen erklärt wurde. Die WSWS sprach mit Teilnehmern der Treffen.

Leipzig

In Leipzig hatten sich Unterstützer der World Socialist Web Site im Soziokulturellen Zentrum „Die Villa“ zusammengefunden, um an der Kundgebung teilzunehmen und anschließend darüber zu diskutieren. Alle waren sich einig, dass es sich um ein historisches Ereignis handle.

„Ich fand den Bericht über Südamerika bemerkenswert. Er hat gezeigt, wie der Nationalismus in die Sackgasse geführt hat und die soziale Ungleichheit heute größer ist als jemals zuvor“, sagte Martin, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten macht.

„Der Internationalismus war für mich das Wichtigste“, erklärte Matthias, der als Techniker im Krankenhaus arbeitet. „Ein Dritter Weltkrieg wird niemanden auf der Welt unberührt lassen. In Japan kämpft man noch heute mit Fehlbildungen wegen zwei relativ kleiner Atombomben. Es wäre eine Illusion zu glauben, ein Dritter Weltkrieg würde nicht nuklear geführt. Ein solcher Krieg ist nur durch die internationale Arbeiterklasse zu verhindern.“

„Deshalb ist die amerikanische Arbeiterklasse so wichtig“, ergänzte Jürgen. „Ich fand es toll, von der Arbeit der SEP in den USA zu hören, von dem Untersuchungsausschuss, den sie in Detroit organisiert haben. Dass die SEP ein wachsendes Echo in der amerikanischen Arbeiterklasse findet, ist eine wichtige Entwicklung. Mich hätten die sozialen Beziehungen in China noch mehr interessiert.“

Auch der Rettungssanitäter Tino fand die Berichte aus den USA hervorragend. „Dass sozialistische Perspektiven in den USA jetzt wieder Gehör finden, zeigt, dass die bürgerliche Herrschaft in den USA bröckelt“, sagte er. „Die SEP ist die einzige Partei, die zu den Arbeitern hält.“

„Besonders bemerkenswert finde ich die Richtigkeit der Analysen auf der WSWS, die heute zum Ausdruck kamen“, meinte Tino weiter. „Sie macht Analysen und zwei Monate später kann man sagen: genau so war es. Das zeigt, dass der Marxismus keine leere Idee von früher ist, sondern lebt. Bei Syriza hat man das sehr gut gesehen. Es wurde vorhergesagt, dass es eine korrupte kleinbürgerliche Bewegung ist, die gleich nach den Wahlen umfallen wird, und es ist genau so gekommen.“

Frankfurt

In Frankfurt trafen sich Teilnehmer aus der Region im Saalbau Gutleut. Unter ihnen war Vangelis, ein griechischer Lehrer. Er war von der Online-Maifeier sehr beeindruckt und sagte: „Die Reden haben eine starke Perspektive vermittelt. Obwohl jeder einzelne Sprecher die Situation aus einem andern Blickwinkel geschildert hat, wurde deutlich, dass alle Probleme in der kapitalistischen Krise eine gemeinsame Ursache haben.“

Vangelis

„Die Kriegsgefahr ist weltweit sehr weit fortgeschritten“, sagte er. „Vor allem die USA greifen zu militärischen Mitteln, weil ihre wirtschaftliche Macht darniederliegt, und China und Russland können dem nichts Fortschrittliches entgegensetzen. Es ist sehr beunruhigend, zu sehen, wie China eingekreist wird, von Afghanistan über Südkorea und Japan bis hin zu Australien.

Die Versammlung hat für alle Arbeiter wichtige Lehren ausgesprochen, beispielsweise über die Situation in Griechenland: Mit der Wahl von Syriza hat sich für die griechische Bevölkerung nichts verbessert, denn Alexis Tsipras hat kein einziges Wahlversprechen gehalten. Das waren nur lauter Lügen. Sobald er an der Macht war, hat er sich um Hilfe an die EU und die deutsche Regierung von Merkel und Schäuble gewandt, aber nicht an die internationale Arbeiterklasse.“

Maria

Maria, die ebenfalls in Frankfurt an der Übertragung teilnahm, sagte: „In den Beiträgen aus allen Regionen der Welt wurde deutlich, wie sich die Krise des Kapitalismus niederschlägt und dass es eine einzige globale Krise ist. Der Wahnsinn wurde klar sichtbar: Die kapitalistische Wirtschaftsform bringt nur noch Kriege, materielles Elend und Unterdrückung hervor. Sie führt die Menschheit an den Abgrund.“

Ein 84-Jähriger erinnert sich

Das 84-jährige PSG-Mitglied Werner Siepmann verfolgte altersbedingt die Kundgebung von zuhause aus. Er war begeistert von der Perspektive und gleichzeitig schockiert von der Bemerkung Ulrich Ripperts, des Vorsitzenden der PSG, dass die Bundeswehr plane, eine Image-Kampagne für die Armee an den Schulen zu starten.

