Duisburg: Arbeiter von ThyssenKrupp Stahl verurteilen Angriffe auf griechische Bevölkerung

Von unseren Korrespondenten
24. Juli 2015

Die WSWS sprach an den Toren des ThyssenKrupp-Werks in Duisburg mit Stahlarbeitern über die Angriffe auf die griechischen Arbeiter.

In dem Werk mit 13.000 Beschäftigten war erst letzten Monat der Betriebsrat neu gewählt worden. Die IG Metall hatte massive Einbußen erlitten, weil der Unmut über den von ihr dominierten Betriebsrat stark angewachsen ist. Seit Jahren arbeiten Betriebsrat, Gewerkschaft und Konzernspitze bei Angriffen auf Löhne und Arbeitsbedingungen eng zusammen. Anfang des Jahres gab es immer wieder Spekulationen, dass sich ThyssenKrupp sogar ganz von seinem Stahlbereich mit derzeit etwa 26.000 Arbeitsplätzen trennen könnte.

Die Arbeiter, mit denen die WSWS beim Schichtwechsel sprach, kamen sofort auf die katastrophalen Angriffe auf die griechische Bevölkerung zu sprechen. Ihnen ist bewusst, dass es sich dabei um einen beispiellosen Angriff auf die Arbeits- und Lebensbedingungen handelt. Auch die Hauptverantwortlichen sind klar: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Ein älterer Arbeiter schimpft: „Es ist eine Frechheit, was die der Bevölkerung, besonders aber den Rentnern zumuten.“ Sie seien die Leidtragenden. Die Reichen hätten ihr Geld im Ausland. „Sie kommen aus all dem mal wieder ungeschoren davon.“ „Aber“, schließt er, „das ist in Deutschland ja nicht anders“. Sein Kollege pflichtet ihm bei: „Wenn das alles schief geht, werden wir Steuerzahler hier in Deutschland auch die Dummen sein. Das zahlen dann alles wir.“

Der 22-jährige Benedikt sagt: „Im Prinzip ist das ganze Geld, das nach Griechenland floss, ja nicht an die Bevölkerung gegangen, sondern an die Firmen, und das ist für mich der Haken an der Sache… Es ist ja immer so, dass die Bevölkerung am wenigsten von allem abkriegt.“ Dass sie nun allein das Sparprogramm auferlegt bekommt, passe dazu. „Im Moment ist es ja so, dass die Firma, die Milliardenumsätze macht, die Gewinne ins Ausland schafft und in Griechenland keine Steuern zahlt, und der Rentner, der ehe schon nur eine kleine Rente hat, noch mehr beschnitten wird.“

Lukas zeigt sich darüber verwundert, dass ein Referendum mit so klarem Ausgang keine Beachtung findet. Der junge Stahlarbeiter sagt: „Das geht doch gar nicht, die Volksabstimmung der Griechen einfach zu ignorieren.“ Die Bevölkerung habe sich doch klar gegen das Sparprogramm ausgesprochen. Und dann werde dieses Programm nicht nur von der Bundesregierung und der EU, „sondern auch noch von der griechischen Regierung“ beschlossen.

Lukas ist erschrocken über die hohe Arbeitslosigkeit, gerade unter Gleichaltrigen. „Die Arbeitslosigkeit liegt doch bei – glaube ich – 25 Prozent und bei jüngeren sogar bei 50 Prozent. Das ist viel, zu viel.“

Lukas weist auch darauf hin, dass die Bevölkerung die Kürzungen trage muss, während beim Militär nicht gespart werde. „Die wissen schon, warum sie das rausgehalten haben. Da profitieren doch vor allem deutsche Rüstungsfirmen.“

Mesut spricht aus, was auch mehrere andere Arbeiter spontan zum Ausdruck bringen: „Was der griechischen Bevölkerung aufgezwungen wird, ist ein Unding. Eigentlich müsste man protestieren und auf die Barrikaden gehen.“ Aber aus Erfahrung wüssten die meisten ja auch, „dass das nichts bringt“.

Eines der Hauptprobleme sieht Mesut darin, dass es keine Partei gibt, die sich für die Interessen von Arbeitern und Rentnern und erst Recht nicht von Arbeitslosen einsetzt. „Keiner vertritt uns, egal ob die beiden großen Parteien CDU und SPD oder die anderen. Auch die Linke ist da nicht anders.“ Sie ließen ihren Worten niemals entsprechende Taten folgen: „Sie erzählen das eine, machen aber etwas anderes.“ Momentan wisse er nicht, was er nächstes Mal wählen werde.

Auch über die Gewerkschaften ist Mesut empört. „Seit 1982 war ich in der IG Metall. Dieses Jahr bin ich endlich ausgetreten.“ Eigentlich habe er schon vor zehn Jahren austreten wollen, nachdem die IG Metall einen Arbeitskampf ausverkauft hatte. Damals, 2005, hatte sich die Mehrheit der Stahlarbeiter in einer Urabstimmung für einen Streik ausgesprochen. Doch bevor es dazu kam, akzeptierte die IG Metall einen lausigen Abschluss.

„Ich kam mir total verarscht vor“, kommentiert dies Mesut. „Die lassen uns abstimmen und halten sich dann nicht daran. Undemokratischer geht es nicht. Damals hatte ich es mir dann doch noch anders überlegt, aus Solidarität.“ Inzwischen sei er aber „weiter“. „Ich will denen [dem IGM-Vorstand] keinen Cent mehr geben. Wo gehen denn die ganzen Millionen hin, die die Arbeiter abführen? In Streiks auf jeden Fall nicht.“

Die Gespräche mit den Duisburger Stahlarbeitern haben zwei Dinge deutlich gemacht. Erstens verstehen sie, dass die griechische Bevölkerung im Interesse der europäischen Banken und Konzerne geplündert wird und dass dies kein griechisches Problem ist. Alle europäischen Arbeiter sind mit ähnlichen Angriffen konfrontiert, wenn auch noch nicht in dem katastrophalen Ausmaß wie in Griechenland. Zweitens verteidigt keine etablierte Partei die Interessen der Arbeiter und tritt den Banken, Konzernen und Regierungen entgegen.

Die Diskussionen an den Toren des Duisburger ThyssenKrupp-Werks unterstreichen die Dringlichkeit, die Partei für Soziale Gleichheit in Deutschland und Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale als neue revolutionäre Arbeiterpartei in ganz Europa aufzubauen.