„Ich bin dem aktiven Gemetzel im Zweiten Weltkrieg nur durch sehr viel Glück entronnen“, berichtete er. „Ich war 1944/45 in der Kinderlandverschickung und evakuiert in der Tschechoslowakei. Am 21. April habe ich Geburtstag. Zwei Tage zuvor waren wir von der Waffen-SS mit 2000 anderen Kindern und Jugendlichen in den Kurpark geführt worden. Dort wurde uns gezeigt, wie wir angeblich mit dem Feind umgehen müssen.“

Es sei gespenstisch gewesen. „Am Tag danach trat ich mit vielen Freunden im gleichen Alter die Rückfahrt nach Deutschland an. Am 20. April, an Hitlers Geburtstag, stand unser Zug in Prag“, erzählte er.

„Alle über 14 mussten raus in den Krieg. Viele sind umgekommen, darunter auch zwei Brüder, die ich gut kannte. Sie sind gefallen – mit 14 Jahren. Mein Glück war, dass der Zug ein paar Stunden vor Mitternacht weiterfuhr. Nur ein paar Stunden später, und ich hätte auch noch an die Front gemusst. Ob ich dann heute leben würde ist fraglich.“

Er betonte, es müsse alles unternommen werden, damit es nicht noch einmal zu einem Krieg kommt. Der nächste Krieg würde der letzte sein.

Berlin

In Berlin trafen sich Mitglieder und Unterstützer der Partei für Soziale Gleichheit im Centre Français und verfolgten dort über Leinwand den May Day.

André, der als Softwareentwickler arbeitet, sagte, er habe viel gelernt. Beeindruckend fand er etwa den Beitrag von Julie Hyland über die Flüchtlingsfrage. „Sie hat gezeigt, dass es die Krise des Kapitalismus ist, die zu der Hetze und dem brutalen Vorgehen gegen die Flüchtlinge führt. Und dass die skurrile Argumentation, dass für die Flüchtlinge kein Platz sei, historische Vorläufer hat, etwa im Umgang mit den jüdisches Flüchtlingen in den 30er Jahren.“

Außerdem sei klar geworden, dass erst die imperialistische Politik im Nahen Osten zu den Flüchtlingsströmen geführt habe.

Als anderen wichtigen Teil des May Day bezeichnete André die Beiträge aus Sri Lanka, Australien und Neuseeland. „Ich habe gewusst, dass der Ukraine-Konflikt und das Vorgehen im Nahen Osten direkt zum Ausgangspunkt zu einem dritten Weltkrieg werden können. Aber dass auch die Situation in Asien, zwischen Indien und Pakistan oder China und Japan soweit fortgeschritten ist, war mir in dem Ausmaß nicht bewusst.“

Das unterstreiche, dass die einzige Lösung eine internationale Bewegung der Arbeiter sei. „In dem Zusammenhang ist es interessant, dass die pseudolinken Gruppen in der Region versuchen, die Arbeiter entlang ethischer und sprachlicher Linien zu spalten.“ Auch das habe er so nicht gewusst.

Bochum

In Bochum kamen rund ein Dutzend Mitglieder und Sympathisanten zusammen. Sie verfolgten gespannt die Redebeiträge der führenden Mitglieder des IKVI.

Denis, Student aus Dortmund, meinte, dass „jeder gesprochene Satz, elektronisch übertragen auf sechs Kontinente, zugleich objektiv und leidenschaftlich“ war. „Die erste Rede von David North gab die Quintessenz dieser weltweiten Onlinekundgebung“, sagte er. „Der International Mayday verleiht der Antikriegsstimmung der Weltbevölkerung eine bewusste Stimme.“

Angesichts der drohenden Kriegsgefahr liefere das IKVI eine Analyse der ökonomischen, geopolitischen und sozialen Situation, unter der Millionen von Menschen leiden. Er war anschließend hoch motiviert: „Die wichtigste, weil drängendste Aufgabe, ist es, die internationale Arbeiterklasse unter einem revolutionären Programm zu vereinen und den Kampf gegen Krieg mit dem Kampf für Sozialismus zu vereinen.“ Die Online-Kundgebung sei dabei ein wichtiger Schritt.

Köln

In Köln hatte Katharina die Online-Kundgebung gemeinsam mit Freunden verfolgt. Sie zeigte sich überzeugt, dass die internationale Vereinigung der Arbeiterklasse gegen Krieg und Imperialismus die einzige Perspektive sei, der Gefahr eines Dritten Weltkriegs zu begegnen. „Kein anderer übernimmt auch nur den Versuch, gegen Krieg und Imperialismus aufzutreten“, sagte sie. „Das IKVI ist die einzige Organisation, die Verantwortung übernimmt und auch imstande ist, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Es geht hier um das Überleben der Menschheit.“

Nach den Redebeiträgen diskutierten sie und ihre Freundin über den Aufruf, für den internationalen Sozialismus einzutreten und sich dem IKVI anzuschließen. „Ich werde mir nochmal das Buch von Alexander Rabinowitsch ‚Die Sowjetmacht – Das erste Jahr‘ vornehmen“, sagte sie. Darin schildert der amerikanische Historiker die Politik der Bolschewiki im Jahr nach der Oktoberrevolution.